Geschmacksfragen · 5. März 2014

Vielleicht ist den Lesern der Schriftsetzer Peter Schottenloër noch in Erinnerung. Ich habe diese Kunstfigur erfunden für einen Text über meine Tätigkeit als Lehrer (im Online-Shop der Werkstatt steht das anno 2009 bei SuKuLTuR erschienene kleine Werk an vorletzter Stelle). Der Mann muß nun erneut herhalten für ein Buch, an dem ich schreibe. Er wurde für ein Stilmagazin interviewt.

Für durchaus auch scharfe Kritik (je schärfer, umso genauer) an Herrn Schottenloërs Antworten wäre ich jetzt, da das Buch noch nicht gedruckt ist, besonders dankbar. Der Mann scheint die Weisheit mit Löffeln gefressen zu haben.

Manche Passagen setzen schon Spezialwissen voraus, wie die Nennung der Schriften oder Begriffe wie »auf Mitte gestellt«. Im Buch werden solche Termini in Abschnitten behandelt, die diesem Gespräch vorhergehen.

»Herr Schottenloër, wenn Sie als Design-Guru eine private Visitenkarte entwerfen sollten, die in erster Linie vom guten Geschmack ihres Besitzers zeugen soll, wie würde sie aussehen?«

»In welchem Land?«

»Hier und heute.«

»Der Name aus gewöhnlicher Garamond 10 Punkt in Versalien oder 12 bis 14 Punkt gemischter Schreibweise, der Titel darunter in 8 Punkt gemischter Schreibweise in gerade oder kursiv oder in 6 Punkt Versalien, das hängt alles von den Längen und den Wörtern ab. Darunter im Fuß der Karte ein- oder, wenn es nötig ist, mehrzeilig, die Adresse in 8 Punkt gewöhnlicher Garamond. Alles auf Mitte gestellt, der obere Teil auf optische Mitte des Weißraums oberhalb der Fußzeile. Querformat; das Hochformat kann bei viel Text und kurzem Namen erwogen werden, weil im Hochformat eine größere Textmenge gefälliger unterzubringen ist. Querformatproportion 1 zu 2, Hochformat im Goldenen Schnitt, also etwa 5 zu 8. Schrift schwarz, Papier gebrochenes Weiß, matt.«

»So einfach ist das?«

»Nein. Es muß in den Details genau ausgearbeitet werden.«

»Aber Ihre wie aus der Pistole geschossene Antwort hinsichtlich Schrift, Farbe, Format hört sich an, als sei diese Karte gewissermaßen gesetzmäßig abzuleiten.«

»Wäre ich ein Design-Guru, wie Sie eingangs unterstellten, hätte ich Ihnen sicherlich longe et late einen Modequatsch aufgetischt. Aber auf eine so allgemeine Frage kann ich als entwerfender Handwerker nur mit einer Gestalt antworten, die jeder Geschmacksentgleisung in völliger Sicherheit ausweicht.«

»Woher nehmen Sie diese verblüffende Sicherheit?«

»Ich lasse mich vom guten Geschmack leiten, dem ich mich widerstandslos unterwerfe.«

»Was ist für Sie guter Geschmack?«

»Ein handwerkliches Erzeugnis guten Geschmacks erfüllt erstens optimal seine Funktion und zeichnet sich zweitens dadurch aus, daß es in einer bestimmten Zeit und einer bestimmten Kultur in den besten Kreisen, in der besten Gesellschaft unauffällig ist.«

»Die beste Gesellschaft, die besten Kreise, ist das nicht etwas abgehoben? Paßt das in unsere Demokratie oder ist das elitär?«

»Wer Scheu davor hat, Eliten anzuerkennen, ist ständig auf seine schwankenden persönlichen Vorlieben angewiesen und muß damit rechnen, sich lächerlich zu machen oder peinlich zu wirken. Ich sprach ja von Unterwerfung der eigenen Vorlieben, von Zügelung und Disziplin, von der Unterdrückung modischer Ideen, die mir doch gar nicht fremd sind. Auch eine moderne Geschäftskarte kann geschmackvoll gemacht sein, nur kommen dafür andere Kriterien in Betracht wie die werbende Wirkung, die Besonderheit, das Auffällige und eben nicht das Persönliche.«

»Woran erkennen Sie die beste Gesellschaft?«

»Da ist man natürlich auf Vermutungen angewiesen, aber nicht vollkommen haltlos. Stellen Sie sich vor, ein hoher Repräsentant Ihres Staatswesens oder einer der führenden Denker Ihres Landes übergibt Ihnen seine Visitenkarte. Würde Sie es nicht überraschen, wenn Sie auf der Karte ein buntes Blümchen vorfänden oder gar eine Visitenkarte aus Sperrholz in die Hand bekämen, auf der die gefräste Telefonnummer nicht zu entziffern ist? Sie würden schon einem Rechtsanwalt mit so einer Karte keine Vollmacht erteilen, sofern er nicht als Genie auf seinem Gebiet bekannt ist.«

»Sie haben die Visitenkarte, nach der ich Sie fragte, sehr genau beschrieben. Wie wenden Sie Ihr Geschmackspostulat in Hinblick auf die Schrift an?«

»Kaum etwas verändert sich so wenig wie Gebrauchsschriften. Die unauffälligste Schrift ist jene, die seit vielen Jahrhunderten unvermindert verwendet wird, die Renaissance-Antiqua. Ob Sie nun eine Garamond oder eine Bembo oder eine Minion oder Arno verwenden, ist gleichgültig. Die Schrift darf nur nicht fett gesetzt werden, der fette Schnitt der Renaissance-Antiqua ist ein Unfall aus der Welt der Reklame und hat in jeglichen persönlichen Dokumenten keine Berechtigung. Ein fett gesetzter Name schreit gewissermaßen, und Lautstärke ist der Kunst vorbehalten. Außerhalb der Kunst ist sie ein Zeichen für Geschmacksmangel und Eitelkeit. Es ist übrigens eine alte Handwerksregel für Drucker im zwanzigsten Jahrhundert gewesen, Namen auf persönlichen Drucksachen niemals fett zu setzen. Solche gewissermaßen natürlich entstandenen Konventionen sichern das Schaffen von geschmackvollen Arbeiten.«

»Aber die hohe Qualität Ihrer Visitenkarte ist für den Laien gar nicht feststellbar, oder? Ist guter Geschmack in Ihrer Lesart nicht etwas langweilig?«

»Wenn der Laie seinen Geschmack im Privatfernsehen geschult hat, wird er vielleicht nach einer Goldkante suchen. Qualitätsbewußtsein erfordert Kennerschaft. Kennerschaft befähigt zum Genuß des Einfachen. Für den Kenner kann man in Details auch von der oben beschriebenen Gestalt der Karte abweichen. Ich gebe Ihnen ein paar Beispiele: Verwenden Sie eine klassizistische Type statt der Garamond oder Bembo, die altertümlich wirkt, obwohl sie viel jünger ist, können Sie damit einen Hinweis auf Ihre Vorliebe für alte Stiche geben oder für die Goethezeit oder die Wissenschaft. Mit einer Caslon zeigen Sie dem Kenner Ihren Hang zum Englischen. Oder eben einfach nur ein wenig private Abweichung von der Konvention, die aber immer noch sicher im Rahmen des guten Geschmacks liegt. Gefährlich werden stärkere Eigenheiten, beispielsweise in der Papierfarbe. Es ist noch nicht geschmacklos, einen zart hellblau getönten Karton zu verwenden, aber würde ein Regierungsmitglied das tun? Auch eine serifenlose Schrift des zwanzigsten oder einundzwanzigsten Jahrhunderts wäre als Zugeständnis an die eigenen Vorlieben falsch, ebenso übrigens eine Schreibschrift, abgesehen vielleicht von der Englischen Kanzleischrift, oder eine Fraktur. Guter Geschmack ist unpersönlich.«

— Martin Z. Schröder

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Visitenkartenmuster · 9. Mai 2013

Die meisten davon gehören zur Mustermappe der Druckerey. Herzlichen Dank für den kleinen Filmausschnitt dem vielseitigen Robert Patz.

