Pinke Paste für die Fledermäuse von Max Goldt · 16. Juni 2008

Den Umschlag drucke ich auf dieses raffinierte Material von Schneidersöhne namens Majestic in Gardeners green. Die erste Farbe: rosa. Weil dieser Karton so dunkel ist, wenn er nicht gerade glänzt, braucht die Farbe viel Pigment. Meine Farben sind nicht sehr pigmentreich. Also habe ich aus roter Farbe, viel Deckweiß und viel Bologneser Kreide mit etwas Drucköl eine Druckfarbe geknetet. Mit dem Spachtel. Die rosa Paste hat mich an das gummiartige Zeug erinnert, das einem bei Kieferorthopäden und Zahnärzten in stahlblechernen Abdruckformen bis zum Hals ins Kauorgan gerammt wird, um eine Matritze für ein Gipsmodell abzuformen. Auf dem folgenden Bild sind zwei Zeilen zu sehen, wie sie enger nicht aufeinander stehen können. Der Entwurf für den Umschlag hat mich viel Überlegung und Zeit gekostet, denn der Titel “Atlas van de nieuwe Nederlandse vleermuizen” ist in seinem Zeilenfall alles andere als geschmeidig. Erst vier kurze Wörter, dann zwei lange, das letzte das längste. Einen schönen Zeilenfall auf Mittelachse zu bringen, war schon für den Haupttitel eine harte Nuß. Wir wollen also abwarten, wo nun das Wort nieuwe plaziert werden wird.

Auf dem Foto mit dem Bleisatz (Schrift: Kristall halbfett) kann man auch noch sehen, daß die Buchstaben ausgeglichen wurden. Bei kleinen Schriften ist die Laufweite durch die Schriftgießerei nach den Vorgaben des Schriftentwerfers und Schriftschneiders zugerichtet, also die Laufweite ist festgelegt und soll nicht verändert werden. Bei großen Schriftgraden müssen auch die Minuskeln ausgeglichen werden, hier entstand Korrekturbedarf durch das v in van.

Ich habe den Umschlag erst skizziert, dann alle Elemente in schwarz gedruckt und davon mit Schere und Klebstoff eine Klebeskizze angefertigt, also so montiert, wie ich ihn in mehreren, wahrscheinlich vier, eventuell fünf Farben drucken werde. Damit meine verehrten Leser dem Ergebnis noch stärker entgegenzittern können als ich, zeige ich die Skizze erst, wenn der Umschlag fertig ist. Das grün-silbrige Material ist wirklich raffiniert, es zeigt die Farben je nach Lichteinfall mehr oder weniger deutlich, an den zwei Bildern, die ich heute bei Tageslicht auf dem Hof machen konnte, läßt sich das gut erkennen. Die Farbe braucht mehrere Tage zum Trocknen, es wird sich also hinziehen, bis ich den nächsten Gang drucken kann, weil ich mit der zweiten Farbe die erste zum Teil überdrucke. Wenn ich damit zu sehr eile, gibt es Matsch, die Konturen würden an den Doppeldruckstellen unscharf. Außerdem kann es zum Verwischen kommen, wenn ich den Bogen in die Hand nehme, denn für jeden Farbgang geht jeder Bogen einzeln durch meine Hände. Also wird man das Entstehen des Gesamtwerkes hier langsam verfolgen können.

Freunde gedruckter Worte, die heute an den Luxus von morgen denken, werden den Atlas van de nieuwe Nederlandse vleermuizen von Max Goldt einfach schon heute bestellen.

— Martin Z. Schröder

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Farben für Max Goldt · 2. November 2007


Heute kamen die Muster für die grüne Haut des Max-Goldt-Büchleins II. Ich habe erst einmal die Einladung zur Trauung fertiggedruckt, also heute die Seite 1. Die Excelsior ist eine so schöne Type! Wie natürlich dieser kalligraphische Zug wirkt, obwohl er natürlich kein Federzug ist, sondern sozusagen mit den Mitteln des 20. Jahrhunderts vektorisiert wurde, also geglättet für den Bleisatz-Guß. In einem Sepia-Ton auf Echt Bütten.

