Probleme! · 25. Mai 2017

Die Englische Schreibschrift zu setzen, ist wegen der empfindlichen Überhänge der Typen nicht ganz einfach.

Auch muß mit Augenmaß der Wortzwischenraum eingesetzt werden, weil er wegen der langen Schwünge mancher Versalien einerseits, zu dicht stehenden Minuskeln andererseits unterschiedlich weit gemacht werden muß.

Die Karte ist im Raritätenkabinett online erhältlich und wird mit einem gefütterten Kuvert ausgeliefert.

— Martin Z. Schröder

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Kinder in der Druckerei – Mit Bleisatz gegen LRS · 6. Oktober 2016

Das Kürzel LRS bezeichnet dreierlei: Lese-Rechtschreibschwierigkeiten, -störung oder -schwäche. Dieses Phänomen soll vorliegen, wenn die Leistungen eines Kindes im Lesen und Schreiben oder einem von beiden deutlich unter dem Niveau der Altersnorm, der Schulklassennorm oder der gemessenen Intelligenz und daran geknüpfter Erwartungen liegen. Die Fachleute sind sich über die genaue Definition nicht einig; hier und da wird auch über genetische Bedingungen von Legasthenie oder physische und psychische Voraussetzungen für diese Probleme gesprochen. Einig sind sich die Fachleute aber über den Tatbestand der Normabweichung. LRS ist also, einfach ausgedrückt, wenn jemand schlechter lesen und schreiben kann, als seine Umwelt es von ihm erwartet.

Wenn dem Kind mit schlechten Lese- und Rechtschreibfertigkeiten in der Schulkarriere Entwicklungswege versperrt werden, wenn die Eltern unzufrieden sind und das Kind darunter leidet, wenn es von Mitschülern oder Freunden oder Verwandten für seine minderen Leistungen beim Lesen und Schreiben verhöhnt und ausgelacht wird, dann sollte überlegt werden, dem Kind zu helfen, seine Lesefähigkeit und sein Schreibenkönnen zu verbessern, ganz gleich, wie man die Probleme mit der Schriftsprache nennt.

Ob die Abweichung von der Norm rechtfertigt, die nach dieser Vorstellung mangelhafte Leistung des Kindes als Schwierigkeit, Störung, Schwäche oder gar Krankheit einzuordnen, sei dahingestellt. Ich halte es nicht für sinnvoll, diese Kategorien zu bemühen, weil die Entwicklungsunterschiede von Kindern deutlich über die starren Vorstellungen von Klassenstufen hinausreichen. Von bis zur vier Jahren Entwicklungsunterschied sprechen Fachleute bei Grundschülern, und der Entwicklungsprozeß verläuft freilich nicht auf allen zu entwickelnden Feldern gleichmäßig.

Mit der Druckerei und der Bleisatztechnik von Gutenberg möchte ich einen neuen Zugang zur Schriftsprache anbieten, und ich bin überzeugt davon, diesen Zugang jedem Kind eröffnen zu können.

Das Konzept wird in diesem PDF ausgeführt.

— Martin Z. Schröder

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Ein Vortrag über den Bleisatz in unserer Zeit · 17. Juni 2016

Vor genau einer Woche hielt ich auf einer Tagung über den Buchdruck einen Vortrag, den man hier im PDF nachlesen kann.

— Martin Z. Schröder

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Falsch gegriffen · 16. Juni 2016

Nachdem er ein längeres Gedicht gesetzt, korrigiert und wieder abgelegt hat, fertigte der 15jährige Praktikant eine Karte für den eigenen Bedarf. Den Namen des Computerspiels habe ich aus lizenzrechtlichen Gründen abgedeckt.

Daß die Karte zwei Fehler enthält, habe ich erst am Abend gesehen, als die Auflage gedruckt war und ich die Fotos machte. Aber wer die Karte nur liest und nur flüchtig hinschaut, wird es gar nicht bemerken.

— Martin Z. Schröder

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Workshop Bleisatz und Buchdruck, auch Letterpress genannt · 2. Oktober 2014

Gelegentlich werde ich gefragt, manchmal bekomme ich Briefe: »Wann bieten Sie mal wieder einen Workshop an? Setzen Sie mich doch bitte auf Ihre Warteliste, vielleicht finden sich noch 3 Leute, das könnten Sie ja mal auf Facebook posten. Bitte denken Sie unbedingt an mich, wenn sich die Gelegenheit bieten sollte. Ich möchte unbedingt einen Kurs mitmachen.«

So poste ich also nun hier und (automatisch) auch dort. Der Workshop wird im Online-Shop für vier Personen und vier Stunden mit 300 Euro brutto inkl. MWSt. angeboten. Ich habe auch schon Workshops für sechs Personen gegeben, die über sechs Stunden gingen. Für sechs Stunden und sechs Personen läge der Preis bei 460 Euro brutto. Das ist pro Nase etwas billiger.

Was findet da überhaupt statt? Jeder bekommt einen Winkelhaken in die Hand und stellt sich damit an den Setzkasten. Der Schriftsetzer zeigt, wie es geht, und dann kann man ein Gedicht oder eine Visitenkarte oder eine Briefkarte setzen. In den sechs Stunden sind ein bis zwei kleine Drucksachen in kleinen Auflagen zu machen. Nach dem Setzen richte ich die Druckform ein und den Boston-Tiegel, und dann drucken die Teilnehmer ihre Akzidenzen selbst auf dem etwa hundert Jahre alten kleinen Handtiegel.

Nach Absprache kann man auch andere Dinge tun, Holzbuchstaben drucken, eigene Linolschnitte mitbringen zum Drucken oder auf dem Trödelmarkt erworbene Klischees. Das kann aber einen eigenen Aufwand erfordern, es wäre zu besprechen.

Wer sich dafür interessiert, daß ich ihn mit anderen Interessenten zusammenbringe für einen solchen Workshop, möge mir bitte eine Nachricht per E-Mail senden.

— Martin Z. Schröder

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Ende der Funkstillen · 18. September 2014

Es gibt Workshops, und es gibt Ideen. Der Grafikdesigner Jan Bisson brachte einige mit, und im Gegenzug zeigte ich ihm ohne das Buchen eines Workshops, wie man in Blei einen Glatten Satz (Blocksatz) herstellt, bei dem durch das Verringern oder Erweitern der Wortzwischenräume nach einem umfangreichen Regelwerk alle Zeilen auf eine Länge gebracht werden. In der sogenannten Spitzkolumne verjüngt sich der Block nach unten. Die Idee, eine Karte zur Unterbrechung oder zum Beenden einer Kommunikationspause (Funkstille) zu drucken, gefiel mir so gut, daß wir ein Produkt daraus gemacht haben. Text und Entwurf sind von mir, und dem Bleisatz zeigte sich der talentierte Mr. Bisson absolut gewachsen: Ich kann mich nicht erinnern, wann zuletzt jemand mit so kurzem Anlauf eine so hohe Satzqualität zustande gebracht hat. Wenn die Zeilen nämlich nicht gleichmäßig ausgeschlossen sind, bekommt das der Drucker im Schließrahmen der Druckmaschine unangenehm zu spüren.

Die Regeln für das Ausschließen im Handsatz habe ich vor etlichen Jahren einmal als Unterrichtsmaterial zusammengefaßt, man kann sie hier herunterladen.

Diese Karte wird im Raritätenkabinett der Werkstatt angeboten. Handsatz aus Walbaum, die Überschrift wurde aus der Unger-Fraktur gesetzt.

Auf diesem Foto ist der Text besser zu lesen, in der Vergrößerung zeigen sich allerdings auch Schwächen der Schrift, die man in Originalgröße nicht erkennt.

Auch das Ornament ist aus Blei. Und wir haben einige Zeit überlegt, welches wir aus dem Fundus wählen.

Es sollte zur Schrift passen, durfte nicht zu lang sein, damit man die Karte als Absender unterschreiben kann. Und es sollte der gesamten Form einen guten Schluß geben.

Auf diesem Bild sieht man eine kleine Bleisatz-Eigenheit: In dem Wort »begreiflich« werden »f« und »l« nicht zur Ligatur verbunden. Setzt man sie aber einzeln unbedacht zusammen, würde der überhängende Kopf vom »f« keinen Platz haben, sondern abbrechen. Also wurden hier sogenannte Spatien (einen halben und einen viertel Punkt – 1 Punkt = 0,376 mm) zwischen die beiden Lettern gesetzt, um dem Kopf vom »f« den erforderlichen Raum zu geben.

Der zusätzlich gesetzte Raum zwischen den beiden Buchstaben stört im Druckbild nicht. Man denkt sich nur: Schade, daß es keine Variante des Versal »V« mit Überhang gibt, dieses Loch schlösse man doch gern.

— Martin Z. Schröder

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Studentische Bleisatz-Themen · 27. Januar 2014

Berliner Design-Studenten waren zu Besuch für eine kleine praktische Einführung in den Bleisatz: Ein paar Zeilen setzen, Versalausgleich, Formatberechnung, Papierschneiden, Andruck, Korrekturen, Auflagendruck auf dem Boston-Tiegel.

Gesetzt wurden Vierzeiler, sowohl mitgebrachte als auch von mir ausgesuchte. Alle versehen mit einer Überschrift, um den Versalausgleich einmal im Winkelhaken zu üben.

Nebenbei bespricht man, wo auf einem Format man einen Text hinstellt. Läßt man zum Beispiel Platz für eine Zeichnung aus der Hand des Druckereibesitzers?

Die Pracht-Antiqua ist keine schöne Schrift, aber Anfänger lasse ich nicht an meine besten Setzkästen, und ihrem Zweck diente sie genügend.

Auch für Shakespeare.

Weil die jungen Leute sehr schnell waren, konnten sie sich noch selbst etwas basteln.

Es sind wohl typische studentische Themen, …

… die mit diesen Karten aufgegriffen wurden.

— Martin Z. Schröder

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Das schönste Papier · 20. Januar 2014

Vor einer Woche bekam ich eine Lieferung mit 500 Bogen Echt Bütten von Zerkall in 95g/m². Bevor ich die Druckmaschine einrichte, nehme ich die Bogen aus der Verpackung. Etwas stimmt nicht mit dem Papier. Ich drucke seit über zwanzig Jahren auf Zerkall-Bütten, aber diese Bogen sind anders als sonst.

Ich greife von meinem Lagerbestand einen Bogen, sieh da, er ist deutlich glatter als die neue Lieferung. Ich weiß, daß mein Kunde die Glätte des Büttens schätzt, er schreibt mit der Feder auf dem Papier. Weil ich beim Papierhändler Römerturm auf die Schnelle niemanden erreiche und es mir nicht unmöglich erscheint, daß nun auch Zerkall die Produktionsweise geändert hat, wie das die großen Papiermühlen alle naselang tun, denk ich mir in meiner Ungeduld: Fragste direkt bei Zerkall nach. Wenn die Produktion geändert wurde, wäre eine Reklamation ohnehin sinnlos.

Ans Telefon geht bei Zerkall ein freundlicher Herr, der mich nach kurzer Schilderung meines Begehrs vermittelt, und wer meldet sich am Apparat? Kürzlich habe ich meine Schwierigkeiten mit der Telekom geschildert, und jeder kennt es von Dienstleistern: je größer das Unternehmen, desto weniger fühlt sich jemand für die Kunden zuständig, man wird herumgeschubst. Aber wen bekomme ich bei Zerkall zu sprechen? Herr Renker meldet sich, der Geschäftsführer, Nachkomme in vierter Generation des Gründers von Zerkall-Bütten, der 1903 mit der Rundsiebbütten-Produktion begonnen und die Firma berühmt gemacht hatte. Wir haben uns ein Weilchen sehr freundlich unterhalten über unsere Handwerke. Und nachdem mein Papierhändler Römerturm sich die Mühe machte, den Hersteller zu besuchen und die Bogen verglichen hatte, bekam ich eine Ersatzlieferung direkt aus der Papiermühle: Ein Traum aus Papier.

500 Bogen im Stapel: das ist wie ein schwerer Block, der wegen der Glätte des Papiers ganz leicht seine Blockgestalt verlieren kann. Will man das Papier im Stapel heben, muß man es sehr sanft und gleichmäßig fassen, weil die Bogen so weich sind, daß sie in alle Richtungen abknicken können, was Spuren hinterlassen würde. Auch ein zu fester Griff ins Papier hinterließe Spuren. So weich sind diese Bögen, weil Echt Bütten nicht über Bänder läuft, die Fasern sich also auch nicht gleichmäßig in eine Richtung legen, in die sogenannte Laufrichtung, was jedem anderen Papier in eine Richtung Stabilität gibt. Das Papier erinnert an einen glatten kühlen Stoff: an Seide. Weil es so schwer ist und glatt und weil es so weich fällt.

Auf diesem Bild sieht man den Glanz der Oberfläche, deren Glätte das Schreiben ganz leicht werden läßt. Es ist nicht leicht zu fotografieren, aber ein wenig sieht man es hier.

Und hier kann man erkennen, daß dieser Glanz nicht von einer Schicht herrührt, wie bei gestrichenen Papieren, sondern daß es mechanisch herbeigeführte Glätte ist, die die Oberfläche des Papiers nicht gänzlich verschließt.

Die Büttenränder wurden abgeschnitten, damit der Briefbogen in einen kleineren Umschlag paßt. Ein sehr schönes Format ergibt sich daraus. Bedruckt habe ich den Bogen mit Bleisatz aus Garamond. Die fertige Arbeit kann ich natürlich nicht zeigen, es handelt sich ja um eine Privatakzidenz. Aber das Aufeinandertreffen von zwei Handwerken, die mit einem gewissen Starrsinn seit Jahrzehnten an ihren jahrhundertealten Produktionsweisen festhalten, bringt ein bedrucktes Blatt Papier hervor, wie es eben auch vor 100 Jahren hergestellt wurde und an Schönheit kaum zu übertreffen ist.

— Martin Z. Schröder

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Supertanker · 10. Oktober 2013

Im Auftrag von und gemeinsam mit Anders Hofgaard vom Grafikdesignstudio NODE Berlin Oslo habe ich den Schriftzug für eine Visitenkarte in der Werkstatt entwickelt. Aus sehr verschiedenen Bleisatz-Typen sollte das Wort SUPERTANKER gesetzt werden. Zuerst habe ich alle Schriften aufgestellt, die in den Schriftgraden 3 Cicero und Konkordanz (4 Cicero) vorhanden sind. Dann haben wir eine erste Auswahl zusammengestellt.

Diese erste Auswahl wurde im Winkelhaken ausgeschlossen und im Heidelberger Tiegel angedruckt.

Die Lücke zwischen A und N ist hier durch das kursive Garamond-N größer als nötig. Das E aus der Schrift Legende erinnerte uns zu sehr an das Euro-Zeichen. Und das R am Ende aus der Zeitungsgrotesk ist zu brachial.

Nach den Änderungen gefiel uns der Rhythmus nicht. Auf der rechten Seite ist der Schriftzug zu leicht, das N in der Mitte aus der Zeitungsgrotesk fällt zu sehr aus dem Rahmen.

P aus der Walbaum, N aus der Trump. Die Abstände wurden etwas ausgeglichen und der Zeilenabstand so stark wie möglich verringert.

Diese Variante wurde in der Auflage gedruckt.

Und so sieht die Druckform aus. Eine schöne Arbeit war das, ich danke herzlich für diese Stunden.

— Martin Z. Schröder

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Ermäßigt durch alle Lebenslagen · 2. August 2013

Nun ist der schöne Ermäßigungsausweis fertig. Für das Dienstsiegel habe ich in meinem Fundus diesen Stempel aus Bleisatz und Messingkreisen gefunden. Ich habe ihn schon so lange, daß ich mich seiner Herkunft nicht entsinnen kann. Nur, daß er aus einem Berliner Betrieb kommt, weiß ich noch. Mit einer ganzen Sammlung solcher Sätze, deutsch und russisch.

Gereinigt sieht er so aus.

Und hier ein Abdruck in ganzer Schönheit, denn auf dem Ausweis ist nur ein Ausschnitt sichtbar. Von einer des Russischen Kundigen erfuhr ich die Übersetzung: Veterinarnii Braz heißt Veterinärarzt. (Korrektur nach Kommentar: Weterinarnij Wratsch) Es ist der Stempel eines Tierarztes namens Nikolai Jakowlewitsch Melnik.

Und dies ist nun das gute Stück. Handgesetzt, dreifarbig gedruckt auf dem Heidelberger Tiegel, zugeschnitten und geöst. Die Ausweise sind numeriert. Eine genaue Beschreibung dieses begehrenswerten Dokumentes habe ich im Online-Shop notiert, wo man den Ermäßigungsausweis kaufen kann.

— Martin Z. Schröder

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Eine Ermäßigungserschleichungsdrucksache · 31. Juli 2013

Auf Wunsch des Zeichners und Comicduomitglieds Elias Hauck von Hauck & Bauer fabriziere ich dieser Tage einen Ausweis, der überall eingesetzt werden kann, wo es etwas zu erschleichen gibt. Das Dokument von der Deutschen Ermäßigungsanstalt wird im Handsatz hergestellt, die vielsprachige Kurzübersetzung links unten ist gesetzt aus schmalmagerer Futura in Nonpareille (6 Punkt), das Dienstsiegelfeld aus magerer Futura in Nonpareille, der Haupttext aus Schreibmaschinenschrift in Petit (8p) und die Überschrift aus dreiviertelfetter Futura in Korpus (10p), die dem Desktop-Schriftsetzer übrigens immer noch nicht zur Verfügung steht.

Ein kleines Zählwerk aus serifenloser breiter Schrift, damit jeder Ausweis ein Unikat ist.

Mit roter Farbe wurden beide Druckformen eingerichtet.

Dann wurde zuerst der rote Querstrich gedruckt.

Und darüber in schwarz der Textsatz. Nun folgt noch der Eindruck des Dienstsiegels, denn die Ermäßigungsanstalt kann nicht jeden Ausweis von Hand stempeln, weil sie ihr Personal gegen Null ermäßigt hat. Danach wird der Ausweis zugeschnitten und bekommt dann noch eine Öse links oben. Einfach beim nächsten Kinobesuch ausprobieren. Demnächst im Shop zum mäßigen Preis zu haben. In meinem Unternehmen wird der Ermäßigungsausweis nur willkürlich anerkannt, also fast nie.

— Martin Z. Schröder

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Altfettentsorgungsanlagenwerbung in Signalrot und Neongrün · 12. Mai 2013

Es sind keine echten Neonfarben, ich will ja niemanden quälen und habe ins Grün ein paar Silberpigmente und etwas Schwarz gemischt und ins Rot etwas Deckweiß, Bordeaux und Bologneser Kreide. Sind meine verehrten Leser eigentlich damit einverstanden, daß ich die Fotos etwas vergrößere? Wenn man auf die kleinen Bilder klickt, öffnet sich eine Vergrößerung, die seit den Schuber-Fotos größer geworden ist. Ist es recht so oder bekommt jemand Probleme damit?

Die Einlage vor dem Rillen. 65 Stück werden es sein, 50 kommen in die Schuber, und die 15 Künstlerexemplare bleiben beim Autor und bei mir. Fürs Erbe.

In diesem Impressum entdeckte ich beim Andruck mit der Lupe (es ist eine sehr kleine Type, Schriftgrad Nonpareille, also 6 Punkt, und das in Hellgrün, ein giftjes Augenpulver) den Zwiebelfisch. Und dachte bei mir, der habe sich die Stelle ausgesucht, die ich ausgesucht hätte, stünde ich vor der Aufgabe, einen geeigneten Platz für einen Zwiebelfisch zu finden. Deshalb ließ ich ihn stehen. Beim Ablegen kommt er natürlich nicht zurück zur kursiven Walbaum, sondern in den eigenen Kasten.

Damit die verehrten Leser nicht vergessen, wie der Heidelberger aussieht.

In der roten Form stecken nur die Englische Zierlinie und die rote Titelzeile.

Alles Handsatz, was sonst.

Die Beilagen wurden am Sonnabend gerillt, heute werden Pakete gepackt, und am Montag gehen die ersten auf die Reise. Noch sind im Online-Shop Schuber-Editonen zu haben. Der Preis wird (etwas schwächer als kunstmarktüblich) steigen, wenn die ersten 20 verkauft sind.

— Martin Z. Schröder

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Visitenkartenmuster · 9. Mai 2013

Die meisten davon gehören zur Mustermappe der Druckerey. Herzlichen Dank für den kleinen Filmausschnitt dem vielseitigen Robert Patz.

— Martin Z. Schröder

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Zwei Altfettentsorgungsanlagenreklamefußnoten · 7. Mai 2013

Und eine Altfettentsorgungsanlagenreklamefußnotenattrappe

Nachdem mir Heike Sommerfeld freundlicherweise die Gefahr vor Augen führte, daß Fett sich bei Wärme selbständig machen und weglaufen kann, wenn es sich nicht um sehr träges Fett handelt, habe ich vom Fettfleckprojekt wieder Abstand genommen. Die Beilage wird fleckenfrei ausgeliefert. Ich könnte natürlich beim Rillen der Karten, fällt mir bei der Niederschrift dieser Zeilen ein, für fettige Finger sorgen. Die Fettflecken wären so schwach, daß das Fett nicht wandern sollte. Aber Ach und Weh!, wenn es das denn doch tut. Ich laß es sein mit dem Fett. Das Foto zu diesem Absatz zeigt die Farbe, mit der ich den Text innen gedruckt habe. Eine Mischung aus Weiß, Schwarz, Rot, Blau und Silber. Ein guter Schleim für eine Altfettentsorgungsanlagereklame.

Im Tiegelfarbwerk sieht der Spaß dann so aus.

Gedruckt allerdings Grau; Silber und Rot schlagen nicht durch. Es kommt noch ein Rosa oder Pink dazu.

In der Architektur gibt es Täuschungen, die man einsetzt, um Symmetrien herzustellen. Falsche Türen beispielsweise. Ich habe die linke Fußnote mit Schmuck auf dieselbe Größe aufgeplustert wie die rechte, damit das Blatt recht symmetrisch wirkt.

Aber ich weiß nicht, wie man so etwas nennt. Einfach nur Attrappe? Möglicherweise gibt es diese optischen Attrappen auch in anderen Berufen. Bei Schönheitschirurgen, Zahnärzten, Konditoren? Wie nennt man solches?

Das ist die Druckform für den Innenteil. Ziemlich viel Aufwand für eine Auflage von fünfzig Stück.

— Martin Z. Schröder

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Butterstullenwerfen mit Messinglinien · 29. April 2013

Hat man so was schon gesehen? Ich glaube, man hat so etwas in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts gesehen, den strömungsreichen, als Jugendstil und Bauhaus ineinanderflossen und alles erlaubt war, was interessant erschien.

Die Überschrift wurde aus der halbfetten Walbaum gesetzt, die Reime aus der kursiven.

Sechs Druckgänge hat die Karte durchlaufen. Vier Blautöne, dazu Gelb und für den Text Braun. Ein kleines Impressum steht auf der Rückseite.

An solchen grafischen Arbeiten zeigen sich die technischen Spuren. Nicht nur in der leicht abgenutzten Schrift. Die kursive Walbaum ist noch ganz gut in Schuß.

Die Flächen sind aus Messinglinien zusammengesetzt, und diese Linien zeigen auch im Druckbild deutliche Abnutzungsspuren. Es gibt etliche Tricks, wie man die Flächen gleichmäßig füllen und die Lücken schließen kann, aber diese Störungen machen die Fläche erst lebendig. Auch diese Karte ist in der Fontane-Abteilung des Online-Shops erhätlich.

— Martin Z. Schröder

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Melrose Abbey · 20. April 2013

Als Fontane diese bedeutendste schottische Ruine besuchte, fand er im Kirchhof einen Grabstein mit dieser Inschrift. Wenn ich es richtig verstehe, übersetzte er den Text ins Deutsche. Ich gebe zu, nicht recht zu wissen, zu welchem Anlaß man diese Karte verschicken kann. Vielleicht als melancholischen Gruß?

Mir gefiel der Text so gut und erschien der Entwurf so einfach, daß ich einfach eine kleine Auflage gedruckt habe.