— Martin Z. Schröder

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Eine Visitenkarte für eine verheiratete Dame · 13. Juni 2012

Eine ziersame Prägung fällt in einem flauschigen Baumwollkarton besonders auf.

Diese Karte ist klein, nur 40 × 80 mm groß.

Die Blindprägung spielt mit dem Licht.

Je spitzer der Winkel, in dem das Licht einfällt, desto stuckartiger tritt das Relief aus der Fläche.

Hier eine Vergrößerung.

So sieht die Prägung auf der Rückseite aus.

Auch der schwarze Druck ist mit soviel Preßdruck gedruckt worden, daß sich eine deutliche Prägung ergibt.

Dies ist das Motiv als schwarzer Abdruck.

— Martin Z. Schröder

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Gemeißelt · 3. April 2010

Einen Namen auf die Visitenkarte blindprägen — davon würde ich abraten. Es bekommt so leicht etwas von Grabplatte. Und welchen Eindruck soll man von einem Zeitgenossen gewinnen, der den eigenen Namen wie gemeißelt verewigt unter die Leute bringt? Diese Art der Prägung eignet sich für Schmuckelemente, Initiale, Signete oder Firmennamen. Und dann kann sie sehr schön wirken. Hier wurde der Name aus der Delphin gesetzt und die Adresse aus der digitalen Futura, die ich hier erst kürzlich besprach. Gedruckt wurde auf Feinstkarton Gohrsmühle grau 250g/m².

Blindprägungen in Karton müssen recht fett angelegt werden, damit der Strich an Tiefe gewinnen kann. Feine Prägungen stehen nur auf Papier gut. Und wenn es eine filigrane Prägung sein soll, vielleicht auch in mehreren Ebenen, dann übernehmen die Kollegen Stahlstecher, die von Messingstöcken prägen, oder gar von Stahl, und deren Maschinen einen enormen Pressdruck ausüben. Kleine einfache Formen wie die hier gezeigten sind mit der Technik der Druckerey gut zu bewältigen.

Bei “Stein” fällt mir das frische Angebot von Georg Kraus ein: Alte Lithosteine. Das sind großartige Dekorationsstücke, ich besitze selbst zwei, einer steht dekorativ in der Küche, der andere ist irgendwo in der Werkstatt vergraben. Und bei Kraus las ich, Innenarchitekten würden diese Steine (die aus Kalkschiefer bestehen) dekorativ in Lehmwände einsetzen. Als eingemauertes Bild. Kaufen Sie sich einen! Einen ausführlichen Text mit Bildern bietet die Wikipedia.

— Martin Z. Schröder

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Schwieriger Prägedruck · 26. März 2010

Wenn das Licht frontal auf diese Karte fällt, verdeckt das Druckbild die Blindprägung. Was ein wenig bedauerlich ist.

Auf der Rückseite dagegen sieht man die Prägung in jedem Licht gut. Auf nebenstehendem Foto kommt das Licht von der Seite, aber ich versichere: Blindprägungen sind immer gut zu erkennen.

Auf der Vorderseite ist die konturbedruckte Prägung nur zu sehen, wenn das Licht im spitzen Winkel auf die Fläche trifft und der erhabene Buchstabe lange Schatten wirft. Es ist also nicht sehr sinnvoll, wie ich jetzt gelernt habe, eine Blindprägung in eine gedruckte Umrandung zu setzen.

Entweder begnügt man sich mit der versteckten Wirkung oder hat immer eine Taschenlampe dabei, wenn man die Visitenkarte überreicht, denn nur mit Seitenlicht läßt die Prägung sich deutlich sichtbar machen.

Ich habe den Buchstaben nun mit einem Pastellbraun ausgefüllt.

Jetzt ist die erhaben geprägte Fläche besser zu erkennen. Zu ertasten sowieso.

Die Abbildung der Versalkonstruktion entstammt Albrecht Dürers “Unterweisung der Messung mit Zirkel und Richtscheit” (“Underweysung der messung mit dem zirckel un richtscheyt in Linien, ebenen und gantzen corporen, durch Albrecht Dürer zusammen getzogen und zu nutz allen kunstliebhabenden mit zugehörigen figuren in truck gebracht im jar MDXXV”, zitiert Wolfgang Beinert den ganzen Titel), 1525 bei Schönsperger (1508 zum Hofbuchdrucker von Kaiser Maximilian ernannt, Drucker der ersten Fraktur im kaiserlichen Auftrag) erschienen.

— Martin Z. Schröder

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Taschentelefon · 22. März 2010

Eine neue Kollektion für die gehobene Akzidenz-Abteilung eines Internet-Portals für Drucksachen entsteht. Die Kollektion wird auch ins Hausmusterangebot eingehen.

Satz aus Garamond (Typoart), der Name kursiv, die Adresse aus gewöhnlichem Schnitt.

Endlich konnte ich mal den Begriff Taschentelefon verwenden, den ein Freund des Hauses mir schenkte. Die Telefonnummern bestehen aus den Lebensdaten der Komponistin Fanny Hensel. Taschenfernsprecher hätte man vielleicht um 1830 zum Mobiltelefon gesagt, aber soviel Echtheit war mir zu lang. Gedruckt wurde in einem kräftigen rötlichen Blau auf Echt Bütten “Alt Cleve” von Zerkall.

— Martin Z. Schröder

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Schwere Karten · 19. März 2010

Der Karton der Karten ist nicht übermäßig schwer: 300 g/m². Aber den richtigen Entwurf zu finden, fiel mir schwer. Hoch- oder Querformat? Auf einem Hochformat kann man mehr Text unterbringen, ohne daß die Karte überladen wirkt. Und das Signet der Werkstatt (Idee Axel Bertram, Holzstich Hans-Joachim Behrendt) braucht in der Höhe so viel Platz, daß man kaum mehr als ein oder zwei Zeilen Text darunter stellen kann, ohne das Format aus guten Proportionen gleiten zu lassen. Auch Klappkarten und Druck auf der Rückseite hatte ich erwogen, doch solche Karten sind vielleicht aufwendig und können schön aussehen, sind aber nicht gut zu handhaben. Es ist nicht ganz unwichtig, alles auf einen Blick zu sehen. Und wenn eine Karte in einem Ordner steckt oder an eine Pinnwand geheftet wird, muß eine Seite ganz verdeckt werden.

