Netzwerk · 21. August 2011
Um gelegentlich schnell ein Bild zu zeigen, benutze ich nun Google+. Facebook habe ich nur eine Stunde lang ausprobiert und es dann mit einiger Mühe fertiggebracht, meinen Account zu löschen. Das ginge bei Google+ zumindest einfacher, und auch sonst fühle ich mich in der Handhabung nicht überfordert. Und verlinkte Personen heißen dort nicht “Freunde”. Hier der Link auf den Nachrichtenstrom, der allerdings langsam fließen wird.
Dieses Bild zeigt die Arbeit an einer Karte mit einem Text von Max Goldt. Weil es mit dem nächsten Buch noch dauert und damit ich als Goldt-Typograf derweil die Übung nicht verliere, drucke ich demnächst ein paar Karten mit kurzen Goldt-Texten.
Aus dem Foto könnte man ein prima Preisrätsel machen, und das will ich hiermit tun. Wer zuerst alle zehn Schriften in der oberen und unteren Reihe oder Zeile beim Namen nennen kann, bekommt eine Sendung von je zwei Exemplaren drei verschiedener noch zu druckender Goldt-Karten. Wer außerdem zuerst die fünf in der Mitte identifiziert, bekommt noch weitere Beigaben aus dem Karten-Repertoire.
— Martin Z. Schröder
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Sei schnafte — be Berlin! · 25. Januar 2011
Diese drei Cicero (36p = 13,536 mm) große Bleisatzschrift Rundfunk ist ohne Geschichte in den Bestand meiner Werkstatt gelangt. Ich weiß nicht, woher sie kommt, wer sie entworfen hat und wo sie gegossen wurde. Für hilfreiche Aufklärung wäre ich dankbar. Daß die Punzen, also die Innenräume der Buchstaben, eckig sind, fällt im Druckbild nicht so stark auf wie direkt an der Bleiletter.
Für Visitenkarten im Bleisatz, für die üblichen Akzidenzen wie Hochzeitsdrucksachen und Briefpapier sind solche modischen Schriften kaum einsetzbar, aber 2012 soll das nächste Buch gedruckt werden, und dafür sorge ich vor. Soweit es noch geht, denn meine Werkstatt ist inzwischen so vollgestopft, daß kaum noch etwas hineinpaßt.
Diese Karte habe ich nur als Schriftmuster gesetzt. Ohne einen Buchstaben mit Unterlänge, fällt mir eben auf. Aber an den Bleilettern sieht man, daß die Unterlänge nur stummelartig sein kann.
Weil ich die Karte kurz vor dem Waschen der Maschine gedruckt wurde, habe ich von einer Seite etwas dunkle Farbe ins Rot einlaufen lassen. Dieses mehrfarbige Druckverfahren (möglich sind je nach Breite der Druckform mehrere ineinanderfließende Farben nebeneinander) nennt man Irisdruck. Im Heidelberger Tiegel ist er allerdings kaum zu machen, weil das Farbwerk die Druckfarbe seitlich verreibt. Also in sehr kurzer Zeit wird aus dem Farbverlauf ein einziger Farbton. Ist aber nicht schlimm, denn Farbverlauf in der Typografie ist meistens scheußlich. Was nun wiederum nicht ganz unpassend zu dieser Schrift wäre: originell, aber deshalb auch häßlich. Originelle Schriften sind meistens häßlich, fürchte ich, denn gute Schriften sind konventionell, weil sie gelesen werden und die Form der Buchstaben gewissermaßen in Stein gemeißelt ist. Originell aus der Konvention auszubrechen, heißt verzerren, wie hier in der Rundfunk, die wirkt, als habe sie zu lange an ihren Hälsen gehangen. Aber man kann häßliche Schriften angemessen und damit gut einsetzen — also eine alberne Schrift für einen albernen Sinn.
Hier sieht man die ch-Ligatur, welche ich aber wieder entfernt habe, weil man das sch nicht in s und ch trennen sollte. In manchen gebrochenen Schriften gibt es sch-Ligaturen (digital ist mir allerdings keine bekannt), aber eine Ligatur aus dem runden s und ch in Antiqua glaube ich nie gesehen zu haben.
“Be Berlin!” oder “Sei Berlin!” ist ein Reklamespruch für meine Heimatstadt, um den vor einiger Zeit gestritten wurde. Ich finde ihn gar nicht so blöd. So als Appell für angemessenes Benehmen eines Berliners vielleicht etwas albern in seiner sprachlichen Wendung, im Grunde aber doch traditionell an die selbstbewußte Haltung eines Bewohners einer Metropole gemahnend. Aber wenn ich eine solche Karte noch mal drucke, sollte ich vielleicht schnafte gegen schnieke auswechseln. Schnieke, dufte und knorke sollte der Berliner sein. Gibt es dazu eigentlich Substantive? Schniekheit? Duftung? Schnaftizismus? Und Steigerungen? Knorkissimo?
— Martin Z. Schröder
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