Berliner Visitenkarten | Nr. 3 · 26. Mai 2009

Eine Visitenkarte für einen Berliner Journalisten, der mit einem “Bilderbuch für Verliebte” Bekanntheit erlangte. Da kann man doch mal einen Goldschnitt ansetzen. Aber Goldschnitt an weißes Papier? Das wäre für einen jungen Mann arg überfeinert, es muß ein Gegengewicht her. Ein bräunlicher Karton mit ein wenig Filznarbung auf der Oberfläche und ein paar feinen, aber lebendigen Fasereinschlüssen. Das Gold am Schnitt ergänzt nur den Ton der Fläche. Und dazu die grobe Schreibmaschinenschrift, denn Journalisten hackten ja zu Tucholskys Zeiten auf solchen rum.

Schreibmaschinenschriften wurden übrigens für Formulare und Reklame gemacht, für gedruckte Zettel, die wie maschinengeschriebene Mitteilungen aussehen sollten. So wie heute Unterschriften mit blauer Farbe gedruckt werden, um dem Reklame-Empfänger vorzumachen, sein Werbewisch sei von jemandem persönlich unterschrieben worden.

Und ein wenig Coolness in den Entwurf: dunkelblauer Druck und — Tucholsky ist ein 90er Jahrgang — die Ziffern der Schrift Saphir zur Bildung einer Schmuckmarke. Die digitale Saphir von Hermann Zapf, die 1953 erstmals in Blei gegossen ward, sieht anders aus. Entweder wurde sie für die Digitalisierung umgearbeitet, oder es gibt mehrere Saphir-Versionen oder meine Bleilettern sind nicht die Saphir. Herrje. Oder, noch eine Möglichkeit, die Digitalisierung ist nach den kleinen Graden gemacht worden, denn in Band 1 der Schriften-Sammlung “Erinnerungen an den Bleisatz” von Kandler ist dieselbe Type zu sehen mit der Angabe der Schriftgröße 20p. Und ich habe hier eine Dreicicero (36p) eingesetzt. Die hat freilich mehr Fläche fürs Ornament. Ich werde mal in meine diversen Zapf-Bücher schauen.

Der Goldschnitt ist dezent, aber wenn man ihn einmal entdeckt hat, weidet sich das Auge an dem schmalen Glitzern. Das Format der Karte liegt mit 50 × 81 mm auch noch im Goldenen Schnitt. Ja, es ginge noch goldener. Mit Handvergoldung oder Golddruck auf der Karte. Nein, ein solches Modell ist nicht vorgesehen. Einstweilen nicht.

— Martin Z. Schröder

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Danke! Bitte! Pardon! Autsch! · 5. Mai 2009

Diese Danksagung wurde aus der Lichten Futura gesetzt und mit Meister-Ornamenten geschmückt. Die Meister-Ornamente kamen aus der Schriftgießerei Typoart in Dresden, Herbert Thannhaeuser hat sie entworfen. Das Format der Karte: 105 × 148 mm, also DIN A6.

Drei gebrochene Farben sind zum Einsatz gekommen. Drei Farben, wie man sie auf mittelalterlichen Buchmalereien sehen kann. Gedruckt auf belgischen Karton aus Hadern, also aus Baumwolle.

Und lieferbar ist die Karte mit einem Kuvert, das in drei Ausführungen angeboten wird, gefüttert nämlich mit Seidenpapier in Bordeaux, Dark Green und Navy Blue. Um nicht zu sagen Weinrot, Dunkelgrün, Dunkelblau rötlich.

Die Karten sind mit einem vierseitigen Goldschnitt ausgestattet.

Die Handvergoldung wurde zusätzlich gewachst. Es handelt sich um Goldfarbe, nicht um Blattgold. Übrigens finden Sie diese Karte auch in meiner Lieblings-Papeterie RSVP und in deren Online-Shop.

Das Gegenstück zur Danksagung wäre eine Bittkarte.

Auch diese ist aus der Lichten Futura gesetzt.