Der Text wurde aus der Schrift Delphin in Blei von Hand gesetzt. Die Karte ist in der neuen Rubrik Fontane im Online-Shop erhältlich. Da sie mir auch als tröstliche Kondolenzkarte geeignet erscheint, findet sich die Karte auch bei den Kondolenzofferten.

Ergänzung von Arne Janning: Die Grabinschrift war bereits berühmt, ehe Fontane nach Melrose Abbey kam, in Deutschland zum Beispiel durch Hermann von Pückler-Muskau in seinen “Briefen eines Verstorbenen” von 1831 beschrieben und auch übersetzt. Die “Briefe eines Verstorbenen” ist eines der am meisten gelesenen Bücher des 19. Jahrhunderts, Fontane hat es sicher gekannt. Seine Übersetzung ist also nur eine von vielen seiner Zeit – wenn auch vielleicht die schönste.

— Martin Z. Schröder

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Endlich einmal Fontane · 16. April 2013

Jetzt erscheint es mir merkwürdig, daß ich noch nie eine Karte mit einem Fontane-Text gedruckt habe. Ich wurde von wohlmeinender Einkäuferin nämlich gemahnt, nicht nur schwungvolle und jugendfrische Texte herzustellen. Zu wenige Karten gebe es bei mir, die man als Greis versenden wolle, sowohl an andere Hochbetagte als auch an jüngere Menschen. Letzteren könne man schon Ermutigungskarten senden, aber die Alten stellten sich andere Fragen. Verlange es den gereiften Korrespondenten nicht auch einmal nach besinnlicherem Dichterwort?

Fontane wurde verlangt, Fontane wird sehr gern gegeben. Wundersam, daß ich den noch gar nicht hatte. Nun also bis heute. Hier die erste Karte, jedem Lebensalter gemäß immerhin. Ich habe gar nicht so viele Spiegel, hinter die ich sie stecken möchte, die freundliche Aufforderung, gelassen zu bleiben.

Handsatz aus Garamond. Die Überschrift in Versalien der kursiven Garamond. Das Versal entstammt der Saphir. Auf der Rückseite steht ein unauffälliges Impressum.

Vierfarbiger Buchdruck auf dem Tiegel.

Die Karten sind in der neuen Fontane-Abteilung des Online-Shops der Druckerey zu haben.

— Martin Z. Schröder

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Schuber-Etiketten · 31. März 2013

Die beiden Schuber für die Max-Goldt-Tetralogie bekommen freilich auch ein handgesetztes Rückenschildchen. Gesetzt aus Delphin, verziert mit Meister-Ornamenten.

Die beiden Schuber bekommen natürlich unterschiedliche Titel. Der maisgelbe Leerschuber heißt Kostspieliger Regalveredelungsschuber. Die Tetralogie-Edition, deren Schuber in handmarmoriertes Kleisterpapier gewandet wird, heißt Schuber für Menschen, deren Regal sonst nicht fein genug wäre.

Auf diesem Foto sieht man meine nur im Vergleich mit der zarten Delphin in Petit (8 Punkt) relativ dicken Finger. Ich habe keine unrelativ dicken Finger, die Schrift ist recht winzig. Wenn man bedenkt, daß ich den Titel auch in Diamant (4 Punkt) schmalmagerer Futura hätte setzen können, ist sogar das relativ groß.

Die Schildchen werden in der kommenden Woche gedruckt, dann trage ich sie zu Buchbinder Christian Klünder. Die maisgelben Schuber werden bald fertig sein und dann auch zügig ausgeliefert. Mit der Tetralogie dauert es noch, weil ja eine eigene Beilage gedruckt wird. Ein Einblattdruck war geplant, aber es wird doch etwas aufwendiger, ich werde eine Klappkarte daraus machen. Titel: “Vergessen Sie alles, was Sie über Altfettentsorgungsanlagen wissen oder je gewußt zu haben meinen!” Dieser großartige Text von Max Goldt ist eine längere Reklame für ein erfundenes Produkt.

— Martin Z. Schröder

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Schillers Segelboot · 5. Februar 2013

Die letzte Strophe der Schillerschen “Sehnsucht” haben wir, Praktikant Lars und ich, aus der Garamond-Antiqua in Cicero (Schriftgrad von 12 Punkt) in Gestalt eines Segelbootes zu Papier gebracht. Der vollständige Text geht so:

Sehnsucht
Friedrich Schiller

Ach, aus dieses Tales Gründen,
Die der kalte Nebel drückt,
Könnt ich doch den Ausgang finden,
Ach wie fühlt ich mich beglückt!
Dort erblick ich schöne Hügel,
Ewig jung und ewig grün!
Hätt ich Schwingen, hätt ich Flügel,
Nach den Hügeln zög ich hin.

Harmonieen hör ich klingen,
Töne süßer Himmelsruh,
Und die leichten Winde bringen
Mir der Düfte Balsam zu,
Goldne Früchte seh ich glühen
Winkend zwischen dunkelm Laub,
Und die Blumen, die dort blühen,
Werden keines Winters Raub.

Ach wie schön muß sichs ergehen
Dort im ewgen Sonnenschein,
Und die Luft auf jenen Höhen
O wie labend muß sie sein!
Doch mir wehrt des Stromes Toben,
Der ergrimmt dazwischen braust,
Seine Wellen sind gehoben,
Daß die Seele mir ergraust.

Einen Nachen seh ich schwanken,
Aber ach! der Fährmann fehlt.
Frisch hinein und ohne Wanken,
Seine Segel sind beseelt.
Du mußt glauben, du mußt wagen,
Denn die Götter leihn kein Pfand,
Nur ein Wunder kann dich tragen
In das schöne Wunderland.

Für allerlei Anlässe ist diese Karte geeignet, für Geburtstage und für Neujahr natürlich ebenso wie für bestärkende Grüße, für aufrichtende und ermutigende Worte.

Die Klappkarte wird mit einem gefütterten Kuvert ausgeliefert und ist in der Werkstatt und selbstverständlich auch im Online-Shop der Druckerey erhältlich.

— Martin Z. Schröder

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Zwei barsche Gestalten und der Haupttitel · 31. August 2012

Für einen Text im neuen Buch von Max Goldt wurden diese beiden Titelsätze gedruckt. Der Godzilla aus der Ganz Groben Gotisch von F.H. Ernst Schneidler, in drei Graden auf Mittelachse.

Und ebenfalls auf Mittelachse aus drei Graden die Witwe Bolte, Schrift: Sinkwitz-Gotisch von Paul Sinkwitz.

Unter höchster Aufmerksamkeit der dreifarbige Haupttitel des Buches, gesetzt aus Futura und Sinfonie. Hier im Bild der unbeschnittene gefalzte Druckbogen, der an drei Seiten noch beschnitten wird und dem ein Frontispiz gegenübergestellt wird. Erst die Doppelseite gibt das ganze Bild. Da fehlt aber noch eine Frabe. Ein paar Seiten fehlen nun auch noch, aber die Arbeit am Innenteil nähert sich dem guten Ende. Was ich bedaure. Das ist das schönste Stadium, der Berg von Arbeit ist abgebaut, ich bin wieder auf Du und Du mit dem Format der Buchseite, und es ist, als würde ich nur noch polieren, letzte Hand anlegen. Noch habe ich kein Exemplar zusammengestellt. Das werde ich tun, bevor die Arbeit zum Buchbinder kutschiert wird. Aber die Vorfreude auf die fertigen Doppelseiten ist groß.

— Martin Z. Schröder

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Randausgleich im Haupttitel · 20. August 2012

Dieses Bild hatte ich vor ein paar Tagen schon gezeigt, ein Foto vom Satz des Haupttitels. Am Sonnabend habe ich nun begonnen, ihn zu drucken.

Der Titel wird nicht einfarbig rot, aber mit der ersten Farbe wird die Druckform eingerichtet. Es wäre ja fatal, wenn man bei einem späteren Druckgang bemerkt, daß der erste nicht stimmt. Also beim ersten wird der Stand aller Elemente festgelegt, dann werden sie nach und nach hinzugedruckt.

Schön, dieses lasierende Rot auf den Lettern zu sehen.

Die ersten Korrekturen betreffen den Durchschuß, also Zeilenzwischenraum.

Zwischendurch mal ein roter Name.

Hier stimmt der Durchschuß. Aber der Typograf und Schriftsetzer sieht einen Mangel in der Senkrechten. Die drei kurzen Zeilen
Sind
wir
denn
wirken gegenüber den beiden darunterstehenden leicht nach rechts eingerückt, weil sie nicht mit einer geraden Linie beginnen.

Hier sieht man es genauer.

Zwischendurch noch eine weitere Korrektur am Durchschuß.

Und dann die Korrektur, die dem Randausgleich dient. Computerprogramme wie InDesign haben eine Randausgleichsfunktion, aber die muß bei Titelsatz von Hand nachgestellt werden. Wie im Handsatz. Die ersten drei und die letzten beiden Zeilen sollen gegenüber den Zeilen vier und fünf einen Punkt nach links gerückt werden. (1 Typografischer Punkt entspricht 0,3759 Millimeter.)

Hier sieht man den korrigierten Satz.

Auf diesem Bild der Vergleich: Links die korrigierte Form, rechts der “angefressene” Rand. “Angefressen” nennt es in seinem Buch “Erfreuliche Drucksachen durch gute Typografie” Jan Tschichold, wenn der Rand nicht ausgeglichen ist.

Legt man ein Lineal an, sieht man den optischen Mangel deutlich.

Hier der ausgeglichene Rand, so stehen die Zeilen richtig untereinander.

Die Druckform mit korrigiertem Durchschuß.

Das kleine b ist etwas kaputt. Ich werde es aber so drucken, denn solche kleinen Fehler scheinen mir charmant zu sein.

Das schöne C der Schrift “Sinfonie” von Imre Reiner.

In der Auflage gedruckt mit roter Farbe wurde von der ganzen Form nur diese Linie. Aber für die anderen Farben ist die Satzarbeit fertig. Und die dauert länger als das Drucken von 2200 Bogen.

Lesern, die zusätzlich über die Arbeit in der Werkstatt informiert werden und größere Nähe zum Drucker suchen, empfehle ich:
1. Der Drucker selbst auf Facebook – der Drucker teilt dies und jenes mit, das ihm mitteilenswert erscheint
2. LetterpressBerlin auf Facebook – Nachrichten aus dem Handel
3. Die Werkstatt auf Facebook – Nachrichten über die Möglichkeiten individueller Anfertigungen
4. Der Rundbrief der Druckerey, der höchstens viermal jährlich per E-Mail versandt wird.

— Martin Z. Schröder

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Seite 3, der Haupttitel · 14. August 2012

Am Montag habe ich die Druckform für den Innentitel zusammengefügt. Zwei Schriften kommen zum Einsatz: Futura und Sinfonie. Zu letzterer habe ich in diesem Blog vor vier Jahren einige Ausführungen gemacht.

“Sind wir denn nur in Cordbettwäsche etwas wert?” heißt das Büchlein. Die Druckform wird nach dem Andruck aber wieder auseinandergenommen, weil der Titel in mehreren Farben gedruckt wird. Sie wird nur in der ersten Farbe eingerichtet, das bedeutet, alle Abstände der Zeilen zueinander und zur Linie und die Ränder werden festgelegt, so daß es bei den weiteren Farben nicht zu Überraschungen kommt.

Hier ist die Futura zu sehen. Der Schnitt heißt Buch, er ist kräftiger als der magere Schnitt (von “schriftschneiden”), aber feiner als der halbfette und wird vor allem für längere Texte verwendet, weil der magere für die Augen zu anstrengend wäre. Aus der mageren Futura setze ich Akzidenzen oder große Titelzeilen. Auf dieser Seite steht der Buchschnitt am besten zur Sinfonie.

In der Druckform befindet sich noch die zweite Buchseite des Bogens, die Seite 30.

Am Sonntag druckte ich diese Frakturseite. Der Text besteht aus einem zur vorhergehenden Seite gehörenden Dialog, und die beiden unterhalten sich mittels der Unger-Fraktur links und der Zentenar-Fraktur rechts.

Hier eine Abbildung vom Bleisatz.

— Martin Z. Schröder

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Karte zur Genesung · 29. Juli 2012

Eine solche Karte habe ich kürzlich benötigt und fand vorwiegend Angebote, die mir meiner eigenen Genesung wenig förderlich erschienen wären, falls ich zu genesen hätte, und die ich deshalb auch nicht versenden wollte. Als habe man es mit Analphabeten oder Halbgebildeten zu tun und könne ich keinen Gruß formulieren. Mehr als das sollte es ja gar nicht sein, und auf Redewendungen in Schriftform kann man doch gut verzichten. Wenn man lange Botschaften übermitteln möchte, wird ein Brief geschrieben oder telefoniert.

Also ein hübsches Kärtchen, das sich einem Blumenbund oder einer Süßwarensendung beifügen läßt, das aber ebenso allein hübsch aussieht und ausgesucht wirkt. Schrift: Compliment von Helmut Matheis, Erstguß 1965 in der Schriftgießerei Ludwig & Mayer in Frankfurt am Main. Schmuck: Meister-Ornamente von Herbert Thannhaeuser.

Der Farbschnitt hat an der einzelnen Karte eine schöne Wirkung, nur läßt er sich schwer fotografieren. Die Karte ist wie alle anderen im Online-Shop der Werkstatt im Angebot: LetterpressBerlin.com Natürlich wird sie mit einem gefütterten Kuvert geliefert.

— Martin Z. Schröder

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Zwei Hotels aus Bleisatz und Messinglinien · 21. Juli 2012

Manche Texte von Max Goldt fordern den technischen Aufwand heraus. Und ich baue solche Formen schrecklich gern. Auf den Fotos ist der Text unter der Baustelle nicht zu sehen.

So sieht der fertige Druck aus.

Der Schriftsetzer sieht die Druckform immer kopfstehend, damit er die Lettern, die ja in Spiegelschrift stehen, wie gewohnt von links nach rechts lesen kann. Für die Laien habe ich das Bild hier gedreht.

Eine Zusammenfassung der stundenlangen Baumaßnahmen in 2 Minuten steckt in diesem Filmschnipsel:

— Martin Z. Schröder

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Schöne Ziffern im Bleisatz · 19. Juli 2012

Dies ist der Druckbogen für die “Cordbettwäsche” von Max Goldt, den ich am Donnerstag gedruckt habe. Wenn ich jetzt über die Arbeit nachdenke, dann scheint es mir, als würde ich allmählich vergessen, wie ein Schriftsetzer solche Arbeiten eigentlich anfertigt. Ein Handwerk, das so abgeschlossen von Austausch und von Werkstätten-Routine einer größeren Handwerkergruppe betrieben wird, verändert sich. Früher hätte ich den Text gesetzt, einen Handabzug gemacht, den Umbruch geklebt und die Form danach neu gesetzt. Heute mache ich einen groben digitalen Entwurf mit Schriften, die ähnlich weit laufen wie die bleiernen, nehme beide Farbformen in zwei Schließrahmen, drucke an und korrigiere. Ich glaube, ich habe vier Stunden für diese vier Formen gebraucht. Wäre man mit Kleben und Rechnen auch so langsam? Allerdings klingelt in meiner Werkstatt oft genug das Telefon, und damit hat sich ein Setzer gewöhnlich nicht abzugeben, wenn er setzt.

Zum Einsatz kamen die “Festlichen Ziffern” von Hermann Zapf, die ich mit der Volta gemischt habe, die breit genug läuft, um die Entwurfsidee zu tragen. Aus der 7 ist der Inhalt von anderthalb Blättchen entfernt worden, was ich recht hübsch finde als eine willkommene Störung. Die 7 ist eine ungemein charakterstarke elegante Figur, man sieht ihr die Handzeichnung ihres Schöpfers an.

In der Vergrößerung sieht man, wie lebendig das Blattwerk gehalten ist. Kein Blättchen gleicht dem anderen, und die kleine Rosette ist in der 6 etwas kleiner als in der 0. Solche Details geben der Schrift eine lebendige, warme Anmutung.

Herrlich der Schwung der 5, auch im Blattwerk oben wird der Schwung des Fähnchens natürlich aufgenommen.

Die 4 zeigt nicht eine einzige mit dem Linieal gezogene Linie. Alles ist weich und harmonisch gezeichnet.

Damals haben die Schriftgießereien aufwendige und prächtige Proben hergestellt, mir gelangte auch eine für diese Ziffern in die Hände. Auf dem braunen Bütten-Umschlag des A4-Heftes klebt ein goldenes Schildchen, dessen Aufdruck an das Magische Quadrat von Albrecht Dürer erinnert. (Quersumme ist immer 15, und die 5 steht zentral.)

Ich zeige hier das dünne Heft vollständig in Fotos.

Wenn ich nicht irre, ist auch das Druckerwappen von Hermann Zapf gezeichnet worden.

Es gibt sogar einen eingeklebten Bogen, unter dem ein weiteres Muster steckt.

Es ist erstaunlich, wie vielseitig diese Ziffern eingesetzt werden können.

Für eine Auszeichnungsschrift sind die Festlichen Ziffern überaus variabel.

Und am Ende gibt es noch eine Beilage mit Informationen über die bestellbaren Größen.

Ich habe das Musterheft erst wiedergefunden, nachdem ich meinen Entwurf gemacht habe. Die Idee ist offenbar naheliegend: Die großen Ziffern rhythmusgebend in den Fließtext einfügen. Man beachte, wie in der Schriftprobe zwei Achsen geschaffen wurden, die es erlauben, die Auszeichnungsziffern schön auf der Seite zu verteilen. Man sehe mir nach, daß ich nun etwas angebe. Die Texte meines Autors Max Goldt sind zwar eigens für dieses typografische Büchlein geschrieben worden, aber sie werden nach dem gemeinsamen Lektorat nicht für die Typografie verändert. Ich nehme mir mit der Erlaubnis des Autors einige Freiheiten hinsichtlich von Auszeichung, Interpunktion und Stellung der Überschriften heraus, aber der Wortlaut der Texte bleibt unberührt. Es ist nun ein überaus großes Vergnügen, und zwar ein anstrengendes, die Texte so darzustellen, daß sie wirken, als seien sie in einen Entwurf hineingeschrieben. Das ist nicht Ziel jeder Buchseite, aber einiger, und bei diesen Ziffern hatte ich den Wunsch, sie in einem Rhythmus anzuordnen, der natürlich wirken soll. Es ging nicht nur darum, die Ziffern irgendwie unterzubringen, sondern es ergab sich in der Arbeit am Entwurf die Möglichkeit, sie in einer schrägen Reihe durch den Text fließen zu lassen und Ende und Anfang durch gleiche Größe und seitlich gleiche Stellung herauszustellen. Dabei sind alle Ziffern durch ziffernlose Zeilen voneinander getrennt, bis auf die erste, die seitlich weiter entfernt von der zweiten steht. Das ist keine Mathematik, so etwas läßt sich nicht errechnen. Die Leistung des Typografen besteht darin, diese figürliche Struktur im Text zu finden. Setzte man alle Ziffern nur in einer Größe, ergäbe sich das Bild nicht. Finge man mit dem größten Grad an, ergäbe es sich nicht. Stünden nicht alle verwendeten Grade zur Verfügung, ergäbe sich das Bild nicht. Ich suchte eine Lösung, die so natürlich wirkt, als gäbe es keine zweite. Es dürfen also auch keine Löcher in die Zeilen gerissen werden. In winzigen Schritten nähert man die Druckform einer Vorstellung an. Eine wunderbare Schule und eine Geduldsübung. Und das Beste: Die Form harmonisiert mit dem Inhalt des Textes. Einzig das kann die Freude trüben: Wenn man am Ende feststellt und einsieht, daß diese Übung mit Leichtigkeit an Schönheit übertroffen wird von den Buchseiten, die nach klassischem Maß ohne solcherlei Aufwand hergestellt sind. Aber eigentlich weiß ich das auch vorher schon und überwinde die Einsicht durch die Spielfreude: Unübertroffen und unübertrefflich sind die glatten Seiten von Bodoni.

Das ist die Druckform, die Ziffern in Blei zu fotografieren, habe ich leider vergessen.

— Martin Z. Schröder

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Wenn ein Auto in eine Buchseite schmettern soll · 14. Juli 2012

Hat sich der Entwerfer ausgedacht, daß ein Auto in eine Buchseite schmettern soll, und steht kein Zeichner zur Verfügung, muß der Akzidenzsetzer nicht nur eine Karossserie entwerfen, viel aufwendiger ist das Chassis aus Blei. Letztlich muß jede Druckform außen rechwinklig rechteckig und parallel zum Schließrahmen enden.

Auf diesem Foto sieht man die Form deutlicher.

Und in dieser Vergrößerung sind auch die Messingspatien zu sehen, die zwischen den Bleiquadraten stecken. Die Form muß so fest sitzen, daß sie auch nach 2000 Druck im Heidelberger Tiegel nicht locker wird.

Man sieht dem gedruckten Bild den Aufwand nicht an, und so muß das auch sein.

Von den 32 Seiten sind gerade 12 fertig, es liegt also noch eine lange Strecke vor dem Heidelberger und mir.

— Martin Z. Schröder

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Linotype-Satz auf einer 88jährigen Setzmaschine · 25. Juni 2012

Das Paket von Thomas Kersting aus Niederkassel am Rhein bedurfte ausgiebiger Polsterung, …

… denn es befand sich darin Zeilengußmaschinensatz, hergestellt auf einer 1924 unter der Fabriknummer 7585 gebauten Linotype-Setzmaschine Modell Nr. 5 n.K. (neue Konstruktion) von der Berliner Maschinenbau-Actien-Gesellschaft, vormals L. Schwarzkopff, Alleinverkauf durch die Mergenthaler Setzmaschinenfabrik Gesellschaft mit beschränkter Haftung in Berlin, Chausseestraße 23.

Line of types. Mehr zur Maschine findet man auf ihrer Wikipedia-Seite, deutlich ausführlicher und besser bebildert auf der englischen Wikipedia-Seite. Auch das Deutsche Museum in München bietet Informationen. Und Filmschnipsel gibt’s hier.

Die Linotype gibt ganze Zeilen aus, es ist eine Zeilengußmaschine, und im Werksatz, also dem Satz langer Texte, war sie lange unentbehrlich. Bis 1976 wurden in Berlin über 24.000 Setzmaschinen gebaut, schreibt mir mein Kollege, der mir diese Kolumnen schickte.

Für mich war es ein rührender Augenblick, diesen Satz auf der Schließplatte zu haben, denn ich habe seit meiner Lehrzeit um 1984 herum keinen Maschinensatz mehr verarbeitet. Damals habe ich Buch- und Zeitungsseiten justiert, also auf die richtige Höhe gebracht und konische Zeilen ausgelichen, mit Überschriften aus Handsatz versehen, für die Zeitung Spaltenlinien aus Blei auf die Spaltenlänge gehackt und eingebaut und danach im Drucksaal Korrekturen in den Maschinen ausgeführt.

Ich habe diese Arbeit als Metteur sehr gern gemacht. Bei dem Buch, das ich hier produziere, geht es allerdings nicht um Geschwindigkeit, und jede Seite bekommt ja ein eigenes Gesicht. Der Maschinensatz wird in einen Entwurf eingearbeitet, es ist nicht nur eine glatte Kolumne.

Also hier ein paar Bilder von gegossenen Zeilen.

Am Fuß sieht man die Gußqualität. Würden hier große Löcher zu sehen sein, wäre der Satz porös, etwa weil das flüssige Blei zu heiß war und Blasen schlug, und könnten während des Druckens Teile wegbrechen. Dieser hier sieht sehr gut aus. Gruß und Dank, lieber Kollege!

Für den Metteur ein schönes Bild.

Aus einigen Zeilen habe ich ein Smartphone gebaut. Der Setzer hat bei der Arbeit vor allem die druckenden Teile vor Augen, so recht vorstellbar ist es mit dem Foto vom Satz wohl nicht, wie die Buchseite gedruckt aussieht. Na, das wird hier bald zu sehen sein.

Auf dem Bildschirm von Smartphones stehen wohl unten Symbole für Funktionen oder Programme. Ich verwende ein ganz einfaches Taschentelefon und kenne mich mit diesen kleinen Computern nicht aus. Im Bleisatz verwende ich zur Darstellung dieser Symbole Schmuckzeichen.

