Vortrag am 19. April und neue alte Holzstiche · 16. April 2016

Am Dienstag, dem 19. April um 19.30 Uhr im La Marmite, Wein-Bistro in Berlin-Steglitz, Schützenstraße 3, unweit von U- und S-Bahnhof Rathaus Steglitz halte ich in gemütlichem Ambiente einen Vortrag zu meinem Buch, der »Stilkunde der kleinen Drucksachen«. Weil sich das Buch nur passagenweise zum Vortrag eignet, kommen weitere, auch unveröffentlichte Texte zu Gehör. Ich spreche über Farben in Drucksachen, lege die Theorie des richtigen Zuklebens von Briefumschlägen mit Naßklebung dar, breite einige Zettel aus dem Zettelkasten zum Buch aus, gebe Einblick ins Nähkästchen der Typografie und Stilkunde, worin Mittelscheitel, gläserne Badewannen und Möbel aus Hirschgeweihen Erwähnung finden und spreche auch über die Kommunikation mit Schwiegermüttern und die Unterrichtung von Design-Studenten. Trocken werden kann es nicht, denn in der Weinbar La Marmite werden köstliche Getränke offeriert.

Inzwischen habe ich weitere Karten mit Holzstichen von Hans-Joachim Behrendt gedruckt. Darunter zwei einer aus sechs Motiven bestehenden Serie, die unter dem Namen »Rendezvous« Ende der 1960er Jahre im Verlag Karl Quarch Leipzig erschien und mehrfach wiederaufgelegt wurde. Heute mit Glück antiquarisch zu finden. In meinem Exemplar von 1973 sind die Stiche allerdings nicht sonderlich gut gedruckt, sondern etwas zugelaufen.

Behrendt hat die Stiche nun noch etwas überarbeitet, etwas aufgehellt und Details weiter geöffnet, so daß die Gefahr des Zulaufens mit Farbe gebannt wurde.

Die Karten stehen schon im Online-Shop zum Kauf bereit.

Die Stöcke nehme ich nicht nur mit größter Umsicht zu Hand, sondern auch ehrfürchtig vor Bewunderung. Wer diese Fotos der Druckstöcke sieht, wird das verstehen. Bei der Verarbeitung dürfen die Holzstöcke natürlich keinen Kratzer bekommen.

Das Eselpaar ist auch fertig gedruckt. In den nächsten Tagen folgen noch Löwe und Reh, auf Katze und Igel müssen wir noch etwas länger warten, denn die Stöcke dieser Motive werden noch überarbeitet.

Außerdem gibt es noch zwei Karten mit einem aus dem Laub zwitschernden Vogel. Das war einst eine Eck-Vignette, die einst ursprünglich gedreht und gespiegelt auf einem Vorsatzpapier in vier Ecken gedruckt wurde. Ich habe mit freundlicher Erlaubnis von Hans-Joachim Behrendt grüne Druckfarbe verwendet und eine zweite Version mit einem zusätzlichen Glückwunsch-Text bedruckt.

— Martin Z. Schröder

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Holzstiche von Hans-Joachim Behrendt · 4. Januar 2016

Meinem Vorschlag, eine Reihe von in Holz gestochenen Vignetten und Illustrationen neu aufzulegen, ist Hans-Joachim Behrendt gern gefolgt. Die ersten sechs Arbeiten habe ich im Dezember 2015 gedruckt, in den nächsten Wochen werden weitere hinzukommen. Sie sind im Online-Shop in einer eigenen Rubrik erhältlich.

Die Stiche wurden von den hier abgebildeten Originalholzstöcken auf ein hochglattes, 250g/qm schweres Feinpapier als Klappkarte gedruckt. Format geschlossen: 148 zu 105 mm. Die Karten werden mit einem Kuvert ausgeliefert.

Das Steckenpferd

Die Rose

Der treue Hund

Der Bücherwurm

Der lesende Rabe

Der bibliophile Marabu

Weitere werden folgen.

— Martin Z. Schröder

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Holzstich-Exlibris von Hans-Joachim Behrendt · 17. August 2015

Im Februar hatte ich den ersten Probedruck des Exlibris von Hans-Joachmim Behrendt gezeigt, das er für mich entworfen und gestochen hat. Im Juli war der Künstler nun mit dem fertigen Stock in meiner Werkstatt, und wir haben gemeinsam eine Auflage von etwas über 300 Exemplaren gedruckt.

Die ersten beiden Fotos zeigen noch einmal die Studien, die der Künstler zur Planung des Bildes gezeichnet hatte.

Hier sieht man den Holzstock, auf den mit weißer und schwarzer Tusche das Motiv aufgetragen wurde.

Und dieses ist nun die fertige Arbeit. Insgesamt versammeln sich hier siebzehn Fabelwesen und Tiere um das Wappentier meiner Werkstatt. Der Bär hat den Degen abgelegt, die Brille aufgesetzt und sein Pfeifchen angezündet und liest aus einem seiner (oder meiner) wichtigsten und schönsten Bücher vor, den Essays von Montaigne.