Vierzehn Varianten im Hochformat blieben übrig. Soll das Signet eingebaut werden in Text oder Linien oder freistehen? Kann Schmuck eingesetzt werden? Oder Schrift als Schmuck? Wie ordnet man den Text so an, daß er weder das Bild übertönt noch untergeht? Ich glaube nicht, daß man diese Entscheidungen durch logisches Vorgehen herbeiführen kann. Man kann sie hinterher begründen, aber es gibt keinen standardisierten Weg zum besten Entwurf, keine Formel. Den guten Entwurf kann man auf diesem Wege schaffen, aber die letzte Entscheidung zwischen den guten Entwürfen ist Erfahrungssache. Ich habe kurzerhand wie in einem Turnier immer zwei beliebige Entwürfe herausgegriffen und gegeneinander antreten lassen. Der Verlierer flog raus. Die letzten fünf Kandidaten haben es mir schwer gemacht.

Vor dem Druck mußte über die Farbe entschieden werden. Welches Grün steht am besten, also zeichnet den Holzstich gut und verhält sich harmonisch zum Grauwert des Textes? (Es wirkt übrigens hier auf keinem Foto gut, im Original spielen Papierfarbe, Farbauftrag und die leichte Prägung des Bildes eine Rolle, die auf diesen Fotos nicht zum tragen kommt.) Welche Farbe soll die Schnittkante bekommen?

Die Papierauswahl war auch nicht ganz einfach. Auf den voluminösen und filzmarkierten oder rauhen Kartonen muß man etwas mehr Farbe bringen, auch mehr Druck einsetzen, und ich wollte doch die zarte Garamond in Nonpareille (6 Punkt) in ihrer Zartheit darstellen. Und auch von dem Bild nichts wegquetschen. Also habe ich einen mittelglatten Karton ausgesucht.

Der Entwurf, den ich schließlich in Bleisatz und Druck umgesetzt habe, war der zweite von allen überhaupt. Das passiert mir gar nicht so selten. Es spricht am Ende eigentlich für eine sichere Hand, aber gerade mit der eigenen Drucksache tut man sich als Typograf schwer. Ich hatte anfangs die Befürchtung, die Karte sei so schlicht, daß sie plump wirke, und fing an, die Entwürfe aufzubrezeln durch Linien und Schmuck und Umstellungen. Sogar Linienrahmen hatte ich ausprobiert. Wenn ich mir dabei zugesehen hätte, würde ich wohl recht unwillig gemurmelt haben, daß man es auch übertreiben könne und daß weniger oft mehr sei und ob ich wohl am horror vacui litte.

Vergleicht man die letzten beiden Fotos, wirkt der Farbschnitt unterschiedlich hell. Das passiert einem natürlich auch in der Produktion. Man läuft von einer Tageslichtlampe zur nächsten und schließlich vor die Tür, um die “Wirklichkeit” der Farbe zu finden. Es gibt sie natürlich nicht. Außer wenn es dunkel ist.

— Martin Z. Schröder

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Die Druckerey empfiehlt sich · 12. September 2009

Wie zuletzt berichtet ist einiger neuer Schmuck in der Druckerey angekommen. Meine Partner R.S.V.P. — Papier in Mitte hatten darum gebeten, einige meiner Visitenkarten in ihrem hübschen Geschäft in der Berliner Mulackstraße zu deponieren, um Anfragen ihrer Kunden angemessen beantworten zu können — nicht mit handgeschriebenen Zetteln.

Mir erschien es naheliegend, meinem Lieblingspapierladen eigene Karten zu drucken, wozu einige der neuen Schnörkel zur Anwendung kommen sollten.

Gekrönt wird der Textsatz mit einem Einzelstück.

Der die Kolumne schließende Schmuck ist aus vier Teilen zusammengesetzt.

Ich hatte anfangs etwas mehr eingebaut, gewissermaßen eine Aufhängung für diesen Kronleuchter. Links die gedruckte Form, rechts eine der Testformen. Links wurden der Durchschuß (Zeilenzwischenraum) verringert und der Schmuck reduziert.

Denn nach einigem Ausprobieren — ich kenne den neuen Schmuck ja noch nicht und muß die Figuren erst einmal drucken — schien mir doch Maßhalten geboten. Zumal die Form des Satzes selbst schon eine ornamentale ist.

Das Klappkärtchen (Hochformat im Goldenen Schnitt) wurde mit einem roten Farbschnitt ausgestattet. Der Druck ist dunkelblau.

— Martin Z. Schröder

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Aufwendige Visitenkarten · 4. September 2009

Wer grafisch am Computer arbeitet, entwickelt oft ganz andere Entwürfe als ein Akzidenzsetzer wie ich, der Typografie gewissermaßen aus dem Setzkasten heraus denkt. Designer wie Patrick O. Wodtke erinnern mich aber trotzdem an früher. Als ich noch angestellter Schriftsetzer in einer Akzidenzsetzerei war, bekamen wir von Gebrauchsgrafikern Skizzen, die wir nachbauten. Axel Bertram war in der Buchdruckerei Rapputan in der Berliner Friedrichstraße dafür bekannt, besonders enge Wortzwischenräume im Satz zu bestellen, anders als wir es gewöhnlich handhabten.

POW wünschte sich Visitenkarten, die auf einer Seite mit einer Farbfläche im Beschnitt bedruckt waren, darin negativ eine Grafik, auf der Rückseite eine digital gesetzte Schrift. Beides war also nicht vom Bleisatz zu drucken, sondern vom Klischee. Die Karten sollten mit einem Farbschnitt ausgestattet werden. Als Farbangaben wurden mir Nummern aus dem HKS-Farbfächer genannt. Ich danke Herrn Wodtke für die freundliche Genehmigung, die von ihm entworfenene, gesetzte und gezeichnete und von mir ausgeführte Arbeit hier zeigen zu dürfen.

Das Klischee mußte also größer angelegt werden als das Format der Karte, um den Schnitt in die Farbfläche hineinsetzen zu können.

Das Papierformat brauchte einen Rand über die Druckfläche hinaus, damit es in der Maschine befestigt werden konnte. Gewöhnlich drucke ich auf das Endformat und setze den Farbschnitt vor dem Druck an.

Die dunkelbraune Farbe habe ich von Hand gemischt. Selbst wenn ich die entsprechende HKS-Farbdose im Regal hätte: Im Buchdruck ist der Farbauftrag höher als im Offset, mit dem der Farbfächer gedruckt ist. Das Papier mit der filzmarkierten Oberfläche und die Farbfläche des Druckbildes brauchen einen extra hohen Farbauftrag.

Eine Farbe aus der Dose würde dadurch dunkler scheinen als die Vorlage auf dem Farbfächer. Dem müßte also durch Aufhellen der Farbe entgegengewirkt werden. Dann mische ich lieber gleich. Hier also ein dunkles Braun, dazu ein Löffelchen kaltes Rot, eine Messerspitze Orange und ein Stritz Schwarz.

Nach dem Drucken und dem Beschnitt sowie dem Anschleifen der Schnittflächen wird die Farbe auf die Schnittflächen aufgetragen. Auch diese Farbe ist von Hand gemischt nach Angabe einer HKS-Farbe. Nach dem Auftragen wird die Farbe poliert und mit einem dünnen Lack überzogen.