— Martin Z. Schröder

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Erste Druckgänge für Cordbettwäsche · 22. Juni 2012

Heute kam die Umbruchkorrektur für das neue Buch von Max Goldt, das im September bei Rowohlt Berlin erscheinen wird und um dessen typografische Inneneinrichtung ich mich kümmere. Auf der Verlagsseite ist es noch nicht zu finden, aber eine Andeutung des überaus schönen Umschlages mit Pinselkalligrafie von Frank Ortmann kann man bei Amazon schon sehen.

Im September wird das bibliophile Büchlein noch nicht erhältlich sein, obwohl ich nun gestern mit dem Druck begonnen habe.

Vor dem Druck steht freilich die Planung. 2000 Rohbogen Popset perlgrau 90g/qm wurden von der Hamburger Papier-Union geliefert. Diese Rohbogen sind 700 × 1000 mm groß und müssen zuerst zugeschnitten werden. Das sind unhandliche 126 Kilogramm, die unterm Messer handlich und bedruckbar gemacht werden. Ein Ries (Papiermaß, in diesem Falle 250 Bogen 70 × 100 cm in einem Paket) wiegt knapp 16 Kilo und bildet ein Achtel des Inhalts der Gesamtauflage.

Die Buchtypografie muß nun auch für den Satz und die Druckform passend gemacht werden. Während ich beim Entwurf durchaus mit dem metrischen System arbeite, wird für die Druckform die Maßeinheit der Buchdruckerei benötigt: Cicero, Punkt, Konkordanz. In einer Skizze werden die Stegmaße notiert, also die weißen Flächen auf der Buchseite, in denen die Kolumne steht.

Bevor die Druckmaschine rollt, fragt der Drucker seinen Buchbinder, welche Maße dieser für seine Maschinen benötigt. Kein Drucker druckt, ohne sich beim Buchbinder zu vergewissern, daß die Druckbogen auch gut verarbeitet werden können.

Was ein Vorfalz ist, wird auf der oben verlinkten Seite der Firma Lüderitz & Bauer erklärt, die auch für dieses Büchlein wieder die Fadenknotenheftung übernehmen wird. Die Fadenknotenheftmaschine ist ebenso wie die Druckpresse 60 Jahre alt. Alle beide Baujahr 1952.

Mit dicken Linien habe ich erst einmal die Druckform eingerichtet. Insgesamt wird das Buch mehr als 60 Druckgänge benötigen wegen der vielen Farben auf den 32 Seiten.

Hier sind die Seiten 8 und 25 in einer Druckform für einen Druckbogen zu sehen. Erst durch das Falzen, das Zusammentragen und die Heftung gelangen die Seiten in die richtige Reihenfolge.

Weil jede Seite in diesem Büchlein ihren eigenen Entwurf bekommt, müssen die Skizzen genau geprüft werden. Nicht immer ist im Bleisatz machbar, was der Typograf sich wünscht. Schon im ersten Druckgang habe ich eine Schrift ausgetauscht. Das geht natürlich nur, wenn man in den typografischen Entscheidungen ganz frei ist. Ich muß typografisch weniger planen, als wenn ich für einen anderen Verlag arbeite.

Und weil ich mit diesem Entwurf unsicher war, habe ich die nicht auf dem Druckbogen, aber im fertigen Buch nebeneinanderstehenden Seiten vollständig aufgebaut, also insgesamt vier Seiten. Diese vollen Schließrahmen sind ein befriedigendes Bild für den Drucker. Das Einrichten der Seiten (der Vorfalz muß auf der Gegenseite in die Gegenrichtung berechnet werden), die punktgenauen Abmessungen (1 typografischer Punkt = 0,376 mm) und die Korrekturen haben einen halben Tag gedauert. Ich mache solche schönen Arbeiten ja nicht täglich und habe mich ein paarmal verrechnet. Ich bin aber mißtrauisch genug, um alles mehrmals nachzurechnen. Fehler, die Druckbogen untauglich machen, wären einfach zu kostspielig.

Hier sieht man den guten Monotype-Satz aus der Bodoni, den mir die freundlichen Kollegen vom Hamburger Museum für Arbeit lieferten, zusammen mit einem Schmuckelement aus meinem Fundus.

In einer zweiten Farbe wird diese Lichte Bodoni (Handsatz) hinzugefügt werden.

Das ist die Lichte Bodoni im Korrekturabzug in Schwarz.

Und hier die Monotype-Bodoni in kursiv und gewöhnlich.

Eine Vergrößerung des Schmucks macht die innere Schraffur sichtbar.

Hier die Vergrößerung der beiden Typen, aus denen das Zeichen zusammengesetzt ist. Das linke schon schwach in den Linien.

Die Schreibschrift Jaguar steht in einem aus der Maxima gesetzten Text.

Die Jaguar ist eine hübsche Type, die den munteren Zug der gedrehten Breitfeder zeigt. Georg Trump hat sie gezeichnet, sie ist in der Schriftgießerei C.E. Weber anno 1965 in Stuttgart erstmals gegossen worden.

— Martin Z. Schröder

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Monotypesatz aus Hamburg · 13. Juni 2012

Am Montag kam in der Druckerey ein schweres Paket an. Die Lieferanten kennen meine Pakete inzwischen: Papier oder Blei. Schwer sind beide, nur die Bleipakete haben einen geringenen Umfang.

Wenn mein Kollege Helmut Bohlmann, Schriftsetzer im Museum der Arbeit in Hamburg, mir ein Paket sendet, weiß er, daß ich meiner Neugier keine Zügel anlege. Erich Hirsch hatte sich auch für das neue Buch von Max Goldt an die Monotype gesetzt, hat getastet, hat gegossen.

Gut gepolstert kommt die schwere Ware an. Mehr als das Gold habe das Blei die Welt verändert, und mehr als das in der Flinte jenes im Setzkasten, sagt Lichtenberg. Aber in dieser Form erinnern die ausgebundenen und straff verpackten Kolumnen an Barren von Edelmetall.

Kann man ja kaum erwarten, das auszupacken.

Und dann erblickt das Setzerauge den Glanz des grauen Goldes.

Hier also der Satz für einige Buchseiten.

In diesem Päckchen stecken sogenannte Defekte: Ersatzbuchstaben.

Herrlich, so eine gußfrische Schrift. Hier die Bodoni.

Und diese Type ist die Gill.

Insgesamt sind jetzt schon einige Seiten vorbereitet. Bald wird es ans Drucken gehen.

Diese Schrift ist die Enge Block, aus dem Handsatz natürlich, denn in so großen Graden gibt es keinen Monoytpe-Satz.

Das ist die kursive Garamond.

Diese Schrift heißt Figaro.

Und auf diesem Foto steht die Garamond im Monoyte-Satz.

Dies für heute nur als kleinen Einblick, wie weit die Satzarbeit gediehen ist.

— Martin Z. Schröder

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Zu Gast bei Fedrigoni Berlin · 22. April 2012

Vergangenen Donnerstag hielt ich auf Einladung des Feinpapierherstellers Fedrigoni einen kleinen Vortrag mit Fotos in den Räumen des Berliner Showrooms von Fedrigoni am Hackeschen Markt, um geladenen Gästen den immer häufiger nur noch unter dem englischen Namen Letterpress bekannten Buchdruck nach der Manier Gutenbergs und die heutigen Möglichkeiten zu erklären.

Hier eine Auswahl von den Bildern. Ich erklärte kurz das traditionelle Bleisatzverfahren, zeigte den Winkelhaken und …

… den Setzkasten.

Und ich zeigte ein paar Bilder von den speziellen Kästen mit Schmuck und Linien.

Im Laufe der Jahre …

… hat sich …

… einiges angesammelt.

Wenn die Druckform fertig ist, gleich ob aus Blei oder aus geätzten Platten, wird die Druckform geschlossen.

Zwei Keilschlösser halten die Form fest.

Hier sind Holzlettern zu sehen.

Und hier ein Klischee mit kyrillischer Schrift. (Die Druckerey lieferte kürzlich zum ersten Mal nach Moskau.)

Geprägt in einen weichen und dicken Karton.

Im Bleisatz ist so feiner Schmuck kaum noch gut erhalten zu bekommen.

Da kann man froh sein über das digitale Angebot.

Das mit dem Drucktiegel in herkömmlicher Weise verarbeitet wird.

Genauso wie die Holzlettern.

Zu denen auf dieser Skizze mit Handabdrücken eine passende Bleiletter gesucht wurde.

Dieser Karton wurde mit einem dunklen auf der Rückseite kaschiert. Dieselbe Farbe kann durch unterschiedliche Farbmenge in der Druckmaschine unterschiedlich wirken.

Nach dem Bildervortrag wurde eine Mappe mit Druckmustern aus der Druckerey verteilt, und ich habe zu allen ein paar Erklärungen gegeben.

Hier beispielsweise ist ein dunkelbrauner Karton aus der Fedrigoni-Kollektion Sirio zu sehen, rechts mit einem gründlichen Weiß bedruckt, links mit einem silbernen Überdruck.

Farben werden in der Werkstatt herkömmlich gemischt, ich halte nicht viel von einem Lager mit Hunderten von Dosen. Man kann fast alles mischen.

Hier noch einmal der Heidelberger Tiegel in ganzer Schönheit.

Gerillt werden Auflagen bis 500 Stück von Hand und Fuß an dieser kleinen und einfachen und sehr alten Maschine.

Fertige Visitenkarten …

… werden von Hand verpackt.

Und mit dem Schiebedeckel-Etui aus Kirschbaumholz ausgeliefert, das auch im Online-Shop der Druckerey erhältlich ist.

— Martin Z. Schröder

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Zum Ostergruß · 5. April 2012

In seinen ersten Osterferien wurde der Knabe von seinem Vater, einem Drucker und Freund meines Hauses, in die Druckerey mitgenommen, um ihm die Schrift im Setzkasten zu zeigen und gemeinsam eine Osterkarte zu drucken. Im Gespräch über Buchstaben ergab sich dieses Bilderrätsel, das dann an zwei Nachmittagen fabriziert wurde. Der Rahmen ist von der Messingform gedruckt, das Plus aus Messinglinien zusammengesetzt, der Stern aus Holz, ebenso der Hase.

Bleisatz gibt es im Innern der Klappkarte, das Kind hat sich seinen eigenen Reim auf Ostern gemacht, und mir gefällt er sehr. Der Osterhase selbst könnte ihn gesagt haben. Möglicherweise hat das Kind ihn dem Tier abgelauscht, die Einbildungskraft ist ja eine der lebendigsten in den jungen Jahren. Merkwürdig, daß sie bei Erwachsenen umso dümmlicher scheint, je stärker sie ist. Aber davon ab, ich wünsche frohe Ostern!

— Martin Z. Schröder

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Schriftlinie halten! · 31. Januar 2012

Manche Bleischriften sind rar, umso glücklicher ist der Besitzer einer seltenen Type. Die feinen Linien der Walbaum sind besonders empfindlich gegen Abnutzung, und deshalb bin ich froh, daß mir ein Kollege seinen nicht mehr benötigten Bestand anbietet. Bevor man aber die Schrift aus einer Druckerei in den Kasten mit der eigenen legt, also zwei Lieferungen mischt, muß die Schriftlinie geprüft werden. Die Schriftlinie ist die untere Begrenzung der Buchstaben ohne Unterlänge, und ob diese Linie identisch ist, kann man nur am Druckbild prüfen, denn die Abweichungen können sehr gering sein. Warum die Schriftgießereien keine einheitliche Schriftlinie halten konnten, weiß ich nicht, vielleicht kann diese Frage ein Kollege unter den Lesern beantworten?

Der zum Verkauf seiner Typen bereite Kollege sandte mir eine Probe. Man verwendet für diese Prüfung gern das m oder n, weil diese Buchstaben sicher auf zwei und auf drei Füßen stehen, die Schriftlinie in der Zeile also überdeutlich sichtbar machen.

Die Probe meines Kollegen und eine Probe aus den eigenen Kästen habe ich nebeneinander in eine Druckform geschlossen. Man muß dabei höllisch aufpassen, daß nichts durcheinander gerät.

Im Abzug zeigt sich dann, in welchem Zustand die Schriften sind und ob beide vermischt werden dürfen. In diesem Abzug sieht man im Wechsel die gewöhnliche und die kursive in Cicero, Mittel und Tertia, also 12, 14 und 16 Punkt. Die gewöhnliche Type im Schriftgrad Mittel ist nicht identisch. Nicht nur steht die Schriftlinie rechts tiefer, die Buchstaben sind auch kleiner. Das ist rätselhaft. Beide Schriften sind auf 14p-Kegel gegossen, aber sie sind nicht gleich groß.

Die rote Markierung zeigt die Trennlinie. Links meine Lettern, rechts die des Kollegen. Die gewöhnlichen “n” des Kollegen sind auch kleiner als seine kursiven. Da ist etwas schiefgelaufen.

Auch von der Seite kann man einen Kontrollblick werfen. Alle anderen Zeilen sehen gut aus, und ich werde nun mit dem Kollegen über den Preis sprechen und hoffe, einige Schriften zu erlangen, die gewöhnliche Walbaum in Mittel kann ich leider nicht übernehmen.

Kurzmeldungen

1. Das kürzlich angekündigte Puzzle ist zwar fertig, konnte aber noch nicht in den Online-Shop, weil dieser gerade umzieht. Man wird ihm den Umzug aber nicht anmerken, wenn er in Kürze wieder da ist, einstweilen funktioniert er schon hier, ich warte aber mit neuen Drucksachen, bis der Umzug abgeschlossen ist.

2. Die Modemesse haben wir überstanden, der Umzug mit Maschine und Setzkästen ist mit Aufräumarbeiten abgeschlossen. Ob die zahlreich vergebenen Visitenkarten und die erfreut in Empfang genommenen Komplimente auch geschäftliche Wirkung zeitigen, bleibt nun abzuwarten. Meine Oberhemden haben sich bewährt, und in der Werkstatt trage ich nun ein seidenes Schleifchen an der Schürze, das mir eine freundliche Dame vom uns vis-à-vis befindlich gewesenen Messestand der Berliner Manufaktur Edsor Kronen genäht hat.

3. Die Arbeiten am vierten (noch nicht vorbestellbaren) Buch von Max Goldt in meiner Werkstatt haben mit der Textauswahl begonnen. Vorgesehen ist die Fertigstellung zum Ende des Jahres.

— Martin Z. Schröder

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Das Glück im Augenblick finden · 4. Dezember 2011

Zierlich und zerbrechlich sind die Lettern der kursiven Walbaum im Schriftgrad “Borgis”. Auch wenn der Typograf keine Schrift so sehr lieben sollte, daß er sie zu ungeeigneten Aufgaben heranzieht, so darf er doch heimlich Vorlieben pflegen. Meine liebste Type ist diese Schrift in dieser Größe. Sie ist für diesen Text und das unschöne Wort am Ende vielleicht etwas zu zart, aber sie ist für Glück im Augenblick, für eine so flüchtige Empfindung doch die richtige Schrift.

Dies ist die grüne Druckform im Schließrahmen, und damit mein geneigter Leser meine Neigung zu dieser Type in Augenschein nehmen kann, habe ich sie …

… von allen Seiten fotografiert. Dieser Anblick muß einem Schriftsetzer traulichste Gefühle eingeben. Für uns gibt es in der Druckerei kaum schönere Ansichten als eine Kolumne aus einzelnen Lettern, die wir selbst gesetzt haben und deren einzelne Teile wir so gut kennen.

So eine Kolumne hat ein natürliches Antlitz. Man sieht so viele unterschiedliche Teile, die alle ganz eigen zu sein scheinen, und doch bilden sie alle zusammen in Zeilen und durch die typografische Ordnung ein Muster und eine Figur. Wie die Äste und Zweige und Blätter eines Baumes.

Diese Zeile wurd mit roter Farbe eingedruckt.

Das kleine Impressum auf der Rückseite habe ich aus der Futura in Nonpareille (das sind 6 Punkt) gesetzt.

Und es wurde im grünen Druckgang mitgedruckt.

Weil mir die Außenform des Textes nicht gefiel, habe ich mehrmals den Satz korrigiert und schließlich kleine Schmucklinien hinzugezogen. Sie entstammen übrigens dem Fundus der berühmten Eremitenpresse, die vor einiger Zeit aufgelöst worden war.

Hier nun endlich der gedruckte Satz mit beiden Farben.

Die Klappkarte ist im Online-Shop der Druckerey erhältlich. Gedruckt wurde auf ein mattes gelbliches Naturpapier aus Schottland. Freilich wird die Klappkarte mit einem Kuvert ausgeliefert. Weil ich das nicht in gefüttertem Zustand aus Schottland bekomme, sondern deutsche und belgische Kuverts einkaufe, ist es etwas heller als die Karte.

— Martin Z. Schröder

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Ablassen von der Augenhöhe · 25. November 2011

Derzeit ist viel zu tun, Weihnachtskarten werden angefertigt, Geschenke auch, zum Mitteilen von Nachrichten bleibt wenig Zeit. Hier sind neue: Vierfarbig sollte diese Karte werden, denn einen schönen montaignehaften Text von Max Goldt aus seinem “Buch namens Zimbo“wollte ich mit bunten Holzstichen bebildern (bunte Farben, ähnlich gemacht in Reinheit und Helligkeit). Wie sich Gans und Hund durch den Text hindurch auf Augenhöhe anvisieren — ich mußte beim Drucken immerzu lachen, wenn ich mal absehen konnte von den Dingen, auf die der Drucker zu achten hat.

Die kleinen Druckstöcke sind nicht ganz gerade, im Laufe ihres Daseins schon etwas verzogen, manche haben gar keine Schrifthöhe, sie stammen noch aus den Zeiten, als sich die Drucker noch nicht an Normen hielten und eigene Schrifthöhen führten. Das Bienchen mußte um dreieinhalb Punkt erhöht werden, dazu war es schief. Außerdem sind die Dinger recht klein. Der Hund ist nur 21,5 mm breit. Um die Schiefheiten auszutreiben, klebt man winzige Seidenpapierfusseln an die Seiten und unter den Stock, und nach jedem Kleben muß die Druckform wieder geschlossen und ein neuer Abzug gemacht werden.

Und man muß sie ganz vorsichtig drucken, die kleinen hölzernen Werke, also ohne den kräftigen Preßdruck, der heute so oft verlangt wird, aber eben von Blei und Holz nicht ohne Schaden zu machen ist, sondern nur von geätzten oder gravierten Klischees.

Hier ist die ganze Karte zu sehen.

Und zur Lektüre hier der Text von Max Goldt. Gesetzt aus der mageren Futura in Petit (8 Punkt).

Und das sind also die Bilder, zuerst das Bienchen, oder ist es eine Drohne?

Diesen gefiederten Freund würde ich für eine Gans halten.

Und das muß doch wohl ein Hund sein. Die Karte muß noch gerillt werden, weil es eine Klappkarte ist, und dann wird sie auf der Seite LetterpressBerlin.com erhältlich sein.

— Martin Z. Schröder

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Die Bodoniberührung · 31. Oktober 2011

Dieser Korrekturabzug der Goetheschen Todesanzeige fiel mir am Wochenende auf. Am Wochenende fand im Hause von Gemäldegalerie, Kupferstich und Kunstgewerbe-Museum die Liber Berlin statt, die Antiquariatsmesse der Hauptstadt. Auch wenn man kein bedeutendes Vermögen für Bücher auszugeben beabsichtigt, ist ein Messebesuch ein großer Gewinn. Eine solche Antiquariatsmesse ist nämlich wie ein Museum für die Buchkunst der letzten Jahrhunderte.

Als mein Kollege und ich dieses silberne Gebetbuch belustigt und gerührt betrachteten, trat Herr Wolfgang J. Kaiser hinzu, der Londoner Antiquar (Tusculum Rare Books Ltd). Wir sagten ihm, daß wir diese schöne Arbeit soeben mit einem brillantenbesetzten I-Phone verglichen und festgestellt hätten, daß die Statussymbole in Vorzeiten kunstvoller gearbeitet waren und daß schon damals die Leute an der vielleicht größeren Leistung, nämlich den deutlich leiseren Büchern in Pergament und Leder, vorbeigegangen wären. Wir hatten einen Bodoni hinter Glas entdeckt.

Eine solche Messe ist auch so wunderbar wegen der Kenner, die dort herumlaufen. Man sieht sehr viele weißgeschopfte Herren mit Brillen und Schnauzbärten, in Kordjacken über Westen, gebeugte Figuren, gelegentlich in Begleitung von eleganten Damen mit einfarbigen oder dezent gemusterten Seidentüchern, die nicht wesentlich jünger sind, sich einem Antiquar nähern, der ihnen nicht unähnlich ist, sich freudig begrüßen und sogleich in ein Fachgespräch eintreten, daß einer wie ich zugleich innerlich jauchzt und sich schämt, weil einem in charmantem Ton als unbeteiligtem Zuhörer die eigenen Bildungsbrachen verdeutlicht werden. Es sind alte Damen und Herren, die nicht zum Abschied “Tschüssi” sagen, sondern: “Ich empfehle mich”, es geht hier zu wie an einem Hofe, am Hofe eines sehr feinen, der Bildung zugewandten Königs, also gedämpft, heiter, wohlgemut und angenehm.

Man wird auch automatisch für einen Kenner gehalten. Herr Kaiser hielt uns wegen unserer kleinen Bemerkung für Bibliophile, was ja nicht ganz falsch ist, und gab gleich einen winzigen Vortrag, in dem aber immerhin Griechen, Lateiner, Kriege und Völkerwanderungen vorkamen und sagte dann: “Ich habe da noch ein paar echte Bodonis, sind gar nicht so teuer, wollen Sie mal sehen?” Wir hatten keine Baumwollhandschuhe dabei, um Kunst anzufassen — der Antiquar griff in seine Aktentasche und legte uns vier echte Bodoni auf den Tisch und gab gleich einen kleinen historischen Abriß, den ich schon wieder vergessen habe, und ließ uns uns setzen und die Bücher aufschlagen.

Herr Kaiser hielt uns für Kenner, und immerhin waren wir zwei Schweizerdegen ja auch nicht völlig blind für die Dinge, aber doch so viel, daß wir, nicht zum ersten Mal, einsahen, wie beschlagen Antiquare sind. Und ich meine damit nicht nur wenige, sondern die meisten, denn Antiquare haben meistens ein Fachgebiet, auf dem sie, weil es ihre Handelsware anlangt, so gescheit sind wie Historiker.

Wir durften also in den Büchern blättern, und mein Kollege hatte zum ersten Mal einen Bodoni in der Hand. Ich vielleicht auch, aber ich hatte schon so viel in der Hand und ist mein Gedächtnis so schlecht, daß ich es nicht sicher sagen kann. Daß ich noch keine Manutius in der Hand hatte, und auch keine Gutenberg-Bibel, das weiß ich, die habe ich nur hinter Glas gesehen. Und im Halbdunkel.

Bücher des 18. Jahrhunderts habe ich schon öfter aufgeschlagen. Einen Bodoni, also ein Buch aus der Werkstatt des Druckers der Könige und Königs der Drucker, bekommt man von Herrn Kaiser schon ab 300 Euro. Es ist nicht die Art Buch, die man in klimatisierten Panzerschränken lagert. Aber man erstarrt als Buchdrucker trotzdem ein wenig, und wird dann technisch neugierig.

Nun saßen wir da. Und also ich fühlte mich sogleich unter Zeitdruck gesetzt, denn einerseits mußte ich am frühen Nachmittag wieder in der Werkstatt sein, andererseits wollte ich noch mehr von der Messe sehen und dritterseits ist eine solche Viertelstunde der Betrachtung allein schon die ganze Messe wert. 1772, Parma, Bodoni, ich habe nicht alle Tage umstandslos einen 239 Jahre alten Gegenstand in der Hand.

Wir schauten wie die Schriftsetzer, also bewunderten die Großzügigkeit der Seiten, die schön gestellten und mit Zierrahmen eingefaßten Satzspiegel, die geschmückten Pagina, den gleichmäßigen Druck. Und ich durfte die zum Kauf angebotenen Gegenstände auch fotografieren, wie man an der Bildleiste rechts sieht.