Auf den nächsten Fotos ist zu sehen, wie die Druckform gebaut wurde und wie spezieller Ausschluß, so nennt man die nichtdruckenden Teile innerhalb einer Schriftzeile, gearbeitet ist, um unter diese gewaltig ausladenden Überhänge zu passen. Ich drucke die großen Grade dieser Type selten – und ich kann mich noch immer nicht daran satt sehen, an dieser geschmeidigen Feinheit, die dem Blei hier verliehen wurde und die ich dann auf das Papier transportieren darf. Ich verneige mich innerlich mehrmals am Tag vor den Menschen, die mir meinen Beruf ermöglicht haben durch ihre großartige Arbeit.

Wieder hochgekommen aus der Verneigerei habe ich ganz gierig das grüne Glitzerzeug ausprobiert, gleich mit dem Satz, wie er in der Maschine hing. Wollte doch sehen, wie eine Druckfarbe auf so einem Material steht. Hm, der Sepia-Ton deckt ganz gut, aber er ist recht dunkel. Ich gab weiß dazu und probierte, dann wusch ich die Farbe (mit Waschbenzin) ganz von der Maschine und ließ reines Weiß einlaufen. Da hab ich dann etwas rote Farbe reingetupft, und dann habe ich, weil auch das nicht deckte, Bologneser Kreide und Drucköl zugesetzt. Fetter Farbauftrag kann ganz hübsche Effekte geben, also das sonst unerwünschte Schmitzen, wo die Farbe an den Rand des Striches gedrückt wird. Den Metallicfarbenkatalog hab ich mir angesehen, diese Farben decken sehr gut. Aber silber auf metallicgrün? Dann hab ich Überdrucken ausprobiert. Ich könnte ja eine Farbfläche vordrucken und dann darüber Schrift. Morgen werde ich sehen, ob die Farben noch glänzen, wenn sie trocken sind. Mir wäre lieber, sie wären stumpf auf dem glänzenden Material. Das mir aber als Fläche gut gefällt. Ob ich den Autor frage, was er dazu meint? Aber vielleicht sollte ich bei Arbeitsteilung bleiben: der Autor den Inhalt, ich den Anzug.

Das alles ist nur Vorbereitung für den Entwurf. Bevor ich die technischen Möglichkeiten nicht kenne, kann ich schlecht entwerfen. Die Bilder geben ein paar Einblicke in einige Zeit meines heutigen Werkstatt-Tages. Es war ein Vergnügen! Später habe ich noch dunkelgrün angesetzt für Visitenkarten, aber dann war das Tageslicht zu dunkelgrau, um den gewünschten Ton noch genau treffen zu können. Hoffentlich gibt’s morgen ordentlich Licht auf der Straße. Heute hatte ich Zeit, das Papier fürs Goldt-Büchlein zu kalkulieren. Darüber berichte ich später.

Jetzt gibt es noch ein paar Bilder aus der Lightbox, die aufgeht und eine Vergrößerung zeigt, wenn man das Bild klickt. Und vorwärts und rückwärts geht es auch, bitte mit der Maus übers Bild fahren und auf die Hinweise achten.

— Martin Z. Schröder

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Setzer gegen Drucker · 31. Oktober 2007

Aus vergangener Zeit:

Als ich ein Bursche war, gab es noch die gute alte Überheblichkeit der Schriftsetzer gegenüber den Druckern. Setzer und Drucker waren Kollegen und arbeiteten in einem Haus. Die einen hielten sich für gescheiter als die anderen. Was die Drucker von uns Setzern dachten, weiß ich nicht. Ich bin zu jung, um viel Erfahrung in einem solchen Betrieb gesammelt zu haben.

In der Berliner Betriebsberufsschule der Druckerei “Neues Deutschland”, welche auch das gleichnamige “Zentralorgan der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands” druckte, ließen die ausbildenden Betriebe Nordostdeutschlands ihren Lehrlingen den größten Teil der Berufsausbildung zukommen. Das ging auch gar nicht anders, denn wie sollte man die für unsere Landesverteidigung wichtige vormilitärische Ausbildung ohne Zentralisierung abwickeln? Es gab in der DDR also nur zwei oder drei Berufsschulen, wo man Setzer oder Drucker wurde. Die in Berlin befand sich in Mitte, Michaelkirchstraße.

(Als Militär [-polygraph] habe ich übrigens versagt. Die vormilitärische Früherziehung hat nicht verhindern können, daß ich später als Soldat ein bißchen eingesperrt und degradiert werden mußte.)