Vor dem Schneiden wurden die Drucke mit dünnem Papier durchschossen. Der Preßbalken und das Messer in der Schneidemaschine üben einen so hohen Druck aus, daß die Farbe der Farbfläche unweigerlich auf der Rückseite der nächsten Karte abziehen würde. Außerdem wird der Papierstapel für den Farbschnitt sehr hohem Preßdruck ausgesetzt. Nach dem Schneiden habe ich die recht fest haftenden Zwischenlagen abgezogen, aber für das Verpacken zwischen den Karten gelassen, denn auch Abrieb in einem festen Päckchen wäre unschön.

Immer wenn sich ein Designer mit einer Anfrage meldet, bekomme ich es erst einmal ein wenig mit der Angst zu tun. “Designer” ist keine geschützte Berufsbezeichnung, und auch wenn es das wäre, gibt so ein Wort noch keine Garantie für typografisches Verständnis. Aber bislang hatte ich Glück mit meinem Designer-Kunden. Typografisch ist auch an diesem Entwurf von Patrick O. Wodtke nichts auszusetzen, der Schriftsatz in der PDF-Vorlage, die ich für die Klischeeherstellung benötige, war einwandfrei. Von Designern dieser Güteklasse kann ich lernen, und sie fordern mich technisch heraus: Die Kombination von Farbfläche im Beschnitt, zweiseitigem Druck und Farbschnitt erfordert genaue Planung.

— Martin Z. Schröder

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Berliner Visitenkarten | Nr. 4 · 28. Mai 2009

Zu jeder Druckfarbe gehört ein Untergrund, also das Papier. Das seine eigene Farbe hat. Druck- und Papierfarbe sollen harmonieren oder eben nicht, sie dürfen nur nicht willkürlich eingesetzt werden. Schwarz ist eine gute Farbe, aber sie kann auf verschiedene Weise wirken. Auf Grau wirkt sie düster. Die Schrift kann diese Wirkung aufheben oder unterstützen. Eine schwarze, munter verschlungene Schreibschrift auf grauem Papier kann freundlich aussehen. Buntfarben angemessen einzusetzen, ist auch nicht leicht. Violette Schrift auf Weiß wirkt sehr leicht profan. Die Kälte dieser Farbe kann man verstärken, indem man Flächen und Ornamente bildet. Oder man tönt das Weiß stark ab.

Die verwendete Schrift auf der Karte ist die Garamond. In kursiv, einer Zeile Versalien und gewöhnlichen Typen. Und dazu habe ich ein schmückendes Zweiglein gestellt. Freilich sind die Räume links und rechts der Karte definiert. Solche Entscheidungen zu treffen, hilft manchmal die Mathematik, manchmal das typografische Gefühl.

Das kalte und etwas blasse Violett in einer zierlichen Schrift auf einem warmgrauen Karton bildet einen harten, aber anziehenden Kontrast. Der ebenfalls violette Farbschnitt bildet eine hauchfeine Umrahmung für den Text dieser vierten und einstweilen letzten Karte der kleinen Serie für R.S.V.P. in der Mulackstraße im Berliner Scheunenviertel. Dort werden die Visitenkarten demnächst original zu sehen sein, zusammen mit anderen aus derselben Werkstatt.

Den violetten Farbschnitt zu fotografieren, ist mir am Einzelstück nicht gelungen, er ist zu fein für meine kleine Kamera, die mit dem kalten Rot als so feiner Linie Schwierigkeiten hatte. Im Stapel entsteht ein hübsches Leuchten.

— Martin Z. Schröder

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Berliner Visitenkarten | Nr. 3 · 26. Mai 2009

Eine Visitenkarte für einen Berliner Journalisten, der mit einem “Bilderbuch für Verliebte” Bekanntheit erlangte. Da kann man doch mal einen Goldschnitt ansetzen. Aber Goldschnitt an weißes Papier? Das wäre für einen jungen Mann arg überfeinert, es muß ein Gegengewicht her. Ein bräunlicher Karton mit ein wenig Filznarbung auf der Oberfläche und ein paar feinen, aber lebendigen Fasereinschlüssen. Das Gold am Schnitt ergänzt nur den Ton der Fläche. Und dazu die grobe Schreibmaschinenschrift, denn Journalisten hackten ja zu Tucholskys Zeiten auf solchen rum.

Schreibmaschinenschriften wurden übrigens für Formulare und Reklame gemacht, für gedruckte Zettel, die wie maschinengeschriebene Mitteilungen aussehen sollten. So wie heute Unterschriften mit blauer Farbe gedruckt werden, um dem Reklame-Empfänger vorzumachen, sein Werbewisch sei von jemandem persönlich unterschrieben worden.

Und ein wenig Coolness in den Entwurf: dunkelblauer Druck und — Tucholsky ist ein 90er Jahrgang — die Ziffern der Schrift Saphir zur Bildung einer Schmuckmarke. Die digitale Saphir von Hermann Zapf, die 1953 erstmals in Blei gegossen ward, sieht anders aus. Entweder wurde sie für die Digitalisierung umgearbeitet, oder es gibt mehrere Saphir-Versionen oder meine Bleilettern sind nicht die Saphir. Herrje. Oder, noch eine Möglichkeit, die Digitalisierung ist nach den kleinen Graden gemacht worden, denn in Band 1 der Schriften-Sammlung “Erinnerungen an den Bleisatz” von Kandler ist dieselbe Type zu sehen mit der Angabe der Schriftgröße 20p. Und ich habe hier eine Dreicicero (36p) eingesetzt. Die hat freilich mehr Fläche fürs Ornament. Ich werde mal in meine diversen Zapf-Bücher schauen.

Der Goldschnitt ist dezent, aber wenn man ihn einmal entdeckt hat, weidet sich das Auge an dem schmalen Glitzern. Das Format der Karte liegt mit 50 × 81 mm auch noch im Goldenen Schnitt. Ja, es ginge noch goldener. Mit Handvergoldung oder Golddruck auf der Karte. Nein, ein solches Modell ist nicht vorgesehen. Einstweilen nicht.

— Martin Z. Schröder

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Maulbeerbaumbütten · 24. Mai 2009

Ein Kunde zeigte mir eines Tages Visitenkarten, die er in Japan besorgt hatte und fragte, ob ich so etwas anbieten könne. Echtes Bütten aus Maulbeerbaumrinde. In Japan wird Papier gemacht, wie man es sonst wohl nirgends findet. Ich habe vor vielen Jahren eine Visitenkarte bekommen von meinem damaligen Chef, Buchdruckmeister Rapputan, die ihm ein japanischer Besucher überreicht hatte. Sie war hochglatt und dabei von einem durchscheinenden Weiß wie ein feines Porzellan, und sie hatte einen echten Büttenrand. Wo bekommt man so etwas her? Mein Kunde nun wollte aber keine hochweiße Karte, sondern eine zartgrüne aus Maulbeerbaum-Bütten, und zum Glück wußte er noch, wo er die Karten gekauft hatte.

Ich schickte erst eine E-Mail nach Japan, dann das für das Papier erwünschte Geld, einige Wochen später kamen die Karten, und wenn ich mich recht entsinne, wollte auch der Zoll noch etwas Geld von mir haben. Ich habe noch nie zuvor so teure Visitenkarten gehabt. Ein solches Kärtchen kostet nun fast einen halben Euro. Sie sind fein verpackt, 100 Stück in einer schmalen Schachtel, deren Deckel selbst mit einem Büttenpapier bezogen ist.

