Zeichenwechsel
Nachdem ich fünfzehn Jahre lang unter dem Zeichen des Drucker-Greifen gearbeitet habe, welches das Wappen aller Buchdrucker ist, werde ich nach und nach das neue Zeichen einführen, meine eigene Druckermarke: den Berliner Bären mit einem Schweizer Degen im Gurt und einem Buch in der Tatze. Bis auch meine Drucksachen, die Visitenkarten, Briefbogen und Etiketten, ausschließlich die neue Druckermarke zeigen, solange kommen auch im Internet beide Signete zur Anwendung. Auf der Seite Druckerey.de der Greif, und hier im Blog in den nächsten Tagen der Bär, vielleicht schon morgen.
Das Zeichen gibt im Bilde drei Informationen: der Drucker ist ein Berliner. Dies zu zeigen, wurde der Bär bestimmt. Der Drucker ist auch ein Schriftsetzer, also jemand der beide Berufe ausübt: ein Schweizerdegen. Der Schweizer Degen, die Waffe, ist eine Entwicklung aus dem Dolch und deshalb zweiseitig geschliffen. Daraus leitete sich anfangs eine Bezeichnung ab für jemanden, der mehrere Dinge gut konnte, in der Schwarzen Kunst wurde der Schweizerdegen zur Berufsbezeichnung. Der Drucker ist auch ein Mann des Buches. Er schreibt gelegentlich eines (zum nächsten erscheint demnächst ein Vorabdruck, Nachrichten dazu folgen), und er richtet gelegentlich eines typografisch ein. Oder setzt und druckt eines. Dies zeigt der Berliner Bär mit dem Buch in der rechten Tatze.
Als vierte Information wurden dem Bären meine Initialen beigegeben.
Der Entwurf ist an mittelalterlichen Druckermarken orientiert. Von Axel Bertram kam die Idee, Hans-Joachim Behrendt hat die Marke gezeichnet und in Holz gestochen. Ich habe das alles ja schon in zwei Beiträgen dargestellt, nur heute, zur Einführung, wollte ich es noch einmal erwähnen.
Ein Datum für den Kalender wird daraus nicht. Diese Marke wird nun beginnen zu wirken, aber ihr Geburtstag ist schon eine ganze Weile her. Diese Druckermarke ist ein Qualitätssiegel meiner Werkstatt, das ich nun gemächlich einführe. Man fängt mit einem solchen Siegel die Arbeit nicht an, man kommt irgendwann einmal dazu. Ich setze und drucke seit fast dreißig Jahren (früh angefangen), und es ist erst jetzt die Zeit gekommen, die eigenen Ansprüche bildlich zu befestigen.
Der Aufwand für die Einführung dieses Zeichens ist groß, nämlich die Übersetzung aus dem Holz in eine digitale Ansicht, die Herstellung eines Druckstockes aus Metall, die Entwicklung einer zweiten Marke für Brandprägungen in Holz — das alles nimmt so viel Zeit und Kraft in Anspruch, daß ich das Unternehmen sicherlich nicht mehr wiederholen werde. Ich habe über die Installation dieses Bären fast vier Jahre lang nachgedacht. Ich habe ihn lange nur privat eingesetzt, weil ich unsicher war, wie er sich im Dienste meiner Werkstatt machen würde. Inzwischen bin ich von seinem Leistungsvermögen überzeugt.
Im Frühjahr 2004 habe ich erstmals meine Wünsche an Bertram und Behrendt formuliert:
“Ich hätte gern ein stehendes Oval mit dem bewaffneten (Schweizerdegen) Bären, also auf allen vieren kann er nicht gehen. Eine Krone soll er übrigens auch nicht haben, das Berliner Wappentier soll nicht sofort zu erkennen sein. Der Berliner Bär marschiert auch meistens so albern. Mein Bär darf einfach so dastehen und den Degen vielleicht aus dem Oval raus-pieken. Auf einen Degen stützt man sich, glaube ich, nicht, denn er ist, glaube ich, eine leichtere Waffe als ein Schwert. Der Gute kann aber auch von der Seite zu sehen sein, gehend, nur eben nicht marschierend. (…) Nur sollte er nicht eine Hand auf die Hüfte stemmen, dann denkt man womöglich, der macht gleich große Wäsche. Die Anmutung sollte mittelalterlich sein, damals gab es so schöne Druckermarken. (…) Die Schrift sollte diese damals übliche „Stichlebendigkeit“ haben, wie es H.-J. B. so trefflich formulierte, das kommt beim Holzstich sicherlich von alleine. Wo meine Initialen stehen, ist mir gleich. Sie können auch seitlich im Oval untereinander stehen. Grundschrift all meiner eigenen Drucksachen ist die Garamond, aber für einen Holzstich sind kräftige Buchstaben mit gerundeten Serifen vermutlich sowieso obligatorisch, nicht wahr?”
Im Herbst 2004 später lagen mir erste Entwürfe von Behrendt vor. Irgendwann werde ich sie finden. Damals schrieb ich dazu: “Die Bären sind alle wunderbar, ich mochte sie auf den ersten Blick, und je länger ich mich vertiefe, so lieber werden sie mir. Es sind ja recht verschiedene Persönlichkeiten, und ich überlege, welche meinem Ideal am nächsten kommt. Ich meine auch, die Nummer 3 paßt am besten. Der Typ 5 wirkt etwas zurückhaltend, Typ 1 etwas selbstzufrieden, Typ 2 schulmeisterlich (bezogen auf mein Ideal; lieb sind sie alle auf ihre eigene Art, gegen Schulmeister ist nichts zu sagen, aber ich versuche meine schulmeisterlichen Allüren zu zügeln, so sollte auch mein Petz tun), Typ 6 könnte schwatzhaft sein, wenn er die Schnauze öffnet, mir kommt es jedenfalls so vor, Typ 7 hat etwas Verhangen-pathetisches, Typ 4 kommt sehr jugendlich aus dem Mittelalter gesprungen, Typ 3 endlich hat etwas sehr Gutmütig-herzliches an sich, auch eine heitere Neugier und Frische zeichnet sein Wesen aus. Den mag ich. Wenn es der wird, werden wir eine innige Beziehung eingehen.”
