Saphire
Gestern wies mich Hans Reichardt in einem Blog-Kommentar auf die Verhältnisse hin, wie sie sind: Die Saphir ist in allen Graden gleich. Bei den Ziffern handelt es sich um die “Festlichen Ziffern” von Hermann Zapf, extra entworfen für Urkunden u.ä. Anlässe mit feinerer Struktur der Ornamente.
Ich war nicht auf die Idee gekommen, daß Sonderfiguren zur Schrift geschaffen worden waren — ich arbeite wohl zu selten mit Zierschriften. Urkunden zu Jubiläen gehören ja nicht zu meinem Tagesgeschäft. Denn ungewöhnlich ist dies nicht. Die blaue Schrift auf dem Foto ist aus dem Alphabet-Buch von Zapf, worin er die Saphir nur sehr am Rande notiert. Es ist freilich für einen Kalligraphen keine bedeutende Schrift, für den Akzidenzdrucker aber doch eine wesentliche Erweiterung, auch wenn er selten auf sie zurückgreifen wird.
Und Georg Kraus sandte mir eine Ansicht der Saphir-Ziffern mit dem Vermerk: zwei 36p-Lettern Saphir-Ziffern, wie sie die Schriftgießerei Stempel heute verkauft.
Da schätze ich mich so recht glücklich, die Festlichen Ziffern erwischt zu haben.
Und habe freilich rasch feststellen können, daß die Buchstaben diese reicheren Ornamente nicht tragen. Dem großen L scheint mir das Gleichgewicht etwas zu fehlen, es könnte, aus der Ferne betrachtet, zum I geraten.
Aus der Ferne betrachtet, fielen mir die diversen Visitenkarten auf, die ich in den letzten Jahren gemacht habe.
Und freilich ist es nur ein Bruchteil, der sich in der Werkstatt zur Schau stellt. Es sind Hunderte von verschiedenen Entwürfen. Schrift, Farbe, Papier, der Kombinationsmöglichkeiten gibt es scheinbar unendliche, auch wenn der größte Teil der Karten zurückhaltend aufgebaut ist. Spannung im kleinen Format erzeugt man mit wenigen Mitteln, denn sie entsteht zwischen den Lettern, auf den unbedruckten Flächen. Gestern beugte sich Eckehart SchumacherGebler über die Galerie und zeigte sich recht entzückt von so mancher Akzidenz, was mich wiederum sehr freute.
Und nun ist ja auch der Farbschnitt noch hinzugekommen. Hier die vier aus der Serie für R.S.V.P., die nun allmählich fertig werden.
Ja, violetter Farbschnitt — ein Stapel muß noch bedruckt werden. Mache ich heute. Zeige ich morgen. Violetter Farbschnitt, violetter Druck, mir ist schon ganz lila. Aber auf grauem Karton entfaltet Violett eine Leuchtkraft, der ich nicht widerstehen kann.
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Berliner Visitenkarten | Nr. 3
Eine Visitenkarte für einen Berliner Journalisten, der mit einem “Bilderbuch für Verliebte”
Bekanntheit erlangte. Da kann man doch mal einen Goldschnitt ansetzen. Aber Goldschnitt an weißes Papier? Das wäre für einen jungen Mann arg überfeinert, es muß ein Gegengewicht her. Ein bräunlicher Karton mit ein wenig Filznarbung auf der Oberfläche und ein paar feinen, aber lebendigen Fasereinschlüssen. Das Gold am Schnitt ergänzt nur den Ton der Fläche. Und dazu die grobe Schreibmaschinenschrift, denn Journalisten hackten ja zu Tucholskys Zeiten auf solchen rum.
Schreibmaschinenschriften wurden übrigens für Formulare und Reklame gemacht, für gedruckte Zettel, die wie maschinengeschriebene Mitteilungen aussehen sollten. So wie heute Unterschriften mit blauer Farbe gedruckt werden, um dem Reklame-Empfänger vorzumachen, sein Werbewisch sei von jemandem persönlich unterschrieben worden.
