... dieses Glück der Einheit von Wort und Buchgestaltung ...
Heute bespricht Andreas Platthaus in der F.A.Z. den Atlas van de nieuwe Nederlandse vleermuizen so freundlich (“ein bibliophiles Schmuckstück mit köstlichen Textminiaturen” / “Musterbuch des Schröderschen Schaffens” / “Handwerk in einer Qualität, wie Max Goldt sie in seinen Texten immer wieder einklagt und selbst stilistisch so zuverlässig einlöst, dass ihm dieses Glück der Einheit von Wort und Buchgestaltung von Herzen zu gönnen ist.”), daß ich fürchte, wir werden bald damit ausverkauft sein.
Einserseits ist es wirklich schön, wenn eine Arbeit so gefragt ist. Aber nach neun Monaten Beschäftigung ist es auch angenehm, sie immer mal wieder in die Hand nehmen zu können zum Verkauf. Aber alles kann man nun wirklich nicht haben, und ich werde mich überhaupt nicht beschweren. Wenn im Jahre 2010 der dritte Band der Trilogie erscheint, wie wir es vorsehen, kommen damit auch noch einmal 50 Vleermuizen zusammen mit dem Plastikthermometer und dem Band 3 in einem eigens gefertigten Schuber auf den Markt.
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Erhöhtes Blindmaterial
Für eine Veranstaltung von Freunden meiner Werkstatt habe ich die Einladungen gestiftet und auf der Rückseite mit einem werbenden Hinweis versehen. Die gedruckten Einladungen, also auch für Folgeveranstaltungen, sind als Reihe angelegt, weil ich einige Muster benötige für die Ausstellung in der Werkstatt. Der Entwurf liegt in meinen Händen, die Veranstalter lassen mir freie Hand.
Auf der Rückseite habe ich Teile des Blindmaterials auf Schrifthöhe angehoben und mitdrucken lassen. Ich kann mich erinnern, daß wir in der Lehre einmal eine Spalte oder einen Absatz in der Zeitschrift der Betriebsberufsschule komplett mit dem Blindmaterial gedruckt haben. Nur leider fällt mir nicht mehr ein, wie wir das Material auf Schrifthöhe so befestigt haben,
daß es auch in der großen Schnellpresse nicht abrutschte, sondern sauber mitdruckte. Ich habe mal improvisiert und das Blindmaterial des kleinen Rahmens vom kleinen Boston-Tiegel auf Schrifthöhe im Rahmen geschlossen, eingefärbt und einen Bürstenabzug gemacht. (Und aus dekorativen Gründen einen Steg umgedreht. Eigentlich kommen die Hohlräume nach unten, damit da kein
Waschbenzin hineinläuft oder auch während des Druckens kein Dreck hinaus auf das Papier geschleudert wird, die Form sollte oben möglichst geschlossen sein.) Ich habe die Form dafür leicht geschlossen, so daß ich sie heben und auf das Gesicht legen konnte, aber die Schlösser noch beweglich sind. Habe dann die Schlösser mit etwas Kraft herausgenommen und umgedreht,
so daß sie für den Schlüssel wieder erreichbar waren. Dann habe ich den Rahmen angehoben, weil der in jedem Fall niedriger liegen muß in der Maschine. Ich merke schon, es ist eigentlich nicht zu erklären, das verstehen nur Drucker. Für die reicht es sicherlich auch. Und wenn einer der lesenden Drucker mir sagen kann, wie man eine Druckform komplett auf Schrifthöhe
schließt, ohne jedes Teil einzeln anzuheben, was ein übles Geduldsspiel wäre, so bitte ich darum, das Geheimnis preiszugeben. Denn dieses Druckbild erscheint mir mit seiner Offenbarung der unsichtbaren, aber sehr körperlichen Stützen für die Buchstaben recht reizvoll.
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Schriftmischung extrawild
Ein heikles Thema. Es gibt für Schriftmischungen aber recht gut gefaßte Regeln: Entweder im Duktus bleiben, also eine Anglaise (Englische Schreibschrift, Spitzfeder)
mit einer Klassizistischen Antiqua (Kontrast zwischen fett und fein ähnelt dem der Spitzfederschrift) mischen. Oder starke Kontraste erzeugen, dann kommt zur großen Anglaise etwa eine kleine magere Futura. Ein überdimensionierter klassizistischer Buchstabe (Stichel) darf als Initial auch in einem Text aus einer Renaissance-Type (Breitfeder) stehen. Beides in gleichem Grad (Größe), gleicher Farbe, gleichem Schnitt (Schnitte: gewöhnlich, kursiv, fett und dergleichen) — eher nicht, weil der Gegensatz zu undeutlich ist.
Nach den Ferien und meinem ärgerlichen Schnupfen habe ich mir meinen Spielplatz zurückerobert. Vor Weihnachten war die Druckerey ja ein Platz anstrengender Arbeit, um alle Termine einzuhalten. Nun wollte ich mal wieder ein bißchen spielen und hab mir ein paar private Postkarten gedruckt. Mit meinen Initialen aus drei Schriften:
Zentenar-Fraktur, Legende und Bigband. Die ersten beiden sind aus einer Hand: von Ernst Schneidler stammen die Fraktur und die Legende, beide zeigen deutlich die Breitfeder und sind darin einander verwandt, sogar in der Strichstärke, obwohl es sich um verschiedene Schriftgrade handelt, wie man am Bleisatz sehen kann. Die Bigband wirkt durch ihre bandartige Schattierung ebenfalls breitfederhaft, auch wenn es eine sichtbar gezeichnete Schrift ist. Ich habe dazu lange in einem schönen Bildband mit Arbeiten von Schneidler geblättert und glaube, er hätte mir für diese Mischung nicht den Kopf abgerissen. Buchstaben sind reizvolle Zeichen, die geheimnisvoll werden können, wenn man ihre schöne Vielgestaltigkeit wahrnimmt.
Auf die Rückseite der Karte habe ich meinen Absender gedruckt. Satz aus dreiviertelfetter Futura, kompreß (also ohne Durchschuß, wie wir den Zeilenzwischenraum nennen, im Gegensatz zu splendid). Oben und unten ist eine abgeschrägte Schraffur-Linie zu sehen, die den Spaß gleich ein wenig postalischer wirken läßt. Solche Linien sind aus Messing gemacht.
Sie halten mehr Druck aus als Blei, sind als beständiger und können lange verwendet werden.
