Schulpause
In dieser Woche fand der letzte Kurs vor den Ferien statt. In drei Wochen geht es weiter, dann in etwas veränderter Besetzung. Und bis dahin werde ich die Postkarten meiner Schüler fotografiert und hier angeboten haben. Beim letzten Termin hat Freya ihre Ostergeschenkanhänger fertig gedruckt, Robert noch Visitenkarten für die Großeltern angefertigt und einen
kleinen Text mit dem alten Druckstock zweier Rosen illustriert, Gustav hat eine zweifarbige Werbekarte für meine Werkstatt fertiggestellt, Annalisa hat gezeichnet und kalligrafiert, und der tapfere Dale hat an seinem Buch weitergemacht: eine Seite gesetzt und eine Doppelseite gedruckt. Erst jetzt, da ich die Bilder sehe, fällt mir auf, daß Dale ohne Schuhe durch die Werkstatt
spaziert ist. Das kommt nicht noch mal vor. Zwar arbeiten die Lehrlinge nicht mit der Ahle, aber sie kann ja mir aus der Hand gleiten, wenn sie neben mir stehen. Es ist auch nicht angenehm, wenn einem ein Bleisteg aus einem Meter Höhe auf den lediglich bestrumpften Fuß donnert. Ohne Schuhe in der Bleisetzerei, die Idee ist ja so abwegig, daß ich deshalb gar nicht auf die Idee kam, feste Fußbekleidung extra anzuordnen. Es sieht natürlich auch gemütlich aus, und wenn es meine Gäste in meiner Werkstatt gemütlich finden, gefällt es mir auch.
Auf diesem Bild sieht man zwei Zeilen in Dales Winkelhaken. Er wollte heute aus der Legende setzen,
der schönen Schreibschrift von Ernst Schneidler, die im Schriftgrad Tertia (16p) im Steckschriftkasten untergebracht ist. “Gibt es dafür keine Bedienungsanleitung?” Dem Anfänger erscheint der alphabetisch geordnete Steckschriftkasten erst einmal einfacher als der Kasten, in dem die Schriften nach dem Turmino-Schema der Häufigkeit liegen. Wer aber am Setzkasten schon auf Tempo kommt, der findet den Steckschriftkasten erst einmal mühseliger, denn man muß nach dem Alphabet die Buchstaben abzählen.
Wir haben uns dann noch über die Kalkulation eines Verkaufspreises unterhalten für das Büchlein von Dale. Ich kann versichern, daß es sehr hübsch wird. Und daß wir keinen realen Preis dafür werden verlangen können, ist uns bewußt. Die Auflage liegt bei 50 Exemplaren. Wenn allerdings mein junger Schriftsetzer- und Druckerschüler Dale eines fernen Tages in irgend einer Profession berühmt werden sollte (er dichtet nicht nur, er singt auch Oper), wird dieses Büchlein einen hübschen Handelswert bekommen. Mir ist es jetzt schon teuer, denn Dale macht es mit Freude und Mühe, und diese Mixtur ist unbezahlbar.
Ausnehmend gut gefällt mir, daß meine neue Glasvase mit der Sonne so elegante weiße und blaue Streifen an die Wand malt.
Schwer lesbarer Innovationspreishinweis
Keine Ahnung, was ramp ist. Die Reklame lag einer Zeitung bei. Man kann von diesem Magazin ein Gratis-Exemplar bestellen, welches mit Reklame für ein Auto gefüllt ist. Zur Kenntnis gibt die Reklame für die Reklameausgabe der Zeitschrift, daß sie einen Innovationspreis bekommen hat. Das tut sie in einer Schrift, die mir Leseschwierigkeiten machte, weil ich das kleine s erst für ein a hielt. In der Vergrößerung wird es besser lesbar:
Max Goldt hat sinngemäß geschrieben, daß man sagen könne, so wie es heiße, wenn Krieg sei, litten am meisten die Kinder (wogegen er, soviel ich mich erinnere, das Leid der Greise für deutlich schwerer hielt), so könne es heißen, wenn Design sei, litten am meisten die Lampen. Kann man für die Schrift sagen: Wenn Innovation ist, leidet die Lesbarkeit?
Kommentare [1]
Unter dem Deckel der alten Dose
Zuerst reiche ich noch ein Bild einer Karte nach, welche die fleißige Freya aus der Schülergruppe auch noch gedruckt hat letztes Mal. Und fast jeder der anderen nahm eines mit. Es kamen gleich weitere (entsetzliche) Vorschläge für Warn- und Hinweisschilder auf, die mangels Zeit nicht gedruckt werden, einige Haushaltsvorstände werden dafür dankbar sein.
Früher druckte ich mit DDR-Farbe. Nun sollte ich eine Briefkarte nachdrucken, die ich vor ein paar Jahren mit dieser Farbe gedruckt hatte, die meinem Kunden ausnehmen gut gefiel, weil ihr die harte Brillanz fehlt, die heutige Farben schön satt, aber eben auch etwas streng macht. Zum Glück steht die alte Dose noch im Regal. Ich hätte sonst ein sehr dunkles Braun anfertigen müssen, und dorthinein vielleicht noch weiße Farbe geben, damit die Sättigung gemindert wird und diese eigentümliche Flauigkeit (oder heißt es Fläue?) erreicht wird.
Ich bin froh, daß ich mir dieses Experiment sparen konnte. In dieses Schwarz hat man früher je nach Papier Blau oder Braun hineingegeben, um es dunkler und brillanter zu machen. Diese Farbe ist sehr haltbar. Unverwüstlich. Sie bildet keine Haut, sie besteht wohl nur aus Pigment und Öl, es scheinen keine Trockenstoffe enthalten zu sein. Sie braucht auch etwas länger als andere Farben, bis sie ins Papier weggeschlagen ist. Bevor man sie verdrucken kann, muß sie ordentlich durchgewalkt werden, mit dem Spachtel, denn wenn man sie aus der Dose holt, ist sie hart und ölig. Sie bekommt dann durch das Kneten eine schöne Viskosität (Zähflüssigkeit), zieht einen sehr kurzen Faden und kann ganz fein ausgewalzt werden. Sie druckt eben nur nicht tiefschwarz.