Wir haben sieben Stunden mit der Zurichtung der Druckform zugebracht, bis das, was schwarz sein sollte, schwarz war und die winzigsten weißen Punkte nicht mit Farbe zuliefen. Nach den ersten fünf Stunden hat der Künstler noch einmal das Mikroskop ausgepackt und einige zu flache Stellen vertieft. Das Drucken selbst, die 300 Exemplare, war nach einer guten Viertelstunde erledigt.

Die Bleistiftspitze zeigt auf den Tampen, den Vorläufer der Druckwalze, wie er von den Frühdruckern verwendet wurde und bis heute im Druckerwappen zu sehen ist.

Dieses ist der hölzerne Druckstock, in den Hans-Joachmim Behrendt das Motiv gestochen hat. Er paßt auf eine Handfläche.

Hier eine Vergrößerung desselben.

Und der Abdruck dieses Ausschnittes.

Ich bin überglücklich, ein solches Kunstwerk in Auftrag gegeben zu haben. Der Künstler meinte, er habe noch nie so viele Wesen auf einem Bild untergebracht. Ist es nicht erstaunlich lebendig geworden? Ich halte es für eine bedeutende Meisterschaft, daß all diese Tiere so lebendig geworden sind und ihren eigenen Persönlichkeiten aus ihrer Darstellung sprechen. Die gelassene, müde Souveränität des König Löwen, das Unwohlsein des Hasen in der füchslichen Umarmung. Die ernsthafte Fürsorglichkeit von Pan, dem Gott des Waldes, und die Klugheit im schönen Gesicht des Einhorns. Im Foto läßt sich die Schönheit dieser Arbeit, auch ihr Reichtum, nicht vollendet übertragen. Der Originaldruck ist freilich viel schärfer und kontrastreicher.

— Martin Z. Schröder

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Der Bär mit seinen Freunden · 18. Februar 2015

Es ist eine Zeit her, daß ich mir von Hans-Joachim Behrendt ein Exlibris wünschte. Im Mai vergangenen Jahres zeigte er mir anläßlich seines Besuches erste Studien der einzelnen Tiere und Pflanzen. Ich hatte mir einige Tiere gewünscht, auch ein Einhorn.

Es gab auch einen Entwurf für die gesamte Anlage. Oben zwischen Einhorn und Pan sieht man den Turm, in dem Montaigne seine Essays schrieb. Derselbe Bär, der auch in meiner Druckermarke von Behrendt steht, sollte aus einem Buch von Montaigne vorlesen und, wie auch ich gelegentlich, eine Lesebrille tragen.

Im November bekam ich ein Foto von der Tuschezeichnung auf dem grundierten Holzstock. Der Künstler zeichnet und sticht seitenverkehrt, damit das Bild seitenrichtig gedruckt wird.

Gestern nun kam einer der zahlreichen Probeabzüge, die zwischen den Arbeitsschritten gemacht werden. Ich kann meiner Bewunderung und meiner Freude, meiner Faszination und einem Gefühl des geschenkten Reichtums kaum Worte geben.
Statt dessen möchte ich auf die Details aufmerksam machen, soweit ich sie erkenne. Links oben ein Einhorn mit den schönsten Augen und dem weisesten Audruck, die ich mir nur denken kann. Rechts spielt Pan, der Gott des Waldes auf seiner Flöte. Oberhalb des König Löwen, dem seine eigene Lektüre beim Zuhören entglitten ist, der Hahn als französisches Wappentier und ein Pfau. Im hohlen Baum sitzt ein Kauz, links und rechts neben ihm die Ohren des Waldes nach Hieronymus Bosch (die Vorlage liegt im Berliner Kupferstichkabinett). Welcher Vogel sich auf dem Hirschgeweih niedergelassen hat, werde ich noch erfragen. Der Luchs scheint gerade angekommen zu sein und betrachtet die ganze Gesellschaft. Links unten fühlt sich ein Hase etwas unwohl in der Umarmung eines seine Zuneigung überdeutlich zeigenden Fuches. Ein Rabe sortiert die mein Mittelinitial formenden Kastanien, beobachtet von einer sich zum S ringelnden Schlange. Rechts beäugt ein Storch den Frosch, der aus einem Tümpel lugt. Eine Schnecke sitzt auf einer der Bleilettern im Vordergrund und richtet ihre Stielaugen zum Vorleser. Zwischen S und I am linken Rand hängt ein Aldus-Blatt, das nach Aldus Manutius benannte Schmuckzeichen der Buchdrucker. Die Bleilettern stehen derart, daß der in der Mitte auf einen Baumstumpf gelehnte und aus Montaignes Essays vorlesende Bär sie so sehen kann, wie ein Schriftsetzer seine Lettern, kopfstehend in Spiegelschrift.

Seinen Schweizerdegen hat der eine Pfeife rauchende Bär abgegürtet und auf dem Schoß abgelegt. Das Streichholz deutet auf des Bären Druckertampen, jenen Vorläufer der Druckwalze, den die mittelalterlichen Drucker zum Einfärben des Druckstockes benutzten und der im Druckerwappen von einem Greifen gehalten wird. Das Streichholz auf dem Foto läßt die Größe des gesamten Bildes erkennen, es paßt in eine Handfläche. Hans-Joachim Behrendt sticht seine phantastisch reichen Miniaturen unter dem Mikroskop.

