Büchlein am Jackenaufschlag
Neulich trug ich in einem Video ein winziges Ansteckbüchlein am Revers. (Auf nebenstehendem Foto das kleine Ding links neben der Streichholzschachtel). Es ist in dem Film allerdings nur als heller Fleck zu sehen, und nur die Buchbinderin und Schöpferin des Büchleins hat es erkannt: Heike May arbeitet in Nürnberg schöne Bücher und Etuis und Kästen und berichtet in ihrem Blog darüber.
Beispielsweise am 3. August 2010 entdeckte ich hier die Ansteckbüchlein, 15 × 25 mm groß, und bestellte gleich eines. In diesem Beitrag zeigt Heike May den Ohrschmuck, Fingerringe und Manschettenknöpfe mit Büchern, die sie später für den Verkauf präsentierte. Als Manschettenknöpfe scheinen mir die zarten Objekte nicht recht geeignet, denn Ärmel werden doch mehr strapaziert als Ohren. Jedenfalls meine.
Vom Erfolg ihrer Werke angeregt, legte die Buchbinderin eine größere Menge auf und zeigte Bilder aus der Werkstatt.
Ich komme leider selten dazu, das Büchlein anzulegen, weil ich meistens eine Schürze trage und keine Jacke mit Revers. Aber wenn sich die Gelegenheit ergibt, stecke ich das Objekt an. Wünschen würde ich mir noch eines aus Leder in grün und mit geradem Rücken und schlichter goldener ornamentaler Prägung auf dem Leder, ein Sternchen oder so was. Aber ob das wohl zu machen ist?
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Edle Zettel
Im vergangenen Jahrtausend, anno 1996, haben Max Goldt und ich unsere erste gemeinsame Arbeit veröffentlicht. Eine Edition von Postkarten, zwölf Texte auf zwölf Karten typografisch inszeniert. Der Vorläufer zu unseren Büchern in einer Auflage von 333 Exemplaren. Davon habe ich beim Aufräumen zu meiner Überraschung noch ein paar Exemplare gefunden.
Diese Sets sind auf der Banderole numeriert und signiert. Und sie sollen nunmehr auch in den Verkauf gelangen, angesichts ihres Alters und ihrer Geschichte und ihrer Seltenheit zu einem Sammlerpreis, der allerdings auf die einzelne Karte gerechnet nicht sehr hoch ist. Im Kunstdruckgrafikhandel ist es üblich, daß die Preise mit dem Schwinden der zur Verfügung stehenden Menge steigen. Das werde ich ebenso handhaben. Das Set gibt’s im Online-Shop der Druckerey zu erwerben.
Wer die Bücher kennt, wird an nebenstehendem Foto die Verwandtschaft dieser ersten Arbeit erkennen. Als wir uns zur Signierstunde in meiner Wohnung trafen, habe ich mir während des 333fachen Signierens durch Herrn Goldt die Zeit damit vertrieben, Putzlappen aus Bettlaken herzustellen, und die dabei abfallenden Fäden tat ich in einen Altpapiersack (damals hatte ich anstelle einer guten Stube eine Werkstatt in meiner Wohnung). Dem Herrn Goldt erklärte ich auf seine Frage, daß diese Baumwollfäden dem Altpapier nicht schaden würden, im Gegenteil würden ein paar Hadern die Papierqualität verbessern. Herr Goldt erzählte mir später, er habe mich so verstanden, daß ich Bettlaken zerreißen und komplett ins Altpapier stecken würde, um dessen Güte zu veredeln, woraufhin er mich für leicht irre hielt.
Wär ich in Hamburg, eilte ich ins Museum der Arbeit
Schon vor einer Weile, eben als dieses Blog wegen zu viel Werkstattarbeit stillestand, erreichte mich eine Meldung aus dem Hamburger Museum der Arbeit, die ich nun nicht länger zurückhalten darf, denn der Film ist sehr interessant, ich habe ihn gesehen und empfehle ihn sehr. In diesem Film sieht man übrigens meinen Kollegen, Schriftsetzer Helmut Bohlmann, mit dem Winkelhaken im chinesischen Zirkel stehend einen Text setzen. Unter Anleitung eines Schriftexperten, der die Zeichen zu lesen versteht. Faszinierende Szene!
Die Pressemeldung aus Hamburg im Wortlaut:
Zwiebelfische*
Jimmy Ernst und der chinesische Zirkel
11. Januar bis 6. März
Die Druckerei J.J. Augustin aus Glückstadt stellt vor allem wegen ihres „chinesischen Zirkels“, einer kreisförmigen Setzerei für chinesische Lettern, eine weltweite Besonderheit dar. Die Bleisetzerei ist heute nicht mehr in Betrieb. Das Museum der Arbeit zeigt, erstmals außerhalb Glückstadts, den „chinesischen Zirkel“, gemeinsam mit Fotos von Candida Höfer, August Sander und WOLS sowie einem Film über das Schicksal des Lehrlings Jimmy Ernst. Dem Sohn von Max Ernst gelang 1938 mit Hilfe der Augustins die Flucht in die USA. *Zwiebelfische sind in der Druckersprache Bleilettern, die in ein falsches Fach des Setzkastens geraten sind.
Veranstaltungen zur Ausstellung „Zwiebelfische“
Dem Dokumentarfilm „Zwiebelfische – Jimmy Ernst, Glückstadt – New York“ von Christian Bau und Artur Dieckhoff wurde im November auf den Nordischen Filmtagen der Norddeutsche Filmpreis für den besten Dokumentarfilm verliehen. Ulrike Haage erhielt den ersten Preis für die beste Filmmusik. Der Film wird in der Ausstellung täglich um 13 Uhr gezeigt. (60 Min, Gruppen nach Vereinbarung). Hier der Trailer:
Filmmatinee
Filmvorführung mit Führung im Anschluss
Jeden Sonntag, Beginn 13 Uhr, 2,- Euro plus Museumseintritt
Zwiebelfische
So., 16. und 23. Januar sowie 6., 13. und 28. Februar
Schrift ist ein Abenteuer (Imprimerie Nationale Paris)
So. 30. Januar
Rendezvous der Freunde – Ein Film über ein Bild und seine Geschichte
So., 20. Februar
Finissage
Konzert am Flügel mit Ulrike Haage im chinesischen Zirkel
So., 6. März, 13 Uhr
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