Auf ein Morgen hoffen · 27. Oktober 2011

Kürzlich gab ich Bericht von den Arbeiten an der diesjährigen Goethe-Karte. Und weil es jetzt recht ordentlich zu tun gibt in der Werkstatt, habe ich mich beeilt, den Entwurf umzusetzen. Diese hier ist also die neue Karte zum neuen Jahr mit dem letzten Spruch des vierten Teils der “Zahmen Xenien”.

Der Spruch ist als Devise gesetzt, aber um als solche zu erscheinen, suchte ich nach einem Mittel, Größenverhältnisse herzustellen.

Welche Größenverhältnisse gibt man einem Tempel? Gesetzt aus drei fetten Messinglinien und einem Dreieck aus Messing.

Hier ist die Druckform zu besichtigen. Das Tempelgerümpel neben dem Säulengang besteht aus bleiernen Schmuckeinfassungen, den Eck-Elementen von Rahmenmaterial.

Dieses Bild zeigt den geschlossenen Schließrahmen für den Heidelberger Tiegel.

Und hier ist der Ausschnitt zu sehen, der gedruckt wird.

Schließlich der Text. Solch einen Versalsatz herzustellen ist wegen des Versalausgleichs recht mühselig. Schließlich müssen alle Buchstabenabstände harmonisch wirken. Ich habe es nicht bis zur Perfektion getrieben, aber es gibt auch keine Löcher oder Verengungen.

So sieht es dann gedruckt aus, hier eine Vergrößerung der zweckenthobenen Eckstücke, die in einem ganz hellen bräunlichen Pastellton gedruckt wurden.

Und da der Text, dem ich aus Grau, Gelb und Gold einen goldenen Farbton gegeben habe, der aber wegen der Farbbeigabe nicht glänzt. Jedenfalls ist mit bloßem Auge kein Glanz zu sehen. Schaut man sich die Buchstaben unter der Lupe an, sind die schimmernden Goldpigmente deutlich wahrnehmbar.

Diese Karten sind nun im Online-Shop der Werkstatt erhältlich in der Rubrik Neujahrskarten. Sie sind auf einen kräftig cremefarbenen glatten, aber nicht glänzenden schottischen Naturkarton gedruckt, im Diplomatenformat, das sich in der Post des Empfängers sehr hübsch bemerkbar macht. Die Karten werden mit einem nur sehr gering helleren Kuvert mit grauem Seidenfutter ausgeliefert.

— Martin Z. Schröder

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Geliftet · 27. August 2011

Weil es mit dem nächsten Büchlein von Max Goldt noch etwas dauert, übe ich mich mit Text-Inszenierungen auf kleinerem Format. Am Anfang dieses kurzen Textes über eine Beobachtung im Lift von M.G. stand eine Ideenskizze. Zettel, Bleistift.

Der Skizze folgte der Bleisatz und der Bau der Form. Auf diesem Bild steht das Grundgerüst des Fahrstuhls, die Schaltung fehlt noch.

Hier sind die Knöpfe außerhalb des Lifts montiert, die Steuerung innen steht noch außerhalb der Form.

Hier sieht man die montierte Steuerung, die später auf die andere Seite verlegt wurde.

Die Druckform wurde ausgefüllt.

Und im Schließrahmen für den Heidelberger Tiegel geschlossen.

Der Satz ist aus der Schrift Volta.

Aber noch nie zuvor habe ich Spiegelschrift gesetzt. Digital ist es ja einfach, eine Schrift zu drehen, aber Spiegelschrift in Blei wird fast nie benötigt und wurde deshalb auch kaum gegossen. Ich hatte Glück und konnte eine Spiegelschrift in zwei Graden erwerben. Auf dem Bild ist es eine Serifenlose in 2 Cicero, also 24p.

Meine Finger sind nicht so dick, sondern die Ziffern wirklich so klein, nur 6p stark sind diese Gevierte, also knapp 2,3 mm hoch und breit.

Zuerst wurde Rot gedruckt.

Und ich habe im Waschraum der Druckerey ein Foto vor dem Spiegel gemacht, damit man die Schrift einmal richtig sieht. Wahrlich keine Schönheit.

So sieht der Betrachter die Karte ungespiegelt.

Mit dem Bleistift auf die Ziffern gedeutet. So klein sie sind, so scharf drucken sie doch aus.

Als schwarze Farbe im Tiegel lief, druckte ich zuerst das Impressum auf die Rückseite.