Von dieser Erlaubnis machte ich Gebrauch, aber kaufen? Es ist wahrscheinlich nicht viel Geld für ein solches Werk, aber ich zögerte vor allem, weil ich diese Bücher nicht lesen und nicht angemessen lagern kann. Das Lesen wäre nicht das Problem. Man gäbe das Werk einem Sprachkundigen und bekäme eine Vorstellung von seinem Inhalt, aber wo lassen? Eines der Bücher war auf unbeschnittenes Bütten gedruckt und die Seite, die wir Kopfschnitt nennen, also der Kopf des Buchblockes, war schwarz vor 239 Jahre altem Dreck.

Man würde sich also für 200 Euro einen verglasten Holzrahmen bauen lassen, für den ich aber kein Podest und keinen Tisch habe in meiner kleinen Hütte. Also kein Kauf. Wir gingen weiter nach einer Zeit des Bewunderns bei Herrn Antiquar Kaiser, schauten hier, bewunderten dort. Ich fand eine kleine Mappe mit Holzstichen von Hans-Joachim Behrendt, dem Holz- und Metallstecher, dem ich das Signet der Druckerey verdanke, den Bären, der auch im Kopf dieses Blogs prangt.

Bei dieser Gelegenheit muß ich erwähnen, daß einem mit einer gepflegten Buchdruck-Visitenkarte auf einer Antiquariatsmesse gelegentlich das Gefühl vermittelt wird, eine Klubkarte auszugeben oder einen Gutschein: “Ist der Bär vom Stock gedruckt?” “Geben Sie mir bitte auch eine?”

Apropos Bär. Und wir kamen zum Stand von Dr. Wolfgang Benda. Seine The Bear Press ist offenbar eine Oase. Buchkunst der Neuzeit möchte ich gelegentlich am liebsten in einen Sack stecken und — nun ja. Mit Strippen zusammengeschnürtes Fusselpapier, auf dem Bleilettern abgequetscht wurden. Dreck. Aber was Herr Benda herstellt, das treibt einem Kenner das Wasser in die Augen vor Rührung.

So feines Handwerk sieht man nur noch selten. Buchdruck vom Bleisatz, ungequetscht, fein zugerichtet, schön gesetzt und gedruckt, mit Radierungen versehen und unter Ausnutzung des heutigen Papierangebotes, also auf feinen farbigen Papieren. Wir bewunderten diese Arbeiten und gingen dann noch rasch zu den Atlanten und Karten, den Grafiken und Drucken.

Und im Fluge waren die drei Stunden, die wir uns gegönnt hatten, vorüber. Wir waren angefüllt mit Eindrücken, wir konnten auch nicht mehr viel sehen. Die herrlichen hundert Jahre alten Kinderbücher mit den wilden Illustrationen, die man Kindern heute, da die Kinderbuchverlage pädagogisch und auf dem neuesten Stand politischer Korrektheit agieren, nur selten zumutet. Die typografischen Experimente. Die Urkunden, die Lederbände.

All das bot die Liber Berlin am Wochenende im Kulturforum, und ich hoffe, sie findet auch im nächsten Herbst wieder statt. Andere Bilder als die von Bodonis Büchern habe ich nicht gemacht. Dieses Herumgehen zwischen den Arbeiten unserer Vorgänger, den Druckern der vergangenen Zeit, und ein paar Gespräche mit den Damen und Herren aus so guten Antiquaren, hat mich nicht an Fotos denken lassen.

— Martin Z. Schröder

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Auf ein Morgen hoffen · 27. Oktober 2011

Kürzlich gab ich Bericht von den Arbeiten an der diesjährigen Goethe-Karte. Und weil es jetzt recht ordentlich zu tun gibt in der Werkstatt, habe ich mich beeilt, den Entwurf umzusetzen. Diese hier ist also die neue Karte zum neuen Jahr mit dem letzten Spruch des vierten Teils der “Zahmen Xenien”.

Der Spruch ist als Devise gesetzt, aber um als solche zu erscheinen, suchte ich nach einem Mittel, Größenverhältnisse herzustellen.

Welche Größenverhältnisse gibt man einem Tempel? Gesetzt aus drei fetten Messinglinien und einem Dreieck aus Messing.

Hier ist die Druckform zu besichtigen. Das Tempelgerümpel neben dem Säulengang besteht aus bleiernen Schmuckeinfassungen, den Eck-Elementen von Rahmenmaterial.

Dieses Bild zeigt den geschlossenen Schließrahmen für den Heidelberger Tiegel.

Und hier ist der Ausschnitt zu sehen, der gedruckt wird.

Schließlich der Text. Solch einen Versalsatz herzustellen ist wegen des Versalausgleichs recht mühselig. Schließlich müssen alle Buchstabenabstände harmonisch wirken. Ich habe es nicht bis zur Perfektion getrieben, aber es gibt auch keine Löcher oder Verengungen.

So sieht es dann gedruckt aus, hier eine Vergrößerung der zweckenthobenen Eckstücke, die in einem ganz hellen bräunlichen Pastellton gedruckt wurden.

Und da der Text, dem ich aus Grau, Gelb und Gold einen goldenen Farbton gegeben habe, der aber wegen der Farbbeigabe nicht glänzt. Jedenfalls ist mit bloßem Auge kein Glanz zu sehen. Schaut man sich die Buchstaben unter der Lupe an, sind die schimmernden Goldpigmente deutlich wahrnehmbar.

Diese Karten sind nun im Online-Shop der Werkstatt erhältlich in der Rubrik Neujahrskarten. Sie sind auf einen kräftig cremefarbenen glatten, aber nicht glänzenden schottischen Naturkarton gedruckt, im Diplomatenformat, das sich in der Post des Empfängers sehr hübsch bemerkbar macht. Die Karten werden mit einem nur sehr gering helleren Kuvert mit grauem Seidenfutter ausgeliefert.

— Martin Z. Schröder

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Erste Neujahrskarte für 2012 · 24. Oktober 2011

Ich bin nun sehr in Eile, die Karten zu Weihnachten und Neujahr zu drucken. Hier zeige ich die erste fertige Arbeit. Gesetzt aus Holzziffern, ergänzt durch eine bleierne Vignette und eine Art Etikett, das aus einem Messingoval und Versalien der dreiviertelfetten Futura in Petit (8 Punkt) besteht.

Die Holzlettern sehen noch gut aus, aber die Zurichtung war langwierig. Die Typen mußten stark hinterklebt werden, um sie auf eine gleiche Höhe für halbwegs gleichmäßigen Ausdruck zu bringen. Perfektioniert habe ich es nicht, denn das Aufreißen der Farbe in den Flächen hat eine belebende Wirkung.

Das ist die rote Druckform. Neben dem kleinen Impressum für die Rückseite enthält sie den Conférencier und das kleine Etikett für die Ziffer 2, die im nächsten Jahr an letzter Stelle der Jahreszahl erscheint.

Der Herr im roten Anzug hat auch einen roten Kopf.

An der Druckform aus Blei sieht man, daß er schon erheblich lange seinem Publikum dient.

Runde Druckformen sind immer ein wenig kompliziert, aber drei Versalien sind dann doch schnell gesetzt.

Beim Ausfüllen der Form ist freilich die Unterlänge der Lettern zu beachten.

Die Neujahrskarte vom Bleisatz mit Holz und Messing ist jetzt erhältlich im Online-Shop der Druckerey. Sie wird mit einem silber gefütterten weißen Kuvert ausgeliefert. Wenn Sie mehr als zwanzig Karten ordern möchten, unterbreite ich Ihnen gern ein Angebot mit Mengenrabatt.

— Martin Z. Schröder

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Und nun das Wort · 30. September 2011

Nun steht auch der Vierzeiler von Kurt Schwitters, nach dem dritten Druckgang, dieser lief in Schwarz. Ich meinte, Schwarz sei doch der dadaistischen Form näher als Grau.

Vernünftige Fotos von Drucksachen sind gar nicht so einfach zu machen. Am Wochenende fahre ich vielleicht auf eine Wiese und stelle die beiden ins Grüne.

Das Verschrägen der Zeilen ist recht simpel. Am Ende muß ja immer eine rechtwinklige Kolumne in den Schließrahmen, und bei Frau und vor allem bei Mann war das langwierig.

Der Setzer liest den Bleisatz von links nach rechts. Und weil der Bleisatz in Spiegelschrift steht, dreht der Setzer den Text immer auf den Kopf.

Die Taschenlampe gibt mir seit Jahren ein Rätsel auf. Wofür wurde sie gegossen? Sie steckt in den Zeichen für den Fahrplansatz.

Gab es unbeleuchtete Bahnhöfe oder Züge, als es Taschenlampen gab? Im Krieg?
Die Karte ist dann im Shop zu haben, wenn die vorherige Auflage ausverkauft ist.

— Martin Z. Schröder

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So macht man einen Mann · 29. September 2011

Gestern habe ich hier gezeigt, wie man sich oder anderen eine Frau druckt. Heute zeige ich, wie der Mann gemacht wird, und zwar einer, der zur Frau paßt. Man nimmt eben nicht eine Rippe aus dem Mann, um daraus die Frau zu formen, man muß allerdings den Kopf der Frau verwenden, damit der Mann nicht kopflos durch die Gegend läuft.

Der Frauenkopf wird seines blumengeschmückten Hütchens entledigt und mit dem Zylinder eines Mannes von Welt ausgestattet.

Männer sind blau, und zwar hellblau, pastellblau. Aus Deckweiß und Blau gemischt.

Solche Bilder sind dem Drucker eine kleine Augenweide.

Hier kommt die Rohmasse für den Mann in den Farbkasten.

Es wirkt schon ein wenig gefährlich strahlend. Manneskraft eben.

Die Farbe läßt man dann ins Farbwerk einlaufen.

Und steckt den in den Schließrahmen geschlossenen Mann hinein.

Das ist ein Mann von vorn.

Und das ist der Mann von hinten.

Und hier legt die Maschine die fertigen Männer ab, die den Frauen beigesellt wurden.

Aus der Druckform entsteht das Bild.

Und im nächsten Druckgang mit schwarzer Farbe wird noch der Vierzeiler von Kurt Schwitters eingedruckt. Denn erst war die Frau, dann der Mann, und damit sich die beiden verstehen, gibt man ihnen noch das Wort. Aber erst, wenn sie trocken sind.

— Martin Z. Schröder

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Zuerst wurde die Frau gemacht, der Mann folgt später · 27. September 2011

Ob man sich eine Frau backen kann? Ich bin Drucker! Also wenn man sich eine drucken will, benötigt man Deckweiß, Knallrot und Blau. Deckweiß und Rot zu Rosa, und damit es keine Barbiepuppe wird, kommt eine Winzigkeit Blau hinein.

Es sieht dann erst einmal aus wie die Masse, mit der Abgüsse vom Kauorgan gemacht werden, aber das sind nun mal die Zutaten für eine Frau.

Die fertige Paste kommt in die Presse.

Das ist der Heidelberger Tiegel ohne Farbe.

Und hier läuft langsam das kalte Rosa ein. Schwer zu fotografieren, wenn es noch so dünn im Farbwerk steht.

Dieser weibliche Kopf ist relativ einfach. Man kann ihn auch gleich mit einem Hütchen ausstatten, damit die Frau geputzt ist, wenn sie uns vor die Augen tritt.

Während der Kopf inklusive Hut nur aus drei Teilen besteht (unter uns: Neuroanatomie wird etwas überbewertet), wird es darunter aufwendiger. Aber einen Homunculus macht selbst ein alter Drucker nicht en passant, auch wenn es sich dabei doch um eine Akzidenz handelt.

Hier ist der Operationstisch zu sehen. Haupt noch vom Rumpf getrennt, kurz vor der Montage.

Auf diesem Bild sieht man die Rückseite der fertig zusammengefügten Frau.

Und wenn sich dann alles zusammengefunden hat, die Mechanik und die Chemie in glückliche Verbindung getreten sind, dann ist da die Frau. Also: Backen weiß ich nicht, Drucken: ja.

Als nächstes kommt aus der dadaistischen Abteilung meiner Offizin der Mann. Der Mann wirkt hier noch etwas durcheinander. Der Männerkopf hat mit Hut auch doppelt soviel Teile wie das weibliche Haupt. Möglicherweise werde ich die beiden hier abgebildeten Kopfhälften gegen den besser zu konstruierenden Frauenkopf auswechseln. Das überlege ich mir, wenn Blau gedruckt wird.

Ja ja, dieses Paar ist nicht neu. Nur ist die erste farbige Auflage bald alle, ein paar gibt es noch im Online-Shop. In der nächsten Auflage wird der Text auch etwas anders gestellt werden, und das Paar wird geringfügig anders arrangiert.

— Martin Z. Schröder

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Bild-Zeitung und ein »Übrigens« · 23. September 2011

Heute wurde die mittlerweile getrocknete, gestern ausführlich vorgestellte Karte mit dem Bild-Zeitungs-Statement von Max Goldt beschnitten. Sie ist nun im Online-Shop in der Rubrik Max Goldt erhältlich.

Übrigens wurde gestern die Renovierung der Druckerey-Seite abgeschlossen. Ich danke Stefan Herzig für seine geduldige Arbeit mit einem peniblen Schriftsetzer (“Kann man die Laufweite der Palatino geringfügig erhöhen?”) und seine guten Einfälle. Ich kann nun, weil mir der Web-Designer ein Redaktionssystem zur Verfügung stellte, die Seite selbst inhaltlich überarbeiten. Das wird in der kommenden Zeit geschehen.

— Martin Z. Schröder

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Was sich über die Bild-Zeitung in Bleisatz sagen läßt · 22. September 2011

Aus dem Buch “Der Krapfen auf dem Sims” von Max Goldt überließ mir der Autor einen Text für eine Karte, die in den letzten Tagen gesetzt und gedruckt wurde.

Aus der klassizistischen Walbaum in Petit (8 Punkt) wurde der Text mit Bleilettern gesetzt.

Zuerst werden beide Farbformen in eine Druckform gesetzt, um die Ränder genau berechnen zu können.

Nach dem ersten befriedigenden Korrekturabzug wird die rote Druckform entfernt und die schwarze gedruckt.

In der Vergrößerung zeigen sich Altersspuren der Lettern: abgenutzte Buchstaben, abgebrochene Serifen. Aber das verleiht der Schrift auch Charme.

Dann wird die rote Druckform eingerichtet. Ein Foto von der Maschine spare ich mir heute, die Blog-Leser kennen den Heidelberger Tiegel schon aus Bild und Film.

Die für die Ecken verwendeten Schmuckelemente entstammen der ehrwürdigen Düsseldorfer Eremiten-Presse, aus welcher sie nach deren Auflösung über einen Händler in den Bestand meiner Werkstatt gelangten.

Ein Teil des bordeaux-roten Rahmens.

Die Karte wird noch etwas beschnitten.

Aber der Beschnitt erfolgt erst, wenn die Rückseite mit dem Impressum gedruckt ist. Ich zeige es hier an, wenn die Karte zu den anderen im Online-Shop gesellt wird. Gedruckt wurde auf einen schottischen Feinstkarton mit recht glatter Oberfläche, wie sie für klassizistische Schriften am besten geeignet ist. Glatte Kartone müssen besonders gut trocknen vor dem Beschnitt, damit die Farbe nicht auf die Rückseiten abzieht.

— Martin Z. Schröder

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Ein privates Formular · 8. September 2011

Kunden aus alten Adelsfamilien vermitteln einem Handwerker Teile ihrer eigenen guten Tradition durch die Art ihrer Wünsche und ihren Umgang mit dem Handwerker. Ich habe zwar Handwerker in meinem Stammbaum – Hutmacher, Schuhmacher, Zimmermeister, Schmiede- und Sattlermeister gab es unter den Schröders im 19. und frühen zwanzigsten Jahrhundert, aber keine Buchdrucker. Ich konnte keine Druckmustersammlungen aus dem 19. Jahrhundert und noch früheren Zeiten übernehmen. Deshalb bin ich dankbar für die Kenntnisse, die ich erlange, wenn meine Kunden traditionsreichen Familien entstammen und zu mir kommen, weil meine Werkstatt mit dem Bleisatz die technischen Voraussetzungen bietet, beispielsweise eine Drucksache im Stil des 19. Jahrhunderts mit denselben Mitteln herzustellen wie damals und die sich in die Sammlung der Familie einfügt. Die meisten Urkunden besitzt naturgemäß der Adel, und auch gute Tradition, wo er sie bewahren und pflegen konnte (was nicht immer der Fall ist). Man merkt es an der Geschmackssicherheit, genauer: an der Unbeirrbarkeit im Umgang mit Schrift und Farbe. Je älter die Familie und je höher der Rang, desto einfacher die gewünschten Entwürfe. Ganz oben sind goldene Wappenprägungen nicht nötig.

Ich durfte vor einige Zeit für eine hochadlige Familie (ein nicht-deutsches Königshaus außer Betrieb) Einladungen zu einer Hochzeit drucken. Die Wünsche waren knapp und sicher formuliert: Echt Bütten, schwarze Farbe, Englische Schreibschrift. Der Rest wurde mir überlassen, weil man davon ausging, daß der Handwerker stilsicher mit seinen Mitteln umgehen kann, also die Anglaise weder stürzt noch in diversen Größen anwendet oder mit Blümchen verziert, sondern die Schrift für sich wirken läßt, ohne selbst als Designer in Erscheinung treten zu müssen mit so etwas albernem wie einer persönlichen Handschrift in der Arbeit. Für mich war die Akzidenz ganz wunderbar, weil ich nach dem Setzen und Einrichten der alten Pedalpresse eine Karte aus der Maschine zog, die genauso vor 200 Jahren gedruckt worden wäre.

Tradition fortzuschreiben, sich in ihr durch ein gutes Werk, durch einen soliden Dienst als Idividuum unsichtbar zu machen, das hat nichts Spaßiges an sich, sondern ist durch teilhabende Unterordnung ein stilles Vergnügen. Ich fühlte mich sehr verpflichtet, mehr als ohnehin, um den Entwurf, die Proportionen, um jeden Wortzwischenraum, das klare Druckbild.

In einer solchen stilsicheren Tradition werden auch private Formulare angefertigt. Sie enthalten sich jeder Mode. Man sieht ihnen nicht an, in welchem Jahrzehnt sie gemacht wurden, man kann mit Kennerschaft gerade so das Jahrhundert schätzen. Eine solche Einladung als Formular für verschiedenste Zwecke wurde immer wieder gewünscht, und jetzt habe ich es endlich gedruckt.

Auf einem hadernhaltigen Papier, das seit über 120 Jahren so hergestellt wird, in gebrochenem Weiß. Die Garamond, die seit Jahrhunderten verwendet wird, wurde mit schwarzer Farbe gedruckt. Jeglicher Schmuck wurde vermieden, damit man zu jedem nicht zu aufwendigen Anlaß einladen kann, also sowohl zum Dinner als auch zum kleinen Leichenschmaus (etwa für den Lieblingshund des Schloßherrn).

Für große Veranstaltungen kann man eine schöne Einladung eigens entwerfen, also für Hochzeiten und runde Geburtstage ist diese hier nicht gedacht. Aber für ein Essen im kleinen Kreise, für einen Fünf-Uhr-Tee, für ein Hauskonzert, für einen Ausflug, einen Bridge-Abend, eine mittlere Gesellschaft von nicht mehr als dreißig Personen und jegliches Ereignis, zu dem man nicht mehr als ein bis zwanzig Einladungen für Einzelpersonen und Paare und Familien aussprechen möchte.

Der Entwurf brauchte doch erstaunlich viel Zeit. Ich habe immer wieder Karten ausgefüllt, weil ja die geschriebene Einladung das eigentliche Ding ist, das vernünftig aussehen muß, nicht das Blanko-Formular. Trotzdem kann ich sie zu einem günstigen Preis anbieten, weil die Karte technisch mit geringem Aufwand hergestellt wurde: gute Schrift, guter Entwurf, gutes Papier.

Die Handschrift des Gastgebers gibt der Karte erst die individuelle und auch schmückende Note, für welche der Drucker durch eine stilsichere und handwerklich im Bleisatz und Buchdruck traditionell gut ausgeführte Arbeit lediglich die Voraussetzung herstellt. Zwei Beispiele sind hier abgebildet. Sie zeichnen sich auch dadurch aus, daß nicht sofort jeder die Güte dieser Arbeit erkennt. Jaja, Kennerschaft ist heute ein Distinktionsmerkmal, nun ja, wer’s braucht. Ich wünschte mir, daß die Freude an der Arbeit überwiegt.

Diese Einladung wird mit einem gefütterten Kuvert mit spitzer Klappe im gebrochenen Weißton der Karte ausgeliefert. Die Einladung ist in zwei Varianten lieferbar, nämlich in der Wir-Form und in der Ich-Form. Ich bitte, bei der Bestellung darauf zu achten.

Erhältlich im Online-Shop der Druckerey.

Preis pro Dutzend: 30,00 Euro inkl. 19% MWSt. zuzüglich Versand.
Preis für ein halbes Dutzend: 16,00 Euro inkl. 19% MWSt. zuzüglich Versand.

— Martin Z. Schröder

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Geliftet · 27. August 2011

Weil es mit dem nächsten Büchlein von Max Goldt noch etwas dauert, übe ich mich mit Text-Inszenierungen auf kleinerem Format. Am Anfang dieses kurzen Textes über eine Beobachtung im Lift von M.G. stand eine Ideenskizze. Zettel, Bleistift.

Der Skizze folgte der Bleisatz und der Bau der Form. Auf diesem Bild steht das Grundgerüst des Fahrstuhls, die Schaltung fehlt noch.

Hier sind die Knöpfe außerhalb des Lifts montiert, die Steuerung innen steht noch außerhalb der Form.

Hier sieht man die montierte Steuerung, die später auf die andere Seite verlegt wurde.

Die Druckform wurde ausgefüllt.

Und im Schließrahmen für den Heidelberger Tiegel geschlossen.

Der Satz ist aus der Schrift Volta.

Aber noch nie zuvor habe ich Spiegelschrift gesetzt. Digital ist es ja einfach, eine Schrift zu drehen, aber Spiegelschrift in Blei wird fast nie benötigt und wurde deshalb auch kaum gegossen. Ich hatte Glück und konnte eine Spiegelschrift in zwei Graden erwerben. Auf dem Bild ist es eine Serifenlose in 2 Cicero, also 24p.

Meine Finger sind nicht so dick, sondern die Ziffern wirklich so klein, nur 6p stark sind diese Gevierte, also knapp 2,3 mm hoch und breit.

Zuerst wurde Rot gedruckt.

Und ich habe im Waschraum der Druckerey ein Foto vor dem Spiegel gemacht, damit man die Schrift einmal richtig sieht. Wahrlich keine Schönheit.

So sieht der Betrachter die Karte ungespiegelt.

Mit dem Bleistift auf die Ziffern gedeutet. So klein sie sind, so scharf drucken sie doch aus.

Als schwarze Farbe im Tiegel lief, druckte ich zuerst das Impressum auf die Rückseite.

Wenn eine Farbe eingerichtet ist, versucht man so viele Druckaufträge wie möglich damit zu erledigen, bevor man die Farbe wieder abwäscht.

Die schwarze Druckform der Vorderseite. Die Kulisse wird animiert.

Der erste schwarze Abzug. Nein, das befriedigt den Spieltrieb noch nicht.

Da kann man noch etwas dazubasteln.

Schuhe und Hände nämlich.

Nun wäre nur noch die Frage der Frisur zu beantworten.

Drei Möglichkeiten standen zur Auswahl.

Und von dieser Form wurde schließlich gedruckt. Jetzt trocknet die Karte ein paar Tage, bis ich dessen sicher sein kann, daß beim hohen Druck in der Schneidemaschine die Farbe des Liftbenutzers nicht auf die Rückseite abzieht, und wenn die Karte auf das Endformat geschnitten ist, zeige ich sie freilich hier.

— Martin Z. Schröder

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Randausgleich im Bleisatz · 20. Juni 2011

Die beste typografische Qualität ist nur mit digitalem Schriftsatz erreichbar. Daß die meisten Drucksachen mangelhaft gemacht sind, liegt an der geringen Bildung und am fehlenden Interesse der mit Drucksachen befaßten Designer, denen nicht daran gelegen ist, ihren Kunden handwerkliche Qualität zu liefern. Dagegen gibt es auch nicht wenige Drucksachen, die im handwerklichen Detail richtig gemacht sind, denen es aber an Charakter mangelt. Ich meine sogar, die meisten richtig gesetzten Drucksachen sind nicht gut, weil sie modisch sind und dadurch spießerhaft wirken, also halbgebildet, zu glatt, kalt und langweilig. Die meisten Drucksachen, die uns in die Hände fallen, sind schon im Entwurf überflüssig: gestreute Reklame, schlechte Presse, verschwenderische Bürokratie, dumme Bücher.