Und so sieht der Stapel mit Visitenkarten aus Echt Bütten aus Japan aus der Nähe aus. Büttenpapier hat keine Laufrichtung, wie man es nennt, wenn sich die Fasern während des Durchlaufs durch die Papiermaschine in eine Richtung legen. Parallel zur Laufrichtung ist das Papier biegsamer als quer zur Laufrichtung. Man muß das bei Büchern beachten, damit sich nach dem Binden durch die Ausdehnungen des Papiers keine Wellen darin bilden. Aber auch bei Karten hat man die Wahl zwischen Biegsamkeit und höherer Steifigkeit.

Jede Karte ist einzeln in einem Sieb gewesen.

Und schaut man hindurch, so erkennt man, wie wolkig das Papier ist. Die Karten sind auch nicht alle gleich dick. Bei Büttenpapier, wie man es hierzulande macht, wäre das eine Katastrophe für den Drucker. Aber Maulbeerbaumbütten ist so weich, daß es die Bleibuchstaben kaum beansprucht.

Dieser Tage habe ich mit dunkelgrüner Anglaise (Englische Schreibschrift) auf diese zartgrünen Karten gedruckt.

Beim Einrichten der Maschine geht immer mal eine Karte verloren. Ich habe sie zerreißen wollen, um mir die inneren Fasern unter der Lupe anzuschauen. Aber diese Karten sind enorm stabil, sie lassen sich an manchen Stellen nur mit erheblicher Kraftanstrengung reißen.

Nimmt man ein paar Fasern heraus, sieht man, warum die Karte so widerstandsfähig ist: sie wirkt wie gefilzt.

— Martin Z. Schröder

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Berliner Visitenkarten | Nr. 2 · 21. Mai 2009

Schwarzer Farbschnitt, wie kann man einen schwarzen Farbschnitt so bringen, daß die Visitenkarte nicht düster wirkt? Wie sortiert man welche Gestaltungmittel dazu? Die zweite Visitenkarte der kleinen Serie für R.S.V.P. ist gedruckt, das Modell “Adolf Glaßbrenner”. Der einzige Berliner Lokaldichter, soviel ich weiß. Und fast vergessen. Lebte von 1810 bis 1876 und machte Berliner Figuren wie den Eckensteher Nante und das Blumenmädchen über seine Zeit hinaus bekannt. Nante und Blumenmädchen gab es in meiner Kindheit, also in den 70er Jahren, im Treptower Park als Souvenirpuppen zu kaufen. Noch heute gut lesbar sind Glaßbrenners witzige Geschichten um den Privatier Herrn Buffey.

Der Berliner Don Quixote war ein von Glaßbrenner gegründetes Unterhaltungsmagazin, was drinstand, weiß ich nicht. Die Schrift auf der Visitenkarte ist jünger als Glaßbrenner. Es handelt sich um die Fundamental halbfett kursiv. Sie wurde 1938 erstmals gegossen in der Schriftgießerei Ludwig Wagner, Leipzig. Gezeichnet hat sie Arno Drescher, der auch Maler war. Seine vor der Fundamental entstandene “Super Grotesk” wurde die meistverwendete Serifenlose in der DDR.

Diese Visitenkarte hat ein kleines schwarzes Eselsohr bekommen. So wird ein schlichtes geometrisches Gebilde zum Ornament. Und der Karton ist graublau, das mindert die Härte des Farbschnitts. Mit dem Farbschnitt ist es so eine Sache. Auf den Fotos hier setze ich ihn freilich ins Licht, aber wenn man eine solche Karte in der Hand hält, sieht man den Farbschnitt erst beim dritten Hinschauen, wenn er nicht gerade knallrot ist oder hellgrün. Hat man ihn aber erst einmal entdeckt, kann man ihn nicht mehr übersehen. Man sucht ihn immerzu, weil diese farbige Linie so fein ist, eben nur so fein wie das Papier dick ist, und trotzdem so — hat man sie erst einmal entdeckt — unübersehbar erscheint.

— Martin Z. Schröder

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Berliner Visitenkarten | Nr. 1 · 19. Mai 2009

Für meinen Lieblingspapierladen produziere ich eine Modell-Serie feinster Visitenkarten, vom Bleisatz gedruckt. Heute habe ich die erste gefertigt, eine Besuchskarte mit Adresse, E-Mail und Telefonnummern (übrigens die Lebensdaten darstellend) für Rahel Varnhagen.

Gesetzt aus der Zentenar-Fraktur mit magerer Futura. Format des Kartons in gebrochenem Weiß: 50 × 81 mm. Die Proportion also im Goldenen Schnitt. Die Höhe der unbedruckten Fläche über der bedruckten Fläche und die Höhe darunter wiederholen das Maßverhältnis.

Die Karte wurde mit einem dunkelrot glänzenden vierseitigen Farbschnitt ausgestattet.

Als ich heute die digitale Skizze (links im Bild) mit dem Bleisatzoriginal (rechts) verglich, wunderte ich mich. Wie energisch das R einst war — und was man heute digital dafür bekommt …

— Martin Z. Schröder

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Meine Visitenkarten · 11. April 2009

Just dieser Tage gingen meine eigenen Visitenkarten zur Neige. Und was liegt nun gerade näher, als eine meiner Hausfarben (schwarz, weiß, rot) als Farbschnitt auf die eigene Karte zu bringen? Das Rot hat eine kräftige Wirkung, es knallt ziemlich, glänzt auch durch die Politur. Und es ist ein bißchen, als ob die Visitenkarte Lippenstift aufgelegt hat.

Deshalb hat sie auch nur einen Kopfschnitt bekommen.

Ganz rundum rot wäre mir etwas zu viel gewesen.

— Martin Z. Schröder

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Visitenkarte mit Farbschnitt · 6. April 2009

Für die Mustermappe und mein Internet-Schaufenster habe ich eine Visitenkarte entworfen, aus kursiver Garamond und magerer Futura gesetzt und zweifarbig hellbraun und schwarz auf einen schwach bräunlich getönten Karton gedruckt, ausgestattet mit einem braunen Farbschnitt auf allen vier Schnittkanten. Und erst Tage später sehe ich, daß ich dem Vornamen dieses Renaissance-Musikverlegers und -Notendruckers versehentlich ein C geklaut habe. Jacques Moderne hieß der Mann.

Ins Schaufenster stelle ich diese Karte erst später, wenn noch eine zweite gedruckt ist, die nur den Kopfschnitt in rot bekommt. Es ist immer noch so viel Auftragsarbeit da, daß ich kaum zu solchen Dingen komme, vor allem ist furchtbar viel Satz abzulegen. An manchen Tagen schaffe ich es, mehr abzulegen als ich neu setze, aber dann kommt wieder eine Einladung mit mehr Text, und schon sind die Ablege-Setzschiffe wieder voll.

Visitenkarte vom Bleisatz mit Farbschnitt — ich bin recht froh um ein Produkt, das mit keiner neuen Technik herzustellen ist, sondern nur in Handarbeit. Und dann muß man auch noch rausbekommen, welche Farben einzusetzen sind, damit nichts verklebt. Die gefärbten Schnittkanten werden noch mit einer Politur behandelt, die Bienenwachs und Orangenöl enthält. (Die Karte behält aber keine Duftspuren, das verfliegt ganz rasch.)