Wenn eine Farbe eingerichtet ist, versucht man so viele Druckaufträge wie möglich damit zu erledigen, bevor man die Farbe wieder abwäscht.

Die schwarze Druckform der Vorderseite. Die Kulisse wird animiert.

Der erste schwarze Abzug. Nein, das befriedigt den Spieltrieb noch nicht.

Da kann man noch etwas dazubasteln.

Schuhe und Hände nämlich.

Nun wäre nur noch die Frage der Frisur zu beantworten.

Drei Möglichkeiten standen zur Auswahl.

Und von dieser Form wurde schließlich gedruckt. Jetzt trocknet die Karte ein paar Tage, bis ich dessen sicher sein kann, daß beim hohen Druck in der Schneidemaschine die Farbe des Liftbenutzers nicht auf die Rückseite abzieht, und wenn die Karte auf das Endformat geschnitten ist, zeige ich sie freilich hier.

— Martin Z. Schröder

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Bleisatz ist Trumpf ? Grün · 19. August 2010

Am Mittwoch kam im fünften Druckgang die letzte Farbe auf die zuerst hier und gestern hier gezeigte Seite aus dem Buch von Max Goldt “Nackt in einem Märchenschloß voll wirklich schlechter Menschen”: ein gelbliches helles Grün. Sie steht schräg auf der Seite und wird am Ende leicht angeschnitten werden, weil es sich um das ironische Zitat einer aufwendig im Bleisatz hergestellten Gastronomie-Kritik handelt.

Ich war von der Prachtentfaltung überrascht, und ich bin von dieser Seite sehr angetan, ich konnte den Blick kaum davon lösen. Es ist schön, wenn die Pläne, die hier so grob skizziert waren, so schön aufgehen.Die letzte Farbe hatte ich erst dünn mit dem Spachtel um den gedruckten Rahmen herumgestrichen, um die Farbzusammenstellung zu prüfen.

Die Drucker, die in alter Zeit solche Prachtbände druckten, nein, die Buchmaler, die solche Bände erst erfanden, ob sie diesen Anblick des ausgesucht Bunten auch genossen haben? Sicherlich anders als ein Drucker heute, der letztlich doch seine Unvollkommenheit spürt, weil er eben kein Buchmaler ist, sondern Überlieferung imitiert.

Das Zitat ist übrigens eine sehr üble Gastronomie-Kritik, in welche der Autor alle dummen Redewendungen gestopft hat, die man in einschlägigen Rubriken entsprechender Medien lesen kann. So aufwendig und prachtvoll im Bleisatz ist schlechter Sprachstil und dummes Geschwätz wohl noch nie ausgeführt worden. Diese Seite ist ein Exempel für typografische Komik. Im sechsten Druckgang wird die gegenüberliegende Seite des Textes gedruckt, mir schwebt eine schmutzige Farbe vor, ein grünblaubraunes Grau. Oder so.

— Martin Z. Schröder

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Bleisatz ist Trumpf ? Gelb, Gold und Rot · 18. August 2010

Am Montag wollte ich Gold drucken auf den gestern gezeigten Druckbogen, da fiel mir ein, wie wenig Goldfarbe deckt und daß man entweder zweimal Gold druckt, eher aber eine andere Farbe vordruckt, um die Papieroberfläche zu schließen und dem Gold einen Untergrund zu geben, auf dem der Glanz etwas besser hält. Also habe ich erst einmal mit Gelb vorgedruckt und über Nacht trocknen lassen.

Am Dienstag folgten dann Gold und als vierter Druckgang Rot. Die Bilder ganzer Seiten sind, wie schon erklärt, wegen der Urheberrechte am Text hier unscharf gemacht worden. Insgesamt sind es also für diese Seite des Bogens sechs Farben, die Rückseite wird zwei bekommen, so daß allein dieser Druckbogen achtmal den Heidelberger Tiegel passieren wird.

Aber Detailaufnahmen kann ich zeigen, hier die linke obere Ecke mit dem Initial aus der fetten Zentenar-Fraktur. Heute nun werde ich Grün drucken, danach folgt zuerst die Rückseite (der Widerdruck) und am Freitag die rechte Seite des Druckbogens auf der sogenannten Schöndruckseite. Schöndruck nennt man den Druck auf der ersten Seite des Bogens, Widerdruck den Druck der Rückseite.