Gute Typografie läßt sich nur bis zu einem gewissen Maß aus Lehrbüchern lernen, sie entsteht zuerst durch Betrachtung, durchdachte Beobachtung und dadurch geschultes Gefühl. Gute Typografie ist nicht beweisbar, es gibt keine objektiven typografischen Wahrheiten, wie die Naturwissenschaften sie behaupten. Gute Typografie wird durch Überlieferung bestimmt und ist an die herrschende Schriftkultur gebunden.

Ich kann leider kaum Arbeiten aus der Werkstatt zeigen. Sofern es sich nicht fast aufdrängt, meine Kunden darum zu bitten, Arbeiten hier zeigen zu dürfen, wie im vorhergehenden Beitrag, folge ich dem Anspruch der Diskretion, den sich eine Akzidenz-Druckerei zu eigen machen sollte. Aber eine eigene werbende Drucksache wollte ich drucken, und an dieser läßt sich zeigen, wie der Randausgleich im Bleisatz hergestellt wird. Die Vorrede diente auch dazu, von den Löchern im hier gezeigten sehr schmalen Blocksatz abzulenken. Es gibt beispielhafte Buchseiten in der Typografiegeschichte, die im Blocksatz ohne Trennungen ein geschlossenes Bild geben, weil der Produzent in Personalunion sowohl Autor als auch Schriftsetzer war und den Text so lange änderte, bis er inhaltlich und formal mustergültig war. Diese Mühe habe ich mir nicht gemacht. Ich glaube, daß eine Arbeit mit solchen Fehlern wie den Löchern im Satz immer noch sehr gut und besser sein kann als eine technisch fehlerlose, der es insgesamt aber an Reiz fehlt durch falsche Farben oder mangelhaften Rhythmus oder verwischte Akzentuierung.

Hier die Textspalte einzeln. Den Randausgleich hat man im Bleisatz über lange Zeit vernachlässigt. Bei Aldus Manutius kann man ihn noch finden, aber nicht durchgängig. Der Anspruch an gute Typografie begründete sich nicht im Detail, sondern entstand im Gesamtwerk. Ich weiß nicht, wann man den Randausgleich ganz vernachlässigt hat im Handsatz. Im Maschinensatz hat es ihn meines Wissens nicht gegeben. Es ist ja auch eine etwas komplizierte Angelegenheit, wie man am nächsten Bild sehen kann.

Will man das Divis (den Bindestrich) aus der Satzkante herausziehen, so müssen alle anderen Zeilen am Ende einen entsprechenden Anschlag mit Blindmaterial bekommen. Setzt man aber feine Spatien an die Satzkante, wird die Arbeit mit der Kolumne unangenehm. Also verbreitert man die Satzbreite der Kolumne mit größerem Blindmaterial.

Der letzte satzschließende Punkt steht sogar außerhalb der Kolumne, weiter als andere Satzzeichen, weil sich sonst im Druckbild eine Delle im Rand gezeigt hätte. An den oben verlinkten Manutius-Buchseiten sieht man, welche Probleme die Drucker damals hatten, einen scharfkantigen Rand herzustellen, weil sie auf feuchte Bütten-Bogen druckten, die sich um die Ränder der Kolumne legten und die Buchstaben ausgequetscht erscheinen ließen.

Hat man die fertige Karte in der Hand, stechen die Lücken in den Zeilen nicht ins Auge. Wenn die Gesamtform stimmt, Proportionen und Rhythmen, Zeilenabstände, Schriftgrößen, Papierränder, wenn die Illustration mit der Schrift richtig korrespondiert, Druck- und Papierfarben aufeinander abgestimmt sind, dann kann man auch mit Schwächen im Satzbild zu einer guten Drucksache gelangen.

— Martin Z. Schröder

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Zipperlein III · 26. Mai 2011

Zum Schluß nun also wurde Gold über Rot gedruckt und danach die Karte gerillt, um sie zur Klappkarte zu machen. Nun hat man nicht so oft, wie man vielleicht gern möchte, Gelegenheit, jemanden zu dessen fünfzigstem Geburtstag an den leiblichen Verfall und das Elend der nächsten Generation zu erinnern. Ich werde die Karte auch zu anderen Geburtstagen verwenden. Auch wenn ich die erste Zeile, bestehend aus “Fuff-” sehr schätze, so halte ich es für richtig, gegebenenfalls kühn einen Strich über den Anfang zu setzen und grob “Zum achtunddreißigsten” oder “Zum einundsechzigsten” Geburtstag daneben zu schreiben.

Die Karte ist im Internet-Shop der Druckerey erhältlich.

— Martin Z. Schröder

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Zipperlein II · 24. Mai 2011

Das F der Zentenar-Fraktur hat eine so weite Unterlänge, daß diese auch in geringeren Größen ein Loch reißt, das Gewicht der Type liegt oberhalb der Unterlänge und stünde deshalb oberhalb des Kreises. Deshalb erschien mir die Schrift ungeeignet.

Das F aus der namenlosen Gotischen ist zu schwach gegen den Kreissatz. Das F der Titanic ist zu schwer, zu fett, zu gewaltig. Das F der Schneekönigin ist zu plump, und das F der Saphir zu harmonisch.

Die F der Legende und der Groben Gotisch standen zur Wahl.

Ich habe mich für die Grobe Gotisch entschieden, weil dieser Buchstabe sich in den Kreissatz so geschmeidig einfügt. Er erscheint mir aber auch besonders. Schneidler hat in mehreren Schriften ein Wunder zustande gebracht, er hat eine unkoventionelle Form in einer konventionellen versteckt. Texte in diesen Schriften sind gut lesbar, aber schaut man sich die Buchstaben einzeln genauer an, findet man neue Formen.

Dieses F der Groben Gotisch sieht aus wie ein Riesenfisch, der sich im Wasser aufstellt. Oder wie ein Fliegender Teppich. Heute wird über das rote F noch goldene Farbe gedruckt, freilich zeige ich demnächst auch davon ein Bild. Mit roter Farbe wäre das Initial viel zu schwer für das helle Blau der Schrift.

— Martin Z. Schröder

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Zipperlein I · 23. Mai 2011

Von Gerhard Henschel ist im vergangenen Herbst der dritte Roman einer Serie erschienen. Nach “Kindheitsroman” und “Jugendroman” ist der dritte nun der “Liebesroman”. Der Held des Werkes, der die Bezeichnung Held verdient, weil er sich so tapfer durch die Langeweile seiner Jugend kämpft, heißt Martin Schlosser und denkt mit so viel Humor, daß es mich beim Lesen glücklich macht. Der Schriftsteller hat mir erlaubt, einige Stellen zu verwenden. Möglicherweise machen wir eines Tages auch ein Buch daraus. Zur typografischen Einfühlung in die Texte fange ich mit einigen Karten an.

Die erste ist eine Gratulation zum fünfzigsten Geburtstag.
Als solche ist der Text im Buch freilich nicht gedacht. Hier sind es Bedenken von Martin Schlosser anläßlich einer Geburtstagsfeier in der Familie. Ich überlegte mir, woran Martin Schlosser Freude hätte und wie ich seinem Humor eine weitere Deutung verleihen kann. Ein Jugendlicher denkt an fünfzig Lebensjahre — und er spürt mit Grausen den Sand in den Taschen des letzten Schlafanzuges. Noch kein Gedanke daran, etwa auf fünfzig Jahre zurückzublicken. Er steht zu weit davor, um in die entgegengesetzte Richtung denken zu können.

Also eine festliche Geburtstagskarte soll es sein, denn der erste Eindruck soll täuschen. So wie sich auch der Jugendliche über die 50 täuscht. Ich habe mich für einen Kreissatz mit einem farbigen Initial entschieden. Wenn man Text und Initial so deutlich voneinander absetzt, ist theoretisch jede Schriftmischung möglich. Man kann den Duktus der Schrift übergehen und allein die Wirkung in den Blick nehmen: Wie schwer wirkt der große Buchstabe. Soll er aus dem Kreissatz herausragen oder sich einfügen. Soll er durch die Farbe hervorstechen oder sich anpassen.

Ich habe zuerst die sieben Lettern, die mir in Frage zu kommen schienen, herausgesucht. Dann habe ich sie auf Papier abgezogen, einzeln ausgeschnitten und auf einen Abzug des Kreissatzes gelegt.

Zuerst die Zentenar-Fraktur von Schneidler.

Dann eine, von der ich nur ein namensloses Alphabet besitze.

Drittens die Titanic, Erstguß 1920 von Ludwig Wagner in Leipzig.

Viertens die Schneekönigin aus dem Jahre 1909.

Fünftens die Saphir von Zapf.

Sechstens die Legende von Schneidler.

Schließlich die Grobe Gotisch, auch von Ernst Schneidler entworfen.

In meiner Auswahl blieben binnen Kürze nur zwei Typen übrig. Warum ich mich für welche entschieden habe, berichte ich demnächst.

— Martin Z. Schröder

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Jeder fängt von vorne an · 25. April 2011

Welchen Text ich zu dieser Uhr drucken könnte, habe ich ein Weilchen überlegt. Und es wird keinen ständigen Leser dieser Veranstaltung wundern, daß ich mich für einen von Goethe entschieden habe: “Das Jahrhundert ist vorgerückt; jeder einzelne aber fängt doch von vorne an.”

Ich glaube, dieser Stil, Vignetten zu machen, ist aus technischen Gründen ganz verschwunden. Ich weiß leider nicht, wie Zeichner diese Art Illustrationen früher gemacht haben. Ob da auf Papier gezeichnet oder in Blei geschnitten wurde. Oder ob es technische Hilfsmittel gab, was ich wegen der exakten Linien vermute.

Auch Ketten, Gewicht und Pendel sind so schön genau ausgearbeitet.

Und in den Uhrkasten geschnitzt sind zwei Kinder, die auf dem Felde sich einer Wippe als Spielzeug bedienen.

Zu den Osterfeiertagen kommt man mal dazu, auf alte Art in Ruhe einen Text zu setzen, den Umfang zu skizzieren und einen Entwurf zu kleben. Das Kleben habe ich weggelassen, als ich einen hatte.

Diesmal habe ich die Schrift Delphin eingesetzt. Ich habe an anderer Stelle schon vor Jahren (Mannomann, dieses Blog hat ja auch schon ein paar Jahre auf dem Buckel!) über die Delphin geschrieben.

Auf der Rückseite der Klappkarte gibt es ein kleines Impressum, gesetzt aus Futura. Ich setze jetzt immer das Jahr des Drucks hinzu, damit ich mich später freundlich erinnern kann, wann ich was gedruckt habe. Und damit man nicht denkt, die Karte sei von 1960 oder so.

Die Schrift habe ich mit einem sehr hellen Blaugraun gedruckt.

Und natürlich gibt’s die Karte zu kaufen, beispielsweise hier. Sie ist freilich auch als Karte zur Geburt, zu Neujahr und zur freundlichen Erinnerung gedacht. Man kann sogar mahnende Worte an seine Kinder darauf verfassen. Die Rubrik sollte ich im Shop noch einrichten. Was könnte ich da noch drucken? “Der Zorn ist ein schlechter Ratgeber”, Bernard Shaw. So was in der Art eben.

— Martin Z. Schröder

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Ein Zeichen für die FDP · 17. April 2011

Vor gut einer Woche bat die “Welt am Sonntag” eine Handvoll Designer um Vorschläge, wie die FDP ihr Logo “aufpeppen” könne, “entsprechend der neuen, jungen Führungsspitze”. Bild und Erklärung waren gewünscht, und weil mir gleich etwas einfiel, habe ich etwas beigesteuert. Wenn mir auch an aufpeppen so wenig gelegen ist wie an einer Partei, die den Freiheitsbegriff nur noch als Ballast mit sich herumzuschleppen scheint, so ist doch die Idee der “Welt” interessant genug, sich mit der Sache zu befassen, und ich hab mich über die Anfrage gefreut.

Meine in der Zeitung nur ganz knapp zitierte Anmerkung dazu lautet ungekürzt: Der FDP wünsche ich, daß sie sich löst vom Zwang zum Versprechen individuellen Glücks durch Sicherheit und materielles Vermögen, welches der Staat unserer Tage seinen Bürgern aufdrängt. Die Schrift Walbaum aus der Goethezeit mit passenden Ornamenten und Klärchens Bangen um Egmont sollen die einzige liberale Partei an Risiken und Möglichkeiten der Freiheit erinnern, an die sie nur noch selten denkt. Die FDP darf ruhig etwas pathetischer sprechen und mutiger das Ansehen der Freiheit verteidigen, denn es droht unter die schweren Räder allgemeinen Wohlstandes zu geraten, wie ihn auch Diktatoren als das einzig wahre Glück aller in Aussicht stellen, während sie die Macht der eigenen Kaste meinen.

Die Welt hat online ihren Artikel bislang ohne Bilder veröffentlicht.
Mit der Schrift hat sich niemand weiter beschäftigt, und das war auch nicht der Wunsch der Zeitung. Mir fällt nur auf, wenn ich die anderen Entwürfe und überhaupt alle deutschen Parteizeichen sehe, daß die halbfette bis fette Serifenlose offenbar als zeitgemäß gilt. Das ist auch sicherlich so, denn die sozialistische Idee (Überwachen und Versorgen) geistert kräftig wie nie zuvor durch alle Parteien, und wenn die Serifenlose einer Idee zuzuordnen ist, dann eben der Moderne und ihren Vorstellungen von Gleichheit, die als Ideologie des 20. Jahrhunderts immer Gleichförmigkeit und nicht Eröffnung gleicher Möglichkeiten bedeutet hat, was ohnehin in einer offenen Gesellschaft nur im Ansatz erreichbar ist. Die Serifenlose und die Pinselschriften sind die Werbemittel moderner Ideologen. Lautstärke siegt. Eine Partei, die sich den Liberalismus auf die Fahne zu schreiben vorgibt, sollte sich auch in ihrer Bild- und Zeichensprache der Aufklärung zuwenden. Einfach etwas intelligenter aussehen.

Lustig finde ich, daß die “Welt am Sonntag” meinen Vorschlag als Zuwendung zu Genscher und Hamm-Brücher interpretiert. Aus der Genscher-Zeit stammt ja dieses “verklemmt-korrekte” (Welt) Zeichen in Blaugelb. Hildegard Hamm-Brücher, die seit 2002 nicht mehr Mitglied der FDP ist, würde ich allerdings keine Visitenkarten in einer serifenlosen Type drucken, zu ihr paßt mein FDP-Zeichen recht gut, scheint mir.

Zwei Ideen der anderen gefallen mir: Erik Spiekermann schafft die drei Buchstaben in einem seiner beiden Vorschläge gleich ganz ab und setzt den Titel der Shakespeare-Komödie “Was ihr wollt” unter das Gelbfeld. Christoph Kunzendorf heftet das tumbe Facebook-Zeichen “Gefällt mir” unter die drei Buchstaben und kommentiert: “Der Facebook-Button verdeutlicht die völlig neue Richtung der FDP und ist Inbegriff für Jugend und Aktualität. Genau wie Dr. Philipp Rösler, der durch seine Kandidatur neue Dynamik in die Partei bringt.” Das Lachen bleibt mir im Halse stecken. So düster ist es um die einzige Partei bestellt, welche die Freiheit überhaupt noch für erwähnenswert ansieht. Wenn sie auch schon viel zu lange nicht mehr darüber redet, was damit gemeint sein könnte.

Kürzlich versuchte ich, Facebook-Mitglied zu werden. Ich habe es einen Tag lang ausgehalten. Als ich schon nach Sekunden der Mitgliedschaft die erste “Freundschaftsanfrage” von einer Freundschaft des echten Lebens erhielt, fiel mir ein Stasi-Verhör von vor 20 Jahren ein. Der Offizier hatte mein beschlagnahmtes Adreßbuch vor sich und verlangte: “Nun sagen Sie mir mal zu allen Personen etwas, die hier drinstehen. Vergessen Sie niemanden!”

— Martin Z. Schröder

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Das Hamburger Wunder · 1. April 2011

Es könnte die Luftaufnahme einer Stadt (in der Mitte landwirtschaftlich genutze Flächen) sein. Ist es aber nicht. Für Schriftsetzer ist es ein prachtvoller Anblick: eine komplizierte Druckform aus Bleisatz mit Schmuck und Messinglinien. Es gibt nicht mehr viele, die solche Formen bauen können. Der Setzer muß hier sein technisches Können einsetzen, denn die großen Formen kann man nicht nach Lehrbuch bauen. Auf die großen Breiten tragen die Satzformen auf, alle die kleinen Unregelmäßigkeiten im Material, jedes Staubkörnchen, rechnerisch geht eine solche Form nicht auf, aber sie muß im Schließrahmen passen. Es braucht einige Erfahrung, solch eine Form zu setzen.

Dieses Plakat “Typographisches von A bis Z” ist in der Grafischen Abteilung des Museums der Arbeit in Hamburg entstanden unter den Händen von Michael Krüger. (Bezugsquelle am Ende des Textes)

Zugrunde liegt dem Plakat das Setzkastenschema, und einmal außen herum wurden die Fächer ersetzt durch kurze Texte über typografische Dinge, auf diesem Foto sieht man die Erklärung der Begriffe Brotschriften und Cicero.

Es ist so eine Freude, dieses Ergebnis von satztechnischer Spielfreude zu sehen, daß ich es dem geneigten Leser zeigen möchte, der abgeneigte wird sich zu helfen wissen.

Der Text ist aus der Gill gesetzt worden, die der Kollege Erich Hirsch auf der Monotype gesetzt und gegossen hat. Auf den Vergrößerungen erkennt man die Linienanschlüsse der Rahmen. Die waagerechten Linien sind die durchgehenden, die senkrechten stoßen darauf.

Dieses Bild zeigt die Fügungen der Serifen-Darstellung. Es zeigt allerdings auch Schwächen in der Zurichtung der Schrift. In dem Wort Antiqua wird es deutlich: ti kleben zusammen, zwischen q und u ist mehr Luft als gut.

Gar nicht so kompliziert, diese Form herzustellen, die Idee aber, auf die muß man erst mal kommen, das ist hübsch gemacht.

Dem Impressum ist zu entnehmen, daß 1000 Plakate gedruckt wurden auf dem Heidelberger Cylinder.

Es gäbe noch einige andere Möglichkeiten, Initiale einzubauen. Eine sehr hübsche Fummelarbeit. Ich hätte gern mitgemacht.

Das Museum hat also einigen Bleisatzschmuck in seinen Kästen. Das Druckerwappen gehört allerdings nicht zu Gutenberg. Die früheste Erwähnung nennt das Jahr 1466, Gutenberg hatte ein eigenes Familienwappen.

Schön sind die praktischen Erklärungen. Nun wüßte ich noch gern: Gibt es wirklich 3 Punkt starke Linien? Aus Messing oder aus Blei? Oder ist sie gestückelt? Oder eine hochgestellte Dreipunkt-Reglette?

Noch mehr Ornamente.

Von diesem Ausschnitt ist im nächsten Bild der Bleisatz zu sehen.

Nach präzisen Tabellensatzregeln ist so ein Kunststück nicht zu setzen. Daß Messinglinien auf Lettern stoßen, darf hier also nicht reklamiert werden.

Welch wildes Gestückel! So eine Form dürfte bei jedem Setzer anders aussehen, aber man erkennt deutlich, wie daran gedacht wurde, daß die Schließform am Ende hält, nämlich an den verschränkten Formen, also daß möglichst keine rechnerisch gleichgroßen Felder im Blindmaterial entstehen, sondern möglichst viel miteinander verzahnt wird. Großartig!

Von diesen 1000 Plakaten sind noch welche erhältlich. Sie kosten nur 20 Euro per Stück, und bestellen kann man sie direkt beim Setzer Michael Krüger, der Bestellungen per E-Mail selbst entgegennimmt.

— Martin Z. Schröder

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Sei schnafte — be Berlin! · 25. Januar 2011

Diese drei Cicero (36p = 13,536 mm) große Bleisatzschrift Rundfunk ist ohne Geschichte in den Bestand meiner Werkstatt gelangt. Ich weiß nicht, woher sie kommt, wer sie entworfen hat und wo sie gegossen wurde. Für hilfreiche Aufklärung wäre ich dankbar. Daß die Punzen, also die Innenräume der Buchstaben, eckig sind, fällt im Druckbild nicht so stark auf wie direkt an der Bleiletter.

Für Visitenkarten im Bleisatz, für die üblichen Akzidenzen wie Hochzeitsdrucksachen und Briefpapier sind solche modischen Schriften kaum einsetzbar, aber 2012 soll das nächste Buch gedruckt werden, und dafür sorge ich vor. Soweit es noch geht, denn meine Werkstatt ist inzwischen so vollgestopft, daß kaum noch etwas hineinpaßt.

Diese Karte habe ich nur als Schriftmuster gesetzt. Ohne einen Buchstaben mit Unterlänge, fällt mir eben auf. Aber an den Bleilettern sieht man, daß die Unterlänge nur stummelartig sein kann.

Weil ich die Karte kurz vor dem Waschen der Maschine gedruckt wurde, habe ich von einer Seite etwas dunkle Farbe ins Rot einlaufen lassen. Dieses mehrfarbige Druckverfahren (möglich sind je nach Breite der Druckform mehrere ineinanderfließende Farben nebeneinander) nennt man Irisdruck. Im Heidelberger Tiegel ist er allerdings kaum zu machen, weil das Farbwerk die Druckfarbe seitlich verreibt. Also in sehr kurzer Zeit wird aus dem Farbverlauf ein einziger Farbton. Ist aber nicht schlimm, denn Farbverlauf in der Typografie ist meistens scheußlich. Was nun wiederum nicht ganz unpassend zu dieser Schrift wäre: originell, aber deshalb auch häßlich. Originelle Schriften sind meistens häßlich, fürchte ich, denn gute Schriften sind konventionell, weil sie gelesen werden und die Form der Buchstaben gewissermaßen in Stein gemeißelt ist. Originell aus der Konvention auszubrechen, heißt verzerren, wie hier in der Rundfunk, die wirkt, als habe sie zu lange an ihren Hälsen gehangen. Aber man kann häßliche Schriften angemessen und damit gut einsetzen — also eine alberne Schrift für einen albernen Sinn.

Hier sieht man die ch-Ligatur, welche ich aber wieder entfernt habe, weil man das sch nicht in s und ch trennen sollte. In manchen gebrochenen Schriften gibt es sch-Ligaturen (digital ist mir allerdings keine bekannt), aber eine Ligatur aus dem runden s und ch in Antiqua glaube ich nie gesehen zu haben.

“Be Berlin!” oder “Sei Berlin!” ist ein Reklamespruch für meine Heimatstadt, um den vor einiger Zeit gestritten wurde. Ich finde ihn gar nicht so blöd. So als Appell für angemessenes Benehmen eines Berliners vielleicht etwas albern in seiner sprachlichen Wendung, im Grunde aber doch traditionell an die selbstbewußte Haltung eines Bewohners einer Metropole gemahnend. Aber wenn ich eine solche Karte noch mal drucke, sollte ich vielleicht schnafte gegen schnieke auswechseln. Schnieke, dufte und knorke sollte der Berliner sein. Gibt es dazu eigentlich Substantive? Schniekheit? Duftung? Schnaftizismus? Und Steigerungen? Knorkissimo?

— Martin Z. Schröder

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Nackt in einem Märchenschloß voll wirklich schlechter Menschen · 18. Oktober 2010

Das dritte Buch von Max Goldt und Martin Z. Schröder mit dem schönen Titel Nackt in einem Märchenschloß voll wirklich schlechter Menschen hat, wie seine beiden Vorgänger, 32 Seiten, enthält nun noch mehr Buchstaben (Druck komplett vom Bleisatz) und schimmert von außen weder silbrig noch dunkelgrün sondern bordeauxrot, und es ist mit dunkelgrünem Garn in einer Fadenknotenheftung gebunden. Die kurzen luxuriösen Texte, die darin stehen, sind Erstveröffentlichungen.