Was mich an dieser Kunst so fasziniert, ist nicht allein die handwerkliche Kunstfertigkeit, das Mienenspiel in der Miniatur, sondern die mit dieser Geschicklichkeit erzeugte Atmosphäre. Hier ist ein Moment wie auf einer Fotografie festgehalten. Es treffen sich lauter eigene Charaktere, starke Individuen, die in ihrem Alltag Begegnungen vermeiden, Freßfeinde. Die Machtverhältnisse sind durchaus sichtbar, die Souveränität eines im Moment satten, etwas müden und gern zuhörenden Königs, der, wenn ihn hungert, als Raubtier durch die Gegend schleicht. Jetzt faßt auch der Hirsch den Mut, näherzutreten. Der Fuchs wagt es im Moment nicht, sich den Hasen einzuverleiben (in Wirklichkeit essen Füchse natürlich keine Hasen, sondern springen nach Weintrauben), auch der Storch weiß sich zu beherrschen und läßt den schmackhaften Frosch in Ruhe. Es ist windstill und warm, nur der Pan bläst einen leichten Luftzug. Die großen starken Tiere lassen allen für einen Moment ihren Frieden und lauschen auf die Worte eines berühmten Stoikers.

Ob dieses Exlibris seine Funktion als Bucheignerzeichen erfüllen kann? Oder ob ich ausgeliehene Bücher wegen dieses eingeklebten Kunstwerkes erst recht nicht wiederbekomme?

Wenn die Arbeit fertig und gedruckt ist, werde ich sie natürlich hier zeigen. Für seine Erlaubnis zur Veröffentlichung dieser Bilder danke ich dem Künstler.

— Martin Z. Schröder

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Hans-Joachim Behrendt: Hommage à Werner Klemke · 3. Juni 2014

Matthias Haberzettl, Auftraggeber des Exlibris von Hans-Joachim Behrendt und befaßt mit Leben und Werk des Buchkünstlers Werner Klemke, hat mir eine Liste der in dem nebenstehenden Holzstich verarbeiteten Zitate zukommen lassen:

Oben in der Mitte: der Kopf des Pinocchio. Quelle: Collodi, Carlo: Pinocchios Abenteuer. Holzstiche von Werner Klemke. – Berlin: Aufbau-Verlag, 1954

Links unten: Krippe und Trommel entstammen auch dem »Pinocchio« (S. 185); die Grille wohl nach einem Motiv des Titelblatts

Rechts: Giovanni Boccaccio, vom Titelblatt des »Dekameron«, Quelle: Das Dekameron des Giovanni Boccaccio. Bd. 1.2. – Berlin: Aufbau-Verlag, 1958. Illustrationen und Gesamtausstattung: Werner Klemke

Zum Dekameron gehört auch das Paar links (Bd.2, S.289), und zum »Motivkreis« des Dekameron der Mönch

In der Mitte der Eulenspiegel, eine Lieblingsfigur Klemkes

Unten Mitte: der gestiefelte Kater aus den »Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm« (Kinderbuchverlag Berlin, 1962); wohl auch der Esel links unten

Rechts unten der Titelheld aus: Reuter, Christian: Schelmuffsky. Holzstiche Werner Klemke. – Berlin: Aufbau-Verlag, 1954 (in dieser knieenden Haltung gibt’s kein direktes Vorbild im Buch)

Alle genannten Jahreszahlen beziehen sich auf die Erstauflagen.

— Martin Z. Schröder

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Zurichtung und Druck eines Holzstiches · 2. Juni 2014

Vor ein paar Tagen habe ich den Holzstock selbst schon gezeigt, ein Exlibris, gestochen in Holz von Hans-Joachim Behrendt. Heute zeige ich den Druck, mit freundlicher Genehmigung des Auftraggebers, dem Klemke-Forscher Matthias Haberzettl. Auf nebenstehendem Foto ist das ganze Blatt zu sehen, 165 zu 125 mm groß. Also etwas größer als eine gewöhnliche Postkarte.

Auf dem zweiten Foto mit den sortierten Bogen sind die Anfänge der Arbeit zu sehen, die am 26. Mai von etwa 10 bis 18 Uhr währte. Das erste Blatt links oben zeigt den allerersten Abzug. Gedruckt wurde auf einem Heidelberger Tiegel, also einer Klapptiegelmaschine. Der Tiegel bewegt sich um eine Achse und klappt an das senkrecht stehende Fundament heran. Den Winkel beeinflußt man durch die Dicke des Aufzuges, an dem der zu bedruckende Bogen liegt. Treffen Tiegel und Fundament nicht parallel aufeinander, bekommt entweder die innen an der Achse liegende oder die außen liegende Seite mehr Druck als die jeweils andere. Auf dem ersten Abzug sieht man aber, daß der Druck oben links zu stark ist. Da schlägt der Drucker innerlich die Hände überm Kopf zusammen, denn das bedeutet: der Holzstock ist nicht plan. Auf dem siebten Bogen (Reihe 2, Bild 3) ist eine parallele Position erreicht. Dies wurde bewerkstelligt, indem hinter das Holz auf der zu schwach druckenden Seite Papierschichten geklebt werden, die den Stock auf der zu flachen Seite anheben. Für jede Verbesserung mußte die Form aus der Maschine genommen und hinterklebt werden.