— Martin Z. Schröder

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Farbschnitt · 24. März 2009

Es ist richtig aufregend, wenn das Angebot aus eigener Kraft vergrößert wird: Visitenkarten mit Farbschnitt. (Stichwort edge painting business cards.) Nachdem ich mich ein wenig belesen hatte, kaufte ich Farben und Pinsel, das sonst nötige Werkzeug war schon vorhanden. Nach einigen Fehlversuchen gelingt mir jetzt der Farbschnitt, wobei die Unsauberkeiten auf den Fotos auf den Karton zurückzuführen sind.

Ich habe nämlich zum Ausprobieren der Farbwirkung nur Reste verwendet. Für einen sauberen Farbschnitt muß man den Block direkt aus der Schneidemaschine in die Verarbeitung nehmen. Die Farbe wird von Hand mit dem Pinsel aufgetragen und nach dem Trocknen gebürstet und poliert. Der Farbschnitt kann komplett auf alle vier Schnittflächen aufgetragen werden, aber auch nur auf ausgewählte.

Manche Farben kann man auch auf Hochglanz polieren. Von der starken Wirkung bin ich überrascht. Mit diesem Wirkmittel muß man vorsichtig umgehen. Es sind sehr besondere Visitenkarten, die damit entstehen, es kann aber auch leicht zu bunt werden. Jetzt wird ein neues Modell einer Visitenkarte entworfen und angefertigt, fotografiert und dann im Schaufenster ausgestellt.

— Martin Z. Schröder

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Wellenelemente auf dem Spielplatz · 27. Oktober 2008

Letzten Donnerstag hatte ich Verwandtschaftsbesuch, zwei Kinder haben die Werkstatt kennengelernt und sich überlegt, was sie sich drucken könnten.

Wann habe ich mich zuletzt gefragt: Was drucke ich denn heute schönes? Und am Freitag dann entdeckte ich beim Aufräumen ein Ornament in meinen Schmuckkästen, das danach rief, so gedruckt zu werden, wie es da stand. Neun Elemente im Quadrat. Außerdem hatte mir mein Lieferant Georg Kraus einen neuen Schrank samt Schrift geliefert, die Volta, eine Egyptienne (oder Serifenbetonte), die ebenfalls rief: druck mich, schau mich an, probier mich aus, lerne mich kennen, mag mich, arbeite mit mir! Die zu druckenden Auftragsarbeiten schob ich kurzentschlossen aufs Wochenende und legte einen Spieltag ein.

Julian, der Lego-Experte, der sich tags zuvor eine Visitenkarte als solcher druckte (zeige ich demnächst), hatte meine Werkstatt mit einem überdimensionierten Lego-Kasten verglichen. In meiner Kinderzeit waren das noch nur Steinchen und eine ostdeutsche Variante in gelb und grün, die ich jedoch sehr mochte. Lego bietet heute aber weit mehr als Bausteine. Ich vergleiche meine Werkstatt lieber mit einem (alten) Stabilbaukasten — ist immerhin alles Metall. Andererseits stimmt Lego, weil man nie schraubt, sondern nur fügt. Egal. Ich ließ meiner Laune zum Spiel freien Lauf.

Nach dem ersten Abzug von Ornament und Schrift wollte ich mir auch mal wieder eine Visitenkarte drucken, zweckfrei. Vielleicht die Karte eines Kunstsammlers, fiel mir dann ein. Ich habe gerade ein Foto gekauft für die Werkstatt. Wenn es gerahmt ist, zeige ich es. Und demnächst besuche ich Barbara Wrede im Atelier, weil ich etwas bestimmtes kaufen möchte. Es gibt da so eine grüne Serie …

Kunstsammler also.

Ich machte keine Entwürfe, keine Zeichnungen, sondern probierte drauflos.

Satz, Formschließen, Abzug, Ändern und wieder von vorn.

Die ersten drei Bilder zeigen die gedruckten Skizzen, das vierte den Entwurf, den ich für druckreif befunden. Es ging ziemlich fix, bald hatte sich ein Wunschbild vor dem inneren Auge geformt, das dann leicht zu verwirklichen war.

Und auf dem fünften Bild sind die gedruckten Karten zu sehen, wie sie aus der Maschine in einen Karton geworfen werden, wo sie leicht verkantet sich häufen und so keine Gelegenheit haben, ihre Farbe auf eine darüberliegende Karte abzuziehen.

Die Bilder vom Satz zeigen zuerst die geschlossene Druckform, dann im Detail die Ornamente. Das mittlere der drei, das dunkle, die Vierecke mit den weißen Halbkreisen, stand genau so, wie es gedruckt ist, im Kasten. Die Blatt-Ornamente hatte ich auch nie zuvor gedruckt; sie wirken ein wenig asiatisch, scheint mir.

Warum ich nun in die anderen Ornamente jeweils ein Teil des mittleren gesetzt habe? Gefühlssache, hab mir keine Theorie dafür gebildet. Ich wollte, daß die Karte an eine Galerie erinnert, in der Bilder mit Schildchen an der Wand hängen. Mein Name sollte möglichst verschwinden, weshalb er an den unteren Rand gerutscht ist und Teil einer Bodenlinie geworden mit diesen kleinen Wellen-Elementen. Wellenelement ist ein schönes Wort, um das uns andere Sprachen beneiden müssen, und wenn es Wellenelementehersteller oder gar -experten geben sollte, würde ich gerne für sie drucken, denn das e ist im Setzkasten für die deutsche Sprache der Buchstabe, von dem die meisten Exemplare vorhanden sind. Wahrscheinlich sind Wellenelementehersteller aber eher Fachleute für Bolzen. Oder Spindeln.

Die anderen beiden Quadrate sind zwar bewußt zusammengestellt, aber viel Energie habe ich auf die Anordnung nicht verwendet.

Hier sind die drei, aus jeweils neun Teilen bestehenden Ornamente

gedruckt zu sehen.

Aus einer Ausstellung habe ich noch nie ein Bild gekauft, aber vielleicht kommt der Tag, an dem ich meine Visitenkarte mit meiner Telefonnummer in einer Galerie hinterlassen kann. Bis dahin ist sie ein zweckfreies Ding, das mir aber gut gefällt. Auf der Wrede-Website ist übrigens etwas von den grünen Arbeiten zu sehen. Die sind allerdings riesig, die kann ich nirgends aufhängen. Erstens hab ich keinen Platz, zweitens ist das Grün derart intensiv, daß man dafür einen Saal braucht. Es soll da aber noch kleine geben …

— Martin Z. Schröder

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Visitenkarte für einen DJ · 9. April 2008

Es kommt vor, daß ein originelles Design für eine Visitenkarte verlangt wird. Was kann ein Bleisetzer und Buchdrucker einem DJ bieten, der in Berliner Clubs auflegt? Eine Karte mit der Anmutung eines Tickets. Ich hätte die Karte freilich noch ein wenig altertümlicher entwerfen können, zur Futura die Walbaum setzen oder sogar eine Fraktur. Aber für einen DJ wollte ich es nicht zu “original” aussehen lassen, also habe ich für den Namen die Steile Futura verwendet, für den kleineren Titel darüber die dreiviertelfette Futura (soviel ich weiß, liegt dieser Schnitt nicht digital vor, wie kann das denn sein?), die Stilrichtungen der Musik in der mageren Futura gesetzt und die Telefonnummer aus der schmalmageren. Die Telefonnummer wurde für das Foto freilich geändert; die Karte mit allen anderen Angaben hier auszustellen, hat mir mein Kunde ausdrücklich gestattet – es handelt sich ja um eine Geschäftskarte mit werbendem Charakter. Die Perforation wurde auf einer alten Perforiermaschine mit Pedalbetrieb eingesetzt.