Zur Typografie habe ich Anmerkungen notiert, die hier zu laden sind.

Das Märchenschloß erschien am 18. Oktober 2010. Im Blog läßt sich seine Herstellung verfolgen, die am 1. Februar des Jahres begann.

Vom Verkauf der Gesamtauflage zurückgehalten werden 50 Exemplare, die zusammen mit dem ersten Buch, dem dritten (Märchenschloß) und einem für 2012 geplanten vierten als vollständige Tetralogie im eigens anzufertigenden Schuber im Jahre 2013 erscheinen sollen.

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Buchdruck vom Bleisatz, mehrfarbig,
Englische Broschur, Fadenknotenheftung mit Umschlag
Einmalige (limitierte) Originalauflage: 2010 Exemplare
32 Seiten
28 Euro

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Das Büchlein kann im Internet-Laden der Druckerey ab Januar wieder versandkostenfrei geordert werden, solange der Vorrat reicht. Es ist am 14. Dezember 2010 fast ausverkauft. Für den Buchhandel ist das Buch leider nicht mehr lieferbar.

— Martin Z. Schröder

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Bleisatz ist Trumpf ? Grau · 20. August 2010

Die schräg und in den Beschnitt gestellte Prachtseite bildet den Mittelteil eines dreiteiligen Textes. Rechts der Prachtseite, durch die am Ende übrigens auch der Faden der Fadenknotenheftung laufen wird, endet ein Gespräch zwischen einem Wicht, einem Troll, einem Gnom und einem Schlumpf. Die Einleitung und den Schluß habe ich aus einem mit Braun versetzten hellen Grau gedruckt. Gesetzt ist der Text aus der Futura mit der Wiener Grotesk für die Hervorhebung der Gesprächsteilnehmer.

Dieses Foto könnte zur Kritik anregen: Das W und das T von Wicht und Troll stehen recht allein da, aber diese Lettern sind so empfindlich, und die Schrift ist so selten, daß ich sie nicht anfeilen und unterschneiden möchte. Diese Eigenheiten der Bleilettern kann ich nur hinnehmen — und ihren Reiz in diesem ohnehin schrägen Schriftbild mit diesen gewaltig langen Hälsen suchen.

Die visuelle Unterscheidung zwischen der Pracht- und der Normalseite könnte jedenfalls kaum größer sein, und darauf kam es an. Der graue Text wirkt etwas schäbig und bringt das buchkünstlerische Bleisatzzitat zum leuchten.

— Martin Z. Schröder

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Bleisatz ist Trumpf ? Grün · 19. August 2010

Am Mittwoch kam im fünften Druckgang die letzte Farbe auf die zuerst hier und gestern hier gezeigte Seite aus dem Buch von Max Goldt “Nackt in einem Märchenschloß voll wirklich schlechter Menschen”: ein gelbliches helles Grün. Sie steht schräg auf der Seite und wird am Ende leicht angeschnitten werden, weil es sich um das ironische Zitat einer aufwendig im Bleisatz hergestellten Gastronomie-Kritik handelt.

Ich war von der Prachtentfaltung überrascht, und ich bin von dieser Seite sehr angetan, ich konnte den Blick kaum davon lösen. Es ist schön, wenn die Pläne, die hier so grob skizziert waren, so schön aufgehen.Die letzte Farbe hatte ich erst dünn mit dem Spachtel um den gedruckten Rahmen herumgestrichen, um die Farbzusammenstellung zu prüfen.

Die Drucker, die in alter Zeit solche Prachtbände druckten, nein, die Buchmaler, die solche Bände erst erfanden, ob sie diesen Anblick des ausgesucht Bunten auch genossen haben? Sicherlich anders als ein Drucker heute, der letztlich doch seine Unvollkommenheit spürt, weil er eben kein Buchmaler ist, sondern Überlieferung imitiert.

Das Zitat ist übrigens eine sehr üble Gastronomie-Kritik, in welche der Autor alle dummen Redewendungen gestopft hat, die man in einschlägigen Rubriken entsprechender Medien lesen kann. So aufwendig und prachtvoll im Bleisatz ist schlechter Sprachstil und dummes Geschwätz wohl noch nie ausgeführt worden. Diese Seite ist ein Exempel für typografische Komik. Im sechsten Druckgang wird die gegenüberliegende Seite des Textes gedruckt, mir schwebt eine schmutzige Farbe vor, ein grünblaubraunes Grau. Oder so.

— Martin Z. Schröder

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Bleisatz ist Trumpf ? Gelb, Gold und Rot · 18. August 2010

Am Montag wollte ich Gold drucken auf den gestern gezeigten Druckbogen, da fiel mir ein, wie wenig Goldfarbe deckt und daß man entweder zweimal Gold druckt, eher aber eine andere Farbe vordruckt, um die Papieroberfläche zu schließen und dem Gold einen Untergrund zu geben, auf dem der Glanz etwas besser hält. Also habe ich erst einmal mit Gelb vorgedruckt und über Nacht trocknen lassen.

Am Dienstag folgten dann Gold und als vierter Druckgang Rot. Die Bilder ganzer Seiten sind, wie schon erklärt, wegen der Urheberrechte am Text hier unscharf gemacht worden. Insgesamt sind es also für diese Seite des Bogens sechs Farben, die Rückseite wird zwei bekommen, so daß allein dieser Druckbogen achtmal den Heidelberger Tiegel passieren wird.

Aber Detailaufnahmen kann ich zeigen, hier die linke obere Ecke mit dem Initial aus der fetten Zentenar-Fraktur. Heute nun werde ich Grün drucken, danach folgt zuerst die Rückseite (der Widerdruck) und am Freitag die rechte Seite des Druckbogens auf der sogenannten Schöndruckseite. Schöndruck nennt man den Druck auf der ersten Seite des Bogens, Widerdruck den Druck der Rückseite.

In diesem Text sind auch die englischen Wörter in Fraktur gesetzt. Dazu mußte ich mir die für das Englische geltenden Regeln zum langen ? (s) anschauen. “Crossover” — wie schreibt man das? Cro??over, also nicht mit ß. Im Englischen wird Doppel-s auch nicht wie in der deutschen Fraktur als ?s geschrieben, sondern eben ??. Die Regeln dafür habe ich nicht in meinem Handbuch für fremdsprachigen Satz gefunden, das in Antiqua gesetzt ist, sondern im Internet. Vergessen, wo. Aber ich fand auch Fotos, vielleicht bei Wikipedia, von gravierten Inschriften in Fraktur mit ??. Nach den neueren Fraktursatz-Regeln hätte ich alle Fremdwörter in Antiqua setzen müssen, aber das hätte die Seite unschön gemacht, weil etliche vorkommen, trendy etwa oder als Eindeutschung und somit Zweifelsfall: tra?hig. Und die Garamond läuft sehr viel breiter als die Zentenar-Fraktur, die Wörter hätten wie hervorgehoben gewirkt. So habe ich mich entschieden, auch das Englische in diesem Text in Fraktur zu setzen, schließlich war diese Type einst in Europa verbreitet.

— Martin Z. Schröder

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Bleisatz ist Trumpf ? Blau · 16. August 2010

Am Wochenende habe ich die sogenannten echten Doppelseiten des neuen Buches von Max Goldt, “Nackt in einem Märchenschloß voll wirklich schlechter Menschen”, zu drucken begonnen. Echte Doppelseiten werden jene genannt, die nebeneinander auf einen Druckbogen gedruckt und nicht erst durch die Bindung zu Doppelseiten werden. Die rechte Seite bleibt allerdings noch ein paar Tage frei, denn diese Seite wird fünffarbig gedruckt. Links eine Prachtseite in vier Farben, rechts dann die fünfte. Auf dem ersten Bild ist der aus der Zentenar-Fraktur von Ernst Schneidler gesetzte Text zu sehen. Zur Schrift habe ich schon im März 2008 hier etwas ausgeführt.

Anschließend kam Schmuck um den Text.

Auf diesem Bild ist er genauer zu sehen. Die großen Elemente stammen aus Matritzen der Bauerschen Gießerei, die schmalen Linienstücke sind dem Meister-Schmuck von Herbert Thannhaeuser entnommen.

Dann brachte mich eine Freundin, der ich von der Arbeit erzählte und die sich erkundigte, ob ich ein Schmuckinitial einsetzte, auf den Gedanken, eben dies zu tun. Mir fiel ein, daß ich die 5 Cicero große fette Zentenar-Fraktur von Georg Kraus gekauft, aber noch nicht in den Kasten gesteckt hatte. Ich änderte die ersten Zeilen des Satzes, um Platz für das Initial zu schaffen.

Es ist ein schmerzlicher Moment geworden, wenn ich auf den Platten, auf denen die ausgebundenen Schriften versandt wurden, den Stempel meines verstorbenen Lieferanten sehe. Ich kann ihm die Arbeiten, die aus seinen Lieferungen entstanden, nicht mehr zeigen. Er hat sich immer gefreut, wenn die von ihm gelieferten Schriften gedruckt wurden.

Als bleischweres Denkmal steht diese schöne Schrift nun bei den anderen Zentenar-Schnitten.

In diese Lücke wird das Initial eingefügt werden.

Um mir über die Farben klar zu werden, habe ich die umrandete Kolumne schnell mit Bunstiften skizziert. Schrift blau, Initial rot, Schmuckrahmen von innen nach außen Gold, Rot, Grün.

Da steht das Initial E.

Der nächste Schritt: der erste Abzug. Noch mit ein paar Druckfehlern, aber im Druckbild schon sehr gut. Die Zentenar-Fraktur im Schriftgrad Mittel (14 Punkt) ist in einem sehr guten Zustand und druckt ohne schweren Druck scharf aus. Eine Zurichtung war nicht nötig.

Der Schmuck im Druckbild.

Auf diesem Foto sind zwei Spieße zu sehen. So nennt man Blindmaterial, das mitdruckt, statt blind zu sein.

Hier sind die Spieße, man drückt sie nur leicht mit der Ahle nach unten.

Dann kam die Stichsäge zum Einsatz, denn die Seite wird schräg gedruckt, wozu die Form im Schließrahmen durch Keile verschoben wird. Die Größe der Keile wird abgemessen, dann werden die Keile zurechtgesägt und -gefeilt. Oder gibt es dafür Spezialwerkzeuge?

Vor dem Druck der Auflage werden alle Teile entfernt, die in anderen Farben gedruckt werden sollen.

Um deren Form zu erhalten, werden sie neu als Rahmen aufgebaut. Fortsetzung Gold folgt. Zur typografischen Idee werde ich später etwas sagen. Dieser Text besteht aus drei Teilen, und im ersten Satz steht der Satz: “Bleisatz ist Trumpf.” Diese Seite illustriert also traditionellen Bleisatz als Buchkunst.

— Martin Z. Schröder

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Versalien ausgleichen für ein Gespräch über Hummeln · 11. August 2010

Wacker schreiten die Arbeiten voran am neuen Buch von Max Goldt: Nackt in einem Märchenschloß voll wirklich schlechter Menschen. Zu sehen sind hier zwei neue Seiten (die im gebundenen Buch nicht nebeneinander stehen werden). Links ein Gespräch über Hummeln, im Buch wird ihm ein Gespräch über Tomaten in gleicher Länge gegenüberstehen.

Der Satz war kompliziert, weil es ein Kreissatz ist, der im Entwurf genau berechnet werden mußte, um ihn eben in dieser Form setzen zu können. Das Foto wurde unscharf gemacht, weil die Urheberrechte des Autors am Text zu berücksichtigen sind. Links oben befindet sich eine Zeile aus Versalien der Buch-Futura in Petit (8 Punkt), und wie man Versalien im Bleisatz ausgleicht, habe ich mit der Kamera aufgezeichnet, hier der Film (6 Minuten lang):

Ja, Fleisch, es muß in der Erklärung richtig heißen: derjenige Teil des Kopfes einer Type, der kein Bild trägt, also im Druckbild nicht erscheint.

Rechts auf dem Druckbogen steht ein Text über Kapuzen und deren Wirkung. Schon vor zwölf Jahren hat sich Max Goldt in dem Buch Ein gelbes Plastikthermometer in Form eines roten Plastikfisches zu diesem Thema geäußert. Welche Folgen die Beschneidung des Blickwinkels durch Kapuzen für die Welt nach sich ziehen, wie Krankheiten und Kriege möglicherweise längst hätten verhindert werden können, führt der Autor nun genauer aus. Links neben dieser Seite wird sich im fertigen Buch ein Text über die dem Kuchen innewohnenden Möglichkeiten für den Zugang zu einer klar umrissenen Menschengruppe finden.

— Martin Z. Schröder

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Beim Setzen zuschauen · 5. August 2010

Filmen ist ein hübsches Vergnügen. Allerdings doch sehr zeitaufwendig, ich verstehe jetzt, warum das bei den Profis so lange dauert. Heute zeige ich den Schriftsetzer am Setzkasten bei seiner Arbeit. Der Film dauert etwa neun Minuten. Kurze Hosen und gebundene Fliegen sind keine enthalten. Später mal … Dieser Tage ist nun endlich das neue Buch von Max Goldt in Arbeit, und davon wird demnächst auch berichtet.

In dem Video wird auf Kunstwerke von Barbara Wrede hingewiesen. Seit kurzer Zeit führt die Künstlerin ein Blog.

— Martin Z. Schröder

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Digitales Design im Buchdruck · 7. Juli 2010

Der gute alte Buchdruck setzt sich als Letterpress wieder in den Vordergrund der Aufmerksamkeit von Designern. Sowohl der echte Bleisatz ist gefragt als auch die Umsetzung von digitalen Vorlagen, was gezeichnete Digitalisierung via Scannen einschließt. Man kann aber für gute Ergebnisse nicht wie für andere Druckverfahren Vorlagen erstellen. Auch für den Offsetdruck sind technische Gegebenheiten zu beachten, vor allem hinsichtlich der Farben. Jeder Offsetdrucker kann ein Lied davon singen, wie man ein sattes Gelb druckt und durch welche Beigabe ein Schwarz Tiefe gewinnt und daß viele Offsetkunden das nicht wissen. Die Rasterauflösung muß aufs Papier abgestimmt werden, und für beste Ergebnisse wird vor der Produktion ein Proof hergestellt. Die Erfordernis der technischen Aufbereitung ist auch im Buchdruck gegeben; der Designer muß sich für gute Ergebnisse auf die Tücken des Verfahrens einlassen. Für die meisten ist der Buchdruck im technischen Detail unbekannt, wodurch auch die Möglichkeiten nicht voll ausgenutzt werden. Zum Beispiel kann in der Ätzung nach digitaler Vorlage nur eine bestimmte Strichfeine dargestellt werden, etwa 0,2 mm. Wenn es feiner wird, etwa in Serifen klassizistischer Schriften, können sich interessante Effekte ergeben. Man kann sogar eine Bleisatzschrift imitieren, weil die feinsten Linien im Metallklischee ungesteuert wegbrechen, was dann im Druckbild wie eine abgenutzte Bleisatzschrift aussieht. Drucksachen im Vintage-Style! Die passende Visitenkarte zu den zerfetzten Jeans! Ich habe einige Hinweise zur Produktion aufgeschrieben. Das PDF Hinweise für Designer steht zum Download bereit. Buchdrucker-Kollegen und Designern bin ich dankbar für Hinweise auf fehlende Themen.

Das obige Bild zeigt Messinglinienformen. Und ist ein Hinweis auf den Fundus einer Druckerei mit Bleisatz, der für Designer eine Fundgrube von Ideen darstellt. Design für Drucksachen kam schließlich einige Jahrhunderte ohne Computer aus und hat vieles hinterlassen, das sich heute neu anwenden läßt, mit einer Schreibmaschinenschrift im Bleisatz und einem abgenudelten Kupferstich-Imitat habe ich schon in kürzester Zeit auf Papierresten höchst originelle Einladungen gedruckt, es gibt so viele Möglichkeiten …

— Martin Z. Schröder

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Die Ur-Futura · 8. April 2010

Heute ein Nachtrag zur digitalen Futura, über die kürzlich hier gesprochen wurde. Meinem Hamburger Kollegen Helmut Bohlmann danke ich für die Übersendung einer Schriftprobe zweier Futura-Schnitte mit Mediävalziffern und den Sonderfiguren, die ich als Lettern noch nie sah und in Druckwerken selten. Hier die Abbildung komplett als PDF. Das Foto rechts läßt sich, wie immer, durch Klick vergrößern.

Die Schrift unserer Zeit — wie stolz das klingt.

Erster Nachtrag am 8.4.
Thomas Gravemaker schickt mir aus Paris neben anderen diese Ansicht (PDF)

Zweiter Nachtrag am 8.4.
Ich füge noch zwei Bilder an. Beide Drucke sind von Bleilettern 1925 entstanden. Von Probegüssen.

Die Futura-Geschichte ist nicht ganz unkompliziert, Christopher Burke hat sie in seinem Buch über Paul Renner, dem die Fotos entstammen, zusammengefaßt. Mir als Drucker scheint der Verlust der Minuskelziffern ein Zeichen für die Gleichgültigkeit der Druckereibesitzer und Schriftgießer nach dem Krieg zu sein. Die ornamentalen Schnörkel sind berechtigt untergegangen (jetzt allerdings digital teilweise wieder zu haben, was auch berechtigt ist), aber eine Schrift ohne zweiten Ziffernsatz ist immer unvollständig.

Die Neufville version ist zwar recht gut, aber von Berthold gibt es auch noch eine version, die auf jeden fall besser ist als die von Linotype.

Nachtrag am 12. 4. von Erik Spiekermann
Als wir bei MetaDesign 1996 eine eigene Futura entwarfen (digitalisiert von Lucas de Groot), hielten wir uns sehr eng an die Bauerschen proben. Leider war der auftraggeber nicht zu bewegen, mediävalziffern einzusetzen. Also haben wir nur für uns wenigstens einen mageren schnitt gemacht, der nicht nur diese ziffern enthält, sondern auch die spitzen bei M,W usw, die bei den fetteren schnitten der praktikabilität zum opfer fielen. In der originalen Futura gab es diese merkmale noch bis zur Halbfetten, die allerdings nicht besonders fett war. Ich lege mal ein pdf bei mit den schnitten, die wir damals gemacht hatten. Es gibt immerhin für jeden davon wahlweise tabellen- oder unterschnittene ziffern.

— Martin Z. Schröder

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Archimedes + Prägedruck = Feine Karte · 25. November 2009

Vor zwölf Jahren habe ich für Freunde die linke dieser beiden Karten gedruckt. Zweifarbig auf Bütten und anläßlich einer Hochzeit von Freunden meiner Freunde. Diese Karte gelangte mir zufällig wieder in die Hände, und mir gefiel die Idee ausnehmend gut. Nur mit dem Entwurf war ich nicht mehr so glücklich, in zwölf Jahren verändert sich eben die Sichtweise, und mir ist die Klarheit der Proportionen damals nicht so wichtig gewesen wie heute.

Nun habe ich den Text etwas verändert und eben auch den Entwurf und eine Klappkarte gedruckt, die Schrift vom Bleisatz (es ist die kursive Walbaum) im gewöhnlichen Buchdruck, die Weltkugel im Prägedruck, denn der Druckstock ist aus Messing. Und Messing hält viel Druck aus.

Der Karton kommt aus Amerika und besteht aus reiner Baumwolle. Er ist in der Papiermaschine nicht kalandriert worden, wurde also nicht durch Stahlwalzen geschickt und nicht geglättet. Dadurch hat dieser Karton ein viel höheres Volumen, als es für ein Gewicht von 300g/m² üblich ist. Und in dieses Volumen sinkt der Druckstock sehr leicht tief ein, was den Prägeeffekt ermöglicht. Und er schlägt auf die Rückseite nicht allzu stark durch. (Neuerdings wird für das Hochdruckverfahren namens Buchdruck auch in Deutschland der englische Begriff Letterpress verwendet, gerade wenn keine Lettern zum Einsatz kommen, sondern von Platten/Klischees ein Prägedruck gefertigt wird.) Zugleich nimmt der Karton aber die Druckfarbe sehr gut an und ist auch recht gut beschreibbar.

Der Satz enthält eine kleine Raffinesse. Der Text wurde erst mittig gesetzt, dann wurde jedes Wort etwas nach rechts verschoben, und zwar um einen Punkt (0,376 mm) gegenüber der darüberstehenden Zeile. So bekommt der Text einen leichten Drall und verliert die einem Satz auf Mittelachse eigene Strenge. Hier auf dem Bild vom Bleisatz kann man das recht gut sehen an den rechts und links unterschiedlich breiten Blindmaterial-Stückelungen. Mir war wichtig, daß der Winkel, der von Text und Linie gebildet wird, nicht zu streng wirkt durch eine echte Senkrechte, also der Text nicht lotrecht steht. Aber kippen wollte ich den Text auch nicht, die Zeilen sollten parallel zum horizontalen Papierrand stehen, damit sie nicht schief aussehen. Die Lösung fand ich also in der Verschiebung der Mittelachse.

Auf diesem Foto sieht man deutlich das kräftige Relief, das durch den Prägedruck entsteht. Ich werde in den nächsten Wochen eine Serie von Karten im Prägedruck oder auch Letterpress herstellen. Dies ist die erste, und für weitere haben vier Künstler und Designer schon zugesagt, Motive zu liefern. Sie werden in den nächsten Monaten erscheinen.

Hier zeige ich den Messingstempel. Er scheint schon etwas abgenutzt zu sein — schaut man genau hin, findet man eine feine Äquator-Linie, die zu flach gestochen ist, um im Druckbild erscheinen zu können.

Die Klappkarte ist geschlossen 105 × 148 mm groß, also DIN A6, damit sie in die Kuvertgröße DIN C6 paßt. Lieferbar ist das gute Stück im Online-Shop der Druckerey: LetterpressBerlin

— Martin Z. Schröder

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Bleigefüllte Gummiroulade · 26. Mai 2008

Neulich wurde ich gefragt, ob ich mich durch die technischen Grenzen des Bleisatzes eingeschränkt fühlen würde. Ich antwortete darauf, daß der Bleisatz in den vergangenen Jahrhunderten den Reichtum seiner Möglichkeiten gezeigt hätte und auch mit dem Foto- und digitalen Satz die Schönheit der Werke von Gutenberg und Manutius nicht zu übertreffen seien.

Typografische Meisterschaft kann durch Reichtum technischer Möglichkeiten sogar erschwert werden. Wer nur eine Schrift zur Verfügung hat, wird sich auf das Studium dieser konzentrieren müssen und alle Möglichkeiten ihrer guten Anwendung aus ihr herauskitzeln. Die Vergangenheit des Bleisatzes hat es gezeigt, bis weit in unsere Zeit hinein, ich erinnere an Giovanni Mardersteig und seine Schrift Dante, deren Satz er zur Meisterschaft trieb.

Die berühmtesten mittelalterlichen Druckereien, in denen die Schrift auch geschnitten und gegossen wurde, verfügten nicht einmal über die Varianten der Werkstatt späterer Drucker, sie kamen mit einer Type in ganz wenigen Größen aus. Die Werke gelten bis heute als Meisterleistungen des “Designs”.

Die geläuterte reine Form eines klassizistischen Buchtitels ist ein größeres Ereignis als das Spiel mit den technischen Möglichkeiten. Aber vielleicht hilft mir dieses Spiel, eine klassische Form immer mehr zu schätzen. Die Möglichkeiten des Bleisatzes zu verspielten Formen sind keine geringen. Die Vielfalt der typografischen Formen wurde in den letzten Jahren, nach dem Vergehen des Bleisatzes, in der Qualität nicht vergrößert, nur quantitativ verbreitert; manche geübte Hand, das räume ich gern ein, hat mit digitaler Technik Meisterwerke geschaffen, die sich allerdings in der Konvention bewegen, denn Typographie braucht wenig Schöpfertum, weil sie eine konventionelle Handwerkskunst ist, die dem Leser dient und ihn nicht bevormundet. Im 21. Jahrhundert aber wurde noch kein Beitrag geleistet, der mir wesentlich das bisherige an dienender Leistung zu übertreffen scheint, und mit den Techniken der Fotografie und den Befreiungsströmungen der Kunst wurde schon im frühen 20. Jahrhundert schöpferisch alles geleistet, was bis heute denkbar ist. Mag die Brillanz von Wiedergabe sich verstärkt haben, das Spiel mit den Effekten fülliger geworden sein, meistens steht man bei dem, was heute Design geheißen wird, vor einem plattgedrückten Haufen Kehricht, der frech darum wirbt, um jeden Preis den Besitzer zu wechseln. Die Ausnahmen, die Perlen, die gut gemachten Bücher etwa oder auch Magazine, wie sie manche Verlage in zeitgemäßer und zugleich guter Manier herstellen, stellen schon eine Art Trotz dar, weil sie mangels breiter Wertschätzung, überhaupt der Fähigkeit dazu, nur wenig Würdigung finden.

