Schiefe Form mit Vanille
Ist ein alter Hase unter den Lesern? Ich wüßte zu gern, ob der Buchdrucker früher die Form ähnlich oder ganz anders gebaut hätte. Mir scheint es recht halsbrecherisch, aber wenn man das Rutschen der Schließzeuge durch Gegenschlösser verhindert, dann sitzt die Form gut. Wo spitze Kanten auf Flächen trafen, habe ich Stege und Regletten aus Eisen und Alumnium verwendet statt aus Blei, damit es keine Scharten gibt.
Für diesen Fond wurde ich von der Farbe an die Kunst des Konditors oder Pâtissiers erinnert. Crème. Vanille.
Sie hat bestens durchgehalten, auf diesem Foto sieht man den Heidelberger mit 3100 Druck pro Stunde in Bewegung.
Heute im Feuilleton der Süddeutschen Zeitung eine Rezension vom Drucker: Der Hang zum Unbedingten. Gibt es eine totalitäre Typografie? Hans Rudolf Bosshard rekonstruiert den Streit zwischen Max Bill und Jan Tschichold.
tags: cordbettwäsche, max goldtKommentare [1]
Schiefe Formen
Für alles mögliche gibt es Tutorien im Internet. Ausführliche Erläuterungen und Anweisungen in Wort und Bild. Aber wie man einen schiefen Satz in den Schließrahmen baut, das steht nicht im Internet. Mir hat es auch nie jemand beigebracht. Stattdessen fragten mich Buchdrucker mit Meisterbrief, wie ich das wohl gemacht hätte. Wie haben denn die Dadaisten ihre schiefen Seiten gedruckt? Das wüßte ich gern.
Für das in der Mache befindliche Buch von Max Goldt sind zwei Kolumnen aus Maschinensatz schräg zu stellen. Auf diesem Foto sieht man meine Improvisation. Die Form muß so fest sein, daß auch bei 2000 Druck die Erschütterungen der Maschine an der Druckform nichts lockern. Es wäre katastrophal, wenn während des Druckens der Satz in die Maschine kippte.
Hier ist (unscharf) der erste Abzug zu sehen. Es handelt sich um zwei Postkartentexte. Bevor ich die Textform drucke, wird ein farbiger Fond vorgedruckt.
Dieser wird aus Messinglinien zusammengesetzt. Das ergibt eine schön gestreifte Fläche. Um eine geschlossene Fläche zu bekommen, könnte man diese Linien mit Tesafilm überkleben, aber der Reiz der unruhigen Form ist in meinen Augen größer.
Um die Farben auszuwählen, wird der Farbfächer herangezogen. Auch ein schöner Anblick, nicht wahr?
Gedruckt wird hier die einzige echte Doppelseite des Büchleins, die also nicht aus zwei Seiten beim Binden entsteht, sondern in der Mitte des Büchleins liegt und durch die der Faden der Fadenknotenheftung geführt werden wird.
tags: cordbettwäsche, linotype, maschinensatz, max goldtKommentare [2]
Zwei barsche Gestalten und der Haupttitel
Für einen Text im neuen Buch von Max Goldt wurden diese beiden Titelsätze gedruckt. Der Godzilla aus der Ganz Groben Gotisch von F.H. Ernst Schneidler, in drei Graden auf Mittelachse. 
Und ebenfalls auf Mittelachse aus drei Graden die Witwe Bolte, Schrift: Sinkwitz-Gotisch von Paul Sinkwitz.
Unter höchster Aufmerksamkeit der dreifarbige Haupttitel des Buches, gesetzt aus Futura und Sinfonie. Hier im Bild der unbeschnittene gefalzte Druckbogen, der an drei Seiten noch beschnitten wird und dem ein Frontispiz gegenübergestellt wird. Erst die Doppelseite gibt das ganze Bild. Da fehlt aber noch eine Frabe. Ein paar Seiten fehlen nun auch noch, aber die Arbeit am Innenteil nähert sich dem guten Ende. Was ich bedaure. Das ist das schönste Stadium, der Berg von Arbeit ist abgebaut, ich bin wieder auf Du und Du mit dem Format der Buchseite, und es ist, als würde ich nur noch polieren, letzte Hand anlegen. Noch habe ich kein Exemplar zusammengestellt. Das werde ich tun, bevor die Arbeit zum Buchbinder kutschiert wird. Aber die Vorfreude auf die fertigen Doppelseiten ist groß.
Kommentare [1]