Das war aber nur der erste Schritt. Trifft eine harte Fläche auf einen weichen Untergrund, drücken sich die Außenkanten tiefer in die weiche Unterlage als die Gesamtfläche. Der Druck muß aber gleichmäßig erfolgen, also wird im zweiten Schritt unter dem Bogen eine Zurichtung aus Seidenpapier hergestellt. Von außen nach innen unter Berücksichtigung der besonders schwarzen Stellen wird nun Seidenpapier zurechtgerissen (Schnittkanten könnten sich im Druckbild zeigen), um den Druck gleichmäßig auf das ganze Bild zu verteilen. In der letzten Reihe dieses Fotos sieht man, wie der Zeichnung im Inneren des Kreises Deutlichkeit und Kontur zuwachsen.

Zugleich muß an der Farbe gearbeitet werden. Das Motiv benötigt eine Farbe, die der Drucker als streng oder kurz bezeichnet, weil sie beim Abheben mit dem Spachtel aus der Menge nur einen kurzen Faden zieht. Sie ist also zäh und wird nicht in die Vertiefungen der Form laufen, sondern auf der Oberfläche bleiben. Ist sie zu zäh, kann das aber dazu führen, daß sie Druckform und Papier verklebt, dann kommt es zum sogenannten Rupfen: beim Ablösen der Form vom Papier nach dem Druck reißt die Form kleine Papierpartikel aus dem Papier. Zu zähe Farbe ist auch ungünstig für vollständig geschlossene Flächen im Druckstock. Und es muß beim Drucken die Farbmenge genau eingestellt werden. Kommt zuviel Farbe auf die Form, wird sie beim Drucken nach außen gedrückt und macht ein unsauberes Bild, und sie verstopft die feinen Linien, die nicht so tief ins Holz reichen wie weiße Flächen. Außerdem sind die Walzen in den Lagern gut zu ölen, damit sie sauber abrollen, während die Führungsschienen ganz trocken sein müssen, damit die Walzen rollen und nicht rutschen und das Druckbild zuschmieren oder Farbe von den Flächen an die Rände schieben.

Auf diesem Bild wird durch die Münze verdeutlicht, wie detailliert und winzig das Motiv gearbeitet ist. Im letzten Blog-Eintrag sieht man den Holzstecher am Mikroskop arbeiten. Er hat eine ganz ruhige Hand und weiß den kleinsten Punkt genau zu setzen. Man muß bedenken, daß ein zu viel herausgehobener Span nicht zu ersetzen ist.

Auch mit der fotografischen Vergrößerung wird das Motiv in den Details nicht so deutlich wie das Original unter der Lupe. Nach acht Stunden waren meine Kraft und meine Zeit am Ende. Ich hätte bei diesem Stand nun auch noch mit dem Skalpell kleine Stücken auf das Bild zuschneiden wollen, um beispielsweise in Pinocchios Mütze die schwarzen Quadrate tiefschwarz zu machen. Die Kleidung des Narren hingegen sollte nach Anweisung des Künstlers die Holzstruktur so zeigen, wie sie hier zu sehen ist. Einige Details hat meine an sich gute Kamera nicht erfassen können, etwa kleine weiße Punkte im Aldusblatt rechts unten, die im Original durchaus sichtbar sind. Die Komprimierung des Fotos fürs Internet tut dann ein übriges. Schwierig am Stock war allerdings auch eine leicht konkave Form. Das kann man zwar im Preßdruck mit Seidenpapier ausgleichen, aber der Andruck der Walzen wird durch die konkave Form ungleichmäßig, und dagegen gibt es kein Mittel, weil der Stock starr ist und die Form der Walzen gleichmäßig. Stärkerer Walzenandruck würde die Außenpartien der konkaven Form zuschmieren. Der Holzstichmeister würde für eine Nachauflage den ganzen Stock mit einem Tausender Schleifleinen glätten und die äußeren Partien nachstechen, wie er es schon während des Druckes in den Vorhangzeichnungen gemacht hatte, aber dieser enorme Aufwand ist einstweilen nicht vorgesehen, zumal sich Handabzüge mit einer kurzen Walze besser bewerkstelligen lassen.

In einem nächsten Eintrag werde ich die Zeichnung erläutern. Freunde und Kenner des Werkes von Werner Klemke werden einige Vertraute sogleich entdeckt haben. Sie erkennen und bewundern sicherlich auch, wie genau bis ins Mienenspiel hinein der Meisterstecher Hans-Joachim Behrendt seinen Lehrer zitiert hat.