— Martin Z. Schröder

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Dem König wahrhaft untertan · 28. November 2007

Kommt ein Herr in die Offizin. (Das Wort Offizin kommt von „opificina“, dem Ort, „wo die Werke gemacht“ werden. Erhalten hat sich der Begriff für Apotheken und Druckwerkstätten.)

„Guten Tag!“

„Guten Tag!“

„Bitte drucken Sie mir eine Visitenkarte. In die Mitte hätte ich gern meinen Namen. Ihre Schrift Walbaum, die ich im Internet entdeckte, gefällt mir ausnehmend gut.“

„Gern.“

„Darunter meine Adresse und so weiter. Die Ziffern dieser Schrift, die wie heißt …?

„Garamond.“

„… also der Garamond, die hier gerade meinem Auge schmeichelt, erscheinen mir so recht hübsch und zierlich und besonders geeignet, meine Handynummer sowohl schmuckvoll als auch gediegen und lesbar darzustellen, bitte verwenden Sie diese Schrift.“

„Mein Herr, gestatten Sie mir den Hinweis, daß diese Schriftmischung ungeeignet ist. Während die Garamond als eine Mediäval-Antiqua das geschriebene oder gemeißelte Vorbild nachzuahmen versucht, zeigt die Jahrhunderte später entstandene Walbaum die Zeichen der vollständig gravierten Type. Freilich ergeben sich gelegentlich Möglichkeiten für eine schöne Verbindung dieser beiden Stilprinzipien, beispielsweise indem ein großes Initial oder Monogramm aus der geschnittenen Form einem Text aus der geschriebenen beigesellt wird. Aber zwei Zeilen einer Visitenkarte können wir auf diese Art kaum vereinen.“

Diese Art von Gespräch führe ich gelegentlich. Der Drucker muß darauf achten, den Ruf seiner Werkstatt nicht durch Willfährigkeit zu schädigen. Das unterwürfige „Wir machen es so, weil der Kunde es so will.“ ist kein Zeichen von Dienstbarkeit gegenüber dem Auftraggeber, sondern von Gleichgültigkeit gegen die eigene Tätigkeit und weist auf kurzsichtige Gewinnsucht hin, den Nachteil des Kunden hinnehmend. Denn es würde die Drucksache weitergetragen und könnte in die Hände eines Menschen mit kundigem Auge gelangen. „Wo haben Sie DAS denn drucken lassen!“ riefe dieser aus, und der Name des Druckers würde mit Recht als beschmuddelt gelten, unser Kunde wäre als Ahnungsloser bloßgestellt und käme nie wieder zu solch einem Speichellecker von Drucker. (Das Foto zeigt eine Schriftmischung aus Figaro und Legende mit, und das “geht eigentlich nicht”, Englischer Linie. Die Dogmen für Schriftmischung sind streng, und sie werden hier doch eingehalten, weil die Gesamtwirkung stimmt. Die Kontraste sind deutlich und konkurrieren nicht diffus: Serifenbetonte große Type gegen kleinen Pinselstrich gegen Federzug einer Linie. Nicht zur Pinselschrift passen würde beispielsweise die zur Linie gehörende Englische Schreibschrift, die auch mit der Spitzfeder geschrieben wird.)

Den Kunden als König anzuerkennen heißt auch, sein Minister, sein Ratgeber, sein Butler und Kammerherr zu sein und ihn vor dem Sturz in die Stilfalle zu bewahren. Verläßt er unter diesen Umständen das Territorium, war es kein König, sondern ein Diktator.

Das Neinsagen dient nicht nur einem Kunden, sondern allen. Es stützt den Ruf einer typografischen Werkstatt: Hier kann jeder jeden Wunsch frei äußern – solange der Typograf ihm folgt, wird kein Stil gebrochen sein und darf sich der Auftraggeber in geschmacklicher Sicherheit wiegen.

Das Neinsagen ist manchmal nicht einfach. Ich übe mich in diplomatischen Wendungen und versuche, den pädagogischen Ton kontrolliert zu halten. Man hört sich in einer Welt, in der die Belehrung als Zumutung empfunden wird, rasch wie ein Oberlehrer an. Binsenweisheitsmäßig ist Unwissen kein Makel, aber die Art, wie wir das Halten von Schule gewohnt sind aus der Institution Trichterschule, die mehr für die eigene Prüfung unterrichtet als im Sinne von Bildung, verunglimpft das Lernen und Lehren; dabei ist Belehrung auch eine der unterhaltsamsten Formen von Konsum.

Das Neinsagen wird von Handwerkern, die auf sich halten, seit jeher geübt. Albrecht Dürer schrieb an den Nürnberger Ratsherrn Michel Behaim einen undatierten Brief auf die Rückseite eines für ein Wappen benutzten Holzstockes, nachträglich datiert auf vor 1511 (in diesem Jahr starb Behaim), folgenden Wortlauts: „Lieber Herr Michell Behaim. Ich schick Euch dies Wappen wieder. Bitte lassts also beleiben, es würd Euchs so Keiner verbesseren, denn ich habs mit Fleiss künstlich gemacht. Dorum die’s sehen und verstehn, die werden Euch wol Bescheid sagen. Soll man die Läuble auf dem Helm uber sich werfen, so verdecken sie die Binden. Euer unterthäniger Albrecht Dürer.“ (Text aus „Albrecht Dürers schriftlicher Nachlass“, Julius Bard, Berlin 1908; Bildquelle: Zenodot Verlagsgesellschaft mbH)

— Martin Z. Schröder

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Scharfsichtigkeit · 28. Oktober 2007

Die Visitenkarten, die ich gestern im Schöndruck gefertigt habe, waren doch heute schon trocken genug, um die Rückseite zu bedrucken. Die Offizin wird gut beheizt, da trocknet alles schneller als im Sommer, wo es schön kühl ist in der Werkstatt im Souterrain. Ein Foto zeigt drei Abzüge, den zweiten habe ich zuerst gedruckt. Die Postleitzahl hatte ich schon im Winkelhaken ausgeglichen. Wenn man lange mit Schriften arbeitet, kennt man ihre Eigenheiten. Die Ziffern der Futura muß man immer ein wenig spationieren (sperren/erweitern), denn die sind ohne viel Fleisch (Raum um die druckenden Teile einer Type) auf Halbgeviert (die Hälfte der Kegelhöhe, aber was ein Schriftkegel ist, erkläre ich später mal, das führt jetzt zu weit), also: die Ziffern sind eben sehr knapp gebaut. Bestimmte Kombinationen wie 74 oder 76 oder 96 oder 11 ergeben größere Zwischenräume, als etwa 80. Auf dem Bleisatzfoto oben ist es genau zu sehen.

