Mit einem Schaukelpferdchen gratulieren
Ursprünglich für Geburtsanzeigen von Frank Ortmann gezeichnet, habe ich dieses freundliche Tier nun auf eine Klappkarte gedruckt, die innen Platz für eine Gratulation zu einer Geburt, einer Taufe oder ähnlichen Anlässen bietet.
Das gezeichnete Original wurde gescannt, digital bearbeitet und in Magnesium geätzt.
Magnesium ist so hart, daß man damit auch ins Papier prägen kann. Zumal wenn es ein so weiches Papier ist wie dieses Echt Bütten. Zu erwerben ist diese sowie eine weitere, mit einem Psalm versehene Karte auf der Internetseite LetterpressBerlin, dem Online-Shop der Druckerey.
Kommentare [2]
Sei schnafte — be Berlin!
Diese drei Cicero (36p = 13,536 mm) große Bleisatzschrift Rundfunk ist ohne Geschichte in den Bestand meiner Werkstatt gelangt. Ich weiß nicht, woher sie kommt, wer sie entworfen hat und wo sie gegossen wurde. Für hilfreiche Aufklärung wäre ich dankbar. Daß die Punzen, also die Innenräume der Buchstaben, eckig sind, fällt im Druckbild nicht so stark auf wie direkt an der Bleiletter.
Für Visitenkarten im Bleisatz, für die üblichen Akzidenzen wie Hochzeitsdrucksachen und Briefpapier sind solche modischen Schriften kaum einsetzbar, aber 2012 soll das nächste Buch gedruckt werden, und dafür sorge ich vor. Soweit es noch geht, denn meine Werkstatt ist inzwischen so vollgestopft, daß kaum noch etwas hineinpaßt.
Diese Karte habe ich nur als Schriftmuster gesetzt. Ohne einen Buchstaben mit Unterlänge, fällt mir eben auf. Aber an den Bleilettern sieht man, daß die Unterlänge nur stummelartig sein kann.
Weil ich die Karte kurz vor dem Waschen der Maschine gedruckt wurde, habe ich von einer Seite etwas dunkle Farbe ins Rot einlaufen lassen. Dieses mehrfarbige Druckverfahren (möglich sind je nach Breite der Druckform mehrere ineinanderfließende Farben nebeneinander) nennt man Irisdruck. Im Heidelberger Tiegel ist er allerdings kaum zu machen, weil das Farbwerk die Druckfarbe seitlich verreibt. Also in sehr kurzer Zeit wird aus dem Farbverlauf ein einziger Farbton. Ist aber nicht schlimm, denn Farbverlauf in der Typografie ist meistens scheußlich. Was nun wiederum nicht ganz unpassend zu dieser Schrift wäre: originell, aber deshalb auch häßlich. Originelle Schriften sind meistens häßlich, fürchte ich, denn gute Schriften sind konventionell, weil sie gelesen werden und die Form der Buchstaben gewissermaßen in Stein gemeißelt ist. Originell aus der Konvention auszubrechen, heißt verzerren, wie hier in der Rundfunk, die wirkt, als habe sie zu lange an ihren Hälsen gehangen. Aber man kann häßliche Schriften angemessen und damit gut einsetzen — also eine alberne Schrift für einen albernen Sinn.
Hier sieht man die ch-Ligatur, welche ich aber wieder entfernt habe, weil man das sch nicht in s und ch trennen sollte. In manchen gebrochenen Schriften gibt es sch-Ligaturen (digital ist mir allerdings keine bekannt), aber eine Ligatur aus dem runden s und ch in Antiqua glaube ich nie gesehen zu haben.
