Weihnachtsgeschenk für einen Techniker
Weil ich im Dezember so wenig Zeit hatte für das Blog, trage ich eben jetzt ein wenig nach. Am Heidelberger Tiegel, der im Dezember in meiner Werkstatt aufgestellt worden war, hing ein Papierhalter auf halb sieben. Mein Kollege Drucker hatte die hilfreiche Idee, ein Stück Papier hinter die uns zu kurz dünkende Schraube zu klemmen. Notbehelfs hielt das Ding.
Aber Papier gibt nach einiger Belastung doch nach, und so mußte haltbar “repariert” werden. Ich dachte, die Schraube ist zu kurz, aber offenbar war beim Transport ein Teil abhanden gekommen.
Wie sehr freut man sich dann über ein solches Weihnachtsgeschenk, das mir der freundliche Ersatzteillieferant zügig zusandte.
Dieses kleine Eisenstück fehlte.
Und das ist der Platz, an den es gehört.
Aber der Papierhalter hing immer noch. Wohl ausgeleiert. Eine Maschine von 57 Jahren kann schon mal eine kleine Schwäche zeigen.
Das Handbuch zeigt eindeutig, wie waagerecht der Papierhalter zu stehen hat. Also höchst waagerecht. Absolut waagerecht sogar.
Ich habe ja schon einmal eine Druckmaschine wieder hergerichtet, wenn auch eine weniger komplizierte. Probleme an alten Maschinen löst man als Erfinder.
Dieses bleierne Cicero-Quadrat paßt haargenau in die Stelleinrichtung.
Und der Papierhalter steht. Früher haben mich solche Probleme geärgert, geängstigt, nervös gemacht. Aber wenn man sich mit der alten Technik anfreundet, fängt man an, diese Probleme zu mögen. Wenn der Computer nicht funktioniert, kann man selbst fast nichts tun. Man fährt den Rechner runter und rauf, aber wenn er nicht will, holt man den Techniker. Eine mechanische Maschine kann man durch Anschauung verstehen. Sie gibt einem manchmal Rätsel auf, aber keine unlösbaren. Das macht dann sogar Spaß.
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Blindprägung, erhaben
Für mich ist der Bleisatz die feinste Technik und gibt das schönste Bild, aber ich räume gern ein, daß der haptische Reiz der Blindprägung ein buchstäblich leicht erfaßbarer ist. Hier ist also eine Visitenkarte zu sehen, in welche das Signet ihres Eigners erhaben geprägt wurde. In der Druckform steckt eine ausgehöhlte, also gestochene oder nach digitaler Vorlage geätzte Matritze aus Metall. Ihr gegenüber wird eine Patritze angebracht, und das Papier wird zwischen diesen beiden Teilen verformt.
Das geht auch mit schwerem Karton, wenn die Prägung nicht zu fein gearbeitet ist. Hier ist ein Feinkarton mit einem Flächengewicht von 300g/m² und einen hohen Volumen zu sehen.
Und diese Prägung wurde in einen 320g/m² schweren Karton gebracht, der allerdings ein dünneres Volumen hat und sehr glatt gepreßt ist.
Den schärfsten Abdruck bildet Papier ab. Dünnes Papier paßt sich der Form am ehesten an und zeigt auch ihre Feinheiten. Eine geprägte Visitenkarte wird demnächst auch in der Mustermappe zu finden sein. Ich muß mir aber erst einmal einen Entwurf überlegen.
Buchtypo- für Autobiografie
Der LandtVerlag hatte mich mit der Typografie der Autobiografie von Jörg Schönbohm beauftragt und dazu klare Vorstellungen genannt: ein konservativ lesefreundlich gemachtes Buch mit einem zweifarbigen Titel. Es ist schon am 10. Dezember erschienen, nur kam ich wegen der vielen Druckaufträge im Dezember kaum dazu, hier Mitteilungen aus der Werkstatt zu machen. Schönbohm ist jener General, der die Nationale Volksarmee in die Bundeswehr überführte. Später war er Innensenator in Berlin und Innenminister in seinem Heimatland Brandenburg.
Ich hab Schwierigkeiten, von dem Umschlag ein vernünftiges Foto zu machen. Er ist im Siebdruck hergestellt worden nach digitaler Vorlage.
Der Umschlag gehört in ein Reihenkonzept des Verlages. Ich habe nur den Entwurf des Inhalts zu verantworten. Deshalb kann ich den Umschlag sowie die Farbgestaltung mit Kaptalband, Leseband, Vorsatzpapier und Umschlag auch unbefangen loben.
Gesetzt ist das Buch aus der Arno Pro von Robert Slimbach, der wir neue Guillemets verpaßt haben.
Die kurze Linie ist eine dreifache: fein-fett-fein. Ich bin ein Freund des ornamental geschmückten Buches, natürlich in zeitgemäßer Zurückhaltung.
Obwohl wir sehr viel Text auf die Seite bekommen haben, wirkt sie nicht überladen. Die Proportionen der Ränder müssen deutlich bleiben, auch wenn sie schmaler gehalten sind. Ein kleinerer Schriftgrad muß für gute Lesbarkeit angemessen durchschossen werden (Durchschuß ist Zeilenabstand).
Das Buch kann im Buchhandel sowie direkt beim Verlag geordert werden.
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