— Martin Z. Schröder

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Der Holzstecher Hans-Joachim Behrendt besuchte die Druckerey · 27. Mai 2014

Am Montag besuchte mich der Holzstecher Hans-Joachim Behrendt (der auch den Druckerey-Bären entwickelt und in Holz gestochen hat), um gemeinsam mit mir einen Stich zu drucken, ein Exlibris als Hommage an Werner Klemke mit vielen kleinen Klemke-Figuren als grafische Zitate. Ob ich das Bild hier zeigen darf, werde ich den Künstler und den Auftraggeber noch fragen.

Die ersten Abzüge zeigten nur Andeutungen des Motivs, weil das Holz recht verzogen war. Zuerst habe ich diverse Papierlagen hinter den Stock geklebt, um ihn parallel zum Drucktiegel auszurichten.

Danach fing die Zurichtung auf dem Aufzug an, mit diversen Schichten von Seidenpapier. Stunde um Stunde wurden kleine Schnipsel ausgerissen und hinter den Aufzugsbogen geklebt, auf dem das zu bedruckende Papier aufliegt.

Dann standen wir vor dem Problem, daß ein geringer Auftrag von Druckerschwärze geschlossene Flächen aufreißen ließ und ein zu hoher Detailzeichnung zulaufen ließ. Behrendt gehört zu den Großmeistern seines Faches, er hatte sein Mikrospkop und Stichel dabei und stach einige zu flache Punkte und Linien tiefer. Nach neun Stunden Arbeit am Bild mit einer halben Stunde Mittagspause konnte ich eine kleine Auflage drucken.

Es war einer der anstrengenden, vor allem aber einer der schönsten Tage als Drucker. Zum ersten Mal konnte ich einem Holzstecher bei der Arbeit zusehen. Der Anblick des Stiches durchs Mikroskop zeigte eine unglaublich lebendige Relieflandschaft, und die Zeichnung eine ebenso kaum faßbare Präzision der schönen Linie an sich. Und zum ersten Mal habe ich im Beisein eines Holzstechers gedruckt und konnte ihn fortwährend die Verbesserungen prüfen lassen.

— Martin Z. Schröder

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Da druckt der Schuh · 2. April 2012

Der Fundus bietet immer wieder Gelegenheit zum Spielen. Mir fiel ein Schuh auf, eine recht hübsche, zwar simple, aber nicht plumpe Arbeit, ein hölzerner Druckstock. Nur einer. Er stak in einem Siegel eines Schusters oder Schuhhändlers, ich weiß nicht mehr, das vor Jahrzehnten zuletzt gedruckt wurde. Und da ich gerade Materialproben für eine Veranstaltung eines Papierherstellers bedrucke (ich werde Ende April berichten), also freie Arbeiten herstelle, habe ich angefangen zu spielen. Motiv: Schuh hinter einem Vorhang.

Der Vorhang ist aus Messinglinien schnell gemacht. Nebenbei: Ist das nicht ein schöner Anblick? Ich schätze es sehr an meinem Beruf, daß die Dinge so schön sind, die man zusammenbaut.

Und dazu Farbe. Die Übung mit der Farbe begleitet den Drucker den ganzen Tag. Das geht schon morgens los bei der Auswahl der Krawatte oder Schleife zum Hemd. Und dann: welche Farbe verhält sich wie auf welchem Papier zu welcher anderen Farbe. Wenn man eine Farbe zur andern hinzufügt, verändern sich beide in die Richtung der jeweils anderen, das ist alles sehr interessant.

Da steht der Drucker auf dem Spielplatz und mischt Farben und macht Handabzüge.

So sieht der Spielplatz aus. Nicht, daß Spielen nicht anstrengend wäre, auch das Vergnügen verbraucht Kraft. Und bald kann man keine Farben mehr sehen und wird blind und freut sich über eine Drucksache, die Schwarz auf Weiß gedruckt werden soll. Die Schwarze Kunst verlangt weniger Überlegung als die Farbige.

Handabzüge. Und am Ende habe ich das alles verworfen bis auf den roten Schuh, und der Vorhang wurde eher hell und bekam feine blaue und breite silberne Streifen. Aber die hab ich noch nicht fotografiert.

Für solche Spiele gilt es wie für alle andern auch, die Spielregeln zu beachten, sonst bekommt man den Vorhang nicht so genau zustande.

Nach dem vergeblichen Suchen nach den richtigen Farben für den Schuh wandte ich mich der neuen Großaufgabe zu.
Auf den Zetteln auf dem Setzkasten auf dem Foto stehen die Texte von Max Goldt für unser nächstes Buch. Typografie für Goldt Nr. 4. Nach dem Aussuchen, Besprechen, Korrigieren und ein wenig Lektorieren habe ich nun die Reihenfolge festgelegt. Als nächstes beginnt die Entwurfsarbeit, der Papierbedarf muß berechnet werden, das Papier muß gekauft werden und so fort. Ob ich das Buch noch dieses Jahr fertigbekomme, weiß ich noch nicht. (Bestellen kann man es erst, wenn es fertig ist.) Aber der Anfang ist gemacht, und ich fürchte einerseits die Papierberge in der Werkstatt, freue mich aber andererseits sehr auf die Arbeit.

