Entwurf der Essay-Reihe des Verlages zu Klampen

2. Oktober 2010

Neulich zeigte ich in diesem Blog den Proof-Bogen für den Umschlag des ersten Bandes der neugestalteten Essay-Reihe des Verlages zu Klampen. Nun ist vor ein paar Tagen das fertige Buch eingetroffen. Ein Buch komplett entwerfen zu dürfen, innen und außen, ist eine schöne Aufgabe, zudem mit der Maßgabe, ihm ein klassisches Gewand zu geben.

Alles wie aus einem Guß: Titel, Rücken und Kehrseite. Die Farben werden sich nicht ändern, so daß eine Sammlung der Reihe ein hübsch ornamentales Bild im Buchregal geben kann.

Der Strichcode auf der Rückseite läßt sich leider nicht umgehen.

Das Vorsatzpapier ist dunkelgrün.

Diese Seite nennt man Schmutztitel, weil sie am Vorsatzpapier klebt und bei einer neuen Bindung des Buches beschädigt wird. Sie schützt den Haupttitel.

Der Schmutztitel besteht nur aus kurzen Hinweisen auf Autor, Verlag und Buchtitel.

Die dem Haupttitel gegenüberliegende Seite wird Frontispiz genannt, sofern sie es verdient. Das Impressum dem Haupttitel gegenüberzusetzen, wäre eine Gedankenlosigkeit. Es ist erstens unschön, zweitens kann diese Seite ja eben herausgetrennt werden, wenn jemand ein Buch in einen Handeinband stecken möchte. In diesem Buch darf die Titelei ein wenig Lebendigkeit und Kraft entfalten, es muß nicht immer Friedhofsruhe auf dem Haupttitel herrschen. Die Rahmen zeigen den Satzspiegel des Buches.

Hier ist das Inhaltsverzeichnis zu sehen.

Und hier die erste Seite. Jeder Essay hat eine Überschrift, manche wurden auch mit einer Unterzeile zum Titel und einem Motto versehen.

Auf diesem Bild ist eine gefüllte Doppelseite ohne weitere typografische Schwierigkeiten zu sehen …

… während hier sich zeigt, was in der Entwurfsarbeit festzulegen war, nämlich die Art, Fußnoten zu setzen sowie Zitate, deren Zeilenfall vorgegeben ist. Man erkennt hier auch, welch präzise Arbeit die Setzerin Daniela Weiland geleistet hat.

Manche Entscheidungen wurden erst während der Satzarbeit verlangt, etwa wie diese langen Gedichtzeilen umbrochen werden.

Oder wie der Anfang eines Essays zu stellen ist, wenn statt der Unterzeile ein Gedicht der Überschrift folgt.

Die Anführungszeichen wurden hier komplett aus der Satzkante genommen.

Auch dieses Zitat habe ich gesondert eingerichtet. Man kann es nicht in Satzanweisungen festlegen, wie mit solchen Ausnahmen umzugehen ist. Jedes Detail bedarf der Beachtung und eines Entwurfs.

Bis hin zum Impressum. Es wird meistens für unwichtig erachtet und typografisch vernachlässigt.

Dabei ist das Impressum eine der wenigen Stellen, wo man auch einmal ein Schmuckzeichen unterbringen darf, weil es hier nicht um Lesefluß geht, sondern um funktionelles Lesen, also erkennbare Gliederung. Jedes Teil eines Buches verdient Aufmerksamkeit, wenn ein schönes Werk entstehen soll.

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Innerer Umschlag

29. September 2010

Das Büchlein wird bei der Fadenknotenheftung mit einem Kartonumschlag vernäht, um den dann ein zweiter Karton gelegt wird. Englische Broschur wird diese Bindeweise genannt (wenn der äußere Umschlag noch festgeklebt wird, aber ich nehm’s mal nicht so genau, denn für meine Art der Broschur gibt es keinen Namen). Die Klappen des umgelegten Umschlages reichen weit über den grünen Umschlag, innen sieht man von diesem nur schmale Streifen. Unter die Klappen habe ich links eine Art Illustration aus Lettern gedruckt, rechts eine Textzugabe. Einen kleinen Text, der im Buch keinen Platz mehr fand, der mir aber so gut gefiel, daß ich ihn nun hinter der hinteren Umschlagklappe versteckt habe.

Die Lettern-Illustration zu setzen war ein zeitaufwendiges Vergnügen. Ich habe Teile des Monotype-Satzes, der ja nicht abgelegt wird, sondern wieder eingeschmolzen, dafür verwendet. Und aus der Schriftschrottsammlung ein paar Buchstaben gezogen.

Natürlich fallen immer wieder Lettern um, die Monotype-Buchstaben sind ja nicht groß, Schriftgrad Korpus (10 Punkt).

