Der Schmutztitel aus der Bleischrift Kavalier
Die Kavalier ist eine reine Versalschrift, hier wurde sie aus ihrem kleinsten Grad, Nonpareille (6 Punkt), gesetzt. Schriftgießerei: Hermann Berthold AG, Berlin, Erstguß: 1910, Entwurf: Hermann Zehnpfundt. Der Schmutztitel gehört eigentlich in fest gebundene Bücher, er ist am Vorsatzpapier festgeklebt und verbindet so den Buchblock mit dem Deckel und ist daher nicht ganz so breit wie eine normale Buchseite.
So bricht man typografische Regeln richtig falsch. Natürlich darf man kein Wort ohne Not einfach so abtrennen, und dann noch so! Einfach eine Silbe auf die nächste Zeile bringen. Kannste donnich machen! Aber der Zeilenfall ist hübscher. Und um zu beweisen, daß der Typograf einen Schriftsteller so richtig kujonieren kann, geht Hübschheit ausnahmsweise vor Lesbarkeit. Die drei Zeilen wird man ja wohl auch so lesen können! Außerdem gibt es einen Text von Max Goldt mit dem Titel “Der schlimme Schal oder: Der Unterschied zwischen Wäwäwäwäwä und Wäwäwäwäwäwäwä”. Dieser Schmutztitel, dessen Mittelzeile auf wä endet, ist eine literaturhistorische Reminiszenz, ein Hallo für Goldt-Kenner. Gutes Herausreden, oder? Aber der Zeilenfall ist wirklich sehr gut so, und ich find’s lustig. Mal sehen, was Herr Goldt zu dieser Vergewaltigung sagt.
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Bearbeitung des Impressums aus Monotype
Zuerst wird der Satz durchschossen, so nennen wir es, wenn wir den Zeilenabstand erweitern, im Bleisatz mit Regletten. Diese hier sind zwei Punkt stark.
Dann wurden einige Korrekturen ausgeführt.
Wenn man dafür den Satz nicht wäscht, also mit Waschbenzin von der Farbe befreit, kann man auch auf dem Handballen Korrektur lesen.
Ein Numerierwerk wird eingebaut. Immer wenn Druck auf den Plunger, auf welchem das No-Zeichen sitzt, ausgeübt wird, springt dieses Werk einen Zähler zurück. Am Ende liegt oben die Nummer 1. Die 2150 Exemplare für den Verkauf werden numeriert, ein paar Presseexemplare und Belege bleiben ohne Nummer, diese werden nicht verkauft.
Ein guter Druck neben der Form.
Und dieses ist der ganze Druckbogen. Auf der rechten Seite steht der Schmutztitel. Der Bogen zeigt die Seiten 1 und 32, also die erste und die letzte Seite des Büchleins.
Monotypesatz für das Impressum des Büchleins
Diese Bildfolge zeigt meine Begeisterung für die Lieferung meines Hamburger Kollegen, des Schriftsetzers Helmut Bohlmann, der gemeinsam mit dem Monotypesetzer Erich Hirsch das Impressum aus der Gill gesetzt hat. Schön glatt verpackt …
… und noch einmal gegen Stöße gesichert …
… an der ich mich kaum sattsehen kann.
Neben dem Text haben mir die Kollegen für Korrekturen …
… auch Defekte geliefert, also Ersatzbuchstaben.
Und der Sendung lag ein Spaltenabzug bei. Die Kolumne muß nun noch durchschossen (mit weiteren Zeilenzwischenräumen versehen) werden und ein wenig anders gesetzt. Morgen mehr.
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