“Be Berlin!” oder “Sei Berlin!” ist ein Reklamespruch für meine Heimatstadt, um den vor einiger Zeit gestritten wurde. Ich finde ihn gar nicht so blöd. So als Appell für angemessenes Benehmen eines Berliners vielleicht etwas albern in seiner sprachlichen Wendung, im Grunde aber doch traditionell an die selbstbewußte Haltung eines Bewohners einer Metropole gemahnend. Aber wenn ich eine solche Karte noch mal drucke, sollte ich vielleicht schnafte gegen schnieke auswechseln. Schnieke, dufte und knorke sollte der Berliner sein. Gibt es dazu eigentlich Substantive? Schniekheit? Duftung? Schnaftizismus? Und Steigerungen? Knorkissimo?
Kommentare [7]
Visitenkarten aus der Winkelgasse
Winkelgasse nennt sich die schmale Ladenstraße in der Parallelwelt Harry Potters. Den ersten der Filme sah ich kürzlich. Ich war sehr angetan. Inzwischen habe ich die anderen Filme auch gesehen — die Lindenstraße der ARD bietet mehr Spannung als das fortsetzungsbedingte Ringen um gute Ideen dieser sicherlich sehr hübschen Kapitalanlage. Für den nächsten Tag nach meinem schönsten Harry-Potter-Film-Abend hatte sich ein gewisser Herr Becker zur Beratung angemeldet. Freilich fiel mir seine stattliche außergewöhnliche Erscheinung auf, aber einem Berliner rennt der Puls nicht davon, wenn Menschen sich etwas eigen gewanden.
Visitenkarten also wurden gewünscht, geschäftliche. Um welches Geschäft es sich handele, wollte ich wissen, denn einem Bankier werde ich einen anderen Entwurf anbieten als einem Kuchenbäcker. Herr Becker wünschte die Bezeichnung Wundermacher auf der Visitenkarte, denn sein Beruf sei der des Magiers. Nun ging mein Puls doch rascher, und ich finde diese Verkettung zweier Ereignisse noch immer seltsam. Da schaue ich mir nun wirklich selten Kinderfilme mit Zauberern an, dieser hier hatte mich sogar gerührt und begeistert, mich hineingezogen in die Welt der Zauberer und Hexen und ihrer Schüler auf Hogwarts. Und ich drucke nun seit fast dreißig Jahren Visitenkarten, hatte aber noch nie für einen Zauberer gearbeitet, und nun stand plötzlich einer leibhaftig in meiner Werkstatt, und es fühlte sich so an, als sei dieser Besuch die Folge meines Film-Vergnügens, allerdings eben von Herrn Becker vorhergesehen, ja offenbar geplant, denn den Termin hatten wir vereinbart, bevor ich die DVD überhaupt hatte. Seltsam. Überaus merkwürdig.
Günstig für die Beratung des Entwurfs war, daß ich den Film nun kannte, denn Herr Becker wünschte sich eine Karte, die in das Ambiente des Geschäfts für Zauberstäbe aus der Winkelgasse passen würde. Gewöhnlich fertige ich nicht so viele Entwürfe an, meistens gibt es eine oder zwei Grundlinien, an denen im Laufe der Entwurfsberatung nur noch Details geändert werden. Aber weil ich so selten für Magier arbeite und Freude daran hatte, habe ich ein wenig mehr skizziert (PDF) als gewöhnlich.
Der Zauberer entschied sich für Entwurf Nummer 8. Die Vorderseite ein wenig stärker geprägt, denn diesen Entwurf konnte ich ohnehin nicht vom Bleisatz drucken, sondern ließ eine Metallplatte nach der digitalen Vorlage ätzen. Damit kommt man tiefer ins Papier, denn mit dem weichen Blei läßt sich nicht prägen, wenn man die Lettern lange bewahren möchte. Die Internet-Adresse auf der Rückseite wurde mit geringerer Schattierung auf den aus Schottland stammenden, zart cremegetönten Feinkarton gedruckt. Mit einem Farbschnitt in Englischrot wurden die Schnittkanten veredelt. Für die freundliche Erlaubnis, die Arbeit hier zu zeigen, danke ich dem Wundermacher Jan Becker.
Kommentare [5]
