Futura mit Mediävalziffern
Für diese Karte wurde keine Bleiletter eingesetzt. Der Bleisatz-Futura mit Mediävalziffern bin ich nie habhaft geworden. Sie wurde aber wohl einst damit ausgestattet. Um dieses Bild zu erlangen, habe ich von einer Magnesium-Ätzung gedruckt.
Diese hier ist also die digitale Futura von Neufville Digital, die von allen digitalen die größte Ähnlichkeit mit der Futura Paul Renners hat. Digital gesetzt, die Laufweite des kleinen Grades erhöht um 5 Prozent, um sie an die Bleisatzschrift anzupassen, die in so geringen Größen (hier 7 Pica-Points, entspricht etwa dem Bild von 6 Didot-Punkt) weiter läuft, damit die Lettern im Druck, der sie etwas ausquetscht, nicht aneinanderstoßen. In diesem PDF vom Klingspor-Museum wird über die Bauersche Gießerei berichtet, deren Matrizen von der Fundición Tipográfica Neufville in Barcelona übernommen wurden, die vor einiger Zeit das Gußprogramm einstellte.
Die Karte wurde mit einem vierseitig umlaufenden roten Farbschnitt ausgestattet.
Der digitale Satz nimmt kaum weniger Zeit in Anspruch als der Bleisatz, weil etliche Details nachgearbeitet werden müssen. Schriftsatz läßt sich nur begrenzt automatisieren.
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Eine scharfe Blindprägung
Mit der erhabenen Blindprägung läßt sich auf dieser Visitenkarte die schmückende Wirkung eines aufgesetzt scheinenden Buchstabens erzielen. Hier ist es die kursive Minuskel g aus der Monotype-Garamond. Auch ein Initial kann als Blindprägung eine schöne Wirkung hervorbringen.
Auch auf der Kehrseite der Karte ist die erhabene Prägung sicht- und tastbar.
Interessant ist vielleicht, daß das g aus dem Schriftgrad 4 Cicero (48 Punkt) gesetzt wurde, der Punkt aus 3 Cicero. Große Schriftgrade müssen hinsichtlich der Spationierung und anderer Details immer vom Schriftsetzer bearbeitet werden.
Der Text ist vom Bleisatz gedruckt: Garamond von Typoart in einem dunklen Grün.
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Schwieriger Prägedruck
Wenn das Licht frontal auf diese Karte fällt, verdeckt das Druckbild die Blindprägung. Was ein wenig bedauerlich ist.
Auf der Rückseite dagegen sieht man die Prägung in jedem Licht gut. Auf nebenstehendem Foto kommt das Licht von der Seite, aber ich versichere: Blindprägungen sind immer gut zu erkennen.
Auf der Vorderseite ist die konturbedruckte Prägung nur zu sehen, wenn das Licht im spitzen Winkel auf die Fläche trifft und der erhabene Buchstabe lange Schatten wirft. Es ist also nicht sehr sinnvoll, wie ich jetzt gelernt habe, eine Blindprägung in eine gedruckte Umrandung zu setzen.
Entweder begnügt man sich mit der versteckten Wirkung oder hat immer eine Taschenlampe dabei, wenn man die Visitenkarte überreicht, denn nur mit Seitenlicht läßt die Prägung sich deutlich sichtbar machen.
Ich habe den Buchstaben nun mit einem Pastellbraun ausgefüllt.
Jetzt ist die erhaben geprägte Fläche besser zu erkennen. Zu ertasten sowieso.
Die Abbildung der Versalkonstruktion entstammt Albrecht Dürers “Unterweisung der Messung mit Zirkel und Richtscheit” (“Underweysung der messung mit dem zirckel un richtscheyt in Linien, ebenen und gantzen corporen, durch Albrecht Dürer zusammen getzogen und zu nutz allen kunstliebhabenden mit zugehörigen figuren in truck gebracht im jar MDXXV”, zitiert Wolfgang Beinert den ganzen Titel), 1525 bei Schönsperger (1508 zum Hofbuchdrucker von Kaiser Maximilian ernannt, Drucker der ersten Fraktur im kaiserlichen Auftrag) erschienen.
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