Alles Gute (ausverkauft)

6. Mai 2009

Es gibt wirklich viele Geburtstagskarten. Trotzdem sah ich mich immer wieder Anfragen abschlägig beantworten, bis mir dämmerte, daß den Fragenden die meisten handelsüblichen Karten mit ihrer schillernden Lärmerei so wenig geeignet zur Gratulation erscheinen wie mir selber und ich nun im Stile meiner Werkstatt eine zurückhaltende freundliche Karte drucken sollte. Gedacht, getan. Hier findet sich die Wirkung meiner Blumenkäufe in den eingesetzten Farben: ein zartes Grün für die floralen Ornamente (deren Herkunfts-Gießerei mir unbekannt ist) und ein kräftiges Violett für die Schrift.

Ich könnte auch behaupten, die Farbkombination Lila und Hellgrün hätt ich mir von Rogier van der Weyden abgeguckt. Der stellt nämlich gerade zusammen mit dem Meister von Flémalle in der Berliner Gemäldegalerie aus, und da hat er auch aus dem Frankfurter Städel seine Medici-Madonna kommen lassen, zu deren rechter Seite sich die Ärzteheiligen Cosmas und Damian aufgebaut haben (im Zweitberuf Hauspatrone der Familie Medici) — und ersterer eben trägt ein wunderbar leuchtendes lilafarbenes Gewand mit einem grünen Futter.

Aber da ich mit einer sachkundigen Zeugin in der Ausstellung war (wenn man übrigens mit einer theologisch beschlagenen Kunsthistorikerin durch die Gemäldegalerie spaziert, lernt man in einer Stunde doppelt so viel wie in zehn Jahren Schule, amüsiert sich aber besser und hat noch Fragen übrig für zu Hause — und schaut nach, wer die Damen Ecclesia und Synagoge sind), welche die halbfertigen Karten zuvor in der Druckerey betrachtet hatte, lasse ich mich lieber nicht beim Schwindeln ertappen.

Hier also nun die fertige Geburtstagkarte. Die Schrift heißt Kavalier (und ist digital bislang nicht zu haben). Gedruckt wurde auf einem angenehm weichen Karton aus reiner Baumwolle.

Die Karten sind mit einem hellgrünen Farbschnitt versehen. Ausgliefert werden sie mit einem dunkelgrün gefütterten Kuvert. Es handelt sich um eine Klappkarte, welche sich nach links öffnen läßt.

Lieferung und Preis: 3,50 Euro brutto (also inkl. 19% MWSt.) per Stück inklusive farbig gefüttertes Kuvert, 3,20 Euro ohne Kuvert. Keine Mindestabnahme. Verpackung und Versand: 4,00 Euro.

Übrigens ist in der oben Gemäldegalerie jetzt auch der zuvor mit dieser Sonderausstellung unterwegs befindliche, eigentlich in Berliner Besitz seiende sog. Bladelin-Altar (eigentlich Middelburger Altar) zu sehen, in den sich der Stifter Bladelin sensationell rabenschwarz und schmuck hat hineinmalen lassen, das muß man sich anschauen! Das Vergnügen hat man noch in Berlin bis zum 21. Juni. Und zur Medici-Madonna hält Prof. Dr. Jochen Sander vom Frankfurter Städel-Museum am Donnerstag, dem 28. Mai um 19 Uhr im Vortragssaal des Kunstgewerbemuseums (Kulturforum Potsdamer Platz) einen Vortrag. Die Ausstellung ist dann bis 22 Uhr geöffnet.

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Danke! Bitte! Pardon! Autsch!

5. Mai 2009

Diese Danksagung wurde aus der Lichten Futura gesetzt und mit Meister-Ornamenten geschmückt. Die Meister-Ornamente kamen aus der Schriftgießerei Typoart in Dresden, Herbert Thannhaeuser hat sie entworfen. Das Format der Karte: 105 × 148 mm, also DIN A6.

Drei gebrochene Farben sind zum Einsatz gekommen. Drei Farben, wie man sie auf mittelalterlichen Buchmalereien sehen kann. Gedruckt auf belgischen Karton aus Hadern, also aus Baumwolle.

Und lieferbar ist die Karte mit einem Kuvert, das in drei Ausführungen angeboten wird, gefüttert nämlich mit Seidenpapier in Bordeaux, Dark Green und Navy Blue. Um nicht zu sagen Weinrot, Dunkelgrün, Dunkelblau rötlich.

Die Karten sind mit einem vierseitigen Goldschnitt ausgestattet.

Die Handvergoldung wurde zusätzlich gewachst. Es handelt sich um Goldfarbe, nicht um Blattgold. Übrigens finden Sie diese Karte auch in meiner Lieblings-Papeterie RSVP und in deren Online-Shop.

Das Gegenstück zur Danksagung wäre eine Bittkarte.

Auch diese ist aus der Lichten Futura gesetzt.

Aus der kursiven Typoart-Garamond von Herbert Thannhaeuser gesetzt wurde diese Pardon-Karte.

