Taschentelefon · 22. März 2010
Eine neue Kollektion für die gehobene Akzidenz-Abteilung eines Internet-Portals für Drucksachen entsteht. Die Kollektion wird auch ins Hausmusterangebot eingehen.
Satz aus Garamond (Typoart), der Name kursiv, die Adresse aus gewöhnlichem Schnitt.
Endlich konnte ich mal den Begriff Taschentelefon verwenden, den ein Freund des Hauses mir schenkte. Die Telefonnummern bestehen aus den Lebensdaten der Komponistin Fanny Hensel. Taschenfernsprecher hätte man vielleicht um 1830 zum Mobiltelefon gesagt, aber soviel Echtheit war mir zu lang. Gedruckt wurde in einem kräftigen rötlichen Blau auf Echt Bütten “Alt Cleve” von Zerkall.
— Martin Z. Schröder
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Maulbeerbaumbütten · 24. Mai 2009
Ein Kunde zeigte mir eines Tages Visitenkarten, die er in Japan besorgt hatte und fragte, ob ich so etwas anbieten könne. Echtes Bütten aus Maulbeerbaumrinde.
In Japan wird Papier gemacht, wie man es sonst wohl nirgends findet. Ich habe vor vielen Jahren eine Visitenkarte bekommen von meinem damaligen Chef, Buchdruckmeister Rapputan, die ihm ein japanischer Besucher überreicht hatte. Sie war hochglatt und dabei von einem durchscheinenden Weiß wie ein feines Porzellan, und sie hatte einen echten Büttenrand. Wo bekommt man so etwas her? Mein Kunde nun wollte aber keine hochweiße Karte, sondern eine zartgrüne aus Maulbeerbaum-Bütten, und zum Glück wußte er noch, wo er die Karten gekauft hatte.
Ich schickte erst eine E-Mail nach Japan, dann das für das Papier erwünschte Geld, einige Wochen später kamen die Karten, und wenn ich mich recht entsinne, wollte auch der Zoll noch etwas Geld von mir haben. Ich habe noch nie zuvor so teure Visitenkarten gehabt. Ein solches Kärtchen kostet nun fast einen halben Euro. Sie sind fein verpackt, 100 Stück in einer schmalen Schachtel, deren Deckel selbst mit einem Büttenpapier bezogen ist.
Und so sieht der Stapel mit Visitenkarten aus Echt Bütten aus Japan aus der Nähe aus. Büttenpapier hat keine Laufrichtung, wie man es nennt, wenn sich die Fasern während des Durchlaufs durch die Papiermaschine in eine Richtung legen. Parallel zur Laufrichtung ist das Papier biegsamer als quer zur Laufrichtung. Man muß das bei Büchern beachten, damit sich nach dem Binden durch die Ausdehnungen des Papiers keine Wellen darin bilden. Aber auch bei Karten hat man die Wahl zwischen Biegsamkeit und höherer Steifigkeit.
Jede Karte ist einzeln in einem Sieb gewesen.
Und schaut man hindurch, so erkennt man, wie wolkig das Papier ist. Die Karten sind auch nicht alle gleich dick. Bei Büttenpapier, wie man es hierzulande macht, wäre das eine Katastrophe für den Drucker. Aber Maulbeerbaumbütten ist so weich, daß es die Bleibuchstaben kaum beansprucht.
Dieser Tage habe ich mit dunkelgrüner Anglaise (Englische Schreibschrift) auf diese zartgrünen Karten gedruckt.
Beim Einrichten der Maschine geht immer mal eine Karte verloren. Ich habe sie zerreißen wollen, um mir die inneren Fasern unter der Lupe anzuschauen. Aber diese Karten sind enorm stabil, sie lassen sich an manchen Stellen nur mit erheblicher Kraftanstrengung reißen.
Nimmt man ein paar Fasern heraus, sieht man, warum die Karte so widerstandsfähig ist: sie wirkt wie gefilzt.
— Martin Z. Schröder
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Heitere Ehrerbietung (vergriffen) · 23. November 2007
Gelegentlich sucht man nach einer Karte, um etwas festlicher einzuladen: Zum Schmausen oder weil im ehemaligen Rauchzimmer der China-Schrank mit den Spirituosen fast birst und leergetrunken werden MUß. (Dieses ß ist eine typolitische Demonstration, deren Transparente hier zu lesen sind.)
Oder man sucht nach einer Karte, um sich für eine Einladung zu bedanken, weil es so ein ausnehmend freundlicher Abend war. Oder man hat die Kur in Bad Wörishofen oder anderswo mit ganz reizenden Menschen verbracht und möchte ihnen dafür noch postalisch ein Kompliment übermitteln.
Was liegt näher, als Goethe zu befragen, der für all diese
Anlässe freundlicherweise einen so reizenden Satz in seine “Wahlverwandtschaften” geschrieben hat, daß ich nicht widerstehen konnte, daraus eine Karte zu fabrizieren: Eine Klappkarte in Echt Bütten im Diplomatenformat, also etwas größer als die gewöhnliche Postkarte, bedruckt mit einem floralen Ornament und dem Dichter-Zitat aus der kursiven Walbaum, womit ich die neulich bereits annoncierte Schriftprobe gebe.
Eine “Lieblingsschrift” habe ich nicht. Aber jede Schrift löst andere Empfindungen aus, rührt an eine eigene Saite. Die kursive Walbaum ist eine überaus zierhafte, eigenwillige, elegante, manchmal leicht verschrobene, energische, stolze Type des Klassizismus. Der Pfarrerssohn und gelernte Konditor und spätere Notenstecher Justus Erich Walbaum, der von 1768 bis 1837 auf Erden wandelte, schuf sie, nachdem er
1796 in Goslar eine Schriftgießerei gegründet hatte. Mit dieser zog er 1803 nach Weimar. 1836 erwarb die Schriftgießerei Brockhaus die Originalmatritzen, welche 1918 in den Besitz der H. Berthold AG übergingen. Sie ist bis heute international verbreitet. In Berlin ist sie einem größeren Publikum durch ihren Einsatz in der Berliner Zeitung bekannt. Allerdings sind die digitalen Züge vom Original noch entfernt, so schön wie hier ist sie also auf Drucksachen der Gegenwart selten zu besichtigen.
Ich habe nur eine kleine Auflage gedruckt, 200 Stück, eine Nachauflage wird es nicht geben. Die Farben sind von Hand gemischt: ein dunkles Braun zu einem rötlich angehauchten dunklen Blau. Das Farbverhältnis habe ich aus der Farbenlehre von Paul Renner geklaut, die ich hier im Blog am 16ten Oktober erwähnte (auch im Stichwortverzeichnis am Fuß der Seite unter farbenlehre zu finden).
Auflage: 200 Stück AUSVERKAUFT
Preis pro Karte: 2,45 Euro inkl. Kuvert Echt Bütten mit grauem Seidenfutter und inklusive gesetzl. MWSt., zuzügl. Versand
Bestellung: per Brief oder E-Mail an eine der unter Kontakt angegebenen Adressen.
— Martin Z. Schröder
