Dreifarbig danken
Nun ist auch die dritte Farbe gedruckt.
Zuerst schaut man sich die Farben paarweise an.
Stehen die Farben gut nebeneinander oder beißt sich da was?
Im letzten Druckgang zeigt sich, sofern man dem rechten Plan gefolgt ist, der farbige Akkord als Augenschmeichler.
So eine Karte sollte mit einer weiteren Farbe beschriftet werden, entweder schwarz oder grau oder auch braun. Das Angebot zum Ewerb der Dankeskarten (mit farbig gefütterten Kuverts!) folgt.
Ranunkeln
Meine Blumenhändlerin in der Wisbyer Straße 51 (Firma Hoffmann) hatte wieder so interessante Dinge: Rosen, die aussehen wie aus Seide, altrosa und grün. Und diese Ranunkeln, von denen ich drei mitnehmen mußte. Die Chrysanthemen von letzter Woche sind ja noch da und können frische Ergänzung vertragen. Es ist bei Hoffmanns anders als in anderen Blumenläden. Ich wollte eigentlich nur Blumen zum Verschenken kaufen, aber wenn einen dann diese Farben und Formen locken, die man woanders nicht zu sehen bekommt, jedenfalls nicht in meiner Gegend …
Mag man sich keine Stilleben alter Meister leisten, kauft man halt alle zwei Wochen die Vorlagen im Original.
Minuskelausgleich
Die kursive Garamond von Typoart habe ich als 14jähriger zum ersten Mal in der Hand gehabt. (Kinder, wie die Zeit vergeht!) Ihr Bild ist mir recht geläufig.
Je länger ich in meiner Werkstatt Schriftsatz beäuge, desto kritischer wird der Blick. Sie hat doch einige Mängel in der Zurichtung. In den großen Graden ist das nicht zu vermeiden, eine 3-Cicero-Schrift (36p) muß man immer auch in den Minuskeln ausgleichen. In den kleinen Graden gehen die Mängel verloren, sind vielleicht gar nicht vorhanden, weil die kleinen Grade weiter laufen als die großen, aber daß das r und das s des Schriftgrades Tertia (16p) unmöglich in der Zeile sitzen, das r links zu wenig Fleisch hat und das s zu viel, fiel mir heute ins Auge wie nie zuvor. Vielleicht durch eine Buchstabenkombination (r bildet rechts naturgemäß eine Lücke) und eine Hervorhebung auf der Fläche, die ich so noch nicht vor mir hatte. Die ch-Ligatur habe ich gar nicht gesetzt, weil sie das sch deutlich zerreißt in s und ch. Aber um die rs-Lücke auszugleichen, mußte ich die ir-Enge deutlich aufplustern. Auch an anderen Stellen habe ich spationiert. Möglicherweise sind diese “Mängel” aber gar nicht vermeidbar gewesen, sondern hat ein Schriftschneider darauf gesetzt, daß seine Typen in gute Hände kommen. In meiner Lehrzeit war vom Minuskelausgleich nie die Rede, zuerst hörte ich von dem namhaften Gebrauchsgrafiker Axel Bertram vor zehn Jahren von dieser Möglichkeit der mikrotypografischen Verbesserung. Und statt den Blick langsam etwas zu verschleiern, womit man sich mit zunehmendem Alter die Welt verschönern kann, werde ich nun scharfsichtiger. Wenn das so weitergeht, gleiche ich noch 6-Punkt-Minuskeln aus.
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