Hochzeitsdrucksachen
Zu den klassischen Akzidenzen gehören neben Visitenkarten und Korrespondenzdrucksachen (zu sehen im Druckerey-Schaufenster) auch alle Arten von Familienanzeigen. Über Geburtsanzeigen im Bleisatz hatte ich schon berichtet, sehr interessante Arbeiten sind auch alle Drucksachen rund um die Hochzeit. Neben Einladungen auch Programme, Wegbeschreibungen, Menükarten, Tischkarten und Danksagungen.
Interessant ist diese Arbeit wegen der vielen Ideen, die meine Kunden mitbringen oder auf die sie kommen beim Anschauen der Arbeiten in der Werkstatt. Es gibt so viele Möglichkeiten: Eine einfache Karte auf Echt Bütten oder aus glattem Karton mit gefärbter Schnittkante (Farbschnitt) oder eine Leporello-Karte, der mehrfarbig gedruckte Altarfalz oder eine dadaistische Konstruktion in einer einfachen Klappkarte, mehrsprachigen Einladungen, eine durch Perforation abtrennbare Antwortkarte, die Einladung grob geprägt auf Graupappe — die Ideen meiner Kunden umzusetzen stellt mich manchmal vor knifflige technische Aufgaben. Mitunter arbeite ich mit Buchbindern zusammen oder auch mit einer Digitaldruckerei (mein Kollege Ralph Hadem führt einen lesenswerten Blog). Buchdruck und Digitaldruck? Derzeit arbeite ich an einem Kirchenprogramm für eine große Hochzeit, das aus sechs Seiten besteht, zweifarbig bedruckt mit Noten, Text und Ornamenten vom Klischee und vom Bleisatz, auf dessen Titel eine Gemäldereproduktion geklebt wird, die im Digitaldruck entstand.
Ich habe nun auf der Internetseite der Druckerey eine eigene Abteilung für die Hochzeit eingerichtet. Vieles ist zu bedenken, wenn das Hochzeitsfest vorbereitet wird. Deshalb habe ich dort (und nun auch hier:) ein Hinweisblatt (PDF) für die Planung der Hochzeitsdrucksachen veröffentlicht, das ein wenig helfen soll, den Überblick zu behalten.
tags: familienanzeigen, familiendrucksachen, hochzeitseinladungenSchmucke Einladungskarten
Auf eine gelegentliche Frage nach einem schönen und schlichten Einladungsvordruck konnte ich bislang nur leere Hände zeigen. Nun habe ich Karten gedruckt, die sich sowohl für ein gepflegtes Rendezvous hinter der Scheune als auch für einen Tarock-Abend eignen, geschweige von Einladungen zu Abendessen oder kleinen Festen.
Dieser freundliche, Beeren pflückende Naschvogel stammt ebenso wie …
… dieser gespreizte Genosse, dessen Name mir gerade nicht von der Zunge springen will, …
… aus dem Bestand von Matrizen der Bauerschen Gießerei, die im Leipziger Museum für Druckkunst neu gegossen wurden.
Bei der Schrift handelt es sich um die Erler-Versalien, welche ich hier schon einmal vorgestellt habe.
Die Druckfarben: Schwarz für die Schrift, bläuliches Rot für den Schmuck. Und der umlaufende Farbschnitt zeigt kräftiges Orange. Papier: Crown Mill Pure Cotton von Pelletier (Belgien), dazu gibt es aus dem dazu passenden Papier von Pelletier ein dunkelgrün oder bordeaux gefüttertes Kuvert. Format: 105 × 148 mm (DIN A6). Das Papier läßt sich gut mit Tinte aus der Feder beschreiben, es ist, wie der Name sagt, aus reiner Baumwolle und handschmeichelnd weich.
Lieferung und Preis: 2,80 Euro brutto (also inkl. 19% MWSt.) per Stück inklusive farbig gefüttertes Kuvert (bei der Bestellung bitte angeben: dunkelgrün oder bordeaux), 2,40 Euro ohne Kuvert. Keine Mindestabnahmemenge. Verpackung und Versand: 4,00 Euro.
tags: einladungen, erler-versalien, ornament, schmuckHeitere Ehrerbietung (vergriffen)
Gelegentlich sucht man nach einer Karte, um etwas festlicher einzuladen: Zum Schmausen oder weil im ehemaligen Rauchzimmer der China-Schrank mit den Spirituosen fast birst und leergetrunken werden MUß. (Dieses ß ist eine typolitische Demonstration, deren Transparente hier zu lesen sind.)
Oder man sucht nach einer Karte, um sich für eine Einladung zu bedanken, weil es so ein ausnehmend freundlicher Abend war. Oder man hat die Kur in Bad Wörishofen oder anderswo mit ganz reizenden Menschen verbracht und möchte ihnen dafür noch postalisch ein Kompliment übermitteln.
Was liegt näher, als Goethe zu befragen, der für all diese
Anlässe freundlicherweise einen so reizenden Satz in seine “Wahlverwandtschaften” geschrieben hat, daß ich nicht widerstehen konnte, daraus eine Karte zu fabrizieren: Eine Klappkarte in Echt Bütten im Diplomatenformat, also etwas größer als die gewöhnliche Postkarte, bedruckt mit einem floralen Ornament und dem Dichter-Zitat aus der kursiven Walbaum, womit ich die neulich bereits annoncierte Schriftprobe gebe.
Eine “Lieblingsschrift” habe ich nicht. Aber jede Schrift löst andere Empfindungen aus, rührt an eine eigene Saite. Die kursive Walbaum ist eine überaus zierhafte, eigenwillige, elegante, manchmal leicht verschrobene, energische, stolze Type des Klassizismus. Der Pfarrerssohn und gelernte Konditor und spätere Notenstecher Justus Erich Walbaum, der von 1768 bis 1837 auf Erden wandelte, schuf sie, nachdem er
1796 in Goslar eine Schriftgießerei gegründet hatte. Mit dieser zog er 1803 nach Weimar. 1836 erwarb die Schriftgießerei Brockhaus die Originalmatritzen, welche 1918 in den Besitz der H. Berthold AG übergingen. Sie ist bis heute international verbreitet. In Berlin ist sie einem größeren Publikum durch ihren Einsatz in der Berliner Zeitung bekannt. Allerdings sind die digitalen Züge vom Original noch entfernt, so schön wie hier ist sie also auf Drucksachen der Gegenwart selten zu besichtigen.
Ich habe nur eine kleine Auflage gedruckt, 200 Stück, eine Nachauflage wird es nicht geben. Die Farben sind von Hand gemischt: ein dunkles Braun zu einem rötlich angehauchten dunklen Blau. Das Farbverhältnis habe ich aus der Farbenlehre von Paul Renner geklaut, die ich hier im Blog am 16ten Oktober erwähnte (auch im Stichwortverzeichnis am Fuß der Seite unter farbenlehre zu finden).
Auflage: 200 Stück AUSVERKAUFT
Preis pro Karte: 2,45 Euro inkl. Kuvert Echt Bütten mit grauem Seidenfutter und inklusive gesetzl. MWSt., zuzügl. Versand
Bestellung: per Brief oder E-Mail an eine der unter Kontakt angegebenen Adressen.
tags: ß, berliner zeitung, brockhaus, danksagung, diplomatenformat, echt bütten, einladung, goethe, h. berthold ag, paul renner, walbaum