In Holz gefräste Computersprache
Das at-Zeichen gibt es im Bleisatz schon lange. Meine ersten ats habe ich von der Schriftgießerei Wagner in Ingolstadt gekauft. Später dann von der Gießerei Stempel weitere erworben. Aber vor ein paar Tagen, als mir mein Hamburger Kollege Helmut Bohlmann zwei Exemplare des “Druckspiegels” schickte, einer Zeitschrift, aus der ich ganz gewiß demnächst ein paar Bilder zeigen werde, steckte er auch dieses hölzerne at ins Kuvert.
Ich hab so etwas natürlich vorher nie gesehen, weil es so etwas nicht gibt. Nehme ich an. Das macht man im Museum für Arbeit in Hamburg. Dieses Ding ist genau 3 × 3 Konkordanz groß (1 Konkordanz = 4 Cicero; 1 Cicero = 12 Punkt; 1 Punkt = 0,376 mm — also fast fünfeinhalb Zentimeter), läßt sich also wunderbar paßgenau im Bleisatz verarbeiten.
Es ist ein merkwürdiges Gefühl, wenn man auf so ein frisches Holzstück Druckerschwärze gibt. Denn man kann es nur einmal zum ersten Mal tun.
Im Ausdruck erkennt man, daß der Schnitt noch perfektioniert werden könnte. Das a steht etwas zu tief im Kreis, der Bogen könnte vielleicht etwas leichter sein, und die Ecken an der rechten Seite des a, wo Gerade und Rundung aneinandertreffen, müßten von Hand zugespitzt werden. Aber ich bin kein Schriftzeichner, das sind nur so Eindrücke.
Das Zeichen hat einen Ehrenplatz bekommen auf einer sehr alten Holzletter, die mir mein Ratinger Lieferant Georg Kraus einmal schenkte. Beide sind einsetzbar für Drucksachen, und vielleicht fällt mir auch mal was ein.
Nachtrag 2. April Helmut Bohlmann lieferte mir noch die Abbildung einer Buchseite, aus der hervorgeht, daß der Klammeraffe kein neues Zeichen ist, sondern ein altes kaufmännisches. Der Duden informiert über seine Herkunft.
Es sei aus dem Mittelalter auf uns gekommen, sei im Mittelalter eine Ligatur aus a und d gewesen für ad in der Bedeutung von “zu” oder “zu etwas hin”, sei in der spanisch-portugiesischen Kaufmannsschrift für die Maßeinheit „arroba” genutzt worden und derart auch auf eine amerikanische Schreibmaschinentastatur gelangt als Zeichen für „(commercial) at” = à, das man bei Preisauszeichnungen benutzte (z. B. in „10 Säcke à 5 $”). In den 60er Jahren sei es in den ASCII-Zeichensatz aufgenommen worden.
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Alliterationen und Ostervorbereitung
Ich habe, Ehrenwort, nichts damit zu tun, daß sich meine Schüler ein paar lyrische Formen zu eigen machen. Ich hab gar keine Zeit, mit ihnen darüber zu reden, weil ich ziemlich auf Trab gehalten werde, die technischen Voraussetzungen zu schaffen und Hilfen zu geben. Die Maschine einzurichten bleibt bislang meine erste Aufgabe. Diesmal hatten Dale und Robert mit Tautogrammen angefangen.
Dale denkt sich manche Texte erst beim Setzen aus, glaube ich. Und er ist wirklich gut darin, wie man an diesem Gedicht sehen kann, das erst noch gedruckt werden muß. Neulich guckte er sich die Stapel von Karten an, welche die anderen gedruckt hatten, mit den Linolschnitten. Und meinte, er hätte vielleicht doch auch so etwas machen sollen, so viele verschiedene kleine Dinge. Worauf ich versetzte, er liege mit seinem Büchlein genau richtig, er werde sich, nicht erst wenn er so alt sei wie ich, aber dann besonders, ein Loch in den Bauch freuen über dieses Büchlein mit den eigenen Gedichten. Ob das ein Trost ist? Man kann sich mit zehn Jahren wohl kaum vorstellen, dreißig Jahre älter zu sein. Aber es ist ja die Wahrheit, also was soll ich sonst sagen? (Ich kann mir übrigens auch nicht vorstellen, dreißig Jahre älter zu sein, fällt mir dabei ein.)
Freya druckte ein Osterei vom Linoleum, das sie eine Woche zuvor geschnitten hatte.
Und danach gleich noch einen Dreizeiler, zu dem sie einen neuen Linolschnitt machte. Für nächstes Mal. Annalisa hat Osterkarten handcoloriert, ich zeige demnächst welche, sie sind sehr schön geworden! Und Gustav fehlte. Er hätte mir bestimmt Dampf gemacht, weil ich die fertigen Karten noch nicht hier angeboten habe. Bald, bald!
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Römische Abgelatschte
Es ist eine ganze Weile her, ich habe es aber nicht vergessen, daß ich noch abschließend etwas zur Romana sagen wollte. Mein Druck- und Satzschüler Dale möchte immerzu neue Schriften für sein Büchlein setzen, ich kann ihm als Anfänger aber noch nicht alle geben, also habe ich geschaut, was noch an weniger empfindlichen Schriften vorhanden ist und eine “Römische Antiqua” gefunden.
Dale hat ein Gedicht daraus gesetzt, und im ersten Abzug haben wir dann die Bescherung gesehen: die Schrift ist völlig fertig. Abgenudelt, ausgelatscht, runtergetreten, abgequetscht und auch noch ausgelutscht. Da ist nichts mehr zu machen. Schrott. Der Kasten ist auch noch verfischt und verzwiebelfischt! Wir haben ein paar Buchstaben ausgewechselt und mit viel Druck und Farbe eine lesbare Seite hinbekommen.
Was mache ich mit der Schrift? Aufbewahren, falls jemand authentischen Schrott gedruckt haben möchte? Vielleicht für Schmuckflächen aus Buchstaben, so experimentelle Typografie? Oder wegkippen und den Kasten für eine Schrift nutzen, die noch verpackt ist und mangels Setzkasten nicht zum Einsatz kommen kann?
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