Ein Briefbogen für James Joyce
Für die Mustermappe der Druckerey wollte ich einen geprägten Briefbogen austauschen und mit einem Druck ergänzen. Bis der Vorrat verbraucht ist, liegt der Mappe nun also dieser Briefbogen bei oder eine graue Variante, die nicht mit Gold, sondern mit roter Farbe bedruckt ist. Briefpapier ist schon ein recht teures Vergnügen, zumal wenn man Kuverts und Karten dazu bedrucken läßt. Schwarz auf Weiß kann größten Luxus vermitteln, hier zeigt sich die Kunst der Typografie für den Kenner.
Wer den Aufwand nicht scheut, kann mit geprägten Motiven und Goldfarbe repräsentieren.
Das kleine blindgeprägte j ist aus der Schrift Akko von Akira Kobayashi, das so schön geschwungene versale J entstammt einer der Versal-Varianten der Schreibschrift Adana von Andreas Seidel.
Gold und Blindprägung sind schon für sich nicht leicht in ein Foto zu fangen, aber nun beides abzubilden, will mir nicht ganz gelingen. Seinen Reiz empfängt der Bogen aus dem Wechselspiel von Schatten und Reflexion, Blindprägung und Metallfarbglanz.
Das Glück im Augenblick finden
Zierlich und zerbrechlich sind die Lettern der kursiven Walbaum im Schriftgrad “Borgis”. Auch wenn der Typograf keine Schrift so sehr lieben sollte, daß er sie zu ungeeigneten Aufgaben heranzieht, so darf er doch heimlich Vorlieben pflegen. Meine liebste Type ist diese Schrift in dieser Größe. Sie ist für diesen Text und das unschöne Wort am Ende vielleicht etwas zu zart, aber sie ist für Glück im Augenblick, für eine so flüchtige Empfindung doch die richtige Schrift.
Dies ist die grüne Druckform im Schließrahmen, und damit mein geneigter Leser meine Neigung zu dieser Type in Augenschein nehmen kann, habe ich sie …
… von allen Seiten fotografiert. Dieser Anblick muß einem Schriftsetzer traulichste Gefühle eingeben. Für uns gibt es in der Druckerei kaum schönere Ansichten als eine Kolumne aus einzelnen Lettern, die wir selbst gesetzt haben und deren einzelne Teile wir so gut kennen.
So eine Kolumne hat ein natürliches Antlitz. Man sieht so viele unterschiedliche Teile, die alle ganz eigen zu sein scheinen, und doch bilden sie alle zusammen in Zeilen und durch die typografische Ordnung ein Muster und eine Figur. Wie die Äste und Zweige und Blätter eines Baumes.
Diese Zeile wurd mit roter Farbe eingedruckt.
Das kleine Impressum auf der Rückseite habe ich aus der Futura in Nonpareille (das sind 6 Punkt) gesetzt.
Und es wurde im grünen Druckgang mitgedruckt.
Weil mir die Außenform des Textes nicht gefiel, habe ich mehrmals den Satz korrigiert und schließlich kleine Schmucklinien hinzugezogen. Sie entstammen übrigens dem Fundus der berühmten Eremitenpresse, die vor einiger Zeit aufgelöst worden war.
Hier nun endlich der gedruckte Satz mit beiden Farben.
Die Klappkarte ist im Online-Shop der Druckerey erhältlich. Gedruckt wurde auf ein mattes gelbliches Naturpapier aus Schottland. Freilich wird die Klappkarte mit einem Kuvert ausgeliefert. Weil ich das nicht in gefüttertem Zustand aus Schottland bekomme, sondern deutsche und belgische Kuverts einkaufe, ist es etwas heller als die Karte.
Ablassen von der Augenhöhe
Derzeit ist viel zu tun, Weihnachtskarten werden angefertigt, Geschenke auch, zum Mitteilen von Nachrichten bleibt wenig Zeit. Hier sind neue:
Vierfarbig sollte diese Karte werden, denn einen schönen montaignehaften Text von Max Goldt aus seinem “Buch namens Zimbo“wollte ich mit bunten Holzstichen bebildern (bunte Farben, ähnlich gemacht in Reinheit und Helligkeit). Wie sich Gans und Hund durch den Text hindurch auf Augenhöhe anvisieren — ich mußte beim Drucken immerzu lachen, wenn ich mal absehen konnte von den Dingen, auf die der Drucker zu achten hat.
Die kleinen Druckstöcke sind nicht ganz gerade, im Laufe ihres Daseins schon etwas verzogen, manche haben gar keine Schrifthöhe, sie stammen noch aus den Zeiten, als sich die Drucker noch nicht an Normen hielten und eigene Schrifthöhen führten. Das Bienchen mußte um dreieinhalb Punkt erhöht werden, dazu war es schief. Außerdem sind die Dinger recht klein. Der Hund ist nur 21,5 mm breit. Um die Schiefheiten auszutreiben, klebt man winzige Seidenpapierfusseln an die Seiten und unter den Stock, und nach jedem Kleben muß die Druckform wieder geschlossen und ein neuer Abzug gemacht werden.
Und man muß sie ganz vorsichtig drucken, die kleinen hölzernen Werke, also ohne den kräftigen Preßdruck, der heute so oft verlangt wird, aber eben von Blei und Holz nicht ohne Schaden zu machen ist, sondern nur von geätzten oder gravierten Klischees.
Hier ist die ganze Karte zu sehen.
Und zur Lektüre hier der Text von Max Goldt. Gesetzt aus der mageren Futura in Petit (8 Punkt).
Und das sind also die Bilder, zuerst das Bienchen, oder ist es eine Drohne?
Diesen gefiederten Freund würde ich für eine Gans halten.
Und das muß doch wohl ein Hund sein. Die Karte muß noch gerillt werden, weil es eine Klappkarte ist, und dann wird sie auf der Seite LetterpressBerlin.com erhältlich sein.