Ganz oben waren die Setzersäle. Im größeren, wo ich arbeitete, gab’s eine kleine Bude für den Obermeister und einige Gassen, die man so nennt, weil man Setzereiregale entsprechend anordnet. Also mehrere hintereinander und einander gegenüber. Bleischriften über Bleischriften. Zwei Dutzend Lehrlinge wurden von zwei Lehrmeistern pro Saal ausgebildet. Die Schreibtische der Meister standen direkt an den Gassen. Es gab noch einen Raum mit Stühlen, wo Theorie unterrichtet wurde. Und es gab einen weiteren Flügel des Hauses (rote Backsteinfabrik), wo der Fachunterricht in Klassenzimmern gehalten wurde. In dieser Schule wurden diverse polygrafische Berufe ausgebildet, beispielsweise Chemigrafen. Fast eine künstlerische Ausbildung.

Neben dem Setzersaal waren die Abteilung Maschinensatz mit einigen Setzmaschinen und das Büro des Herrn Oberkorrektor Bober. Er kam mir damals vor wie ein Greis. Es stank in seinem Büro so nach Zigarrenqualm, daß sogar die gelesenen Korrekturabzüge (auf langen Papierbahnen, weshalb sie Fahnen genannt wurden) verraucht waren, wenn sie aus seinem Büro wieder zu uns gelangten.

Unter dem Setzersaal war der Saal mit den Druckmaschinen: sowohl Schnellpressen als auch Tiegel. Dorthin ging der Setzer, wenn eine Maschinenrevision vorzunehmen war, d.h. die letzte Korrektur vor dem Druck der Auflage. Der Setzer bewaffnete sich mit einer Ahle und einer Pinzette und dem für die Korrektur voraussichtlich benötigten Setzmaterial aus Blei oder Messing. Auf die Ahle wurde ein Korken gesteckt, bevor sie in der Kitteltasche versenkt ward. Setzer trugen graublaue Baumwoll-Kittel. (Manche trugen glänzendes Dederon anstatt Baumwolle.) Nun verließ man den ruhigen Saal, wo die Mitlehrlinge setzten und leise gesprochen wurde. Man gab sich intellektuell. Viele Künstler brachten ihre Kinder in der Schriftsetzerlehre unter. Man wußte von Berühmtheiten, die Schriftsetzer waren. Ich nenne exemplarisch nur Mark Twain.

Eisentür, treppab, Eisentür – und man stand im Lärm. Der Setzerlehrling erkundigte sich beim Buchdruckmeister, wo die Korrektur auszuführen war und ging zwischen den Maschinen hindurch zur Schließplatte seines Kollegen, des Druckerlehrlings. Dieser hatte die Druckform für den Setzer aus der Maschine auf die Platte gehoben, die Farbe abgewaschen und die Schließzeuge geöffnet und stand nun daneben. Da fühlte der dumme Setzerlehrling: Ah, alles vorbereitet und auf mich gewartet. Nun werde ich Setzer mal mein feines Handwerk vorführen. Allerdings konnte man sich auch vom Buchdruckmeister tadelnde Worte anhören, wenn man selbst oder ein anderer Setzer (meist korrigierte man doch die Arbeiten anderer) unsauber gesetzt und dem Drucker dadurch Probleme bereitet hatte. Selbst war man freilich der gute Setzer, dem das nicht passiert wäre, wie man dem Meister klarzumachen versuchte. Also korrigierte man die Form, wartete gnädig darauf, daß der Drucker sie wieder schloß und in die Maschine hob und andruckte und ging dann mit dem Druckbogen wieder treppauf ins stinkende Büro des paffenden Oberkorrektors.

So sahen die Setzer die Drucker. Man hätte uns damals mal zeigen sollen, wie eine Druckmaschine eingerichtet wird, wieviel Arbeit es kostet, bis der erste gute Druck aus der Maschine kommt.