Aus der kursiven Typoart-Garamond von Herbert Thannhaeuser gesetzt wurde diese Pardon-Karte.

Mit ihr läßt sich schmuckvoll um Verzeihung bitten oder Pardon gewähren, je nachdem.

Wenn die Boni für die Begünstigten einmal etwas kleiner ausfallen sollten, läßt sich das durch Beifügung einer solchen Karte recht gut kaschieren.

Denn von der tollkühnen Mischung aus Meister-Ornament und der Schrift Bigband wird jedermann beeindruckt sein.

Man hört immer wieder von Begebenheiten derart, daß Leute sich mit Zeichen ihnen so fremder Sprachen schmücken, daß sie sich damit lächerlich machen, weil sie sie nicht verstehen. Wer diese Karte versendet, liefert den Hohn gleich mit. Die gebrochenen Schriften sind so aus der Mode gekommen, daß sie schon in gewöhnlichem Satz nicht mehr von vielen jener gelesen werden können, deren Großeltern sie noch auf die Grabsteine ihrer Vorfahren meißeln ließen. Aber im schon seit je ungebräuchlichen Versalsatz wird es selbst für eingefleischte Leser der Fraktur schwierig. Doch würde die Zentenar-Fraktur von Ernst Schneidler nicht wirklich Majestäten zieren? Nicht wenige Meister der Typografie haben sie die schönste aller Frakturen überhaupt genannt. Sie entstand 1937 zum 100sten Jubiläum der Bauerschen Gießerei und dürfte ihrer Zierlichkeit und ihrer Beschwingtheit wegen vor den zeitgenössischen nationalen Helden kaum Bestand gehabt haben. Es ist keine heldische Type, und was in ihr Nation zeigt, das weist weiter zurück.

Adieu kann man bei vielen Gelegenheiten sagen: wenn man verreist, wenn man bleibt und nachwinkt, wenn man gänzlich scheidet. Die verwendete Schrift ist die Lichte Largo. Zu welchem Anlaß diese Karte paßt, möge der Kartenbenutzer klug entscheiden — für eine Kondolenz wird sie in den meisten (vielleicht nicht allen) Fällen zu farbenfroh klingen.

Das kann man auch von dieser Karte sagen und vor falschem Einsatz muß ich warnen. Aber wenn eine Kleinigkeit entzweigegangen ist oder man sein Bedauern mitteilen möchte oder eine Zerknirschtheit, dann mag diese Karte die der Wahl sein. Vielleicht, um sie nach einem Blechschaden nach dem Ausparken dem Opferauto hinter die Scheibenwischer zu klemmen? Schrift: Forum (Georg Trump, 1948, Gießerei C.E. Weber).

Ja, jede Farbe wurde gesondert gedruckt, hier sind die Druckformen zu sehen. Die ich einstweilen erhalte, um bei Bedarf leichter nachdrucken zu können. Die meisten dieser Karten sind fürs erste in Kleinstauflage gedruckt.

Lieferung und Preis: 3,50 Euro brutto (also inkl. 19% MWSt.) per Stück inklusive farbig gefüttertes Kuvert, 3,20 Euro ohne Kuvert. Keine Mindestabnahme. Verpackung und Versand: 4,00 Euro.

— Martin Z. Schröder

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Goldschnittig · 23. März 2009

Getrieben von einem Kundenwunsch habe ich mit dem Farbschnitt experimentiert und mich dafür erst einmal mit dem Goldschnitt befaßt. Goldfarbe ist in diesem Falle leichter zu verarbeiten. Ich arbeite ja nicht wie die Buchbinder vergangner Zeiten mit Blattgold, aber diese Farbe glänzt auch ganz hübsch. Nun gibt es also die Danksagungen mit Goldschnitt, d.h. einen Teil habe ich ohne gelassen. Bei der einzelnen Karte ist das übrigens viel dezenter als wenn man mehrere so fotografiert. Angebot folgt.

— Martin Z. Schröder

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