Der dritte Abzug ist nach Korrektur gemacht worden, so wurde dann gedruckt: In der ersten Lücke liegt ein Dreiviertelpunkt, zusammengesetzt aus einem Messing- und einem Neusilberspatium. Die nächsten beiden sind 1 Punkt weit, und zwischen den letzten beiden Ziffern liegt gar nichts. Das Foto mit den aufgefächerten Typen zeigt die Spatien genauer. Ein Viertelpunkt-Spatium hat übrigens eine Stärke von 0,094 mm.

In der ersten Zeile des Fotos von den Abzügen ist die Zahl ohne jeden Ausgleich zu sehen: So geht es nicht! Absolut gleichmäßig muß es nicht sein in so einem kleinen Schriftgrad, eine leichte Unregelmäßigkeit kann charmant sein, aber ohne Harmonisierung sollten Versalziffern in keiner Schrift stehen. (Versalziffern sind so hoch wie Versalien [Großbuchstaben], Minuskelziffern sind gearbeitet wie diese: 012 sind so hoch wie ein n, 34579 haben eine Unterlänge und 68 eine Oberlänge.

— Martin Z. Schröder

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Entstehung einer Visitenkarte · 26. Oktober 2007


Wie entsteht Herrn Theofels Visitenkarte? Am Anfang jeder Drucksache steht der Entwurf. Manchmal bekomme ich sehr genaue Angaben („Bitte keine Schnörkelschrift!“), manchmal auch sehr vage Informationen („Ich bin eher ein Sommertyp.“). Hin und wieder kommt jemand mit fertigen Vorlagen, zu denen entweder der Bleisatz nicht paßt, weil mir eine Schrift nicht zur Verfügung steht oder die typografisch nicht den in meiner Offizin geübten Regeln der Schwarzen Kunst entsprechen. Meine Kunden können sicher sein, daß ihre Visitenkarten typografische Qualität zeigen. Es kommt selten tatsächlich vor, daß ich zu einem Auftrag „Njet“
sagen muß, weil ich mit dem mitgebrachten Entwurf nicht in Verbindung gebracht werden möchte. Nicht etwa, weil er vielleicht nicht konservativ ist oder mir nicht gefiele, sondern weil er nicht gut genug ist. Es gibt viele Druckereien, die jede gelieferte Vorlage umsetzen, da sollte ein Akzidenzer alten Schlages zu jenen Felsen in der Brandung gehören, die es auch in der digitalen Typo-Welt gibt. Wo König Kunde Schmeichler um sich schart, regiert der Unverstand.

Aber von Ausnahmen soll heute nicht die Rede sein. Herr Theofel und ich tasteten uns in mehreren E-Mails und Telefonaten an den Entwurf heran, unterwegs wurden alle Fragen beantwortet und Entscheidungen gefällt. Beispielsweise: Soll die Karte zweiseitig bedruckt werden? Bei Geschäftskarten rate ich davon immer ab, denn man kann sie nicht vernünftig benutzen, wenn man sie in ein Album steckt oder unter eine Glasplatte schiebt oder an eine Pinnwand heftet: eine Seite bleibt versteckt, und der Benutzer ist eher verärgert, wenn er nicht alle Informationen in den Blick bekommen kann. Die Privatkarte oder ein verspieltes Modell darf alles. Sie darf zu groß sein, sie darf auch quadratisch sein, sogar unhandlich. Und manchmal wird eine Absicht mit dem zweiseitigen Druck verfolgt. Herr Theofel begehrte eine private Karte, deren eine Seite rein repräsentativem Zwecke dient und deren Kehrseite alle Daten auf einen Blick zeigt.

Sind die Entwürfe hinsichtlich Schrift, Druckfarbe, Papier geklärt und wurde das Imprimatur erteilt (Es werde gedruckt!), stelle ich den Satz her. Jede Letter wird einzeln in den Winkelhaken (Metallschiene zum Sammeln der Typen) gesetzt (deshalb: Schriftsetzer) und mit Blindmaterial (das nicht mitdruckt) zur Zeile ausgeschlossen (aufgefüllt).

Wenn der Satz fertig ist, wird er in den Schließrahmen gestellt und die Druckform eingerichtet. Nun der Andruck, also der erste Abzug. Dann die erste Korrektur. Die Maschine wird eingestellt, Druck und Farbe werden reguliert. In das Schwarz kommt ein bißchen Rotbraun, damit es auf dem leicht getönten Papier satter wirkt. Der zweite Druck. Neuerliche Korrektur und so fort, bis die Akzidenz aussieht wie sie soll.

(Ja, bei der Korrektur soll die Ahle nicht in die Form und der Schlüssel nicht steckenbleiben. Bevor Kollegen protestieren: Hier praktiziert jemand, der vor 26 Jahren zum ersten Mal eine Type zwischen die Finger genommen und eine Form geschlossen hat. Weder zerkratze ich Buchstaben noch fällt mir der Schlüssel auf den Satz. Ich hab mein Lehrgeld an dieser Stelle schon bezahlt; wenn der Schlüssel steckenbleibt, dann sitzt das Schloß so, daß es nicht kippen kann. Wenn ich mit Anfängern arbeite, bekommen diese eine Ahle erst einmal gar nicht in die Hand.)

Herr Theofel wünschte sich, daß man der Drucksache ihre handwerkliche Herkunft ansieht. Schwierig. Es soll ja über mich als Drucker nicht heißen, ich arbeite unsauber. Das war auch für meinen Kunden einzusehen, auch er wollte sich ja nicht vielleicht einmal anhören: Wo ham Sie denn drucken lassen, das is ja nachlässje Arbeit! Aber weil wir eine zeigende Hand als Ornament in den Entwurf gebracht haben und hier eine gewisse Auswahl besteht, habe ich eine ganz leicht schadhafte eingesetzt und diese nicht bis zur Perfektion zugerichtet. (Zurichten nennt man im Druck die Ausarbeitung des Aufzuges und der Druckform für ein perfektes Druckbild.)

Nun ist der sog. Schöndruck (die erste Seite) fertig. Danach wurde die Druckform gereinigt und wieder auseinandergenommen. Der Satz bleibt stehen, bis mein Kunde seine Karten empfangen hat. Danach lege ich die einzelnen Lettern wieder in die Setzkästen ab. Die Karten trocknen jetzt drei Tage, denn der Widerdruck (die Rückseite) trifft auf bereits von vorn bedruckte Stellen, d.h. dort muß die Farbe trocken sein, damit sie nicht erst auf den Aufzug abfärbt und von dort auf die nächste Karte. Heute werden oxydativ schnell trocknende Farben eingesetzt, bei mir heißt es noch: Die Farbe trocknet auf dem Papier, nicht auf den Walzen, d.h. ich verwende meistens „wegschlagende“ (ins Papier einziehende und dort trocknende) Farben. Nur bei Eilaufträgen wird Spezialfarbe eingesetzt.

Und so könnte ich noch lange weiterplaudern, aber jetzt reicht es erst mal. Der Drucker prüft mal die Buchhaltung … Solange werden die Karten erst einmal trocknen.

— Martin Z. Schröder

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