In diesem Text sind auch die englischen Wörter in Fraktur gesetzt. Dazu mußte ich mir die für das Englische geltenden Regeln zum langen ? (s) anschauen. “Crossover” — wie schreibt man das? Cro??over, also nicht mit ß. Im Englischen wird Doppel-s auch nicht wie in der deutschen Fraktur als ?s geschrieben, sondern eben ??. Die Regeln dafür habe ich nicht in meinem Handbuch für fremdsprachigen Satz gefunden, das in Antiqua gesetzt ist, sondern im Internet. Vergessen, wo. Aber ich fand auch Fotos, vielleicht bei Wikipedia, von gravierten Inschriften in Fraktur mit ??. Nach den neueren Fraktursatz-Regeln hätte ich alle Fremdwörter in Antiqua setzen müssen, aber das hätte die Seite unschön gemacht, weil etliche vorkommen, trendy etwa oder als Eindeutschung und somit Zweifelsfall: tra?hig. Und die Garamond läuft sehr viel breiter als die Zentenar-Fraktur, die Wörter hätten wie hervorgehoben gewirkt. So habe ich mich entschieden, auch das Englische in diesem Text in Fraktur zu setzen, schließlich war diese Type einst in Europa verbreitet.

— Martin Z. Schröder

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Bleisatz ist Trumpf ? Blau · 16. August 2010

Am Wochenende habe ich die sogenannten echten Doppelseiten des neuen Buches von Max Goldt, “Nackt in einem Märchenschloß voll wirklich schlechter Menschen”, zu drucken begonnen. Echte Doppelseiten werden jene genannt, die nebeneinander auf einen Druckbogen gedruckt und nicht erst durch die Bindung zu Doppelseiten werden. Die rechte Seite bleibt allerdings noch ein paar Tage frei, denn diese Seite wird fünffarbig gedruckt. Links eine Prachtseite in vier Farben, rechts dann die fünfte. Auf dem ersten Bild ist der aus der Zentenar-Fraktur von Ernst Schneidler gesetzte Text zu sehen. Zur Schrift habe ich schon im März 2008 hier etwas ausgeführt.

Anschließend kam Schmuck um den Text.

Auf diesem Bild ist er genauer zu sehen. Die großen Elemente stammen aus Matritzen der Bauerschen Gießerei, die schmalen Linienstücke sind dem Meister-Schmuck von Herbert Thannhaeuser entnommen.

Dann brachte mich eine Freundin, der ich von der Arbeit erzählte und die sich erkundigte, ob ich ein Schmuckinitial einsetzte, auf den Gedanken, eben dies zu tun. Mir fiel ein, daß ich die 5 Cicero große fette Zentenar-Fraktur von Georg Kraus gekauft, aber noch nicht in den Kasten gesteckt hatte. Ich änderte die ersten Zeilen des Satzes, um Platz für das Initial zu schaffen.

Es ist ein schmerzlicher Moment geworden, wenn ich auf den Platten, auf denen die ausgebundenen Schriften versandt wurden, den Stempel meines verstorbenen Lieferanten sehe. Ich kann ihm die Arbeiten, die aus seinen Lieferungen entstanden, nicht mehr zeigen. Er hat sich immer gefreut, wenn die von ihm gelieferten Schriften gedruckt wurden.

Als bleischweres Denkmal steht diese schöne Schrift nun bei den anderen Zentenar-Schnitten.

In diese Lücke wird das Initial eingefügt werden.

Um mir über die Farben klar zu werden, habe ich die umrandete Kolumne schnell mit Bunstiften skizziert. Schrift blau, Initial rot, Schmuckrahmen von innen nach außen Gold, Rot, Grün.

Da steht das Initial E.

Der nächste Schritt: der erste Abzug. Noch mit ein paar Druckfehlern, aber im Druckbild schon sehr gut. Die Zentenar-Fraktur im Schriftgrad Mittel (14 Punkt) ist in einem sehr guten Zustand und druckt ohne schweren Druck scharf aus. Eine Zurichtung war nicht nötig.

Der Schmuck im Druckbild.

Auf diesem Foto sind zwei Spieße zu sehen. So nennt man Blindmaterial, das mitdruckt, statt blind zu sein.

Hier sind die Spieße, man drückt sie nur leicht mit der Ahle nach unten.

Dann kam die Stichsäge zum Einsatz, denn die Seite wird schräg gedruckt, wozu die Form im Schließrahmen durch Keile verschoben wird. Die Größe der Keile wird abgemessen, dann werden die Keile zurechtgesägt und -gefeilt. Oder gibt es dafür Spezialwerkzeuge?