Soviel zur Einleitung für die geduldigen unter den Lesern, die ich um Verzeihung für meine Anwandlung bitte. Jetzt zu einer technischen Spielart, die man meines Wissens bislang nirgends erklärend festgehalten hat:

Heute möchte ich eine selten eingesetzte Satztechnik zeigen: den Spiralsatz. Während man eine Kreisform auch mit gebogenen Metallregletten bauen kann, wenn die vorgefertigten Blei- und Messingformen nicht zur Verfügung stehen, ist man beim Spiralsatz mit mehr Flexibilität besser bedient. Ich setze dafür Gummiregletten ein, die ich vor Jahren erwarb bei der heute nicht mehr bestehenden Schriftgießerei und Messinglinienfabrik Wagner, die sich später Letternservice Ingolstadt nannte und auch Werkzeug verkaufte. Den Umgang mit diesen Gummiregletten, die von der Rolle auf das erforderliche Maß zugeschnitten werden, habe ich erfunden, weil ich solcherlei weder in meiner Lehrzeit lernte noch Anweisungen dazu in Büchern fand.

Zuerst lege ich die gesetzte Zeile aus dem Winkelhaken auf einer Holzleiste ab, daneben lege ich das Gummiband aus. Es muß deutlich länger sein als die Zeile, weil sich beim Einrollen die Zeile verlängert durch die vielen spitzen Winkel der eingedrehten Lettern. Von der Leiste wird die Zeile auf die Gummireglette geschoben. Mit der rechten Hand drücke ich die Zeile gegen die Rollrichtung, mit der linken rolle ich eine Roulade. Es wird mit ruhiger Hand aber zügig gerollt, wobei auf die Parallelität zu achten ist. Die fertige Rolle wird gesichert, am besten mit einem Gummiband, und in die Schließform gestellt. Wenn sie von Satzelementen eng umschlossen ist und unter leichtem Schließen der Form, kann das Halteband entfernt werden. Dann werden die verbleibenden Räume mit Blindmaterial, also allem, was nicht druckt, so geschlossen, daß die Form Halt hat.

Im nächsten Schritt müssen die Buchstaben einzeln ausgerichtet werden. Da sie sehr fest stecken, geht das nur mit einer kleinen Pinzette. Man muß fest und mit Gefühl zugreifen, damit die Pinzette nicht abrutscht und die Schriftbilder nicht zerkratzt. Winzige Kartonspäne geben den Buchstaben halt und bestimmen den Drehwinkel der einzelnen Letter. Auf dem Foto mit der Spiralform sind die Kartonspäne vom Abwaschen der roten Druckfarbe eingefärbt. Die Doppelseite zeigt das druckreife Bild mit der eingebauten Spriale. Diese Arbeit ist sehr langwierig. Man könnte es bis zur Perfektion treiben und jeden Buchstaben exakt ausrichten, ich finde ein bißchen Unordnung in einer solchen eingedrehten Lockenzeile aber recht charmant.

Hier ist die rote Seite an ihren Platz neben die schwarze eines früher gedruckten Bogens gelegt zu sehen. Das folgende Foto zeigt: Auf der linken Seite stehen einige Zeilen aus der Schrift Solemnis, die ich hier bereits ausführlich besprochen habe. Im Katalog der Schriftgießerei Berthold wurde die Solemnis zur Walbaum gestellt, diese Schriftmischung und auch die Farbkombination schwarz/rot habe ich im „Atlas van de nieuwe Nederlandse vleermuizen“ von Max Goldt wiederholt. Links Solemnis in rot, rechts Walbaum schwarz gedruckt. Eine optimale Schriftmischung mit der Solemnis ist nur durch weitere Kontraste zu erreichen, also das Stellen in eine zweite Farbe, einen deutlichen Unterschied der Schriftgröße und einen räumlichen Abstand. Hier also links freigestellt in rot Solemnis, rechts der Fließtext dazu in schwarz. Darunter ein Foto aus dem Schriftmusterbuch der Gießerei Berthold. Beide Schriften, sowohl die Walbaum als Nachschnitt als auch die Solemnis als neue Schöpfung, sind von Günter Gerhard Lange, über den ich hier ebenfalls schon Mitteilungen gemacht habe, gezeichnet worden.

Nicht vorenthalten wollte ich meinem verehrten Publikum den Probetext aus dem Schriftmusterbuch über den Vorzug „sehr“ verschiedener Tische, den wichtigsten und gefragtesten Möbelstücken – im Sonderangebot!

— Martin Z. Schröder

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Manieren im Umgang mit Typen / Unästhetisches Schnarchen · 14. Februar 2008

Das Zwiebelfischfinden ging ja sehr schnell! Hier lesen Experten, wie? Binnen weniger Stunden waren die Zwiebelfische gefischt, deshalb gibt es jetzt auch hier das Foto mit den markierten Biestern, die mich einige Zeit gekostet haben. Es sind mindestens zwei Schriften, eine klassizistische und eine serifenlose, die in die Pracht-Antiqua gerührt worden waren. Man kann solche Buchstaben ja nicht einfach austauschen, weil sie geringfügig breiter oder schmaler sind als die korrekten. So mußte ich jede fehlerhafte Zeile neu ausschließen, also im Winkelhaken auf die korrekte Breite bringen, damit sie in der Druckform nicht durchfällt oder sperrt.

Die Texte von Max Goldt zu setzen, ist eine Freude. Ich will nicht darauf herumreiten, daß sie komisch sind und schon gar nicht von Satire sprechen, wie es so oft irrig getan wird, weil unser Begriff von Satire nicht auf die Essays von Max Goldt anwendbar ist. Auch wenn er etwas „aufs Korn nimmt“, so liegt doch die Einzigartigkeit seiner Texte nicht in diesen eher nebenher wirkenden Spitzen, sondern in seinen Entdeckungen. Goldt äußert nicht Meinung, er erschafft neue Sichtachsen in dem Gelände, durch das wir uns bewegen und das wir für bekannt bis zur Langweile halten, bis Max Goldt uns auf einen bisher übersehenen Aspekt aufmerksam macht. Wenig Satire, dafür aber viel Witz durch Verbindungen abseitiger Gebiete, durch Änderung der Perspektive, durch Genauigkeit, Übertreibung, Fortführung eines Gedankens.

Als Schriftsetzer, der die Texte Buchstabe für Buchstabe erfaßt, staune ich immer wieder über die Präzision, die sich mit Eleganz verbindet. In den Sätzen von Max Goldt, und mögen sie noch so leicht hingesprochen scheinen, gibt es keine Nachlässigkeiten; jedes Wort steht wie in den Satz geschliffen. Manchmal ist man als Typograf versucht, für einen Zeilenfall einen Satz umzustellen und probiert theoretisch Varianten aus. Oft erweisen sich Umstellungen dann als günstig, die meisten Texte werden nachlässig geschrieben. Die Luxus-Prosa von Max Goldt ist in dieser Hinsicht wie aus Diamant. Nähme man Umstellungen vor, würde man die ganze Arbeit zerschmettern. Einem Freund des Wortes macht das Bewundern dieser sprachlichen Schönheit enormes Vergnügen, zumeist stilles.

Ich muß aber einräumen, daß ich manchmal, nachdem ich einen Text für den Entwurf etliche Male studiert habe, nachdem ich ihn gesetzt habe und korrigiert und dabei wieder und wieder gelesen, daß ich dann beim Drucken vielleicht beim 400sten Bogen einen akustisch profanen Lachanfall über mich ergehen lasse, weil die Texte von einer Komik, einem Geistesblitze sprühenden Witz illuminiert sind, daß mich mein Gelächter eben unvermittelt überfällt. Max Goldt erklärte in einem Interview, das er der Berliner Zeitung gab: „Das Lachen ist ja streng genommen gar kein besonders attraktives Geräusch, rein ästhetisch gesehen ist es so etwas wie Schnarchen oder Aufstoßen. Ich nehme das Lachen aber nicht ungerne hin, es ist ja ein Zeichen der Anteilnahme.“ (Berliner Zeitung, 20. Januar 2001)

Heute zeige ich hier technische Ansichten vom Satzbau. Bleisatz paßt gut zu den Texten von Max Goldt, weil man ihn so genau bauen muß. Digital läßt jeder Buchstabe mit sich anstellen, was dem Menschen vor dem Bildschirm damit einfällt. Das erfordert vom Anfänger in der Typografie viel Selbstdisziplin, die sogar manch älterem Hasen leider sichtlich abgeht, weil er sich für Buchstaben als Träger von Bedeutungen zu wenig interessiert. Typografie wird oft zu wenig als Form des Benehmens betrachtet. Im Bleisatz setzt das starre Material Grenzen. Die Aufgabe des Typografen besteht darin, vorgegebene Formen (die einer Schrift) in ihrem Sinne zu vollenden, also Formvollendung zu schaffen, die dem Text zum Nutzen des Lesers dienen soll. Man bewegt sich mehr oder weniger geschickt auf dem Felde der Manieren: je unauffälliger, desto näher an ihrer Vollendung. Wenn ein Typograf sich erarbeitet hat, was das Dienen bedeutet und von sich selbst abzusehen vermag, sich fern hält von Bedeutungserschleichung und nicht nach Aufmerksamkeit für seinen Anteil an einem gedruckten Werk heischt, hat er seine Aufgabe in ihrer Tragweite verstanden.

In dem Buch, das ich nun setze, gibt es auch Seiten, die sich weniger um Manieren bemühen. Das typografische Spiel nimmt auf stille Formvollendung gelegentlich keine Rücksicht und wird manchmal laut. Beispielsweise mit der schmalfetten Pracht-Antiqua, die ich hier auf Fotos zeige: schwer lesbar, dunkel, eng. Ich gebe zu, daß ich sie eingesetzt habe nur um der Abwechslung zu dienen (vielleicht auch, um mit ihrem Besitz zu prahlen) – es handelt sich eben um ein ausdrücklich typografisches Spielwerk, das eine gewissen Bandbreite typografischer Ausdrucksmöglichkeiten zeigen soll.

Auf den Fotos ist zu sehen: Die gesamte Druckform der beiden Seiten, die ich gestern druckte. Diesmal habe ich mehr Aufwand betrieben für typografische Blickfänge. Beide Seiten zeigen ein Initial sowie den Einsatz geometrischer Elemente. Drei aufeinanderfolgende Bilder zeigen erstens den Andruck an einer Stelle, wo die dreiviertelfette Futura in eine Garamond-Kolumne gemischt wurde und zu schwach ausdruckt, zweitens den Streifen hauchdünnen Papiers, den ich hinter die Buchstaben geklebt habe, weil die Futura minimal niedriger gefräst wurde, also die Typen etwas niedriger stehen als die der Garamond, drittens die Wirkung dieser drucktechnischen Zurichtung. Die folgenden drei Bilder zeigen ein Initial W aus der mageren Pracht-Antiqua erstens im Bleisatz von oben, zweitens im Druckbild und drittens von unten. Beschaut man einen Satz von unten, wird die Vielzahl der verwendeten Bauteile (Lettern und nichtdruckendes Blindmaterial) deutlich. Dann folgen zwei Fotos, wieder vom Satz und vom Druckbild, die illustrieren, wie man geometrische Räume durch Andeutungen bilden kann. Die drei Zwiebeln liegen in einem Rechteck, das durch Andeutungen gebildet wird. Darauf folgt das Q der kursiven Garamond von Herbert Thannhaeuser als Initial. Es war mir eine Freude, diese mit so feinem Schwung gearbeitete Type einmal in bedeutender Größe einsetzen zu können. Damit die Kolumne insgesamt recht still wirkt, habe ich auf alle anderen Versalien verzichtet. Ich bin kein Anhänger der Kleinschreibung, jeglicher Verzicht auf sprachliche Differenzierungen ist ein Verzicht auf sprachliche Vielfalt und auf Möglichkeiten der Nuancierung von Bedeutungen. Aber sehr ausnahmsweise kann man das mal machen. Zum Schluß noch zwei Fotos der Druckform von unten, das gelbe Seidenpapier ist Teil der Zurichtung, die den Satz an diesen Stellen etwas hebt.

— Martin Z. Schröder

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Der Januskopf wackelt durch die Jahrhunderte · 12. November 2007

Jeder technische Fortschritt in der Vervielfältigungstechnik brachte zuerst einen Qualitätseinbruch mit sich. Die ersten gedruckten Bücher im 15. Jahrhundert konnten auch bei den größten Bemühungen nicht mit der Schönheit meisterlicher Manuskripte (manu scriptum – lat. das Handgeschriebene) der Zeit konkurrieren. Binnen weniger Jahrzehnte verbreitete sich die Satz- und Drucktechnik nach Gutenberg in Europa; über Jahrhunderte hinweg wurde einerseits typografische Qualität verbessert und gab es andererseits immer wieder technologische Entwicklungen, die sich anfangs nachteilig auf die Typografie auswirkten, bis sie beherrscht wurden. Manchmal blieben typografische Qualitäten auch über Jahrzehnte vergessen, beispielsweise der Randausgleich im glatten Satz (auch Blocksatz genannt). Im industriellen Maschinenbleisatz für Bücher und Zeitungen ist diese optische Begradigung der Satzkanten, also das geringe Hinausziehen der Bindestriche aus der Satzkante beispielsweise, nicht möglich. Gutenbergs Bibel zeigt den Randausgleich, er hat sich an die Vorlagen aus den klösterlichen Schreibstuben gehalten, für lange Zeit wurde diese Qualität nicht mehr erreicht. Erst seitdem mit Computern gesetzt wird, ist der Randausgleich wieder herzustellen – gute Typografen machen davon Gebrauch.

Auf den Schultern des Fortschritts wackelt der Januskopf. Auch der Satz mit dem Computer hat anfangs enorm viele Ungeheuerlichkeiten hervorgebracht – heute dient das Werkzeug in den richtigen Händen für ausgezeichnete typografische Arbeiten.

Mit neuen Technologien haben sich auch Berufsbilder verändert. In den letzten Jahrzehnten sind die Anforderungen an den Typografen gewachsen, weil er jetzt zugleich ein Schriftsetzer sein muß. Es gibt den Beruf des Setzers nicht mehr, der nach den typografischen Anweisungen eines Spezialisten Text setzt und dabei jenes Regelwerk für ein gepflegtes Satzbild anwendet, das der akademisch-künstlerische Typograf oft nur vom Hörensagen kannte. Die Bemühung um Details war nicht Sache der Typografen, die Entwürfe skizziert und „ausgezeichnet“, also mit technischen Satzangaben versehen haben.

Ich zeige ein Beispiel für die Detailarbeit, die der Setzer übernahm und mit der ein Typograf sich nicht befassen mußte (sofern er in einer anständigen Setzerei arbeiten lassen konnte). Auf den ersten beiden Fotos ist ein dreizeiliger Satz zu sehen, der Mängel aufweist. Verwendet wurde die Schrift Kristall (1937 als Hausschnitt der Norddeutschen Schriftgießerei in Berlin erstmals gegossen) in einem halbfetten Schnitt und einem großen Schriftgrad (4 Cicero = 48 Punkt). Die Fehler: In der ersten Zeile steht das Divis (Bindestrich) eng am vorhergehenden Buchstaben, läßt aber zum folgenden einen weiten Raum. In der zweiten Zeile steht das Divis sehr tief. Die dritte (fehlerfreie) Zeile zeigt nur, daß der lange Streckenstrich, der für Streckenangaben eingesetzt wird, innerhalb der Zeile höher steht als das Divis. (Die gesetzten Lettern ergeben keinen Sinn und wurden nur für die Schrift-Interessierten ausgesucht, die der Schrift keine große ästhetische Qualität zugestehen werden, sich an ihrer Eigenwilligkeit aber vielleicht doch erfreuen können.) Auf dem dritten Bild ist zu sehen, was der gute Setzer während des Setzens sofort gegen die Unregelmäßigkeit in der ersten Zeile unternimmt: Er fügt einen Abstand vor das Divis ein, um das Schriftbild zu harmonisieren. In der zweiten Zeile versucht er, das Divis nach oben zu bringen, indem er es auf den Kopf stellt: Das vierte Foto zeigt die aus der Druckform gehobene Zeile. An der Rille, die durch alle Lettern der Zeile läuft, Signatur genannt, erkennt der Setzer, wie die Type steht. Das Divis dreht er nun um, mit der Signatur in die entgegengesetzte Richtung.

Die letzte Abbildung stellt dar, wie die Neutralisierung der Räume in der ersten Zeile gelungen ist. Das Divis aber neben dem E in der zweiten Zeile steht nun zu hoch. Stünde anstelle des E mit dem kräftigen Querstrich in der Mitte ein O oder ein M, würde es nicht auffallen. So aber wird der Setzer sich der Mühe unterziehen müssen, die Bleiletter des Divis abzufeilen und genau einzupassen. Sofern es sich beispielsweise um einen Buchtitel oder ein Plakat handelt. Für unwichtige Drucksachen hätte man sich im Bleisatz nicht die Mühe gemacht.

Einerseits gehen solche Operationen im Computersatz leichter vonstatten. Andererseits aber stellen sich dem Bleisetzer solche Aufgaben während des Setzens. In kleinen Graden einer Schrift wird er das Divis und den auf Mitte stehenden Punkt im Versalsatz (Satz aus Großbuchstaben) und zwischen Versalziffern (Ziffern, die so hoch wie Großbuchstaben sind) automatisch umdrehen und die Abstände harmonisieren, ohne darüber lange nachzudenken oder das Problem überhaupt erst suchen zu müssen. Er erledigt das automatisch, er ist durch sein Wissen entsprechend programmiert. In der unwichtigsten Drucksache wird er seine Handgriffe wie gewohnt anwenden und erreicht immer ein gepflegtes Bild auch im Detail.

Wer Text durch ein paar Handgriffe aus einem Textprogramm in ein Grafikprogramm zur Bearbeitung übernimmt, für den stellt sich erst die Frage, ob er den Text derart genau durcharbeitet. Es gibt Grafiker und Designer, die wissen nichts von solchen Details. Es gibt welche, die arbeiten aus Überzeugung jedes Detail besser aus, als es im Bleisatz möglich ist, das sind noch sehr wenige. Und es gibt Typografen mit Sachverstand aber ohne Berufung, die gehen nach dem Preis: Wird Detailarbeit beauftragt und bezahlt oder ist es dem Kunden egal.

In meiner Druckerei wird nur erste Güte gesetzt. Eine Arbeit macht schließlich erst dann richtig Freude, wenn man alle Möglichkeiten aus ihr herauskitzelt, wenn man ihre Herausforderungen sucht, sie findet und sich ihnen stellt. Es ist nicht verkehrt, sich auch immer ein wenig als Anfänger zu begreifen und zu fragen, was sich auch nach langer Berufsausübung heute und morgen besser ausführen ließe. In der Typografie fällt das sogar leicht, weil es in der Geschichte so phänomenal großartige Meisterwerke gibt, die das eigene Können in den Schatten stellen und aus denen sich schier endlos lernen läßt.

— Martin Z. Schröder

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Eine Klingelleiste ins Mittelalter · 4. November 2007

Wenn mein Drucker-Kollege mir einst zurief: „Martin, bring mir mal ’ne Achtel auf fünf“, dann war das Berufssprache. Als ich in den 1990er Jahren Sozialarbeiter im Gefängnis war, lernte ich, was ein „Vormelder“ ist: Ein Formular, auf dem der Gefangene seine Wünsche mitteilt, beispielsweise ein Gespräch mit dem Sozialdienst anmeldet. Als ich später für Tageszeitungen als Journalist arbeitete, sprach man davon, daß Artikel „heute mitgehen“, womit man meinte, daß sie morgen in der Zeitung („im Blatt“) stünden. Und ein „Zwiti“ ist eine kleinere Überschrift im Text, ein „Zwischentitel“. So etwas kennt nicht nur jeder, der einen Beruf ausübt, auch andere Gruppen entwickeln eigene Sprach-Elemente. Kinder unter sich beispielsweise sind manchmal für Erwachsene ohne ständigen Kinder-Kontakt kaum zu verstehen. Und auch zwischen manchem Herr und Hund entwickelt sich eine eigene Art der Verständigung. Wie Gruppen funktionieren und wie wir unsere sozialen Rollen in unterschiedlichen Umgebungen ausfüllen, weiß man seit dem Klassiker „Homo Sociologicus“ von Ralf Dahrendorf.

Interessant wird Berufssprache, wenn sich etwas mehr als die Gepflogenheit einer Vereinfachung dahinter verbirgt. „’ne Achtel auf fünf“ heißt in der Buchdruckerei, im Bleisatzgebiet: die Reglette (eine Bleischiene, die als Zeilenabstand benutzt wird) in der Stärke eines typografischen Punktes und der Länge von 11520 Punkten. (Korrektur am 17. Mai 2010 nach Kommentar Nr. 5: 240 Punkte, nicht 11520, wie bin ich darauf nur gekommen? Also 5 Konkordanz à 48 Punkt sind 240 Punkt.) Der typografische Punkt (p) ist die kleinste Maßeinheit der Typografie. Dabei ist bis heute Punkt nicht gleich Punkt. Aber zu dieser Geschichte ein andermal mehr.

Früher wurden Schriftgrade nicht in Punkt angegeben, sondern hatten eigene Namen. Im Duodezimalsystem, das auf der 12 beruht (im Gegensatz zum Dezimalsystem mit der 10 als Bezugszahl), hatten 12p den Namen Cicero: benannt nach einer 1466 gedruckten Ausgabe mit Briefen Ciceros in dieser Schriftgröße. Solche Hintergründe machen die Sprache interessant, wenn nämlich Kultur- und Zeitgeschichte sich darin spiegeln.

Andere Schriftnamen wie etwa „Nonpareille“ (6p) erklären sich selbst: Ohnegleichen. Sie war im Spätmittelalter die kleinste und noch gut lesbare gedruckte Schrift. Warum nun der Grad „Petit“ (die Kleine, 8p) so wichtig ist, daß er für die oben genannte „Achtel“ herangezogen wurde, das weiß ich nicht. Vielleicht liest dies jemand, der helfen kann? Wenn damals der Drucker von mir etwas in der Stärke einer Achtel haben wollte, meinte er nämlich die Stärke von einem Punkt, woraus sich ja ergibt, daß Petit (8p) die Bezugsgröße für den Begriff war. Warum nur? Außer daß Petit ein Drittel von zwei Cicero ist, fällt mir dazu nichts ein. Ein Schriftsetzer hat übrigens das Kopfrechnen für einige Zahlenreihen besser drauf als für andere: mit 6, 8 und 12 wird viel gerechnet.

Und mit der „fünf“ in der Formulierung waren fünf Konkordanz gemeint. Die nächstgrößere Maßeinheit. Also: 12p = 1 Cicero, 4 Cicero = 1 Konkordanz. Das sind knapp 2 Zentimeter. Der auch aus der Literaturwissenschaft bekannte Begriff leitet sich aus der Bibeltypografie ab, wo diese schmale Satzbreite für die Konkordanz genannten Verzeichnisspalten bestimmt wurde.

Wer sich also im alten typografischen Maßsystem des Bleisatzes bewegt, hat sozusagen die Klingelleiste des Mittelalters vor Augen und kann jederzeit ein Türchen zu einem Wissensgebiet öffnen. Wenn man sich seinen Beruf so zu eigen machen kann, entwickelt man große Zuneigung. Jedenfalls mir geht es so: Ich fühle mich in einem Kontinuum, ich führe eine Sache weiter, ich bin im Bleisatzgebiet zu Hause – und entdecke darin immer wieder neue Kämmerchen.

