Die Ur-Futura
Heute ein Nachtrag zur digitalen Futura, über die kürzlich hier gesprochen wurde. Meinem Hamburger Kollegen Helmut Bohlmann danke ich für die Übersendung einer Schriftprobe zweier Futura-Schnitte mit Mediävalziffern und den Sonderfiguren, die ich als Lettern noch nie sah und in Druckwerken selten. Hier die Abbildung komplett als PDF. Das Foto rechts läßt sich, wie immer, durch Klick vergrößern.
Die Schrift unserer Zeit — wie stolz das klingt.
Erster Nachtrag am 8.4.
Thomas Gravemaker schickt mir aus Paris neben anderen diese Ansicht (PDF)
Zweiter Nachtrag am 8.4.
Ich füge noch zwei Bilder an. Beide Drucke sind von Bleilettern 1925 entstanden. Von Probegüssen.
Die Futura-Geschichte ist nicht ganz unkompliziert, Christopher Burke hat sie in seinem Buch über Paul Renner, dem die Fotos entstammen, zusammengefaßt. Mir als Drucker scheint der Verlust der Minuskelziffern ein Zeichen für die Gleichgültigkeit der Druckereibesitzer und Schriftgießer nach dem Krieg zu sein. Die ornamentalen Schnörkel sind berechtigt untergegangen (jetzt allerdings digital teilweise wieder zu haben, was auch berechtigt ist), aber eine Schrift ohne zweiten Ziffernsatz ist immer unvollständig.
Die Neufville version ist zwar recht gut, aber von Berthold gibt es auch noch eine version, die auf jeden fall besser ist als die von Linotype.
Nachtrag am 12. 4. von Erik Spiekermann
Als wir bei MetaDesign 1996 eine eigene Futura entwarfen (digitalisiert von Lucas de Groot), hielten wir uns sehr eng an die Bauerschen proben. Leider war der auftraggeber nicht zu bewegen, mediävalziffern einzusetzen. Also haben wir nur für uns wenigstens einen mageren schnitt gemacht, der nicht nur diese ziffern enthält, sondern auch die spitzen bei M,W usw, die bei den fetteren schnitten der praktikabilität zum opfer fielen. In der originalen Futura gab es diese merkmale noch bis zur Halbfetten, die allerdings nicht besonders fett war. Ich lege mal ein pdf bei mit den schnitten, die wir damals gemacht hatten. Es gibt immerhin für jeden davon wahlweise tabellen- oder unterschnittene ziffern.
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Gemeißelt
Einen Namen auf die Visitenkarte blindprägen — davon würde ich abraten. Es bekommt so leicht etwas von Grabplatte. Und welchen Eindruck soll man von einem Zeitgenossen gewinnen, der den eigenen Namen wie gemeißelt verewigt unter die Leute bringt? Diese Art der Prägung eignet sich für Schmuckelemente, Initiale, Signete oder Firmennamen. Und dann kann sie sehr schön wirken. Hier wurde der Name aus der Delphin gesetzt und die Adresse aus der digitalen Futura, die ich hier erst kürzlich besprach. Gedruckt wurde auf Feinstkarton Gohrsmühle grau 250g/m².
Blindprägungen in Karton müssen recht fett angelegt werden, damit der Strich an Tiefe gewinnen kann. Feine Prägungen stehen nur auf Papier gut. Und wenn es eine filigrane Prägung sein soll, vielleicht auch in mehreren Ebenen, dann übernehmen die Kollegen Stahlstecher, die von Messingstöcken prägen, oder gar von Stahl, und deren Maschinen einen enormen Pressdruck ausüben. Kleine einfache Formen wie die hier gezeigten sind mit der Technik der Druckerey gut zu bewältigen.
Bei “Stein” fällt mir das frische Angebot von Georg Kraus ein: Alte Lithosteine. Das sind großartige Dekorationsstücke, ich besitze selbst zwei, einer steht dekorativ in der Küche, der andere ist irgendwo in der Werkstatt vergraben. Und bei Kraus las ich, Innenarchitekten würden diese Steine (die aus Kalkschiefer bestehen) dekorativ in Lehmwände einsetzen. Als eingemauertes Bild. Kaufen Sie sich einen! Einen ausführlichen Text mit Bildern bietet die Wikipedia.
tags: blindprägung, futura, neufville digital, prägedruck, visitenkartePaparazzen
Die wiederholt zum Ausdruck gebrachte Anerkennung der Bildqualität in diesem Blog freut mich. Natürlich steckt enorm viel Aufwand und Arbeit dahinter. Für viele Fotos werden Kulissen im Studio gebaut. Als vorgestern die Visitenkarte Wolfgang Caspar Printz ins Studio ging, ist es einem Paparazzi gelungen zu paparazzen. Drei Fotos wurden mir zugespielt, und ich wüßte keinen vernünftigen Grund, sie der Öffentlichkeit vorzuenthalten.
Dieses Bild entstand während der Mittagspause, wurde mir mitgeteilt, als die Arbeiten zur Aufstellung der Visitenkarte unterbrochen wurden und sich kein Bühnenarbeiter auf dem Set befand. Nicht mal ein Wachmann. Alle zu Tisch. Oder Kokain schnupfen. Keine Ahnung, was diese Fotofritzen mittags treiben. Sex, Drogen, Kreissägen. Man erkennt aber den erheblichen Aufwand, der für die Bilder des Druckerey-Blogs betrieben wird. Ich stürze mich dafür ständig in Unkosten. Für meine verehrten Leser kann es kaum gut genug sein.
Von einer Hebebühne aus bekam der Fotograf die protzigen Fahrzeuge vor die Linse, mit denen sich diese Gesellschaft zu ihrer kreativen Tätigkeit bewegt.
Vor dem Studio ein riesiges Relief. Hier hat dessen Gründer sein Konterfei in Platin gießen lassen. Wie er sich da mit einer Banknote seine Zigarette anzündet, ist das nicht zynisch? Aber das genügt den feinen Leuten nicht. Man sieht im Hintergrund Reklametafeln, auf denen für Geld geworben wird! Natürlich auf dem scharf bewachten Studiogelände. In der Öffentlichkeit gab der feine Herr den braven Bürger. Ich bin entsetzt.
Vermutlich muß ich mir nach dieser Enthüllung ein neues Fotostudio suchen. Na und? Ich lasse mir nicht den Mund verbieten!
Sehr empfehlen möchte ich heute noch den Besuch einer renovierten Website der Berliner Künstlerin Barbara Wrede, auf der sie sehr gute Auftragskunst zu günstigen Preisen feilbietet. Wir arbeiten gerade an einem Kunstdruck, darüber nächstens mehr.
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