Vermischtes
Zum ersten Mal habe ich eine Visitenkarte angefertigt ganz ohne Druckfarbe: nur Blindprägung und roter Farbschnitt.
Zum Beitrag über Quadraten sandte mir mein Kollege Helmut Bohlmann, Schriftsetzer in Hamburg, Bilder und erläutert:
ein 14p-4Cic.-Quadrat, aber beidseitig hohlgegossen. Ich konnte im Hohlraum sogar die Gießerei erkennen: Spec. Gies. G & E Leipzig.
Das zweite Bild zeigt einen 2Cic.-5K-Steg mit etwas abenteuerlicher Gewichtserleichterung. Auch er hat eine Gießmarke, die aber leider nicht mehr zu erkennen ist.
Und das interessiert vielleicht auch manchen Druckerey-Blog-Leser: Peter Hopkins, Berater und Blogger der Papiermühle Crane & Co., ist stolz auf den Einsatz von Crane-Paper für die neue 100-Dollar-Note. Und er verweist auf ein Video aus der Dollarnotendruckerei.
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Hotel Mama
Gestern kam das Papier für das neue Buch von Max Goldt, dessen Titel lauten wird: Penisg’schichterln aus dem Hotel Mama. Bestellungen können noch nicht entgegengenommen werden. Die Produktion hat ja noch gar nicht begonnen. Erst einmal liegt dieser Papierberg neben dem Heidelberger Tiegel wie das Heu neben dem Elefanten. Im Mai werde ich mit Satz und Druck beginnen.
Sehr dankbar bin ich der Papier-Union, die einen großen, sogar den größten Teil des Papiers beiträgt. Gedruckt wird der Inhalt wie bei den Vorgängern auf Popset perlgrau 90g/m², der angeheftete innere Umschlag auf Popset jadegrün 240g/m² und der Umschlag auf Curious Metallics Antik bloom 300g/m². Alle Papiere wurden von Arjowiggins in Frankreich hergestellt und wurden im Rohbogenformat 70 × 100 cm geliefert.
Nachtrag 20. Juni 2010: Der Titel des Buches wurde geändert. Es wird heißen: Nackt in einem Märchenschloß voll wirklich schlechter Menschen
tags: max goldt, märchenschloß, penisg'schichterln aus dem hotel mamaQuadraten
Manchmal fehlen im Setzkasten Quadraten. Die gehören zum Blindmaterial, das so heißt, weil es nicht mitdruckt. Blindmaterial hält die Lettern im Bleisatz fest. Im Detail muß ich das nicht erklären, denn die Leser mit Expertise wissen es, und für Leser ohne Setzkastenerfahrung ist es kaum interessant.
Wenn nun also Quadraten fehlen, freut sich der Schriftsetzer über einen Vorrat, sofern er einen hat.
Dieses Paket kommt aus der Firma Typoart, der staatseigenen Schriftgießerei der DDR.
Wie alt das wohl sein mag? Sicherlich aus der Zeit vor den 1980er Jahren, denn als ich damals neue Schriftpakete sah, hatten diese anderes, nämlich bedrucktes Einwickelpapier. Ich würde also auf die 1970er oder sogar 60er Jahre tippen. 1979 wurden im Osten alle Postleitzahlen vierstellig, also das Etikett kommt aus der Zeit davor. Möglicherweise liegen diese Quadraten seit vierzig oder fünfzig Jahren so verpackt. Es fühlt sich seltsam an, einen solchen Vorrat auszuwickeln und aufzulösen. Alle Pressen, auf denen ich drucke, wurden vor meiner Geburt gebaut. Die meisten Setzregale, viele Bleischriften.
Beinahe möchte man das Einwickelpapier aufbewahren. Ich trau mich kaum, solche Pakete auszupacken und den Inhalt in Betrieb zu nehmen. Ich gehe selten an solche Vorräte, denn ich würde gern noch Originalverpackungen hinterlassen, die jemand auspackt, der irgendwann nach mir (in hoffentlich ferner Zeit) damit arbeitet.
Die Quadraten sind übrigens an keiner Seite quadratisch. Die auf dem Foto sind an einer Seite vier Cicero (12 Punkt = 1 Cicero = 4,5 mm) breit, an der anderen exakt viereinhalb. Wenn man also im Winkelhaken zu einem Quadrat noch eine halbe Cicero (in der Alltagssprache der Profis auch “sechs Achtel”) hinzufügen möchte, muß man keinen zusätzlichen Ausschluß setzen, man dreht das Quadrat. Vor allem in kleinen Graden unter 4p, für die es keinen Ausschluß gibt, ist diese Lösung elegant. Leider sind nicht alle Quadraten so gemacht.
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