Ein seltener Fisch
Diesen Fisch (Letter, die im falschen Fach des Setzkastens liegt, beispielsweise nin n im Fach des e) entdeckte ich heute beim Korrekturlesen. Die Ziffer 1 kann kein Schriftsetzer ins Fach vom l gelegt haben. Manchmal merke ich noch, daß ich das Setzregal aus einer Hochschule geholt habe und Anfänger Satz ablegen durften. Beim Ablegen liest der Setzer mindestens ein ganzes Wort, eher die halbe oder ganze Zeile, er schaut nicht jede Letter einzeln an, wie ein Anfänger es tut.
Und selbst wenn er sie einzeln anschaut, so kennt er seine Pappenheimer, also Buchstaben, und kann I, l und 1 sofort unterscheiden. Zumal wenn die 1 wie hier eine Halbgeviertziffer ist, die Letter also deutlich dicker als die der Minuskel l. Gewundert hab ich mich, daß mir eben dies beim Setzen nicht aufgefallen war. Aber manchmal vergesse ich eben doch das Korrekturlesen im Winkelhaken oder bin vom Telefon abgelenkt und dergleichen. Auf dem Papier wird ja dann doch jeder Fehler sichtbar. Dieser hier, fiel mir noch ein, kann im digitalen Satz nicht passieren. Durch die Tastatur schwimmen keine Fische.
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Taschentelefon
Eine neue Kollektion für die gehobene Akzidenz-Abteilung eines Internet-Portals für Drucksachen entsteht. Die Kollektion wird auch ins Hausmusterangebot eingehen.
Satz aus Garamond (Typoart), der Name kursiv, die Adresse aus gewöhnlichem Schnitt.
Endlich konnte ich mal den Begriff Taschentelefon verwenden, den ein Freund des Hauses mir schenkte. Die Telefonnummern bestehen aus den Lebensdaten der Komponistin Fanny Hensel. Taschenfernsprecher hätte man vielleicht um 1830 zum Mobiltelefon gesagt, aber soviel Echtheit war mir zu lang. Gedruckt wurde in einem kräftigen rötlichen Blau auf Echt Bütten “Alt Cleve” von Zerkall.
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Schwere Karten
Der Karton der Karten ist nicht übermäßig schwer: 300 g/m². Aber den richtigen Entwurf zu finden, fiel mir schwer. Hoch- oder Querformat? Auf einem Hochformat kann man mehr Text unterbringen, ohne daß die Karte überladen wirkt.
Und das Signet der Werkstatt (Idee Axel Bertram, Holzstich Hans-Joachim Behrendt) braucht in der Höhe so viel Platz, daß man kaum mehr als ein oder zwei Zeilen Text darunter stellen kann, ohne das Format aus guten Proportionen gleiten zu lassen. Auch Klappkarten und Druck auf der Rückseite hatte ich erwogen, doch solche Karten sind vielleicht aufwendig und können schön aussehen, sind aber nicht gut zu handhaben. Es ist nicht ganz unwichtig, alles auf einen Blick zu sehen. Und wenn eine Karte in einem Ordner steckt oder an eine Pinnwand geheftet wird, muß eine Seite ganz verdeckt werden.
Vierzehn Varianten im Hochformat blieben übrig. Soll das Signet eingebaut werden in Text oder Linien oder freistehen? Kann Schmuck eingesetzt werden? Oder Schrift als Schmuck? Wie ordnet man den Text so an, daß er weder das Bild übertönt noch untergeht?
Ich glaube nicht, daß man diese Entscheidungen durch logisches Vorgehen herbeiführen kann. Man kann sie hinterher begründen, aber es gibt keinen standardisierten Weg zum besten Entwurf, keine Formel. Den guten Entwurf kann man auf diesem Wege schaffen, aber die letzte Entscheidung zwischen den guten Entwürfen ist Erfahrungssache. Ich habe kurzerhand wie in einem Turnier immer zwei beliebige Entwürfe herausgegriffen und gegeneinander antreten lassen. Der Verlierer flog raus. Die letzten fünf Kandidaten haben es mir schwer gemacht.
Vor dem Druck mußte über die Farbe entschieden werden. Welches Grün steht am besten, also zeichnet den Holzstich gut und verhält sich harmonisch zum Grauwert des Textes? (Es wirkt übrigens hier auf keinem Foto gut, im Original spielen Papierfarbe, Farbauftrag und die leichte Prägung des Bildes eine Rolle, die auf diesen Fotos nicht zum tragen kommt.) Welche Farbe soll die Schnittkante bekommen?
Die Papierauswahl war auch nicht ganz einfach. Auf den voluminösen und filzmarkierten oder rauhen Kartonen muß man etwas mehr Farbe bringen, auch mehr Druck einsetzen, und ich wollte doch die zarte Garamond in Nonpareille (6 Punkt) in ihrer Zartheit darstellen. Und auch von dem Bild nichts wegquetschen. Also habe ich einen mittelglatten Karton ausgesucht.
Der Entwurf, den ich schließlich in Bleisatz und Druck umgesetzt habe, war der zweite von allen überhaupt. Das passiert mir gar nicht so selten.
Es spricht am Ende eigentlich für eine sichere Hand, aber gerade mit der eigenen Drucksache tut man sich als Typograf schwer. Ich hatte anfangs die Befürchtung, die Karte sei so schlicht, daß sie plump wirke, und fing an, die Entwürfe aufzubrezeln durch Linien und Schmuck und Umstellungen. Sogar Linienrahmen hatte ich ausprobiert. Wenn ich mir dabei zugesehen hätte, würde ich wohl recht unwillig gemurmelt haben, daß man es auch übertreiben könne und daß weniger oft mehr sei und ob ich wohl am horror vacui litte.
Vergleicht man die letzten beiden Fotos, wirkt der Farbschnitt unterschiedlich hell. Das passiert einem natürlich auch in der Produktion. Man läuft von einer Tageslichtlampe zur nächsten und schließlich vor die Tür, um die “Wirklichkeit” der Farbe zu finden. Es gibt sie natürlich nicht. Außer wenn es dunkel ist.
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