Dreifarbig danken · 22. März 2009

Nun ist auch die dritte Farbe gedruckt.

Zuerst schaut man sich die Farben paarweise an.

Stehen die Farben gut nebeneinander oder beißt sich da was?

Im letzten Druckgang zeigt sich, sofern man dem rechten Plan gefolgt ist, der farbige Akkord als Augenschmeichler.

So eine Karte sollte mit einer weiteren Farbe beschriftet werden, entweder schwarz oder grau oder auch braun. Das Angebot zum Ewerb der Dankeskarten (mit farbig gefütterten Kuverts!) folgt.

— Martin Z. Schröder

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Dankesdruckfortsetzung: rot · 19. März 2009

Dem ersten folgt der zweite Druckgang, zum rötlichen Blau ein kaltes Rot.

Mehr ist dazu kaum zu sagen. Bei nächster Gelegenheit folgt die grüne Farbe.

— Martin Z. Schröder

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Danken in der lichten Futura · 18. März 2009

Neulich erwog ich noch, hinter die Druckform, die ich im Dezember 2007 setzte und die seither auf den Einsatz wartet, einen hellgrünen Untergrund zu drucken. Aber dann sprach mehr dafür, eine Karte zu drucken, die man noch beschriften kann. Ich glaube, daß man so eine Karte lieber verwendet als eine Dank-Karte im Visitenkartenformat.

In welchen Farben? Ich skizziere erst mit dem Buntstift. Die Farben müssen nicht stimmen, es geht mir in der Buntstiftskizze um die Helligkeit und den Kontrast, die Druckfarben stehen mir vorm geistigen Auge. Das Blau muß ein rötliches sein, dazu paßt ein kaltes Rot, dazwischen kann ein sanftes gelbliches Grün stehen. Die Farben sollen nicht gedeckt sein, kein Weiß, Grau, Schwarz zugesetzt bekommen, sondern bunt leuchten.

Wenn feststeht, welche Farben mit welchen Teilen des Satzes gedruckt werden, kann man die Farben im Satz trennen und drei einzelne Druckformen bauen. Damit der Spaß paßgenau wird, genügt es, den schwarzen Andruck aufzubewahren und den Andruck der einzelnen Farben im Gegenlicht zu prüfen, ob sie genau am richtigen Platz stehen. Denn man druckt sie ja nacheinander und kann nach dem zweiten Druckgang nicht beurteilen, ob der dritte noch genau paßt oder der zweite Gang verrutscht ist.

Ich habe der Karte zwei Füßchen gegeben. Zierfüße. Die Ornamente sind übrigens von Herbert Thannhaeuser für die Schriftgießerei Typoart gemacht worden.

— Martin Z. Schröder

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Zwei gebrochene Schriften · 5. April 2008

Auf diesem neuen Druckbogen des Atlas van de nieuwe Nederlandse vleermuizen von Max Goldt, der die Seiten 5 und 26 trägt und den ich am Freitag gedruckt habe, sind zwei gebrochene Schriften zu sehen, die ihre Bezeichnung den eckig statt rund wechselnden Schreibzügen verdanken. Links die Sinkwitz-Gotisch in 2 Cicero (24 Punkt), rechts die Unger-Fraktur in Korpus (10p) zusammen mit vier Graden der lichten Futura und vier Buchstaben Walbaum-Antiqua in Borgis (9p).

Die linke Seite des Druckbogens zeigt die Seite 26 des Büchleins, wo sich nur ein Teil des gesamten Textes findet, der später auf Seite 27 fortgesetzt wird. Die Sinkwitz-Gotisch wurde 1942 von der Schriftguß AG Dresden erstmals gegossen und später von der DDR-Firma VEB Typoart geliefert. Paul Sinkwitz (1899–1981) hat sie geschaffen. Diese Schrift zeigt nicht die Merkmale der brachial “versachlichten”, charakterlosen, schwunglosen, klobigen Gotischen, die das gebrauchsgrafische Bild des Nationalsozialismus geprägt haben und von den Schriftsetzern “Schaftstiefelgrotesk” genannt wurden, weil sie bildlich nichts anderes vermochten als zu stampfen. Sinkwitz, Dresdner Maler, Grafiker, Holzschneider, war stärker an religiösen Themen als an Propaganda interessiert. Aber auch seine Interpretation einer gotischen Schrift zeigt moderne Züge, ohne daß die Schrift dadurch häßlich werden mußte. So wie Sinkwitz oder Zeitgenossen wie Georg Trump mit der Trump-Deutsch (1936/37), E.R. Weiß mit der Weiß-Gotisch oder Rudolf Koch 1931 mit der Peter-Jessen-Schrift oder Ernst Schneidler mit der Ganz groben Gotisch (1930) und zvor Heinrich Wieynck mit der Wieynck-Gotisch (1926) konnte man es eben auch machen, wenn man eine Gotische neu und zeitgemäß formen wollte.

