Max Goldt bekommt ein Rotes
Am Wochenende habe ich die Auswahl der Umschlagpapiere des neuen Buches von Max Goldt vorangetrieben. Es ist schon interessant zu sehen, wie sich zwei Farben miteinander verändern. Man kann dem roten Umschlag Leuchtkraft geben und nehmen, je nachdem, welchen Gegensatz der innere Umschlag herstellt.
Ich möchte es im Grunde lieber leuchtend haben, aber nicht grell. Also wird der Umschlag ein sanftes Rot bekommen und innen der Karton ein noch sanfteres Grün zeigen. Aber die Entscheidung fällt erst in ein paar Tagen, ich prüfe noch.
Ich war nicht mehr ganz sicher, ob das hellgraue Papier für den Inhalt 90 oder 100g/m² schwer ist, also habe ich eine Papierprobe ausgewogen. Mit dieser Papierwaage, die einen Schnipsel in einer bestimmten Größe umrechnet auf das Gewicht des Bogens im Quadratmeter.
Sehr praktisch. Und sehr genau.
Max Goldt hat mir die Manuskripte übergeben. Wir haben sie uns am Wochenende gegenseitig vorgelesen und gemeinsam hier und noch etwas verbessert. Das Vorlesen der Texte war für mich wichtig, weil die Interpretation des Autors Texten ein anderes Gewicht geben kann, als ich es beim Lesen wahrgenommen habe. Es sind sehr schöne neue Texte. Ich verrate mal eine Überschrift: “Words of a tropical ferryman”. Ein großartiger Text ist auch “Chcocklers Flops”.
Die erste Aufgabe bestand in der Aufteilung der Texte auf die Seiten. 32 Seiten hat das Buch, davon sind einige schon belegt mit der Titelei. Die Texte sind in eine sinnvolle Reihenfolge zu bringen, manche gehen über zwei Seiten und sollen im Buch nebeneinander stehen. Aber diese Planungsarbeit macht auch Spaß. Es steckt soviel Vorfreude darin.
Einen Titel hat das Buch noch nicht. Deswegen bekommen die Texte einstweilen den tag “Goldts rotes Buch”. Gedruckt werden voraussichtlich 1500 Exemplare. Es wird also nicht so schnell vergriffen sein wie der Vorgänger. Die Ausstattung wird erneut reicher werden, eine Seite beispielsweise braucht eine starke Prachtausstattung, mit Schmuck, Farben, vielleicht auch Gold und Silber.
tags: max goldt, märchenschloß, penisg'schichterln aus dem hotel mamaKommentare [9]
Calligraphiques Noires
Zum Beitrag von heute über die Rautendelein erreicht mich eine Ergänzung, die ich wegen der Bilder als eigenen Beitrag bringe. Herzlichen Dank an Thomas Gravemaker nach Paris! Mein Kollege schickt mir diese Aufnahmen einer anderen Anglaise mit Falzkegel und schreibt mir dazu: “Die Calligraphiques Noires gab es in 14, 20 und 28 Punkt (Groß- und Kleinbild).”
Auch bei dieser Schrift rasten die Lettern ein und benötigen an ihren Enden eigene Schlußstücke.
Thomas Gravemaker: “Die Schriftgießerei France Fonderie Typographiques in Limoges hat die Schrift gegossen, ich habe sie, wie Sie sehen können, bei Haas in Paris gekauft, damals in der Rue Elzévir.”
(Kommentare zu Rautendelein und Calligraphiques Noires bitte im Rautendelein-Beitrag)
Rautendelein
Diese Schreibschrift heißt Rautendelein und wurde zuletzt von der Schriftgießerei Typoart gegossen. Irgendwann hat man damit aufgehört, und dann gab es in der DDR keine Anglaise (Englische Schreibschrift) mehr. Ich weiß leider nichts weiteres über diese Vorgänge und wäre dankbar, wenn mir dieses Wissen zuteil würde, vielleicht kann ein Leser die Schatten über der Vergangenheit der Rautendelein aufhellen?
Mein Bestand dieser Schrift ist winzig. Ich habe sie neulich wieder mal eingesetzt, weil das ß in der Excelsior (der Anglaise der Bauerschen Schriftgießerei) eine weniger leicht lesbare Form hat, welche für eine Visitenkarte im Bleisatz meiner Kundin nicht angenehm war. Das nebenstehende Bild zeigt die Excelsior mit deren scharfem s.
Diese Bleischrift ist auch technisch außergewöhnlich gemacht. Im Bleisatz bilden Überhänge eine Gefahr. Sie können leicht abbrechen, zumal wenn der Schriftsetzer sich nicht die nötige Zeit für die empfindliche Schrift nimmt oder wenn sie unsachgemäß stark beansprucht wird.
Die Rautendelein ist auf einen Kegel im Grundriß eines Parallelogramms gegossen worden, einen sogenannten Falzkegel, um ihre Überhänge zu verringern. Damit die Lettern in einer Zeile bleiben, sind sie mit Nut und Feder versehen worden. Das Setzen ist etwas langwierig, weil die Letter nicht einfach mit dem Daumen der linken Hand an den vorhergehenden Buchstaben geschoben werden kann, sondern die rechte Hand jede Letter einrasten muß.
An beiden Enden jeder Zeile (Wortzwischenraum gibt es auch in der schrägen Form) wird ein Schlußstück gesetzt, weil die Kolumne ein geschlossenes Rechteck bilden muß. Auf dem Foto ist ein M der Excelsior zu sehen. Der starke Überhang ist gut zu erkennen. Wie schade, daß die Rautendelein nicht mehr zu bekommen ist.
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