Wer weiß etwas über Georg Kandler?
Heute erreichte mich eine Frage, ob ich etwas über Georg Kandler, den Autor von “Alphabete. Erinnerungen an die Bleisatzzeit” wüßte. Weihnachtspost an ihn sei mit dem Vermerk “Verstorben” an den Absender zurückgegangen. Ich weiß leider nichts. Kann vielleicht ein Leser mit Auskunft behilflich sein?
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Die verflixte LA-Kombination
Versalien werden ausgeglichen, um die Unterschiede der Räume zwischen MM (eng) und LA (weit) sowie die Binnenräume (etwa im O oder D weit und im B eng) so zu harmonisieren, daß eine “leicht perlende” (Tschichold) Versalzeile entsteht. Wie man das anstellt, ist an vielen Quellen nachzulesen. Man kann bei Jan Tschichold anfangen und sich zu Rudolf Larisch vorarbeiten, auch in Handbüchern wie der ausgezeichneten “Detailtypografie” finden sich Hinweise.
Und es gibt sogar Entwicklungen: Während ich früher als Setzer lernte, daß man die gedruckte Zeile auf den Kopf stellen kann, um Unregelmäßigkeiten, also Lichter und dunkle Flecken zu erkennen, weiß ich heute, daß das von oben in die Zeile scheinende Licht eine Rolle spielt und das Drehen der Zeile einen konfus machen kann, aber nicht hilfreich ist.
Auch das Blinzeln ist kein geeigneter Weg, um die Perligkeit der Zeile zu prüfen, weil dabei Details verschwinden und man eben nur einen ungenauen Grauschleier sieht. So deutliche Lücken sind nicht das Problem. Die Frage ist viel eher, in welchen Schriften MM so eng stehen wie NN, denn das N hat unten rechts keine Serife und läßt von unten Licht in die Lücke.
Es kommt immer auf den Einzelfall an. Es gibt sogar Fälle, da müssen Räume zwischen gleichen Buchstaben unterschiedlich groß sein, um das Gesamtgewicht auszugleichen. Versalausgleich hat auch immer etwas mit optischer Täuschung zu tun. Es gibt keine wirklich genauen Regeln, jede Schrift verlangt eine eigene Behandlung, und maßgeblich ist das Auge. Und was das Auge sieht, wird mit der Erfahrung abgeglichen, irgendwann entscheidet allein das Gefühl.
Die Herren Klassiker unter den Typografen haben es gründlich gemieden, das Wort EINLADUNG einmal gut harmonisiert in ihren Büchern zu zeigen. Wie dicht sollen L und A aneinandergerückt werden? Wann wird das L zum I, weil die Lücke zu klein ist und der Querstrich des L scheinbar verschwindet? Nebenstehendes Foto zeigt eine Arbeit vom Sonnabend. Man kann es nur immer wieder versuchen.
Von Detail-Diskussionen der Abbildung bitte ich Abstand zu nehmen, denn erstens ist es nur ein Foto und zweitens eine starke Vergrößerung und drittens sieht die Sache sowieso am Bildschirm anders aus als auf Papier.
tags: versalien ausgleichenKritisch beäugt
Gestern erschien im Feuilleton der Süddeutschen Zeitung dieser Verriß, den ich für nötig hielt, weil man so ein schlechtes Buch nicht durchgehen lassen darf, ohne wenigstens eine begründete Meinung dazu zu äußern. Den einzigen Lustgewinn konnte ich aus der Sekundärliteratur ziehen, auch wenn ich sie schon oft angeschaut habe. Das im Text genannte Buch von Klemke zeigt viele der Alltagsarbeiten, aus denen man wirklich lernen kann, wie Anmut und Eleganz entstehen, wie sparsam und genau die typografischen Mittel dafür eingesetzt werden müssen. Über das neue Buch hab ich mich schon sehr geärgert, viel mehr als darin kann man eigentlich nicht falsch machen. Nicht nur wegen der Bildauswahl (ich weiß immer noch nicht, ob ich unfroh bin darüber, daß auch schlechte Arbeiten von Tschichold gezeigt werden, denn das kratzt an meinem Idol, oder ob ich doch froh sein sollte, weil es den jungen Tschichold in seiner ungestümen Begeisterung zugänglicher macht), sondern auch wegen der Typografie. Ein trauriges Zeugnis von Ahnungslosigkeit und Desinteresse. Wirklich sehr schade, denn ein guter, umfangreicherer Tschichold-Bildband wäre eine Pracht.
Der Drucker war über den Jahreswechsel ein wenig ins Holsteinische gereist und wurde dort von einem hinterhältigen dithmarscher Schnupfen angefallen, der ihn seit dem Neujahrstag in eine Gewaltspirale aus Schüttelfrost und ärgeren Plagen eindrehte und ihn mittlerweile anödet, dem der Drucker aber nun, ihm heldenhaft in unbeheizter Eisenbahn getrotzt habend zurückgekehrt in heimische Waffenkammer, den Garaus machen wird. Dauert noch einen Moment. Bis zum Sieg ist hier ein wenig Ruhe angesagt und wird die Kraft auf die notwendigen Gänge in der Werkstatt verwendet.
tags: jan tschicholdKommentare [5]