Vor dem Druck der Auflage werden alle Teile entfernt, die in anderen Farben gedruckt werden sollen.

Um deren Form zu erhalten, werden sie neu als Rahmen aufgebaut. Fortsetzung Gold folgt. Zur typografischen Idee werde ich später etwas sagen. Dieser Text besteht aus drei Teilen, und im ersten Satz steht der Satz: “Bleisatz ist Trumpf.” Diese Seite illustriert also traditionellen Bleisatz als Buchkunst.

— Martin Z. Schröder

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Die Druckerey empfiehlt sich · 12. September 2009

Wie zuletzt berichtet ist einiger neuer Schmuck in der Druckerey angekommen. Meine Partner R.S.V.P. — Papier in Mitte hatten darum gebeten, einige meiner Visitenkarten in ihrem hübschen Geschäft in der Berliner Mulackstraße zu deponieren, um Anfragen ihrer Kunden angemessen beantworten zu können — nicht mit handgeschriebenen Zetteln.

Mir erschien es naheliegend, meinem Lieblingspapierladen eigene Karten zu drucken, wozu einige der neuen Schnörkel zur Anwendung kommen sollten.

Gekrönt wird der Textsatz mit einem Einzelstück.

Der die Kolumne schließende Schmuck ist aus vier Teilen zusammengesetzt.

Ich hatte anfangs etwas mehr eingebaut, gewissermaßen eine Aufhängung für diesen Kronleuchter. Links die gedruckte Form, rechts eine der Testformen. Links wurden der Durchschuß (Zeilenzwischenraum) verringert und der Schmuck reduziert.

Denn nach einigem Ausprobieren — ich kenne den neuen Schmuck ja noch nicht und muß die Figuren erst einmal drucken — schien mir doch Maßhalten geboten. Zumal die Form des Satzes selbst schon eine ornamentale ist.

Das Klappkärtchen (Hochformat im Goldenen Schnitt) wurde mit einem roten Farbschnitt ausgestattet. Der Druck ist dunkelblau.

— Martin Z. Schröder

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Neuer Zierrat · 9. September 2009

Am 23. Juni hat Georg Kraus in seinem Blog über die Übernahme von Setzmaterial aus der Düsseldorfer Eremitenpresse berichtet. Vor ein paar Tagen kam die erste Lieferung, denn ich habe mich mit Erfolg um die Übernahme einiger Stücke beworben.

Diese erste Lieferung enthält Buchschmuck und Initiale (Singular die Initiale, Plural die Initialen — Singular das Initial, Plural die Initiale).

In diesen Kuverts fand ich gußfrische kleine Aldusblätter.

Sicherlich wird für die nächste Buchproduktion einer dieser prachtvollen Buchstaben gedruckt werden.

Hier das A.

Und das A nach der Reinigung mit Waschbenzin und einer weichen Bürste.

Hübsches Rahmenmaterial habe ich bekommen.

Endlich habe ich auch Schmuck für klassizistische Schriften.

Dieser Schmuck hat meistens sehr zarte Linien, und er wurde im 20. Jahrhundert wenig eingesetzt, deshalb ist wenig erhalten.

Wenn man Hintergrundflächen und Rahmen setzen möchte, braucht man Schmakazien, wie wir Setzer unseren Zierrat scherzhaft nennen, in größeren Mengen.

Ich bin mit der Lieferung sehr froh, und eine Drucksache ist schon in Arbeit, ich zeige sie demnächst.

— Martin Z. Schröder

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Schmucke Einladungskarten · 14. August 2009

Auf eine gelegentliche Frage nach einem schönen und schlichten Einladungsvordruck konnte ich bislang nur leere Hände zeigen. Nun habe ich Karten gedruckt, die sich sowohl für ein gepflegtes Rendezvous hinter der Scheune als auch für einen Tarock-Abend eignen, geschweige von Einladungen zu Abendessen oder kleinen Festen.

Dieser freundliche, Beeren pflückende Naschvogel stammt ebenso wie …

… dieser gespreizte Genosse, dessen Name mir gerade nicht von der Zunge springen will, …

… aus dem Bestand von Matrizen der Bauerschen Gießerei, die im Leipziger Museum für Druckkunst neu gegossen wurden.

Bei der Schrift handelt es sich um die Erler-Versalien, welche ich hier schon einmal vorgestellt habe.