Wenn die Sinkwitz-Gotisch allein in einer kurzen Zeile steht, verströmt sie wenig Reiz. In der Kolumne aus mehreren Zeilen entsteht ein dunkles holzschnittartiges Bild, dessen Starrheit durch kalligraphische Zierden fließender wird, beispielsweise in der Minuskel a. Einige sonst in gebrochenen Schriften üblichen Ligaturen fehlen, beispielsweise ff, sind aber auch nicht nötig wegen der schmalen Formen.

Auf der rechten Seite wollte ich meinem Spieltrieb keine Zügel anlegen. Das Bild illustriert den Text. Der Bus stammt aus einer Sendung meines Lieferanten, die erst vor wenigen Tagen eingetroffen ist. Dieses Zeichen wurde früher für den Satz von Fahrplänen verwendet. Die Kreise und Linien sind Lettern aus der Lichten Futura, und den Windzug darüber habe ich aus einem bleiernen Federzug eingefügt. Auf den beiden Fotos von Druck und Druckstock sind die Beschädigungen zu sehen, die der Bleiguß erlitten hat (bevor er in meinen Besitz gelangt war). Ich habe dieselbe Form zwar noch als unbeschädigten Druckstock, aber satztechnische Patina hat auch ihren Reiz. Kreise und die baumstammbildende Linie sind also Typen aus der Schrift. Schrift besteht aus Formen, die in anderen Zusammenhängen keine Buchstaben mehr sind. Eine Schrift ohne Serifen und mit gleichbleibender Strichstärke verliert, aus dem Zusammenhang genommen, schnell die Merkmale einer Schrift. (Gelesen wird sie als Bild übrigens dennoch.) Der holprige Waldboden, über den der Bus fährt, besteht aus Teilen einer Schmucklinie, aus der gewöhnlich Rahmen gebaut werden. Daß die Linienstücken so schlecht ausdrucken, ist ihrem Alter geschuldet. Ich habe absichtlich darauf verzichtet, das Druckbild durch Zurichten zu verbessern, also beispielsweise Seidenpapier unter den Fuß der Lettern zu heften, weil mir die Unregelmäßigkeit passend erschien. Das Bild hätte man noch ausbauen können. Punkte und Kommas beispielsweise hätten hinter dem Bus zu einem Wölkchen angeordnet werden können. Die Phantasie stößt nur an technische Grenzen …

Auf der Seite kommen drei Schriften zusammen. Die Blickfänge sind aus der lichten Futura gesetzt, die einen größtmöglichen Kontrast zur Unger-Fraktur bildet. In der Abkürzung ÖPNV, auf dem Foto zu sehen, ging es nicht zum Kontrastbildung, sondern um Lesbarkeit. Selbst wer Fraktur flüssig liest, wird bei reinem Versalsatz in Stolpern geraten. Deshalb ist die Abkürzung aus einer Antiqua gesetzt. Mit der klassizistischen Unger-Fraktur harmoniert die klassizistische Walbaum-Antiqua.

Das letzte Bild zeigt den in Blei gegossenen Blumenschmuck, den ich zur Sinkwitz-Gotisch gestellt habe. Woher weiß man, welches Ornament zu welcher Schrift paßt? Für alle Elemente, ob Schrift oder Zierstück, gilt immer: entweder im Duktus bleiben oder deutliche Kontraste setzen. Blumenschmuck in der gotischen Kirche ist ein deutlicher und schöner Gegensatz.

— Martin Z. Schröder

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