— Martin Z. Schröder

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Ablassen von der Augenhöhe · 25. November 2011

Derzeit ist viel zu tun, Weihnachtskarten werden angefertigt, Geschenke auch, zum Mitteilen von Nachrichten bleibt wenig Zeit. Hier sind neue: Vierfarbig sollte diese Karte werden, denn einen schönen montaignehaften Text von Max Goldt aus seinem “Buch namens Zimbo“wollte ich mit bunten Holzstichen bebildern (bunte Farben, ähnlich gemacht in Reinheit und Helligkeit). Wie sich Gans und Hund durch den Text hindurch auf Augenhöhe anvisieren — ich mußte beim Drucken immerzu lachen, wenn ich mal absehen konnte von den Dingen, auf die der Drucker zu achten hat.

Die kleinen Druckstöcke sind nicht ganz gerade, im Laufe ihres Daseins schon etwas verzogen, manche haben gar keine Schrifthöhe, sie stammen noch aus den Zeiten, als sich die Drucker noch nicht an Normen hielten und eigene Schrifthöhen führten. Das Bienchen mußte um dreieinhalb Punkt erhöht werden, dazu war es schief. Außerdem sind die Dinger recht klein. Der Hund ist nur 21,5 mm breit. Um die Schiefheiten auszutreiben, klebt man winzige Seidenpapierfusseln an die Seiten und unter den Stock, und nach jedem Kleben muß die Druckform wieder geschlossen und ein neuer Abzug gemacht werden.

Und man muß sie ganz vorsichtig drucken, die kleinen hölzernen Werke, also ohne den kräftigen Preßdruck, der heute so oft verlangt wird, aber eben von Blei und Holz nicht ohne Schaden zu machen ist, sondern nur von geätzten oder gravierten Klischees.

Hier ist die ganze Karte zu sehen.

Und zur Lektüre hier der Text von Max Goldt. Gesetzt aus der mageren Futura in Petit (8 Punkt).

Und das sind also die Bilder, zuerst das Bienchen, oder ist es eine Drohne?

Diesen gefiederten Freund würde ich für eine Gans halten.

Und das muß doch wohl ein Hund sein. Die Karte muß noch gerillt werden, weil es eine Klappkarte ist, und dann wird sie auf der Seite LetterpressBerlin.com erhältlich sein.

— Martin Z. Schröder

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Grüßen mit geschmückter Feder · 28. Februar 2011

Von einem Holzstich aus dem Fundus habe ich in kleiner Auflage diese Karten im sogenannten Diplomatenformat gedruckt, als Klappkarte, geschlossen 172 × 112 mm groß. Die Geschichte des Holzschnitts und Holzstichs wird von Klaus Kramer auf dessen Website erzählt.

Und ich nehme nur an, daß es sich um einen Holzstich handelt, ich habe mir das Holz nicht genauer angesehen. Die Fläche, von der gedruckt wird, läßt durch die Druckfarbe, die sich ins Holz gesetzt hat, keine Einblicke mehr zu. Aber an der Rückseite des Stockes und an den Seiten kann man die Faserlaufrichtung erkennen.

Wenn man sich die Kratzer in den Blüten anschaut, könnte man meinen, daß es sich doch um einen Holzschnitt handelt, oder? Ich kenne mich nicht aus. Ich werde bei Gelegenheit eine Seite anschleifen und nachschauen. Wenn ich vom Holzstich drucke, bin ich jedesmal fasziniert von der filigranen Handarbeit, die in jedem alten Holzstich, den man heute noch findet, ihren Schöpfer überdauert hat.

Und die Schöpfer solcher gebrauchsgrafischen Arbeiten sind nicht einmal namentlich bekannt. So etwas war früher eine Handarbeit wie ein Möbelstück.

In der Feder sind zwei kleine Fehlstellen zu sehen, …

… die sich auch im Druckbild zeigen.

Die Karte habe ich mit einem Farbschnitt in orange ausgestattet. Sie wird mit einem weiß gefütterten Kuvert geliefert und kann im Online-Shop der Druckerey bestellt werden, hier ist der direkte Link zur Karte bei letterpressberlin.com.

— Martin Z. Schröder

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Zeichenwechsel · 14. Oktober 2009

Nachdem ich fünfzehn Jahre lang unter dem Zeichen des Drucker-Greifen gearbeitet habe, welches das Wappen aller Buchdrucker ist, werde ich nach und nach das neue Zeichen einführen, meine eigene Druckermarke: den Berliner Bären mit einem Schweizer Degen im Gurt und einem Buch in der Tatze. Bis auch meine Drucksachen, die Visitenkarten, Briefbogen und Etiketten, ausschließlich die neue Druckermarke zeigen, solange kommen auch im Internet beide Signete zur Anwendung. Auf der Seite Druckerey.de der Greif, und hier im Blog in den nächsten Tagen der Bär, vielleicht schon morgen.