Ich habe mich also langsam vorgearbeitet.

Bis sich das Feld allmählich schloß.

Wie ich die Buchstaben im Schließrahmen befestigen konnte, so daß sie sich durch die Erschütterungen beim Drucken mit dem Heidelberger Tiegel nicht lösen, hat mich Kopfzerbrechen gekostet, aber es fand sich eine Lösung.

Gedruckt wurde mit einem metallischen Grün auf den grünen Karton.

Und unten rechts zwei Wörter aus einem der Goldt-Texte stehen zu lassen, fand ich hübsch.

Der erste Korrekturabzug sieht selten gut aus. Und in diesem Fall habe ich auf der rechten Seite noch einen vollständigen Rahmen um die Kolumne gebaut und manches verschoben.

Rechts habe ich Ziermaterial verarbeitet, das sich sowohl für eine größere Figur eignet, wenn man vier Teile zusammenfügt,

als auch für Eckstücke eines Rahmens.

Vorn lockt dieser possierliche Zeitgenosse dazu, den äußern Umschlag zu heben und darunterzulugen.

So sieht das verwendete Klischee aus. An seine Herkunft habe ich keine Erinnerung, es steht schon sehr lange im Regal.

Da nun der Umschlag gedruckt ist, wird in Bälde alles in die Buchbinderei transportiert werden.

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Kein wirklicher Schmutztitel

27. September 2010

Dieses Päckchen kam aus Hamburg in meine Berliner Werkstatt. Im Hamburger Museum der Arbeit hat der Monotypesetzer Erich Hirsch (in diesem Beitrag zu sehen) den Text gesetzt, und unser Kollege Helmut Bohlmann hat ihn mir geschickt.

Herrlich. Das Impressum. Denn wir sind beim letzten Druckbogen angelangt. Tatsächlich, dieser Druckgang ist der letzte für den Inhalt. Bevor das Büchlein in die Buchbinderei geht, muß nur noch der innere Umschlag gedruckt werden. Ein Ende der Produktion ist in Sicht. Einerseits erfreulich, daß man bald das Buch in der Hand halten kann, andererseits werde ich die Arbeit vermissen.

So sieht der Satz des Impressums aus, aber so bleibt er nicht für den Druck.

Zuerst kommt er auf ein Setzschiff und wird aufgebunden, also die Kolumnenschnur, welche die Lettern festhielt, wird entfernt.

Dann wird er durchschossen, also mit Zeilenzwischenräumen ausgestattet. Und ich habe ein Numerierwerk eingebaut, denn alle 2010 Exemplare werden numeriert, jedes wird zum Einzelstück, ein Merkmal bibliophiler Ausgaben.

Wenn Druck auf den Plunger ausgeübt wird (auf dem Plunger steckt das Nummernzeichen), rückt das Werk eine Stelle zurück, denn es handelt sich um ein rückwärtslaufendes Numerierwerk. So daß, wenn die Auflage gedruckt ist, zuoberst die Nr. 1 liegt. Außerdem habe ich den Satz etwas verändert, also den Umbruch korrigiert, die Versalzeilen ausgeglichen (Buchstabenabstände harmonisiert) und spationiert (Buchstabenabstände erweitert).

Das ist das Impressum in voller Länge. Es ist so umfangreich, weil alle verwendeten Schriften namentlich genannt werden und weil alle Mitwirkenden genannt werden und in genauer Bezeichnung auch die verwendeten Papiere mit dem Lieferanten, der Papier-Union.

Hier deutlicher zu erkennen, der obere Teil des Impressums …

… und der untere.

Und auf diesen Bildern ist die Seite zu sehen, auf der gewöhnlich der Schmutztitel steht. So heißt die erste Seite des Buches, die am Vorsatzpapier des Deckels befestigt ist und den Haupttitel vor Verschmutzung schützt. Hier ist die Seite kein echter Schmutztitel, sicherlich wird dieses Buch nie einen neuen Einband bekommen, wofür man den Schmutztitel entfernen würde. Deshalb kam die Druckermarke auf diese erste Seite des Buches. Gewöhnlich gehört sie auf den Haupttitel, stünde dort aber unpassend.

Hier noch einmal größer, oben der Name des Autors in kleinen Garamond-Majuskeln, unten ein Kurztitel in kursiven Majuskeln.

So, das war der letzte Druckbogen. Als nächstes folgt der grüne Umschlag innen. Dann geht alles in die Buchbinderei, und während dort dunkelgrüne Fäden genkotet werden, mache ich mich an den äußeren Umschlag (metallisches Rot). Und wenn die Bücher gebunden sind, wird der Umschlag angepaßt, gerillt und umgelegt. 6030 Rillen für 2010 Bücher, jede wird einzeln geprägt, herrje! Also es dauert noch ein Weilchen.

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