1994 kaufte ich mir eine Boston-Presse. Das ist ein kleines Ding mit zwei bis vier Walzen und einem Hebel, um 1860 entwickelt von William Golding in Boston. In meiner Werkstatt steht ein Original aus dem Werk in Boston, gebaut im 19. Jahrhundert. Ich arbeite allerdings an einem Hogenforst aus der Zeit um 1920 und in Leipzig gebaut. Früher wurden Druckerlehrlinge lange an diesen Pressen ausgebildet, etwa ein Jahr lang. Hat mir mal ein älterer Kollege erzählt. Denn alles, was man an großen Pressen tun muß, muß man auch an den kleinen, also Druck, Walzen und Farbe einstellen:

Welche Druckform wird mit welcher Farbe auf welches Material gedruckt. Farbe kann flüssig sein und zäh, sie kann weich sein und lange Fäden ziehen, sie kann lasieren, sie kann ölig sein, das Fett kann aus der Schrift ins Papier laufen (das sieht man erst Stunden nach dem Druck), sie kann rupfen, d.h. klebrig sein. Sie sieht bei jedem Licht anders aus. Man hilft ihr nach: mit Bologneser Kreide, mit Druckpaste, mit Drucköl, je nachdem.

Die Walzen und das Papier und die Farbe verhalten sich zu Raumtemperatur und Luftfeuchtigkeit. Mysterien des Klimas!

Drucken erfordert mehr Gefühl als Setzen. Der Drucker wird von Naturerscheinungen eingekesselt, Drucken ist eine Kunst.

Das Setzen von Schrift selbst ist meistens eine recht einfache Tätigkeit. Man benötigt dafür erlernbares Wissen, für einfache Texte braucht es nicht viel Erfahrung. Ich habe es selbst oft unterrichtet und weiß daher, wie schnell halbwegs geschickte Menschen gut damit zurechtkommen.

Die Kunst des Setzers ist die Typografie, hier zeigt er seine Bildung, seinen Blick für das Detail wie für die Gesamterscheinung. Je mehr der Setzer von Typografie versteht, desto mehr freut sich der Typograf, weil er sich verstanden fühlt und seine Angaben verständig umgesetzt findet. Wenn der Typograf seine Arbeit nicht gut macht, muß der Setzer der bessere Typograf sein. Ich habe beides erlebt: Typografen, deren genauen Bleistiftskizzen ich voller Bewunderung gegenüberstand, vor allem in der Buchtypografie, und solche, die ich verachtete, weil sie nicht rechnen konnten und ich ihre Umbrüche korrigieren mußte, das kam im Zeitungsdruck vor, wo ich kurze Zeit als Metteur tätig war, also als einer, der Seiten zusammenbaut aus Textkolumnen, Fotos und Überschriften.

Daß heute Typograf und Setzer oft in einer Person stecken, zeitigt, wie damals, sowohl gute als auch schlechte Arbeiten.

Drucken aber erfordert ungleich mehr Erfahrung. Ich drucke seit 1994, und noch heute gibt es gelegentlich Tage, da muß ich die Maschine stehen lassen, weil ich kein befriedigendes Ergebnis zustande bringe: weil das Klima mich nicht läßt. In dieser Hinsicht sind Drucken und Typografie verwandt, man benötigt für beide Muße, Erfahrung, auch Phantasie. Es passierte mir jahrelang immer einmal wieder, daß ich keinen sauberen Druck zustande bekam, und nachdem ich vermeintlich alle Parameter eine Stunde lang überprüft und nachjustiert hatte, fielen mir die Worte meines Kollegen ein: der Tropfen Öl an der richtigen Stelle.

Heute scheitere ich nur noch selten. Ich brauche manchmal viel Zeit, aber mit dem Drucken von Schrift und Strichzeichnungen bin ich vertraut. Als Bilderdrucker von großen gerasterten Flächen wäre ich ein blutiger Anfänger.

Ein guter Drucker zu werden dauert ebenso lange wie die Ausbildung zu einem guten Setzer, der auch typografisch selbständig arbeiten kann. Wo Arroganz in beiden Berufen gegeneinander gepflegt wurde, beruhte sie auf Unverständnis für die andere Seite. In kleinen Betrieben, wo Setzer und Drucker unter einem guten Meister zusammenarbeiteten, gab es solche Eitelkeiten nicht. In der letzten Werkstatt, in der ich als Setzer angestellt war, habe ich meinen Kollegen bewundert. Manchmal saßen wir in der Pause unweit der laufenden Maschinen, da kam es vor, daß er, eben wollte er von der Stulle abbeißen, aufsprang und zur Presse rannte. „Eine Störung!“ rief er. Es war ein Geräusch, das ich freilich nicht herausgehört habe. Seine Drucke waren excellent sauber, die Schrift kam prima gereinigt zurück zu mir zum Ablegen. Und was er meinte, wenn er rief: „Martin, bring mir mal ne Achtel auf fünf!“, das erzähle ich ein anderes Mal.