Heute spielen diese Begriffe für zeitgemäße Gebrauchsgrafiker und Typografen keine Rolle mehr. Das ist kein Verlust. Die Möglichkeiten des Computer-Satzes sind viel feiner, als daß es Sinn ergäbe, jeder Schriftgröße einen Namen zuzuordnen. Die alten Begriffe gehören ins alte Handwerk, sie wären heute eher hinderlich als hilfreich. Und es ist zugleich nichts als sehr hübsch, ein paar Nischen zu wissen, wo die Klingelleiste ins Mittelalter noch benutzt wird.

— Martin Z. Schröder

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Papier für Max Goldt · 1. November 2007

Ich bereite die Produktion des neuen Büchleins von Max Goldt vor. Einen Text habe ich reklamiert beim Autor, weil er schon anderweitig verwendet wurde. Er ist aber gut, ich trauere ihm nach.

Auf der Seite von Katz & Goldt finde ich eben einen ausgezeichneten Comic für Typografen, Thema: Divis. So sagt man, um diesen Strich gegen andere, längere begrifflich abzusetzen, aber nur das Divis fungiert als Bindestrich.

Immer dieses Abschweifen. Also den einen Text, den ich fürs Buch von Max Goldt bekommen habe, hat Katz bereits für ein T-Shirt verwendet. Für mein Büchlein ist er damit verbrannt, wie man unter uns auf einmalige Texte erpichten Bleisatz-Buchdruck-Büchlein-Machern sagt. Heute kam der Ersatz, ein Gedicht, in dem ein neues Wort vorkommt, das ich jetzt schon gerne habe.

Bevor ich mit den Entwürfen für das Büchlein beginne (jeder Text bekommt eine eigene Typografie), kümmere ich mich um die Ausstattung: das Papier. Das Büchlein wird wie das erste als flexible Broschur erscheinen, diesmal allerdings von Hand mit dem Faden geheftet.

Das Objekt erhält also einen Buchblock aus Buchseiten, da wird der Text drauf gedruckt. Darum wird ein Umschlag geheftet, wahrscheinlich unbedruckt, wenn ich nicht innen noch eine Zierleiste/Borte aufdrucke, und um diesen kommt ein Schutzumschlag mit Klappen und aus Karton, welcher dann den Titel tragen wird.

Wie das Büchlein heißt, weiß ich noch nicht. Das wird der Autor mir noch mitteilen. Das erste Buch hatte einen silbergrauen Umschlag außen, einen orangeroten innen und war auf perlgraues Papier gedruckt. Ich habe einige Tage lang Papierkataloge durchgesehen, aber ich werde bei perlgrau für den Inhalt bleiben. Es ist eine helle, warme und strapazierbare (d.h. ich kann gut andere bunte Farben darauf drucken) Farbe mit einer hohen Opazität. Das heißt Lichtundurchlässigkeit. Wieviel Licht das Papier hindurchläßt, ist eher zweitrangig; wichtiger ist die Sichtbarriere zur Rückseite. Bei Romanen muß man nicht so stark auf die Opazität achten wie bei einem solchen Typografik-Werk, denn Zeile ist auf Zeile gedruckt (man nennt das „Register halten“). Aber ich möchte ja nicht, daß mir von der Rückseite die typografischen Elemente auf die Vorderseite so stark hindurchscheinen, daß sie den Anblick der Seite beeinträchtigen, die gerade betrachtet wird.

Die Umschläge dazu sollen farblich anders aussehen als beim ersten Buch, denn die Verwandtschaft zum Erstling stelle ich durch das Format und die Bindung her. Von einigen Papieren fordere ich nun Muster an, denn ich möchte testen, wie sie sich im Buchdruckverfahren verhalten, ob sie gut mit Bleisatz bedruckbar sind und wie sie aussehen, nachdem Rillen eingeprägt wurden für die Stellen, an denen ich sie zu falzen habe.

Das Foto, auf welchem man meine Hand blättern sieht, zeigt die Preisliste eines Papierhändlers. Das ist ein recht umfangreiches Buch und deutet an, wie viele Papiersorten auf dem Markt zu haben sind.Ich habe die entsprechenden Musterbücher von vier Händlern und zwei Herstellern durchgesehen. Nicht die Musterbücher mit den Werkdruck- und Korrespondenzpapieren, sondern die „Kreativen Papiere“, wo es um Farben und Oberflächen geht.

Wie man sich in einer solchen Menge orientiert? Waren Sie schon einmal Stoff kaufen für ein Möbelstück oder für Kleidung? Als Laie droht man in der schieren Menge zu ertrinken, wenn einem nicht geholfen wird. Hinsichtlich Papier bin ich kein Laie. Woran halte ich mich also fest?

Immer wenn ich merke, wie mich bestimmte Oberflächeneffekte und intensive Farben zu stark zu fesseln drohen, besinne ich mich: Das Inhaltspapier steht fest, also perlgrau, also welche Farbe harmonisiert, und vor allem: Was empfinde ich dabei? Was befiehlt mir die Institution, die man guten Geschmack nennt? Etwas also, das sich lernen läßt, das man auch immerzu schulen muß durch stete Wiederholung des Betrachtens guter Arbeiten. Man kann Farben auch logisch aussuchen, mit Hilfe einer Farbenlehre, aber darin verliert man sich ebenso leicht, zumal die Farben, welche die Farbenlehre zu kombinieren empfiehlt, wahrscheinlich nicht als Papier erhältlich sind. Also verläßt man sich auf das geschulte Auge, auf das ausgebildete Gefühl.

Ich habe heute keine Entscheidungen getroffen, erst an den Musterbogen werde ich auch die Flächenwirkung der Materialien beurteilen können. Mir schwebt zur Zeit ein metallisch glänzendes Dunkelgrün als Außenhaut vor. Innen könnte man mit einem grellen Violett dagegen anknallen oder eine Harmonie mit einem warmen Rotton finden. Ich neige zu letzterem, werde aber die Kontrastfarben auch ein paar Tage lang beobachten.

Im nächsten Schritt werde ich die Kalkulation des Papiers angehen.
Im Verlagswesen macht das oft der Hersteller, in sehr großen Verlagen gibt es Kalkulatoren. Ich war einst Verlagsersteller, und kann sagen: für so eine Broschüre hält sich der Aufwand in Grenzen. Wie ich Papier kalkuliere, erkläre ich demnächst in diesem Theater. Hier zeige ich auf einem Foto schon mal den Ausschnitt der Preisliste für das dunkelgrün Glänzende: „gardeners green“ – schöner Name.

— Martin Z. Schröder

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Englische Schreibschrift · 29. Oktober 2007

Heute habe ich eine Einladung zur Trauung gedruckt. Meine Kunden kamen zum Andruck, weil ihnen die Farbe wichtig war, die ich manchmal von Hand mische. Für den heute benötigten Sepia-Ton verwendete ich ein bläuliches, also kaltes Rot, auch als Weinrot geläufig, das ich mit Hellbraun anwärmte und mit Dunkelbraun abtönte.

Für den Satz habe ich die Excelsior verwendet, eine Englische Schreibschrift, die ich in der Bauerschen Gießerei in Barcelona gekauft habe. D.h. ursprünglich habe ich die mal in den 1990er Jahren von der Gießerei Wagner in Ingolstadt gekauft, die sich die Matrizen aus Barcelona ausgeliehen hatte. Jahre später gab es die Gießerei nicht mehr. 2006 habe ich Kontakt nach Barcelona geknüpft, wo die Bauersche Gießerei schon früher eine von zwei spanischen Filialen hatte, die jetzt als einzige europäische Gießerei außer der Firma Stempel übriggeblieben ist. Gießerei für Handsatzschriften wohlgemerkt, es gibt noch Spezialbetriebe für andere Arten von Satzmaterial, aber das würde hier wieder zu sehr ins Detail führen.

Englische Schreibschrift ist eine spaßige Angelegenheit, dafür braucht man ein bißchen Erfahrung. Diverse Buchstaben gibt es in zwei Varianten, einmal innerhalb eines Wortes einzusetzen, einmal am Ende: r und Schluß-r, t und Schluß-t, auch zwei e, zwei s, dazu Ligaturen (Buchstabenverbindungen) von ch, ck, ff, fi, fl sowie beispielsweise in der Excelsior zwei verschiedene Versalien T. Der Setzer muß das alles während des Setzens bedenken, er muß das Druckbild vor Augen haben und wissen, daß er ein Schluß-r zwar gewöhnlich ans Wortende setzt, aber nicht vor ein Satzzeichen wie den Punkt oder das Komma, weil sonst ein unschönes Loch entstünde. Er muß auch wissen, daß es zwei z gibt: eines mit Unterlänge, eines ohne; und planvoll ist das jeweilige für ein schönes Gesamtbild zu verwenden. Außerdem wird er mit der Zeit Erfahrungen sammeln, welchen Wortzwischenraum er einsetzt, weil manche Buchstaben einen solche Anstrich haben, daß vor ihnen ein weiter Raum sich bildet, der mit gewöhnlichem Wortzwischenraum ein Loch würde.

Englische Schreibschrift imitiert Handschrift, den kalligraphischen Zug der Spitzfeder, die einen breiteren Strich zieht, wenn man sie durch Aufdrücken ein wenig spreizt. Wie so etwas original wirkt, ist in meinem Schaufenster unter Kalligraphie zu sehen.

Die ersten Fotos zeigen einen vergrößerten und deshalb die Unregelmäßigkeit des Buchdrucks etwas gemein herausstellend einen Abzug “in der Stiftskirche”, darunter einmal im Bleisatz wie ihn der Schriftsetzer sieht, also kopfstehend gespiegelt, darunter für den Laien zur besseren Sicht gespiegelt auf den Fuß gestellt (eine Ansicht von der einem Schriftsetzer schwindelig wird, für meine Augen ist das richtig gemein). Zwischen “in” und “der” liegt ein 3 Didot-Punkte breites Spatium, zwischen “der” und “Stiftskirche” liegt nichts, weil das S so schwungvoll anhebt, daß es keinen Raum mehr braucht.

Die zweite Bildserie (Abzug, Bleisatz, Bleisatz gespiegelt) zeigt die beiden T in Tag und Trauung. Das eine erinnert an ein C, ich setze es nur dort ein, wo der Kontext die Bedeutung des Zeichens als T selbstverständlich wirken läßt.

Schöne Verschlingungen, was? Eine herrliche Arbeit, die einem solche Bilder vor Augen stellt. Welche Handwerkskunst steckt in diesen bleiernen Typen! Einige Verantwortung hat der Typograf, der Schriftsetzer, der Drucker, auf je seinem Gebiet vernünftig zu hantieren, also die Typen ihrem Duktus entsprechend zu verwenden, sie mit Vorsicht zu setzen, damit sie nicht brechen und schließlich sie mit Zartgefühl zu drucken und zu waschen.

Eine Nachfrage wird vorab beantwortet: Was sind das für Einschußlöcher in den flachen Teilen? Das sind Einstiche von der Ahle. Erstens prüft man so, ob die Zeile in der Form nicht wackelt, zweitens kann man so angepiekt die dicken Teile (Quadrate, Gevierte, Halbgevierte) gut herausheben. Ich mache das selten, aber wenn ich muß, dann handfest. Diese Stellen des Blindmaterials darf man so behandeln, es hat keine weiteren Auswirkungen.

— Martin Z. Schröder

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Entstehung einer Visitenkarte · 26. Oktober 2007


Wie entsteht Herrn Theofels Visitenkarte? Am Anfang jeder Drucksache steht der Entwurf. Manchmal bekomme ich sehr genaue Angaben („Bitte keine Schnörkelschrift!“), manchmal auch sehr vage Informationen („Ich bin eher ein Sommertyp.“). Hin und wieder kommt jemand mit fertigen Vorlagen, zu denen entweder der Bleisatz nicht paßt, weil mir eine Schrift nicht zur Verfügung steht oder die typografisch nicht den in meiner Offizin geübten Regeln der Schwarzen Kunst entsprechen. Meine Kunden können sicher sein, daß ihre Visitenkarten typografische Qualität zeigen. Es kommt selten tatsächlich vor, daß ich zu einem Auftrag „Njet“
sagen muß, weil ich mit dem mitgebrachten Entwurf nicht in Verbindung gebracht werden möchte. Nicht etwa, weil er vielleicht nicht konservativ ist oder mir nicht gefiele, sondern weil er nicht gut genug ist. Es gibt viele Druckereien, die jede gelieferte Vorlage umsetzen, da sollte ein Akzidenzer alten Schlages zu jenen Felsen in der Brandung gehören, die es auch in der digitalen Typo-Welt gibt. Wo König Kunde Schmeichler um sich schart, regiert der Unverstand.

Aber von Ausnahmen soll heute nicht die Rede sein. Herr Theofel und ich tasteten uns in mehreren E-Mails und Telefonaten an den Entwurf heran, unterwegs wurden alle Fragen beantwortet und Entscheidungen gefällt. Beispielsweise: Soll die Karte zweiseitig bedruckt werden? Bei Geschäftskarten rate ich davon immer ab, denn man kann sie nicht vernünftig benutzen, wenn man sie in ein Album steckt oder unter eine Glasplatte schiebt oder an eine Pinnwand heftet: eine Seite bleibt versteckt, und der Benutzer ist eher verärgert, wenn er nicht alle Informationen in den Blick bekommen kann. Die Privatkarte oder ein verspieltes Modell darf alles. Sie darf zu groß sein, sie darf auch quadratisch sein, sogar unhandlich. Und manchmal wird eine Absicht mit dem zweiseitigen Druck verfolgt. Herr Theofel begehrte eine private Karte, deren eine Seite rein repräsentativem Zwecke dient und deren Kehrseite alle Daten auf einen Blick zeigt.

Sind die Entwürfe hinsichtlich Schrift, Druckfarbe, Papier geklärt und wurde das Imprimatur erteilt (Es werde gedruckt!), stelle ich den Satz her. Jede Letter wird einzeln in den Winkelhaken (Metallschiene zum Sammeln der Typen) gesetzt (deshalb: Schriftsetzer) und mit Blindmaterial (das nicht mitdruckt) zur Zeile ausgeschlossen (aufgefüllt).

Wenn der Satz fertig ist, wird er in den Schließrahmen gestellt und die Druckform eingerichtet. Nun der Andruck, also der erste Abzug. Dann die erste Korrektur. Die Maschine wird eingestellt, Druck und Farbe werden reguliert. In das Schwarz kommt ein bißchen Rotbraun, damit es auf dem leicht getönten Papier satter wirkt. Der zweite Druck. Neuerliche Korrektur und so fort, bis die Akzidenz aussieht wie sie soll.

(Ja, bei der Korrektur soll die Ahle nicht in die Form und der Schlüssel nicht steckenbleiben. Bevor Kollegen protestieren: Hier praktiziert jemand, der vor 26 Jahren zum ersten Mal eine Type zwischen die Finger genommen und eine Form geschlossen hat. Weder zerkratze ich Buchstaben noch fällt mir der Schlüssel auf den Satz. Ich hab mein Lehrgeld an dieser Stelle schon bezahlt; wenn der Schlüssel steckenbleibt, dann sitzt das Schloß so, daß es nicht kippen kann. Wenn ich mit Anfängern arbeite, bekommen diese eine Ahle erst einmal gar nicht in die Hand.)

Herr Theofel wünschte sich, daß man der Drucksache ihre handwerkliche Herkunft ansieht. Schwierig. Es soll ja über mich als Drucker nicht heißen, ich arbeite unsauber. Das war auch für meinen Kunden einzusehen, auch er wollte sich ja nicht vielleicht einmal anhören: Wo ham Sie denn drucken lassen, das is ja nachlässje Arbeit! Aber weil wir eine zeigende Hand als Ornament in den Entwurf gebracht haben und hier eine gewisse Auswahl besteht, habe ich eine ganz leicht schadhafte eingesetzt und diese nicht bis zur Perfektion zugerichtet. (Zurichten nennt man im Druck die Ausarbeitung des Aufzuges und der Druckform für ein perfektes Druckbild.)

Nun ist der sog. Schöndruck (die erste Seite) fertig. Danach wurde die Druckform gereinigt und wieder auseinandergenommen. Der Satz bleibt stehen, bis mein Kunde seine Karten empfangen hat. Danach lege ich die einzelnen Lettern wieder in die Setzkästen ab. Die Karten trocknen jetzt drei Tage, denn der Widerdruck (die Rückseite) trifft auf bereits von vorn bedruckte Stellen, d.h. dort muß die Farbe trocken sein, damit sie nicht erst auf den Aufzug abfärbt und von dort auf die nächste Karte. Heute werden oxydativ schnell trocknende Farben eingesetzt, bei mir heißt es noch: Die Farbe trocknet auf dem Papier, nicht auf den Walzen, d.h. ich verwende meistens „wegschlagende“ (ins Papier einziehende und dort trocknende) Farben. Nur bei Eilaufträgen wird Spezialfarbe eingesetzt.

Und so könnte ich noch lange weiterplaudern, aber jetzt reicht es erst mal. Der Drucker prüft mal die Buchhaltung … Solange werden die Karten erst einmal trocknen.

— Martin Z. Schröder

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Der feine Unterschied · 21. Oktober 2007

Buchdruck (der Druck mit bleiernen Lettern) oder Offset, gibt’s da einen Unterschied, den man sieht? Oder ist das wie bei silbernen Kragenstäbchen: Nur der Benutzer weiß, was in seinen Hemdkragenspitzen steckt.

Woran erkennt man den Einsatz des Buchdruckverfahrens?

Vielleicht an der Prägung?

Man kann den Unterschied sehen und manchmal fühlen, aber an einer kräftigen Prägung erkennt man meistens nur den unsachgemäßen Druck. Wir Drucker sagen, wenn wir so etwas in die Hand bekommen: “Das ist nicht gedruckt, das ist gequetscht.” Und wir wissen, daß dieser Kollege gleichgültig ist gegen die Schrift, denn diese ist ja aus Blei, und solches ist weich. Ohnehin leidet die Schrift immer ein wenig, nutzt sich beim Drucken ab, aber man muß streng achten, daß sie nicht stärker beansprucht wird als wirklich notwendig ist für ein gutes Druckbild. Der feinste Druck ist der, den man an der Schattierung kaum sieht. Die Schattierung sollte man nur auf der Rückseite erkennen, wenn Licht in einem möglichst spitzen Winkel auf das Papier fällt. Dann wird sich bei dünnem Papier eine Schattierung, also eine Spur des mechanischen Drucks, nicht vermeiden lassen. Selbst bei Karton, wenn er eine unglatte Oberfläche hat und die Bleilettern tiefer eingedrückt werden müssen für ein sattes Schriftbild.

Auch andere Merkmale sind so fein, daß sie erst unter der Lupe kenntlich werden. Auf dem Foto ist eine 6p-Schrift zu sehen (Schriftsetzer sagen zu dieser Größe Nonpareille), die Walbaum in kursiv und gewöhnlich. Das große T hat eine Höhe von knapp 2 mm.

Derart stark vergrößert sieht man am Druckbild den leichten Schmitz (die Farbe war recht flüssig, aber nicht so flüssig, daß ich sie mit Bologneser Kreide verdicken wollte), der entsteht, wenn die Walzen einen Teil der Farbe am Rand der Letter abstreifen. Man sieht auch die Unregelmäßigkeit der Typen, die in Jahrzehnten verschieden abgenutzt wurden. Außerdem erkennt man den Bleisatz an der Form der Buchstaben. Die Walbaum von heute, aus dem Computer, sieht anders aus. Sie hat deutlich von ihrem ursprünglichen Charakter eingebüßt. Die originalen Matrizen wurden um 1800 geschaffen. Die Versalien sind breiter und kräftiger gehalten als die Gemeinen (Kleinbuchstaben, Minuskeln) und wirken fast halbfett. Die Schrift weist in der Zurichtung eine gewisse Munterkeit auf, d.h. die Buchstaben stehen nicht alle gleich eng nebeneinander, sondern es entstehen Lücken. Das kleine r beispielsweise ist auf einen so breiten Kegel gesetzt, daß man den Wortzwischenraum etwas mindern kann, wenn es am Schluß eines Wortes steht. Nun, und das kleine f in der Kursiven hat zwar einen Überhang, also die Type
ragt etwas über den Kegel hinaus, aber es trägt Sorge für eine gewisse Luftigkeit, während in der digitalen Variante alle Räume so stark harmonisiert wurden, daß die Schrift weniger lebendig wirkt. Im Bleisatz-Foto ist übrigens eine fi-Ligatur zum Einsatz gekommen, aber anders als in anderen Schriften sind der obere Tropfen des f und der i-Punkt nicht miteinander verschmolzen. Die kursive Bleisatz-Walbaum hat enorme charakterliche Kraft, die digitale zeigt bislang kaum etwas davon, aber vielleicht wird sie einmal ergänzt durch eine Type, die näher am Vorbild steht.

Es sind solche Details, an denen sich die Qualität einer Drucksache vom Bleisatz zeigt, ihr lebendigeres Bild, die leichten, munteren Unregelmäßigkeiten, die dem Bleisatz eigen sind. Es sind nicht die unsaubere Farbe und der schwere Druck. Wer dafür einen Blick entwickelt, zeigt sich als Connaisseur.

— Martin Z. Schröder

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Das Lehrbuch für Schriftsetzer · 18. Oktober 2007

Das Buchdruck-Handwerk war zwar entscheidend für Reformation und Wissenschaft, aber mit seinen noch nicht einmal 600 Jahren (erfunden um 1440) noch nicht alt. Jedem fallen sofort Handwerksberufe ein, die es sehr viel länger gibt. Und dann haben sich Bleisatz und Buchdruck auch immer sehr schnell gewandelt. Wie früh die Industrialisierung es den kleinen Betrieben schwer machte, kann man in Balzacs “Verlorenen Illusionen” nachlesen, wo schon Anfang des 19. Jahrhunderts die kleinen Druckereien unter Preisdruck gesetzt wurden von größeren. Die Ein-Mann-Druckerei hat im Grunde gar keine Geschichte. Schon mit Gutenbergs Bibel waren etliche Setzer und Drucker befaßt. Kleine Werkstätten wie die meine verwalten nun das Erbe und stemmen sich gegen Verfall und Vergessen. Vielleicht aber hat Handarbeit eine längere Zukunft als uns heute vor Augen steht.

Wenn ein Drucker nicht nur produziert, sondern auch aufsammelt und archiviert, was an technischer Literatur zu vergehen droht, fallen ihm gelegentlich Stücke in die Hände, welche die Zeit schrumpfen lassen. Auf diesen Fotos sind zwei Bücher von Friedrich Bauer zu sehen, nämlich ein ausgezeichnetes Lehrbuch für Schriftsetzer in der Erstauflage von 1904 mit marmoriertem Kopf- und Vorderschnitt, der Halbleinen-Einband mit einem marmorierten Buntpapier bezogen, daneben die 8. Auflage aus dem Jahr 1934, inhaltlich überarbeitet, deutlich umfangreicher, im nüchtern blauen Halbleinen, typografisch modernisiert, als Handwerksstück weniger liebreizend. Dafür ausgestattet mit dem Exlibris eines gewissen Emil Kilgast, dem ich mein eigenes beigesellte. Das Exemplar von 1904 gehörte einem gewissen Carl Birnbaum, der es nur mit einem Stempel versah.

Lernen kann ich aus diesen Büchern nur wenig, es ist das zusammengefaßte Wissen des Schriftsetzers, aber da ich diesem Beruf vor mehr als einem Vierteljahrhundert, im Alter von 14 Jahren, nähertreten durfte, fehlt es mir zwar noch an vielem, vor allem der typografische Erfahrungshunger ist kaum zu stillen, aber kaum an technischen Kenntnissen und Fertigkeiten, wie sie in Büchern stehen. Viel interessanter sind freilich immer die praktischen Fragen, deren Lösungen nicht aus Büchern zu lesen sind, sondern auf die man die Antworten im Tun selbst erfinden muß. Zum Beispiel: Wie schließt man eine im Druck sichtbare Nahtstelle zwischen zwei Linien? Oder wie verlängert man eine Englische Linie, ohne daß es im Druckbild auffällt? Herrliche Probleme!

— Martin Z. Schröder

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