Die Druckfarben: Schwarz für die Schrift, bläuliches Rot für den Schmuck. Und der umlaufende Farbschnitt zeigt kräftiges Orange. Papier: Crown Mill Pure Cotton von Pelletier (Belgien), dazu gibt es aus dem dazu passenden Papier von Pelletier ein dunkelgrün oder bordeaux gefüttertes Kuvert. Format: 105 × 148 mm (DIN A6). Das Papier läßt sich gut mit Tinte aus der Feder beschreiben, es ist, wie der Name sagt, aus reiner Baumwolle und handschmeichelnd weich.

Im Shop der Druckerey LetterpressBerlin erhältlich.

— Martin Z. Schröder

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Zweite Schmucklieferung aus Leipzig · 26. April 2009

Von den neulich gezeigten Schmakazien aus dem Leipziger Druckkunstmuseum hatte ich einige nachbestellt, und inzwischen ist die Lieferung auch eingetroffen. Es ist immer wieder ein besonderes Erlebnis, eine große Freude, gußfrische Satzstücke auszupacken. Gußfrischer Satz glänzt in den Augen des Setzers besonders.

Immer knapper wird der Platz dafür. Ich weiß bald nicht mehr, wo ich meine Schätze lagern soll. Und es wird manchmal schwierig, Satzmaterial wiederzufinden.

— Martin Z. Schröder

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Schmuck aus Leipzig · 16. April 2009

Aus dem Museum für Druckkunst in Leipzig erreichte mich eine Sendung mit Schmuck-Material. Die Matritzen für die schönen, ja sogar sehr schönen Motive stammen aus der Bauerschen Gießerei. Zu gerne wüßte ich, wie sie nach Leipzig gelangt sind. Aber zuerst freut mich, daß dort im Museum gegossen wird und ich die Stücke auch kaufen kann. Ganz so wie einst, als noch mehrere deutsche Schriftgießereien ihre Waren offerierten, wird es nie wieder. Das Schriftgießen ist eine komplizierte Sache, weil die Lettern sehr genau gearbeitet werden müssen. Das Blei muß beispielsweise genau die rechte Temperatur haben, damit in der Form keine Blasen entstehen. Die Höhe muß nach dem Guß auf Zehntelmillimeter genau justiert werden, damit die Lettern gut drucken.

Ich habe von diesen Ornamenten Abzüge gemacht und Ungenauigkeiten gefunden. An den Rändern drucken die Ornamente rechts nicht scharf aus, hier gibt es anscheinend minimale Höhenunterschiede. Für eine zweite Prüfung habe ich die Lettern etwas weiter auseinandergerückt, dabei wurde deutlich, daß sie am Fuß nicht exakt winklig gefräst sind. Man wird also in der Zurichtung immer ein wenig Seidenpapier einsetzen müssen, um ein gleichmäßiges Druckbild zu erhalten. Reklamieren werde ich die Lieferung aber nicht. In erster Linie werden diese Ornamente als Souvenirs für den Museumsladen hergestellt. Und ich bin doch sehr froh, daß die Kunst der Schriftgießerei überhaupt noch so sinnvoll betrieben wird und mir so hübsche Ornamente ins Haus kommen. Ich habe auch schon nachbestellt, um ornamentale Flächen drucken zu können. Muß ich eben die Typen etwas mehr zurichten. Am Fuß mancher Ornamente findet man Blasen im Korpus. Noch vor fünfzehn Jahren hätte ich so etwas retourniert. Aber man darf heute nicht mehr so streng sein, als gäbe es noch Gießereien, die täglich produzieren und ausliefern. Nachsicht und Freude über Wiederaufnahme alter Produktionen gehören zum Arbeitsbild in einem vergehenden Handwerk.

Nun warte ich auf die nächste Gelegenheit, etwas von meinen neuen Ornamenten einzusetzen.

— Martin Z. Schröder

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Gold aus dem Setzkasten · 8. Oktober 2007

Für eine Karte zum Jahreswechsel habe ich heute wieder einmal mit goldener Farbe gedruckt. Das kommt sehr selten vor, zurückhaltende Typographie ist mir lieber. Goldfarbe hat ihre Tücken. Es gibt viele Papiere, welche die Metall-Partikel einfach verschlucken. Entweder kommt man mit wenig Glanz aus oder man druckt erst eine gelbe Farbe vor, die das Papier versigelt und das Gold am Eindringen ins Papier hindert.

— Martin Z. Schröder

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