Und ein wenig Coolness in den Entwurf: dunkelblauer Druck und — Tucholsky ist ein 90er Jahrgang — die Ziffern der Schrift
Saphir zur Bildung einer Schmuckmarke. Die digitale Saphir von Hermann Zapf, die 1953 erstmals in Blei gegossen ward, sieht anders aus. Entweder wurde sie für die Digitalisierung umgearbeitet, oder es gibt mehrere Saphir-Versionen oder meine Bleilettern sind nicht die Saphir. Herrje. Oder, noch eine Möglichkeit, die Digitalisierung ist nach den kleinen Graden gemacht worden, denn in Band 1 der Schriften-Sammlung “Erinnerungen an den Bleisatz” von Kandler ist dieselbe Type zu sehen mit der Angabe der Schriftgröße 20p. Und ich habe hier eine Dreicicero (36p) eingesetzt. Die hat freilich mehr Fläche fürs Ornament. Ich werde mal in meine diversen Zapf-Bücher schauen.
Der Goldschnitt ist dezent, aber wenn man ihn einmal entdeckt hat, weidet sich das Auge an dem schmalen Glitzern. Das Format der Karte liegt mit 50 × 81 mm auch noch im Goldenen Schnitt. Ja, es ginge noch goldener. Mit Handvergoldung oder Golddruck auf der Karte. Nein, ein solches Modell ist nicht vorgesehen. Einstweilen nicht.
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Maulbeerbaumbütten
Ein Kunde zeigte mir eines Tages Visitenkarten, die er in Japan besorgt hatte und fragte, ob ich so etwas anbieten könne. Echtes Bütten aus Maulbeerbaumrinde.
In Japan wird Papier gemacht, wie man es sonst wohl nirgends findet. Ich habe vor vielen Jahren eine Visitenkarte bekommen von meinem damaligen Chef, Buchdruckmeister Rapputan, die ihm ein japanischer Besucher überreicht hatte. Sie war hochglatt und dabei von einem durchscheinenden Weiß wie ein feines Porzellan, und sie hatte einen echten Büttenrand. Wo bekommt man so etwas her? Mein Kunde nun wollte aber keine hochweiße Karte, sondern eine zartgrüne aus Maulbeerbaum-Bütten, und zum Glück wußte er noch, wo er die Karten gekauft hatte.
Ich schickte erst eine E-Mail nach Japan, dann das für das Papier erwünschte Geld, einige Wochen später kamen die Karten, und wenn ich mich recht entsinne, wollte auch der Zoll noch etwas Geld von mir haben. Ich habe noch nie zuvor so teure Visitenkarten gehabt. Ein solches Kärtchen kostet nun fast einen halben Euro. Sie sind fein verpackt, 100 Stück in einer schmalen Schachtel, deren Deckel selbst mit einem Büttenpapier bezogen ist.
Und so sieht der Stapel mit Visitenkarten aus Echt Bütten aus Japan aus der Nähe aus. Büttenpapier hat keine Laufrichtung, wie man es nennt, wenn sich die Fasern während des Durchlaufs durch die Papiermaschine in eine Richtung legen. Parallel zur Laufrichtung ist das Papier biegsamer als quer zur Laufrichtung. Man muß das bei Büchern beachten, damit sich nach dem Binden durch die Ausdehnungen des Papiers keine Wellen darin bilden. Aber auch bei Karten hat man die Wahl zwischen Biegsamkeit und höherer Steifigkeit.
Jede Karte ist einzeln in einem Sieb gewesen.
Und schaut man hindurch, so erkennt man, wie wolkig das Papier ist. Die Karten sind auch nicht alle gleich dick. Bei Büttenpapier, wie man es hierzulande macht, wäre das eine Katastrophe für den Drucker. Aber Maulbeerbaumbütten ist so weich, daß es die Bleibuchstaben kaum beansprucht.
Dieser Tage habe ich mit dunkelgrüner Anglaise (Englische Schreibschrift) auf diese zartgrünen Karten gedruckt.
Beim Einrichten der Maschine geht immer mal eine Karte verloren. Ich habe sie zerreißen wollen, um mir die inneren Fasern unter der Lupe anzuschauen. Aber diese Karten sind enorm stabil, sie lassen sich an manchen Stellen nur mit erheblicher Kraftanstrengung reißen.
Nimmt man ein paar Fasern heraus, sieht man, warum die Karte so widerstandsfähig ist: sie wirkt wie gefilzt.
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