Er wurde es. Er wurde in Holz gestochen. Nun steht er da. Ich wünsche ihm ein Eigenleben, ein dauerndes, ein langes auch als mein Begleiter und guter Geist der kleinen Berliner Druckerey.
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Karte zum Jahreswechsel von 2009 zu 2010, Neudruck zu 2011
Zum in knapp drei Monaten bevorstehenden Jahreswechsel habe ich wie in den vergangenen zwei Jahren eine Karte mit einem Zitat der deutschen Klassik gedruckt. Im Entwurf dieser Karte steht noch eine Worttrennung. Aber mit kleinen Eingriffen läßt sie sich vermeiden. Ich habe gestern den Bleisatz gezeigt.
Hier nun der vom Bleisatz aus der Garamond gedruckte Text in seiner ganzen Pracht. Ich verdanke ihn einem Goethe-Kenner ersten Ranges, der aus seinen Quellen den hier nun gedruckten Wortlaut abschöpfte und mich dazu wissen ließ, woher er ihn genommen habe, nämlich “nach einer guten Ausgabe (historisch-kritisch gibt es von diesem Text noch nicht). Der Änderungen gegenüber der ersten Version sind dreie: “werthen” mit th; nach “gewährt” ein Semikolon statt des Kommas; nach “an sein Ziel gelangt” das Komma weg. Die Interpunktion sollte man übernehmen, da war Goethe sehr sorgfältig. Das “h” bei “werthen” stelle ich anheim, das hat für unser Auge leicht etwas Verzopftes, was Goethe bestimmt nicht beabsichtigte, er folgte da nur einer Konvention.”
Und mein Gewährsmann Gustav Seibt ließ mich auch mit der Rückseite nicht allein: “Für den Quellenvermerk an der Rückseite ist zu beachten, dass Goethe “Winckelmann” ohne ck schrieb. Im Titelblatt seiner Schrift heißt es: “Winkelmann und sein Jahrhundert”. Viele neuere Ausgaben schreiben allerdings W. wie herkömmlich.” Ich habe für diese Karte die Schreibweise von Goethe übernommen.
Gedruckt wurde der Text wie ein barockes Figurengedicht: die Schrift schwarz und rot, dazu ein nachtblauer achtzackiger Stern. Gedruckt wurde auf einen weichen, auch mit der Feder gut beschreibbaren Karton aus reiner Baumwolle aus der belgischen Papiermühle Pelletier.
Das Papier ist so weich und zugleich so wenig glatt, daß man ein wenig mehr Prägedruck geben muß, damit die Farbfläche nicht aufreißt.
Es ist dieses Jahr eine einfache Karte, auf der Rückseite stehen am Fuß …
Ausgeliefert wird die Karte nach Wunsch einzeln oder mit einem dunkelblau gefütterten Kuvert. Preise: Die einzelne Karte kostet 2,70 pro Stück. Ab 10 Stück: 2,50 per Stück. Auf Wunsch mit gefüttertem Kuvert, dann 3,00 Euro per Set (eine Karte mit einem Kuvert). Ab 10 Karten mit 10 Kuverts: 2,70 Euro per Set. Alle Preise inklusive 19% Mehrwertsteuer zuzüglich Versand. Hier bekannte Kunden der Druckerey erhalten die Ware mit beigefügter Rechnung, neue Kunden bitte ich um Vorauszahlung. Und freilich kann man die Karten auch direkt in der Werkstatt kaufen. Übrigens sind auch noch Hölderlin-Karten, die vom vergangenen Jahr, in kleiner Menge lieferbar. Aktualisierung Herbst 2010: Die Karten sind mit anderen Farben auf ein größeres Format und als Klappkarte neu gedruckt worden und jetzt hier erhältlich.
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Neulich wurde gefragt, wie man eine Zeile füllt, weil ich scherzhaft vom “Ausstopfen” einer Zeile sprach und das Ausschließen mit Quadraten meinte.
Auf diesem Foto sind im Vordergrund die Quadraten zu sehen und in der mit roter Kolumnenschnur ausgebundenen Kolumne ihre Anwendung. Mit diesem Blindmaterial, das seinen Namen hat, weil es nicht druckt, wird der eigentliche Satz gehalten. Es gibt sie in vielen Größen, nämlich in allen Schriftgraden und in kleinen Größen, und es gibt auch noch Dreiviertel- und halbe Quadraten, aber das alles zu zeigen, würde heute zu weit führen.
Denn für jene, die nicht wie ich immer alles gleich mit der Suchmaschine ausforschen, hab ich heute ein kleines Rätsel. Wer Lust hat, mag diesen nicht sehr verbreiteten Text im Geiste ergänzen und sich den Kopf zerbrechen, wer ihn gedichtet haben könnte.
Die Länge der Zeilen formt den Umriß des Satzes. Und um Worttrennungen zu vermeiden, habe ich die Wortzwischenräume variiert.
In der Blindzeile in der Mitte des Ovals fehlt ein Wort. Ein Verb. Schon morgen früh wird man es hier nachlesen können. Denn ich drucke es heute mit roter Farbe ein.
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