Gold für Barbara Wrede
Nee, das ist kein vergoldeter Haufen Streichkäse, das ist Farbe.
Und die kommt zwar auch aus der Dose, aber in der Dose ist sie für den Buchdruck nicht reich genug pigmentiert.
Also gibt man Goldpaste hinzu.
Bleichgold oder Reichbleichgold. Aber wenn man zuviel nimmt, haften die Pigmente nicht auf dem Papier, die frischen Drucke ziehen auf der Rückseite ab, und wenn die Karte trocken ist, löst sich das Goldpigment. Ein bißchen schwierig.
Zwar steht Offset auf der Dose, die Paste wirkt aber auch im Buchdruck.
Die Farbe dann ins Farbwerk der Druckmaschine zu nehmen, ist immer wieder ein erfreulicher Anblick. Gold ist wirklich faszinierend.
Allerdings ist das Waschen des Farbwerks, also mit Waschbenzin und Lappen, weniger erfreulich, denn die Pigmente sind zäh.
Die Druckform aus den Ornamenten wurde für eine Karte mit einer Zeichnung von Barbara Wrede gebaut.
Und das Foto der fertigen Karte reiche ich natürlich bald nach. Die Drucke müssen erst einmal trocken werden.
Kommentare [2]
Alleinerziehende Mutter
Der Berliner Künstlerin Barbara Wrede habe ich ein paar Zeichnungen aus dem Kreuz geleiert, um sie nicht unbedingt in schwarzweiß für Drucke zu verwenden. Die Zeichnungen wurden gescannt, retuschiert und in Magnesium geätzt, um sie im Buchdruckverfahren drucken zu können. Zum Beispiel diese Nilpferd-Känguruh-Kreuzung. Niedlich, oder? Nach langem Nachdenken erst weiß, dann in Pink auf schokobraunen Karton gedruckt. Schokobraun ist die Farbbezeichnung des Herstellers, und der Karton sieht wirklich appetitlich aus.
Mit weißer Farbe wurde vorgedruckt, damit Pink gut leuchtet. Das Weiß deckt zwar nicht übel, aber auch nicht völlig, und wenn eine bunte Farbe dazukommt, lasiert das Gemisch eben doch. Kann ja reizvoll sein, aber lasieren sollte es diesmal nicht. Die Schrift auf der Rückseite der Klappkarte ist weiß geblieben.
Bleisatz aus Schreibmaschinenschrift und Futura.
Und nach dem pinken Druckgang wurde ein Farbschnitt in Pink angesetzt, zum Schluß die Karte zur Klappkarte gerillt.
Farbschnitt läßt sich nicht so gut fotografieren.
Im Stapel natürlich doch. Nun wird noch ein schönes Foto gemacht, und ab kommender Woche wird die Karte im Shop zu finden sein.
Ausnahmsweise ein anderes Thema
Da der Schriftleiter dieses Blog schon bei Tippfehlern mit dem Protest der Leser rechnen darf, was ihn übrigens vergnügt stimmt, weil es den Güteanspruch unterstreicht, unterbreitet er heute ein anderes Thema: ein wenig Sprachkritik. In der Berliner Zeitung nämlich war abgebildete Anzeige zu sehen. So übles Proletendeutsch verbindet man weder mit einem Konzerthaus wie der Berliner Philharmonie noch mit einer Zeitung, deren Leser nicht erst gerade so die Alphabetisierung durchlitten haben. Die Zeiten haben sich geändert, die Zeitungen mit. Die Berliner Zeitung bemüht sich heute um den Ruf, dümmstes Wurstblatt der Stadt zu werden.
Es gibt in diesem kurzen Text kaum einen vernünftigen Satz, hier hat der Anzeigenfritze die Phrasendreschmaschine angeworfen. Und wer füttert die? Journalisten, die solches Zeug täglich von sich geben. Man schaut sich die Anzeige näher an und findet also “einen Abend voller glühendem Chopinfeuer und musikalischem Schwung” – der Genitiv hat uns mit den Verben verlassen, aber was ist glühendes Feuer?
“Berauschende Soli von höchstem Niveau” – wohin stürzen sie denn, die Soli, von dort oben? Gemeint war sicherlich auf höchstem Niveau.
“gepaart mit unvergleichbarem Rhythmus und Euphorie” — Rhythmus ist naturgemäß immer vergleichbar, vermutlich meinte man ohnegleichen, unvergleichlich. Die Euphorie ist es offenbar nicht.
“hier brennt ein Konzertsaal vor Begeisterung” – man will das nicht hoffen, daß der Saal brennt, auch wenn die Musiker das Publikum entflammen sollten. Die Begeisterung hatten wir schon im Satz zuvor, da hieß sie bloß anders. Euphorie steckt an.
“Pan Marek hat seine musikalischen Gäste eingeladen” – ob musizierende gemeint sind? Daß Musiker musikalisch sind, dürfte eine Voraussetzung für den Beruf sein. Aber selbst das ist nicht sicher. Wenn die Philharmonie Musiker auftreten läßt, die sie mit ihrer Musikalität bewirbt, ist ein ziemliches Gejaule zu erwarten.
“Sie zaubern Chopin im Jazzgewand” – wer hat denn das Jazzgewand an? Die Musiker? Wie das wohl aussieht, das Jazzgewand? Oder soll Chopin in selbiges gezaubert werden? Rätselhaft.
So viel Dummheit in einem so kurzen Text, ich verbrenne glühend vor unvergleichbar zauberhaftem Euphorieschwung.
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