Das Zeichen gibt im Bilde drei Informationen: der Drucker ist ein Berliner. Dies zu zeigen, wurde der Bär bestimmt. Der Drucker ist auch ein Schriftsetzer, also jemand der beide Berufe ausübt: ein Schweizerdegen. Der Schweizer Degen, die Waffe, ist eine Entwicklung aus dem Dolch und deshalb zweiseitig geschliffen. Daraus leitete sich anfangs eine Bezeichnung ab für jemanden, der mehrere Dinge gut konnte, in der Schwarzen Kunst wurde der Schweizerdegen zur Berufsbezeichnung. Der Drucker ist auch ein Mann des Buches. Er schreibt gelegentlich eines (zum nächsten erscheint demnächst ein Vorabdruck, Nachrichten dazu folgen), und er richtet gelegentlich eines typografisch ein. Oder setzt und druckt eines. Dies zeigt der Berliner Bär mit dem Buch in der rechten Tatze.

Als vierte Information wurden dem Bären meine Initialen beigegeben.

Der Entwurf ist an mittelalterlichen Druckermarken orientiert. Von Axel Bertram kam die Idee, Hans-Joachim Behrendt hat die Marke gezeichnet und in Holz gestochen. Ich habe das alles ja schon in zwei Beiträgen dargestellt, nur heute, zur Einführung, wollte ich es noch einmal erwähnen.

Ein Datum für den Kalender wird daraus nicht. Diese Marke wird nun beginnen zu wirken, aber ihr Geburtstag ist schon eine ganze Weile her. Diese Druckermarke ist ein Qualitätssiegel meiner Werkstatt, das ich nun gemächlich einführe. Man fängt mit einem solchen Siegel die Arbeit nicht an, man kommt irgendwann einmal dazu. Ich setze und drucke seit fast dreißig Jahren (früh angefangen), und es ist erst jetzt die Zeit gekommen, die eigenen Ansprüche bildlich zu befestigen.

Der Aufwand für die Einführung dieses Zeichens ist groß, nämlich die Übersetzung aus dem Holz in eine digitale Ansicht, die Herstellung eines Druckstockes aus Metall, die Entwicklung einer zweiten Marke für Brandprägungen in Holz — das alles nimmt so viel Zeit und Kraft in Anspruch, daß ich das Unternehmen sicherlich nicht mehr wiederholen werde. Ich habe über die Installation dieses Bären fast vier Jahre lang nachgedacht. Ich habe ihn lange nur privat eingesetzt, weil ich unsicher war, wie er sich im Dienste meiner Werkstatt machen würde. Inzwischen bin ich von seinem Leistungsvermögen überzeugt.

Im Frühjahr 2004 habe ich erstmals meine Wünsche an Bertram und Behrendt formuliert:

“Ich hätte gern ein stehendes Oval mit dem bewaffneten (Schweizerdegen) Bären, also auf allen vieren kann er nicht gehen. Eine Krone soll er übrigens auch nicht haben, das Berliner Wappentier soll nicht sofort zu erkennen sein. Der Berliner Bär marschiert auch meistens so albern. Mein Bär darf einfach so dastehen und den Degen vielleicht aus dem Oval raus-pieken. Auf einen Degen stützt man sich, glaube ich, nicht, denn er ist, glaube ich, eine leichtere Waffe als ein Schwert. Der Gute kann aber auch von der Seite zu sehen sein, gehend, nur eben nicht marschierend. (…) Nur sollte er nicht eine Hand auf die Hüfte stemmen, dann denkt man womöglich, der macht gleich große Wäsche. Die Anmutung sollte mittelalterlich sein, damals gab es so schöne Druckermarken. (…) Die Schrift sollte diese damals übliche „Stichlebendigkeit“ haben, wie es H.-J. B. so trefflich formulierte, das kommt beim Holzstich sicherlich von alleine. Wo meine Initialen stehen, ist mir gleich. Sie können auch seitlich im Oval untereinander stehen. Grundschrift all meiner eigenen Drucksachen ist die Garamond, aber für einen Holzstich sind kräftige Buchstaben mit gerundeten Serifen vermutlich sowieso obligatorisch, nicht wahr?”

Im Herbst 2004 später lagen mir erste Entwürfe von Behrendt vor. Irgendwann werde ich sie finden. Damals schrieb ich dazu: “Die Bären sind alle wunderbar, ich mochte sie auf den ersten Blick, und je länger ich mich vertiefe, so lieber werden sie mir. Es sind ja recht verschiedene Persönlichkeiten, und ich überlege, welche meinem Ideal am nächsten kommt. Ich meine auch, die Nummer 3 paßt am besten. Der Typ 5 wirkt etwas zurückhaltend, Typ 1 etwas selbstzufrieden, Typ 2 schulmeisterlich (bezogen auf mein Ideal; lieb sind sie alle auf ihre eigene Art, gegen Schulmeister ist nichts zu sagen, aber ich versuche meine schulmeisterlichen Allüren zu zügeln, so sollte auch mein Petz tun), Typ 6 könnte schwatzhaft sein, wenn er die Schnauze öffnet, mir kommt es jedenfalls so vor, Typ 7 hat etwas Verhangen-pathetisches, Typ 4 kommt sehr jugendlich aus dem Mittelalter gesprungen, Typ 3 endlich hat etwas sehr Gutmütig-herzliches an sich, auch eine heitere Neugier und Frische zeichnet sein Wesen aus. Den mag ich. Wenn es der wird, werden wir eine innige Beziehung eingehen.”