— Martin Z. Schröder

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Der feine Unterschied · 21. Oktober 2007

Buchdruck (der Druck mit bleiernen Lettern) oder Offset, gibt’s da einen Unterschied, den man sieht? Oder ist das wie bei silbernen Kragenstäbchen: Nur der Benutzer weiß, was in seinen Hemdkragenspitzen steckt.

Woran erkennt man den Einsatz des Buchdruckverfahrens?

Vielleicht an der Prägung?

Man kann den Unterschied sehen und manchmal fühlen, aber an einer kräftigen Prägung erkennt man meistens nur den unsachgemäßen Druck. Wir Drucker sagen, wenn wir so etwas in die Hand bekommen: “Das ist nicht gedruckt, das ist gequetscht.” Und wir wissen, daß dieser Kollege gleichgültig ist gegen die Schrift, denn diese ist ja aus Blei, und solches ist weich. Ohnehin leidet die Schrift immer ein wenig, nutzt sich beim Drucken ab, aber man muß streng achten, daß sie nicht stärker beansprucht wird als wirklich notwendig ist für ein gutes Druckbild. Der feinste Druck ist der, den man an der Schattierung kaum sieht. Die Schattierung sollte man nur auf der Rückseite erkennen, wenn Licht in einem möglichst spitzen Winkel auf das Papier fällt. Dann wird sich bei dünnem Papier eine Schattierung, also eine Spur des mechanischen Drucks, nicht vermeiden lassen. Selbst bei Karton, wenn er eine unglatte Oberfläche hat und die Bleilettern tiefer eingedrückt werden müssen für ein sattes Schriftbild.

Auch andere Merkmale sind so fein, daß sie erst unter der Lupe kenntlich werden. Auf dem Foto ist eine 6p-Schrift zu sehen (Schriftsetzer sagen zu dieser Größe Nonpareille), die Walbaum in kursiv und gewöhnlich. Das große T hat eine Höhe von knapp 2 mm.

Derart stark vergrößert sieht man am Druckbild den leichten Schmitz (die Farbe war recht flüssig, aber nicht so flüssig, daß ich sie mit Bologneser Kreide verdicken wollte), der entsteht, wenn die Walzen einen Teil der Farbe am Rand der Letter abstreifen. Man sieht auch die Unregelmäßigkeit der Typen, die in Jahrzehnten verschieden abgenutzt wurden. Außerdem erkennt man den Bleisatz an der Form der Buchstaben. Die Walbaum von heute, aus dem Computer, sieht anders aus. Sie hat deutlich von ihrem ursprünglichen Charakter eingebüßt. Die originalen Matrizen wurden um 1800 geschaffen. Die Versalien sind breiter und kräftiger gehalten als die Gemeinen (Kleinbuchstaben, Minuskeln) und wirken fast halbfett. Die Schrift weist in der Zurichtung eine gewisse Munterkeit auf, d.h. die Buchstaben stehen nicht alle gleich eng nebeneinander, sondern es entstehen Lücken. Das kleine r beispielsweise ist auf einen so breiten Kegel gesetzt, daß man den Wortzwischenraum etwas mindern kann, wenn es am Schluß eines Wortes steht. Nun, und das kleine f in der Kursiven hat zwar einen Überhang, also die Type
ragt etwas über den Kegel hinaus, aber es trägt Sorge für eine gewisse Luftigkeit, während in der digitalen Variante alle Räume so stark harmonisiert wurden, daß die Schrift weniger lebendig wirkt. Im Bleisatz-Foto ist übrigens eine fi-Ligatur zum Einsatz gekommen, aber anders als in anderen Schriften sind der obere Tropfen des f und der i-Punkt nicht miteinander verschmolzen. Die kursive Bleisatz-Walbaum hat enorme charakterliche Kraft, die digitale zeigt bislang kaum etwas davon, aber vielleicht wird sie einmal ergänzt durch eine Type, die näher am Vorbild steht.

Es sind solche Details, an denen sich die Qualität einer Drucksache vom Bleisatz zeigt, ihr lebendigeres Bild, die leichten, munteren Unregelmäßigkeiten, die dem Bleisatz eigen sind. Es sind nicht die unsaubere Farbe und der schwere Druck. Wer dafür einen Blick entwickelt, zeigt sich als Connaisseur.

— Martin Z. Schröder

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