Mit ihr läßt sich schmuckvoll um Verzeihung bitten oder Pardon gewähren, je nachdem.

Wenn die Boni für die Begünstigten einmal etwas kleiner ausfallen sollten, läßt sich das durch Beifügung einer solchen Karte recht gut kaschieren.

Denn von der tollkühnen Mischung aus Meister-Ornament und der Schrift Bigband wird jedermann beeindruckt sein.

Man hört immer wieder von Begebenheiten derart, daß Leute sich mit Zeichen ihnen so fremder Sprachen schmücken, daß sie sich damit lächerlich machen, weil sie sie nicht verstehen. Wer diese Karte versendet, liefert den Hohn gleich mit. Die gebrochenen Schriften sind so aus der Mode gekommen, daß sie schon in gewöhnlichem Satz nicht mehr von vielen jener gelesen werden können, deren Großeltern sie noch auf die Grabsteine ihrer Vorfahren meißeln ließen. Aber im schon seit je ungebräuchlichen Versalsatz wird es selbst für eingefleischte Leser der Fraktur schwierig. Doch würde die Zentenar-Fraktur von Ernst Schneidler nicht wirklich Majestäten zieren? Nicht wenige Meister der Typografie haben sie die schönste aller Frakturen überhaupt genannt. Sie entstand 1937 zum 100sten Jubiläum der Bauerschen Gießerei und dürfte ihrer Zierlichkeit und ihrer Beschwingtheit wegen vor den zeitgenössischen nationalen Helden kaum Bestand gehabt haben. Es ist keine heldische Type, und was in ihr Nation zeigt, das weist weiter zurück.

Adieu kann man bei vielen Gelegenheiten sagen: wenn man verreist, wenn man bleibt und nachwinkt, wenn man gänzlich scheidet. Die verwendete Schrift ist die Lichte Largo. Zu welchem Anlaß diese Karte paßt, möge der Kartenbenutzer klug entscheiden — für eine Kondolenz wird sie in den meisten (vielleicht nicht allen) Fällen zu farbenfroh klingen.

Das kann man auch von dieser Karte sagen und vor falschem Einsatz muß ich warnen. Aber wenn eine Kleinigkeit entzweigegangen ist oder man sein Bedauern mitteilen möchte oder eine Zerknirschtheit, dann mag diese Karte die der Wahl sein. Vielleicht, um sie nach einem Blechschaden nach dem Ausparken dem Opferauto hinter die Scheibenwischer zu klemmen? Schrift: Forum (Georg Trump, 1948, Gießerei C.E. Weber).

Ja, jede Farbe wurde gesondert gedruckt, hier sind die Druckformen zu sehen. Die ich einstweilen erhalte, um bei Bedarf leichter nachdrucken zu können. Die meisten dieser Karten sind fürs erste in Kleinstauflage gedruckt.

Lieferung und Preis: 3,50 Euro brutto (also inkl. 19% MWSt.) per Stück inklusive farbig gefüttertes Kuvert, 3,20 Euro ohne Kuvert. Keine Mindestabnahme. Verpackung und Versand: 4,00 Euro.

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Adieu, Römische Antiqua!

3. Mai 2009

Neulich berichtete ich von der so stark abgenutzten Römischen Antiqua, die Dale für sein Gedichtbuch eingesetzt hat. Das Gedicht (also die Blei-Kolumne) habe ich ausgebunden und verpackt und werde es dem Dichter demnächst übereignen. Den Kasten habe ich geleert. Ich mußte neulich drei Schränke fast komplett ausräumen, weil etwas an ihren Unterlagen nicht in Ordnung war. Und als ich einige schwere Kästen mit so schwarzen Lettern drin vor mir hatte, habe ich den ersten nicht zurückgeschoben, sondern ausgekippt. Auch mit der Vorstellung vor Augen, bei in einigen Jahren eventuell anstehendem Umzug diesen Schrott noch einmal transportieren zu müssen.

Es war das erste Mal, daß ich einen Setzkasten ausgekippt habe. Es tut weh, das muß ich sagen. Jahrzehnte hatte diese Schrift gedient. Sie war nicht gut behandelt worden, der Kasten war sehr stark verfischt, viele Lettern waren beschädigt, viele geradezu breitgequetscht. Es tat mir auch leid, weil man mit der Type nicht sachgerecht umgegangen war, aber ich kann mich schließlich nicht aus Mitleid mit Schrott umgeben. Ich habe viele gute Schriften, ich behandle sie mit größtmöglicher Schonung, und mein Schriftenlieferant in Ratingen wird es gerne lesen, daß ich mich um Platz kümmere für Anschaffungen.

Nachdem die Schrift am Boden lag, habe ich sie zusammengekehrt und in die Zeugkiste getan. Daraus konnte ich neulich einen Fotografen bedienen, der seine Stativbeschwersäcke, für die eigentlich Sand vorgesehen ist, welcher aber nicht genug wiegt, um ein Stativ mit Schirm im Wind bei Außenaufnahmen zu halten, gern mit dem Altblei füllte.

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