Er wurde es. Er wurde in Holz gestochen. Nun steht er da. Ich wünsche ihm ein Eigenleben, ein dauerndes, ein langes auch als mein Begleiter und guter Geist der kleinen Berliner Druckerey.

— Martin Z. Schröder

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Eine in Holz gestochne Druckermarke · 21. Juni 2009

Vor einigen Jahren bat ich den Gebrauchsgrafiker Axel Bertram um den Entwurf einer Druckermarke im mittelalterlichen Stil, aus jener Zeit also, als diese Marken der Frühdrucker entstanden. Die bekannteste Druckermarke ist sicherlich die von Aldus Manutius: ein Delphin, der sich um einen Anker windet, eine Verbindung von Symbolen in der Bedeutung von “Eile mit Weile”. Ich wollte auch ein sprechendes Zeichen haben, aber ein persönlicheres: einen Bären für meine Heimatstadt Berlin (und weil ich als Kind sehr an einem Teddybären hing mit einem ernsten und gutmütigen Gesichtsausdruck, welchen ich Axel Bertram genauer beschrieb), welcher mit einem Degen gegürtet ist, um meinen Beruf als Schweizerdegen (Schriftsetzer und Buchdrucker in einer Person) zu zeigen. Außerdem sollten meine Initialen auf die Marke.

Leider kann ich die Entwurfszeichnungen gerade nicht finden. Axel Bertram schlug mir vor, ein Zeichen von Hans-Joachim Behrendt nach seinen Ideen in Holz stechen zu lassen. Die Illustrationen und Vignetten Behrendts bilden einen der Höhepunkte ostdeutscher Buchkunst — und ich war von Bertrams Idee begeistert. Der Grafiker schlug mir überdies vor, dem Bären ein Buch in die Hand zu geben, weil ich sowohl als Autor tätig bin als auch Bücher mache. Er sandte mir drei Zeichungen, die Behrendt in Absprache mit Bertram angefertigt hatte, und die sich vor allem in der Statur des Bären (schlank bis korpulent) und in seinem Gesichtsausdruck unterschieden. Mit Bedacht wählte ich eine aus, welche sodann von Hans-Joachim Behrendt in den Holzstich umgesetzt wurde.

Der namhafte Holzstecher, der heute vor allem Medaillen sticht und sich ins Holz erst wieder einarbeiten mußte, sandte Bertram und mir nach einigen Monaten einen ersten Abzug des Stichs mit dem Vermerk, er werde an Details noch arbeiten. Axel Bertram zeichnete Korrekturen an den Buchstaben ein, ich hatte keine weiteren Bedenken und freute mich nur riesig. Der Bär hatte schon die von Weisheit und Humor milde gemachten Züge meines ernsthaften Plüschtiers. Und gefiel mir auch ansonsten ausnehmend gut. Das Zeichen ist übrigens nur 28 mm hoch.

Behrendt schnitt den Bären fertig, und eines Tages, nachdem wohl ein Jahr dahingegangen waren, bekam ich das Päckchen mit dem hölzernen Druckstock. Oh Freude! Welch ein Meisterstück! Axel Bertram gratulierte, nachdem er die Abzüge gesehen hatte, es war noch besser als wir es uns gewünscht hatten. Man beachte die Zeichnung des Fells, die Wirbel der Locken, die sehr menschlichen, fabelhaften Augen, die Seiten des Büchleins in des Bären rechter Tatze, auf denen sogar Zeilen angedeutet sind, den gedrehten Griff des Degens, die Hohlkehle in der Klinge, die Linienführung der Umrandung, die renaissancetypischen Buchstaben, und bei all dem vor allem die Natürlichkeit und Selbstverständlichkeit eines ernsten und freundlichen Bären mit stattlicher Statur, wie sie nur ein Meister dieser selten gewordenen Kunst darstellen kann.

Hans-Joachim Behrendt sagte mir, daß dieses Hartholz 5000 Druck mühelos aushalte, aber ich bin so besorgt um den Erhalt des Stiches, daß ich meinen Gebrauchsgrafiker-Kollegen Frank Ortmann gebeten habe, das gedruckte Zeichen zu scannen, zu retuschieren und als Datei anzufertigen, um eine Ätzung davon machen zu lassen.

Zu früheren Zeiten konnte man Holzstöcke in Wachs drücken und den Abdruck galvanisieren. Die sich auf dem Wachs gebildete galvanische Kupferhaut wurde mit Typometall, also einer Bleilegierung, ausgegossen, fertig war das Duplikat. Diese Technik gibt es für die Herstellung von Druckstöcken nicht mehr. Ich werde berichten, was wir mit gegenwärtiger Technik auszurichten vermögen.

— Martin Z. Schröder

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